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Jenische und Sinti könnten ihr Handwerk genauso gut ausüben wie andere Maler, Gipser oder Schreiner, sagt der Präsident der Interessengemeinschaft des fahrenden Volkes. bild: pexels

«Sie können irgendetwas pinseln» – Firmen warnen in Inserat davor, Fahrenden Jobs zu geben

Um über die Runden zu kommen, bieten manche Fahrende bei handwerklichen Aufgaben ihre Hilfe an. Herkömmliche Unternehmen ärgern sich dermassen über die Prak­tik, dass sie nun in einem Zeitungsinserat davor warnen. 



«Warnung an die Bevölkerung», so die dramatische Überschrift des Inserats, das mehrere Bauverbände kürzlich in der Freiburger Zeitung «La Liberté» aufgeschaltet haben. Gewarnt wird die Bevölkerung darin gezielt vor Fahrenden, die diverse Unterhaltsarbeiten, Sanierungen oder Umbauten anbieten.

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Das Inserat in der Freiburger Zeitung «La Liberté» (Auf Deutsch weiter unten).  screenshot liberté

Diese Arbeiten im Bereich Gipsen, Malen und Plattenlegen würden oft Sicherheits- und Umweltschutzbestimmungen verletzen, heisst es in der An­non­ce. Auch eine gute Qualität sei nicht gewährleistet. 

Unlautere Konkurrenz

Das Inserat war kurzzeitig auch auf der Homepage des Freiburger Arbeitgeberverbands zu finden. Nachdem die Warnung von Westschweizer Medien aufgegriffen wurde, ist sie dort jedoch nicht mehr auffindbar.

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Dieses Dokument sucht man auf der Webseite des Freiburger Arbeitgeberverbands nun vergeblich.  screenshot Freiburger Arbeitgeberverband 

Verbandssekretär Laurent Derivaz sagt: «Wir wollten mit dem Inserat niemanden diskriminieren. Jedoch ist es eine Tatsache, dass man uns auf schlecht ausgeführte Arbeiten von Fahrenden aufmerksam gemacht hat.» Es sei ausserdem jedem selbst überlassen, den Ratschlag zu befolgen oder nicht. Warum das Inserat von ihrer Webseite entfernt wurde, dafür gibt Derivaz keine Erklärung ab. Aber: «Vom Inhalt des Inserats ziehen wir kein Wort zurück.» 

«Das stellt alle Fahrenden unter Generalverdacht.»

Daniel Huber, Präsident Radgenossenschaft

Unfaire Verallgemeinerung 

Der Präsident der Interessengemeinschaft des Fahrenden Volkes Radgenossenschaft, Daniel Huber, ist empört: «Das Inserat und die darin enthaltenen Aussagen sind klar diskriminierend und stellen alle Fahrenden unter Generalverdacht.» Jenische und Sinti könnten ihr Handwerk genauso gut ausüben wie andere Maler, Gipser oder Schreiner. Auch hätten sie in den meisten Fällen ein Hausierer-Patent. 

Die Fahrenden Handwerker seien ausserdem genauso versichert wie die anderen Handwerker. «Und sie stellen ihren Kunden auch eine Rechnung aus und gewähren ihnen eine Garantie.» Es gebe in jeder Bevölkerungsgruppe schwarze Schafe, so Huber. «Doch aus solchen Einzelfällen darf man doch keine Verallgemeinerung machen und einer ganzen Gruppe den Job wegnehmen.»

«Die Fahrenden können irgendetwas pinseln und das ist erlaubt – für uns ist das inakzeptabel.»

Peter Baeriswy, Direktor des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands

Kostspielige Auflagen für herkömmliche Handwerker

Doch der Direktor des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands, Peter Baeriswy, teilt die Meinung seiner Freiburger Berufskollegen. Er spricht zudem von einer «unlauteren Konkurrenz» seitens den Fahrenden, die Malern und Gipsern in der ganzen Schweiz zu schaffen mache. «Die Fahrenden können irgendetwas pinseln und das ist erlaubt – für uns ist das inakzeptabel.»

Regeln wie Arbeitsrecht, Gesundheits- und Umweltschutz würden nur die wenigsten befolgen und versichert seien sie nur in Ausnahmefällen, so Baeriswy. «Das ist klare Schwarzarbeit. Und für unsere Mitglieder kosten diese Auflagen viel Geld!» Was passiere, wenn es bei solchen Arbeiten Mängel gibt, sei ausserdem unklar: «Die Fahrenden sind ja dann nicht mehr da.»

Fahrende aus dem Ausland 

Der Sprecher des Schweizerischen Baumeisterverbands, Matthias Engel, kennt die Problematik mit den Fahrenden Handwerkern auch: «Oft werden Hauseinfahrten mangelhaft asphaltiert.» Wie er von der Polizei wisse, würden hinter diesen Fällen aber nicht hiesige Fahrende stecken, sondern Betrügerbanden aus dem Ausland. 

Die Roma, die Sinti und die Jenischen 

In der Schweiz leben rund 115'000 Fahrende. Rund 70 Prozent von ihnen sind Roma, rund 17 Prozent Jenische und rund 13 Prozent Sinti. Die Roma stammen ursprünglich wohl aus dem indischen Raum. Die Sinti sind eine Teilgruppe der Roma und leben vor allem in Mittel- und Westeuropa und im nördlichen Italien. Die Jenischen stammen von einheimischen, aber verarmten und marginalisierten Schichten der frühen Neuzeit und des 19. Jahrhunderts ab. 

Die Fahrenden geraten bezüglich ihrer Arbeit im Baugewerbe immer wieder in Kritik. So haben die Regierungen von Bern, Basel-Stadt und Aargau im Januar in einer Vernehmlassung gefordert, dass den Fahrenden Tätigkeiten im Bauhaupt- und Baunebengewerbe ganz verboten werden. 

Tatsächlich scheint es bezüglich des Naturschutzes Verbesserungspotenzial zu geben. So haben zum Beispiel im Kanton Basel-Stadt Fahrende Farbverdünner in die Kanalisation geschüttet, Schleifarbeiten mit hoher Staubemission im Freien durchgeführt und Baustoffe unsachgemäss entsorgt, schreibt der «Tages-Anzeiger». Bei Umweltorganisationen ist jedoch nicht bekannt, dass es sich hierbei um ein systemisches Problem handelt. 

Wohnwagen – ausgefallene

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    Alle Leser-Kommentare
  • Granini 21.06.2017 12:43
    Highlight Highlight Dass sich gerade Maler und Gipser beschweren! Viel trifft man Spanier, Portugiesen und Italiener als Gipser auf der Baustelle an. Sie werden als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Viele wissen gar nicht, was und warum sie etwas tun! Ausgebildete Fachkräfte sind in diesen Bereichen selten anzutreffen. Für den Kunden spielt es aus diesem Blickwinkel keine Rolle. Wer baut, hat den Ärger meistens vorprogrammiert. Wer bereit ist sein Geld vernünftig auszugeben, gibt den Auftrag am Besten einem schweizer Kleinbetrieb.
  • ManuTI 21.06.2017 11:55
    Highlight Highlight "Fahrende" 😂 es gibt angeblich kein Ende bei dieser political correctness ...
    • Juliet Bravo 21.06.2017 13:12
      Highlight Highlight Wieso politische Korrektheit? Sie nennen sich so.
    • Fabio74 21.06.2017 17:27
      Highlight Highlight Was ist dein Problem? Den Ausdruck nutzten wir vor 20 Jahren schon
    • Juliet Bravo 22.06.2017 04:35
      Highlight Highlight Es geht darum, wie sie sich SELBER bezeichnen. Nicht du, Fabio. Gilt bei allen Schwulen,
      Fahrenden, Schwarzen etc. und hat nix mit Korrektheit zu tun. Bezeichnet doch einfach alle, wie SIE sich selbst bezeichnen und alles ist gut 😊
  • El Vals del Obrero 21.06.2017 11:35
    Highlight Highlight Mich schockiert vor allem das:

    "So haben die Regierungen von Bern, Basel-Stadt und Aargau im Januar in einer Vernehmlassung gefordert, dass den Fahrenden Tätigkeiten im Bauhaupt- und Baunebengewerbe ganz verboten werden. "

    Eine mehrheitlich rot-grüne Regierung (Basel-Stadt) fordert Berufsverbote und Sondergesetze für bestimmte Ethnien? Das ist ja wirklich fast wie bei den Nazis.

    Das würde ja heissen, ein "Fahrender" darf grundsätzlich nicht auf dem Bau schaffen. Einach weil er ein "Fahrender" ist. Selbst wenn er vielleicht mal eine entsprechende Berufslehre absolvierte?
    • Asmodeus 21.06.2017 12:52
      Highlight Highlight Stimmt. Klingt eher nach ner Forderung der SVP
    • Juliet Bravo 21.06.2017 13:12
      Highlight Highlight Ich musste auch zwei Mal lesen.
    • El Vals del Obrero 21.06.2017 14:03
      Highlight Highlight Natürlich ist gegen Verbote für Pfuscher überhaupt nichts einzuwenden.

      Aber diese sollten unabhängig von der Ethnie sein. Stattdessen sollte Qualität oder Nachweis von fachlichen Qualifikationen oder das vorhandensein einer offiziellen Geschäftsadresse oder Handelsregistereintrag oder sonstige formelle Anforderungen ausschlaggebend sein.

      Ein pfuschender "Normalo" soll nicht besser behandelt werden als ein exzellenter "Fahrender".
  • Dahinda 21.06.2017 11:22
    Highlight Highlight Irgendwie müssen die einen guten Job machen wenn sie als ernsthafte Konkurrenz abgesehen werden von den Unternehmen.

    Ansonsten wären ja die Unternehmen froh anschliessend all den pfusch wieder Instandzustellen.
  • atomschlaf 21.06.2017 11:05
    Highlight Highlight "Auch eine gute Qualität sei nicht gewährleistet. "

    Nun, das ist leider auch bei etablierten, hochpreisigen Kartell-Handwerksfirmen längst nicht immer der Fall.
    • Asmodeus 21.06.2017 12:51
      Highlight Highlight Erinnert mich an die Baufirma welche qualitativ hochwertig die halbe Stadt vom Stromnetz getrennt hat, als sie mit ner Flex durch das Stromkabel geschnitten haben...
    • Shabina 21.06.2017 13:05
      Highlight Highlight stimmt, zB Fust....
  • Mr. Spock 21.06.2017 10:34
    Highlight Highlight Billig muss man sich leisten können...
  • barbablabla 21.06.2017 10:18
    Highlight Highlight Bin geschockt ab diesem Artikel. Pure Hetzerei gegen Fahrende. Es gibt zig andere die genau dasselbe machen. Es gibt in der Baubranche mehr Schwarzarbeit und Lohndumping als irgendwo, aber sie Fahrenden werden einmal mehr einfach nur abgestempelt. Bin unglaublich enttäuscht von diesem Watson Artikel. Ach und Herr und Frau Sauberschweizet immer alles korrekt entsorgt????😡
    • En chliine Schuss Anarchie 21.06.2017 11:15
      Highlight Highlight Also ich habe den Artikel so verstanden, dass watson genau dies kritisiert. Hast du ihn auch gelesen, oder nur den Titel?
      Es gibt überall schwarze Schafe und am meisten da, wo die Kontrolle schwierig ist.
    • barbablabla 21.06.2017 12:01
      Highlight Highlight Ich hab den Artikel gelesen und als sehr negativ verstanden.
  • Madison Pierce 21.06.2017 10:10
    Highlight Highlight Fahrende aus dem Ausland (hauptsächlich Frankreich) schaden dem Ruf der einheimischen Fahrenden. Manche von ihnen hinterlassen verdreckte Abstellplätze, nehmen ungefragt Wiesen in Beschlag oder verlangen horrende Preise für schlechte Arbeiten.

    Mit einheimischen Fahrenden hatte ich noch nie Probleme. Sie stellen ihre Wohnwagen jedes Jahr auf einer Wiese der Gemeinde ab, hinterlassen danach alles aufgeräumt und bezahlen die Stromrechnung. Wir lassen unsere Messer schon lange von ihnen schleifen und hatten noch nie Probleme. Also nicht alle in einen Topf werfen.
    • Bätzi 21.06.2017 11:32
      Highlight Highlight Richtig gesagt.
      Es sollte von Bund und Kanton eine Klare Regelung geben wie sich die Fahrenden zu verhalten haben.
      Plätze Schaffen mit klaren Richtlinien und Gebühren. Wenn Fahrende sich auf einem anderen Platz niederlassen wollen werden sie Klar weg gewiesen. Für Arbeiten muss eine Lizenz erstellt werden welche wiederum an Klare Richtlinien gebunden ist. Nur so kann man die Schwarzen Schafe von den Anständigen Trennen und so kann ein zusammenleben funktionieren. Was auch zwingend ist dass sich die einheimischen Jenischen klar von jenen Schwarzen Schafen distzanzieren.
    • Shabina 21.06.2017 13:08
      Highlight Highlight Lustig..... für die Einheimischen sind die Fahrenden schwarze Schafe, für CH-Fahrende sind es die französischen Fahrenden, für die F-Fahrenden sind es warscheinlich Fahrende aus dem Osten, und für die Fahrenden aus dem Osten? Fahrende aus Russland? und die wiederum beschuldigen die Fahrenden aus China...
      Es gibt immer einen Sündenbock
  • Asmodeus 21.06.2017 10:07
    Highlight Highlight Tja.
    Das nennt sich Kapitalismus und funktioniert in beide Richtungen.
    • Alnothur 21.06.2017 11:43
      Highlight Highlight Soso, Schwarzarbeit ist Kapitalismus.
    • Asmodeus 21.06.2017 12:49
      Highlight Highlight Reiner Kapitalismus kennt keine Schwarzarbeit. Da wird eingestellt wer die Arbeit erledigt.

      Hält viele dieser Baufirmen ja meistens auch nicht davon ab, Leute schwarz einzustellen :)
    • ujay 21.06.2017 13:18
      Highlight Highlight @Alnothur. Jaja, auch stramme , aufrechte Schweizer lassen gerne fuer sich schwarz arbeiten. Wenns ums Geld geht, ist ploetzlich die Moral unwichtig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Olf 21.06.2017 09:40
    Highlight Highlight Ich habe leider keine Zeit zum kommentieren, mein Vorplatz wird gerade frisch geteert.
    • Charlie Runkle 21.06.2017 10:59
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