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Wie viele neue Sender sind zu viele? So ist die SRG tatsächlich gewachsen

Mit der Gründung immer neuer Kanäle habe die SRG den Bogen überspannt, sagen Kritiker. Von einem Expansionskurs könne keine Rede sein, erwidern die Verantwortlichen. Wir zeigen dir, wie sich das Schweizer Radio und Fernsehen tatsächlich entwickelt hat.
28.11.2017, 06:2929.11.2017, 05:30
Lea Senn
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Sie breite sich immer weiter aus – und schneide den privaten Medien die Luft zum Atmen ab. So lautet einer der wiederkehrenden Vorwürfe an die Adresse der SRG. Selbst Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger (SP), ein Verfechter einer starken SRG und dezidierter Gegner der No-Billag-Initiative, bemängelte im watson-Interview:

«Inhaltlich ist meine Kritik, dass die SRG in der Ära Walpen sich zunehmend an den Einschaltquoten orientierte, dass die Zahl der Sender stark ausgebaut wurde.»

Wie sich die SRG-Senderfamilie entwickelt hat, zeigt folgende Grafik:

Die SRG-Sender nach Gründungsdatum (aufgeführt unter dem heutigen Namen).
Die SRG-Sender nach Gründungsdatum (aufgeführt unter dem heutigen Namen).grafik: lea senn

Für die Kritiker der SRG ist klar: 17 Radio- und 7 Fernsehsender – das sind zu viele. So ereiferte sich SVP-Nationalrat Toni Brunner in der Herbstsession im Parlament:

«Braucht es denn in der Deutschschweiz sechs Radioprogramme? Nicht nur 1, 2, 3 und 4, sondern auch SRF Musikwelle – ein Spartensender notabene, welcher die Antwort der SRG war auf private Initiativen von Volksmusiksendern? Oder braucht es einen Radiosender wie den Jugendsender Radio Virus, der auch auf Initiative der SRG erst dann gekommen ist, nachdem Private Jugendsender lanciert hatten? Das hat doch mit Service public nichts zu tun!»

Ein Kritikpunkt, den auch Vertreter privater Radiostationen immer wieder vorbringen. Er stehe hinter einer leistungsfähigen SRG und bekämpfe die No-Billag-Initiative, betont Jürg Bachmann, Präsident des Verbands Schweizer Privatradios, im Gespräch mit watson. «Wir sind aber unglücklich darüber, dass die SRG in der Vergangenheit einen Expansionskurs gefahren hat mit dem Ziel, die Privaten zu konkurrenzieren.»

So sei Radio SRF 3 – damals noch unter dem Namen DRS 3 – gegründet worden, als in den 80er-Jahren die ersten privaten Radios entstanden. Später habe man Radio Virus lanciert, um das junge Zielpublikum zu erreichen. Auch Bachmann erwähnt zudem das Beispiel der Musikwelle, die «als eigentliches Gegenprogramm» zum privaten Volksmusiksender Radio Eviva konzipiert worden sei.

«Hier hat die SRG ihren Kernauftrag klar überschritten», findet Bachmann, der hauptberuflich bei der Medienvermarktungsfirma Goldbach Group tätig ist. Anders verhalte es sich etwa bei Radio SRF 4 News, das mit seinen Informationssendungen einen wertvollen Beitrag zum Service public leiste. «Ich wünschte mir, dass sich die SRG vermehrt auf diesen nationalen Bereich konzentriert und insbesondere im Musik- und im regionalen Bereich das Feld zugunsten der Privaten räumt.»

SRG weist Vorwürfe zurück – nicht alle Sender seien «neu»

SRG-Sprecher Edi Estermann will hingegen nichts wissen von einem«Expansionskurs». Er verweist darauf, dass viele der Sender aus bereits bestehenden Angeboten hervorgegangen seien. So wurden für Radio Swiss Classic, Swiss Jazz und Swiss Pop bestehende Frequenzen umgenutzt, die 1952 von der PTT zur SRG übertragen worden waren.

Dabei handelte es sich um Sender, die über die Technologie des sogenannten Telefonrundspruchs funktionierten. Die Programme wurden also über die Telefonleitungen übermittelt.

SF2, RTS Deux und RSI LA 2 stammen von der Senderkette Schweiz 4 ab. Und der Internetdienst Swissinfo sei ein Nachfolgeformat von Radio Suisse International, so Estermann. «Fazit: In der Zeit von Armin Walpen wurden mit Radio Virus, Radio Musikwelle, SRF info und SRF 4 News vier neue Stationen lanciert, die anderen Sender waren Umnutzungen und Transformationen bereits bestehender Angebote.»

Betreibt die SRG deiner Meinung nach zu viele Sender?

Weiter betont er, dass die SRG in den letzten zehn Jahren kein neues Programm in Betrieb genommen hat, sondern im Gegenteil gar beschlossen hat, den TV-Sender RSI LA 2 in den nächsten Jahren abzuschalten.

Auch Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) betonte in einem Interview mit dem Branchenportal Persoenlich.com, dass die Senderzahl seit über zehn Jahren stabil sei. Zur angeblichen Ausbreitung der SRG werde viel «Unsinn» erzählt, so die Medienministerin.

So wird «Wilder» aussehen, wenn dem SRF das Geld ausgeht

Video: watson/Emily Engkent, Lya Saxer, Angelina Graf
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106 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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WayneTheBrain
28.11.2017 07:45registriert Dezember 2016
Es ist ein Dilemma: Die No Billag Initative ist viel zu radikal und überhaupt nicht zielführend, aber gleichzeitig würde ein Abwenden der Initiative bei der SRG als Signal der Unterstützung gedeutet werde. und der Laden würde genau gleich weitergeführt werden... Warum keine halb halb Lösung? - ein Teil Fixbetrag (~200.-) für Nachrichten und Informationssendungen und der Rest On-demand? Ich würde meine Champions League Partien gerne selbst bezahlen, wenn ich im Gegnzug dafür nie wieder Roman Kilchsberger ansehen müsste!
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JJ17
28.11.2017 07:31registriert August 2014
Ich werde No-Billag zwar ablehnen, aber ein wenig schlanker dürfte die SRG aus meiner Sicht schon werden.
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dany1991
28.11.2017 06:52registriert Juli 2014
Diese folgende Aussage ist ein toller Mist: «Ich wünschte mir, dass sich die SRG vermehrt auf diesen nationalen Bereich konzentriert und insbesondere im Musik- und im regionalen Bereich das Feld zugunsten der Privaten räumt.» Habt ihr mal die Musik in den Privatradios gehört? Da läuft nur Charts, Charts und nochmals Charts. Dazu ein paar Klassiker. Mit den Radiosender SRF 3 und Radio Virus werden erstmals viel mehr Schweizer Musik gespielt (ist das nicht Service Public? ) und ausserdem hört man immer wieder neue Musik. Im Kurzform, sie trauen sich was zu. Und das macht doch den Unterschied?
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