Schweiz
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Arenislam

Montassar Benmrad, Föderationspräsident islamischer Dachverbände, macht erneut eine schlechte Falle.

Islam-«Arena» II: Muslim-Präsident brüskiert Lokführer – und der Katholik sagt, wie's ist 

Die gestrige «Arena» zum Thema «Schweiz ohne Gott» bewegte sich von der Händeschüttel-Thematik zur theoretischen Säkularismusdebatte. Der Ton war über weite Strecken anständig-respektvoll, der Unterton hingegen oft weniger. 



Die Therwiler Händeschüttel-Affäre hat die Schweiz eine Woche lang beschäftigt. Aufgebracht hatte sie vergangene Woche die pensionierte Willisauer Lehrerin Beatrix Grüter in der «Arena». Die Redaktion hat Grüter auch in die gestrige «Arena» unter dem Titel «Schweiz ohne Gott» eingeladen, ebenso wie Montassar Benmrad, den Schweizer Muslimpräsidenten, der sich von der Weigerung zweier muslimischer Schüler, ihrer Lehrerin die Hand zu schütteln, nicht distanziert hatte.

Es sei vorweggenommen: Die Sendung unter dem Titel «Schweiz ohne Gott» war ein riskantes Unterfangen, denn Diskussionen über Religion sind naturgemäss schwierig bis unmöglich. Es ist denn auch nur teilweise gut gegangen.

Neben Grüter und Benmrad diskutierten der jüdische Schriftsteller Charles Lewinsky, Vitus Huonders Sprecher Giuseppe Gracia vom Bistum Chur und der designierte CVP-Präsident Gerhard Pfister. 

Lewinskys Frühwerk verunglimpft

Letzterer hielt sich zu Beginn vornehm zurück und liess Lewinsky die ersten Unflätigkeiten einstecken, die er sich von Beatrix Grüter gefallen lassen musste, nachdem er die Diskussion um das Händeschütteln als «birreweich» bezeichnet hatte. Grüter beschied ihm umgehend, sie fände eines von seinen texterischen Frühwerken «au birreweich», worauf dieser ihr mit leicht intellektuell-arroganter Attitüde das verfassungsmässige Wesen der Religions- und Gewissensfreiheit erörterte.  

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Damit hatte Lewinsky den Kern des ersten Diskussionsteils getroffen, nämlich die Frage, ob die Volksschule das Händeschütteln für Muslime durchsetzen solle oder nicht. Pfister gebärdete sich dabei einigermassen populistisch und erklärte das Händeschütteln trotz Lewinskys Belehrungen über fehlenden Handschüttel-Passus in der Verfassung kurzerhand zur staatlichen Vorschrift und verglich den Islam mit «irgendwelchen grünen Männchen», deren imaginierte Vorschrift das Händeschütteln zu verweigern, ja dann – horribile dictu – auch akzeptiert werden müsste.  

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Pfister führte über die ganze Dauer der Sendung einen bunten Strauss schwammiger Argumente an, weshalb Lehrerinnenhände an Schweizer Schulen zu schütteln sind. Mal war es die historisch gewachsene christlich-abendländische Tradition Gesamteuropas, mal die staatlich-schulisch nötige Verhaltenskontrolle, mal einfach «die staatliche Regel» und – und das betonte er gebetsmühlenartig – all dessen dürften wir «uns nicht plötzlich schämen».

Ganz Debattenprofi war Pfister die Kohärenz seiner Beiträge augenscheinlich völlig egal, solange sie gut tönten und sich elegant in den Diskussionsverlauf einbetten liessen. 

Montassar Benmrad hingegen, Präsident der Föderation Islamischer Dachverbände Schweiz (Fids), der vergangene Woche bereits IZRS-Präsident Nicolas Blancho aggressiv angefeilt hatte, pflegte sein Image als Unsympath weiter. Erneut wich er in heiklen Situationen aus, so etwa bei der Frage, ob der Islam eine Landeskirche werden solle und betonte stattdessen einfach, wie sehr ihm am interreligiösen Dialog in der Schweiz gelegen sei. Als dann der mittlerweile obligatorische Büezer-Zuschauer feststellte, man müsse «jetzt mal irgendwo den Schlussstrich ziehen» und den Islam als frauendiskriminierend bezeichnete, offenbarte Benmrad, wie weit unter seiner Würde es ist, seinen interreligiösen Dialog mit irgendeinem dahergelaufenen Büezer zu führen. Das Publikum reagierte unwirsch, wie deutlich zu hören war. 

«Islamexpertise? Als Lokführer?»

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So also polterte der katholisch-konservative Gerhard Pfister mit christlich-abendländisch-schweizerisch-staatlichen Werten herum, der Muslim-Präsident Benmrad stellte den Lokführer bloss und der ehemals jüdisch-orthodoxe Lewinsky betonte als menschliche Contradictio in Adjecto unter ständiger Einmischung in die Debatte, wie «birreweich» dieselbe sei.  

Erfrischenderweise hielt ausgerechnet jener, den Lewinsky als Repräsentant des «ungefähr Fundamentalistischsten, was wir in der Schweiz haben» bezeichnete, das Fähnchen differenzierter Debattenkultur hoch. 

Katholik Gracia bezieht Stellung gegen Chef

Der Katholik Giuseppe Gracia vom Bistum Chur erklärte ruhig und immer wieder seinen Standpunkt, dass die Regeln religiöser Gemeinschaften von den Gesetzen der staatlichen Gemeinschaft im Allgemeinen und von den kantonalen Gesetzgebungen an staatlichen Schulen im Speziellen strikt zu unterscheiden seien. Ein gesetzlicher Zwang zum Händeschütteln sei indes genau so abwegig, wie Schüler per Schulordnung zum Händeschütteln zu zwingen. Ersteres sei ein Armutszeugnis, weil Anstand gesetzlich erzwungen werden müsse und Letzteres trüge wenig zur Integration bei, wenn es nicht sogar kontraproduktiv sei.

Ganz Kommunikationsprofi wich Gracia sämtlichen Versuchen von Moderator Jonas Projer aus, ihn auf den anti-laizistischen Allgemeingültigkeits-Anspruch der katholischen Lehre festzunageln und scheute sich dazu auch nicht davor, seinem Chef Vitus Huonder öffentlich dezent in den Rücken zu fallen, etwa bei der Frage, ob Homosexuelle wie von Huonder verkündet, mit dem Tod zu bestrafen seien oder Kondome an hiesigen Schulen, wie von Huonder kritisiert, zu empfehlen. 

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Schon vor dem Eingreifen Gracias in die Debatte, bewegte sich das Gesprächsgeschehen von der konkreten Händeschüttel-Diskussion zu einer teilweise recht theoretischen Säkularismus-Debatte. Eine Gefahr, die die «Arena»-Redaktion offenbar vorhergesehen hatte. Anders ist die Platzierung eines Hardcore-Atheisten gegenüber der Evangelikalen-Fraktion im Publikum nicht zu erklären. Dessen Forderung, Gott aus der Präambel der Verfassung zu streichen, unterbrach Pfister mit einem «Jetzt müender eu wehre». Die Aufforderung wurde natürlich, sehr zum Amüsement des Publikums, mit Verve befolgt.  

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