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Bild: KEYSTONE

Churer Bischofssprecher fungiert als Whistleblower und fliegt auf

02.03.2017, 14:4002.03.2017, 17:38

Der Churer Bischofssprecher Giuseppe Gracia hat Erklärungsbedarf. Der Medienmann von Bischof Vitus Huonder bediente im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal im Kapuzinerorden aus dem Hintergrund Medienleute mit Informationen – und flog prompt auf.

Bei dem Vertuschungsskandal geht es um den 76-jährigen Pater Joël. Der Kapuzinermönch soll in der Vergangenheit jahrelang sexuelle Übergriffe auf Jugendliche verübt haben. Der Freiburger Daniel Pittet enthüllt in einem Buch, wie er als Kind von diesem pädophilen Priester missbraucht wurde.

Die höhere Verantwortung

Bischofssprecher Gracia empfand es nach eigenen Angaben als seine Pflicht, auf eine mögliche Verantwortung des damaligen für die Aufsicht verantwortlichen Provinzials Mauro Jöhri hinzuweisen, den höchsten Kapuziner schweizweit. Dafür schaltete er zwei Medienschaffende ein und machte einen Quellenschutz geltend.

Quellenschutz bedeutet, der Bischofssprecher wollte seinen Namen als Informat nicht in der Zeitung lesen. Das musste er jedoch: Gracias Pech war, dass ihn einer dieser Medienschaffenden im Text erwähnte.

Was dem Bischofssprecher postwendend den Vorwurf eintrug, er wolle Mauro Jöhri anschwärzen, weil Jöhri als Administrator für das Bistum Chur gehandelt werde. Gracia gab an, persönliche Gründe hätten ihn veranlasst, auf höhere Verantwortliche im Vertuschungsskandal aufmerksam zu machen.

Bischöfliches Verständnis

Von höherer Warte gab es Rückhalt für den umtriebigen Bischofssprecher. Auf der Hompage der Churer Diözese steht aktuell zu lesen, Bischof Vitus Huonder werte das selbständige Handeln seines Medienverantwortlichen im Missbrauchsskandal um Pater Joël als Versuch, der vollen Aufklärung zu dienen.

Auch der Bischof sei an der Wahrheit interessiert und habe Verständnis für das Handeln des Medienverantwortlichen. Der Churer Bischof wird im April 75 Jahre alt und muss dem Papst dann seinen Rücktritt anbieten. (sda)

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