freundlich
DE | FR
255
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schweiz
Review

SRF-«Arena»: Bei der Zuwanderungsfrage chlöpfts im bürgerlichen Lager

Esther Friedli stand beim Thema Migration alleine da – bis sich jemand aus dem Publikum meldete.
Esther Friedli stand beim Thema Migration alleine da – bis sich jemand aus dem Publikum meldete. bild: SRF Arena
Review

Beim Thema Zuwanderung chlöpfts in der «Arena» – bei der Senffrage herrscht Einigkeit

Zackig argumentierten die vier St.Galler Nationalrätinnen in der Wahlen-2023-«Arena» in den Bereichen Energie, Zuwanderung und Altersvorsorge. Die Frauen auf der linken Seite unterstützten einander – auf der rechten Seite kam es beim Thema Zuwanderung zu einem Schlagabtausch.
07.01.2023, 06:3712.01.2023, 14:49
Folge mir

Das Wahljahr ist angebrochen. Die Schweiz fiebert dem Oktober und den eidgenössischen Wahlen entgegen. In St.Gallen findet die Ersatzwahl für die Nachfolge von SP-Ständerat Paul Rechsteiner bereits im März statt. Es überrascht also wenig, dass die erste «Arena» des Jahres ebendieser gewidmet wurde.

Zu Gast waren vier St.Galler Ständeratskandidatinnen:

  • Esther Friedli, Nationalrätin SVP/SG
  • Barbara Gysi, Nationalrätin SP/SG
  • Susanne Vincenz-Stauffacher, Nationalrätin FDP/SG
  • Franziska Ryser, Nationalrätin Grüne/SG

Das Frauenquartett diskutierte querbeet über die verschiedenen Baustellen der Schweizer Politik. Auf dem Programm stand starker Tobak: Zuwanderung, Energie und Altersvorsorge. Die vier Ostschweizerinnen blieben – wie es sich vor den Wahlen gehört – anständig, gaben sich aber dennoch genug Saures.

Ruhe vor dem Sturm bei Bürgerlichen

Die Energiefrage hängt – spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine – wie ein Damoklesschwert über der Schweiz. Die Fronten im Parlament sind verhärtet, mehrheitsfähige Lösungen scheinen in weiter Ferne zu sein.

Genauso verhielt sich auch die Diskussion in der «Arena» zur Energieversorgung. Esther Friedli von der SVP schoss gegen die Energiestrategie 2050, diese sei ein Luftschloss. Natürlich brauche es einen Ausbau der Erneuerbaren. Aber dieser Ausbau würde nicht reichen. Viel wichtiger: Das «Technologieverbot» müsse weg, die AKWs seien gute Energiequellen, so Friedli.

Barbara Gysi von der SP hatte da andere Ansichten: «Die Energiestrategie ist grundsätzlich gut. Aber natürlich müssen wir sie weiterentwickeln.» Gebetsmühlenartig wiederholte die linke Seite, dass man nun endlich die Erneuerbaren vorantreiben müsse.

Genauso erpicht wie die Linken auf die Erneuerbaren war die bürgerliche Seite auf die Abschaffung des AKW-Bauverbotes. Susanne Vincenz-Stauffacher: «Wir müssen die Erneuerbaren massiv ausbauen. Aber wir müssen auch die Effizienz steigern. Und dazu gehört auch, dass wir die Kernenergie mitdenken.»

Franziska Ryser zeigte sich optimistisch und wollte weniger über das AKW-Bauverbot und mehr über die Chancen der Speichertechnologien sprechen. Vincenz-Stauffacher unterbrach den enthusiastischen Appell von Ryser. Eine weitere Kritik am «Technologieverbot» folgte seitens Vincenz-Stauffacher.

Vincenz-Stauffacher unterbricht Ryser mit Konter

Video: watson

Wortstreit im bürgerlichen Lager

Die Einigkeit im bürgerlichen Lager war von kurzer Dauer. Wenn man sich in Energiefragen noch gleicher Meinung war, so schieden sich die Geister spätestens bei der Zuwanderungsfrage. Die Stimmung im Studio wurde hitziger.

Gysi positionierte sich als Erste: «Die Zuwanderung macht keinen Druck auf den öffentlichen Verkehr oder die Landschaft und das Ausbauen. Sondern der Bedarf der Leute, sie wollen immer mehr Fläche, immer mehr Wohnraum. Da darf man nicht der Zuwanderung die Schuld geben. [...] Ich erwarte, dass die, die immer gegen die Zuwanderung sprechen, mithelfen, dass wir unsere Landschaft auch schützen [...].» Beim letzten Satz schaute Gysi bewusst in die Richtung von Friedli.

SVP-Nationalrätin Friedli liess diesen Seitenhieb nicht auf sich sitzen. Sie würde andere Tendenzen beobachten und erklärte, dass die Zuwanderung den Fachkräftemangel eigentlich nur verstärken würde.

Friedlis Theorie

Video: watson

Kurz nach ihrer Aussage zeigte sich: Sie steht mit ihrer Meinung alleine da.

«Wir haben in der Schweiz eine prozentual höhere Zuwanderung als im Ausland. Das ist doch ein positives Zeichen! Dass die Wirtschaft bei uns so gut läuft. Dass wir eine hohe Lebensqualität haben. Die Auswirkungen der Zuwanderung sind doch auch positiv! Nicht nur, weil die kulturelle Vielfalt eine Bereicherung ist, sondern auch, weil wir die Fachkräfte brauchen [...]», widersprach Ryser der SVP-Nationalrätin als Erste.

Friedli war überhaupt nicht einverstanden und konterte nochmals. Sie argumentierte ähnlich wie in ihrem ersten Statement. Dann schaltete sich Vincenz-Stauffacher ein.

Sie hievte sich auf die Seite von Ryser. Die FDP-Frau pflichtete der Grünen-Nationalrätin bei und unterstrich noch einmal, wie wichtig die Zuwanderung für die Schweizer Wirtschaft sei.

Danach schoss Vincenz-Stauffacher gegen die SVP und Friedli. Das Ziel der SVP sei es, die Personenfreizügigkeit zu bodigen, sagte Vincenz-Stauffacher bestimmt.

Friedli schüttelte den Kopf. Jetzt war es endgültig vorbei mit der Einstimmigkeit im bürgerlichen Lager.

Vincenz-Stauffacher schiesst gegen Friedli und SVP

Video: watson

Drei gegen eine. Doch Friedli beharrte auf ihrer Theorie und Meinung. Für sie ist klar: Die Zuwanderung ist und bleibt problematisch.

Nachdem jede einzelne der Frauen Friedli widersprochen hatte, reihte sich einzig einer mit der SVP-Frau ein: der Publikumsgast Lukas Wilhelm. Er spüre die Herausforderungen der Zuwanderung in vielen Bereichen: Die Strassen seien zu voll, er merke es auch beim Einkaufen und auch die Lehrerinnen und Lehrer aus seinem Umfeld würden bemerken, dass ihr Arbeitsaufwand grösser würde, schilderte der Exportfachmann.

Publikumsgast ist Friedlis letzter Verbündeter

Video: watson

Schuldzuweisungen bei Altersvorsorge

Bei der Zuwanderungsfrage war kein grüner Zweig in Sicht. Neues Thema: Altersvorsorge. Hier scheinen alle «Arena»-Gäste dasselbe Ziel zu haben: eine sichere und geregelte Altersvorsorge für alle Geschlechter und Jahrgänge.

Und doch hat jede einen anderen Vorschlag für die Umsetzung. So wie die Geschäfte zur Reform der beruflichen Vorsorge (BVG) in Bern zwischen den Kammern hin und her geschoben werden, schieben die Diskussionsteilnehmerinnen in der «Arena» die Schuld den anderen in die Schuhe.

Zwischen Friedli und Gysi fand ein Schlagabtausch statt.

Die SVP setze sich dafür ein, dass die Renten für alle gesichert würden, beteuerte Friedli. Das Ja bei der Abstimmung zur AHV-Reform sei der erste Schritt in die richtige Richtung gewesen. Da habe man den Frauen schliesslich versprochen, dass man genau hinschauen werde, hielt Friedli fest.

Gysi war sichtlich unzufrieden mit dieser Aussage von Friedli. Sie holte tief Luft und konterte gewaltig. Sie sei nämlich der Meinung, dass die SVP den Frauen bezüglich Altersvorsorge überhaupt nicht helfen würde – im Gegenteil, sie würde ihnen schaden.

Gysi liest Friedli die Leviten

Video: watson

Die Liebe zur Olma-Bratwurst eint

Um die Stimmung am Schluss etwas aufzulockern, verteilte der Moderator den Ständeratssitz-Anwärterinnen Abstimmungskärtchen. Er wies sie darauf hin, dass er ihnen nun einige Fragen stellen würde, sie könnten diese mit Rot – Nein und Blau – Ja beantworten.

Der Zürcher Moderator konnte sich natürlich nicht verkneifen, die St.Galler Gretchenfrage zu stellen: «Wer von Ihnen hat eine St.Galler Bratwurst schon einmal mit Senf gegessen?»

Die Frauen reagierten schnell – alle hoben die Roten Karten.

«Sicher nicht!», riefen die Politikerinnen mehrmals. Friedli proklamierte: «Bei uns im Restaurant hat der Senf sogar Hausverbot!»

Obschon die Nationalrätinnen politisch wohl nie zu 100 Prozent dieselben Ansichten haben werden, steht eines sicher fest: Sie besitzen, was die Olma-Bratwurst-Kulinarik betrifft, dieselben Prinzipien. St.Gallerinnen will be St.Gallerinnen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

25 Bilder zeigen unsere Classe politique beim Schaffen in Bern

1 / 27
25 Bilder zeigen unsere Classe politique beim Schaffen in Bern
quelle: keystone / lukas lehmann
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

GLP-Nationalrätin Melanie Mettler zum Filmgesetz in der Arena

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

255 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
BG1984
07.01.2023 07:14registriert August 2021
Die Senf frage ist sowas von lächerlich. Genauso wie die St. Galler die stolz sind wie kleine Kinder, dass sie eine ganz normale Kalbsbratwurst ohne Senf essen. Wäre die Bratwurst speziell gewürzt, könnte ich das noch verstehen.
19755
Melden
Zum Kommentar
avatar
gulf
07.01.2023 07:44registriert März 2020
oje, Wahljahr ....
Tausende Plakate mit Photoshop - Gesichtern , tausende copy - Paste - Sprüche der Kandidat*Innen ( richtig geschrieben so ? ) , Millionen sinnbefreiter Flyer ( auch mit Photoshop .... ) Millionen verschleudeter Wahlkampf Franken
14216
Melden
Zum Kommentar
avatar
RaWi - Wir sind mehr
07.01.2023 08:43registriert Februar 2014
Technologieverbot AKW? Scheinargumente und Nebelpetarden der RechtsBürgerlichen!
Wie lange würde es wohl dauern, bis ein solches gebaut wäre? Zuerst Gesetze anpassen, Volsabstimmungen, Ausschreibung, Investorsuche, Standortsuche, Einsprachen bis vor Bundesgericht, dann ev. Unter Umständen tatsächlich Baubeginn, Verzögerungen und Pannen, neue Sicherheitsvorschriften, Anpassungen und nochmals Verzögerungen... Also locker 50Jahre ab heute...
Kostenüberschreitungen um ein Mehrfaches vorprogrammiert... Ein Milliardengrab.
Olkiluoto lässt grüssen!
Und dann die ungelöste Endlagerproblematik...
14760
Melden
Zum Kommentar
255
Comeback der 0,5-Liter-Flasche: Coca-Cola krebst zurück – so reagiert Coop
Der US-Getränkeriese wollte in der Schweiz nur noch kleinere Flaschen verkaufen zu gleichbleibendem Preis. Daraufhin begann Coop Coca-Cola aus Serbien und Polen zu verkaufen. Nun ist es in dieser Posse zu einer neuen Wendung gekommen.

Kleiner, aber gleich teuer. Dieser Kniff war 2019 der Auslöser eines jahrelangen Streits zwischen dem Detailhändler Coop und Coca-Cola. Denn der US-Getränkeriese beschloss, die 0.5-Liter-Flaschen seines braunen Süssgetränks durch 0.45-Liter-Flaschen zu ersetzen. Der Preis sollte sich hingegen nicht ändern. Die 1-Liter-Flasche verschwand sogar ganz vom Markt und wurde durch ein 750-ml-Gebinde ersetzt.

Zur Story