Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
An 11-year-old girl (6th grade) studies for the long-term grammar school admission exam on Monday, March 6, 2017, photographed in Zurich, Switzerland, on March 1, 2017. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein 11-jaehriges Maedchen (6. Klasse) lernt auf die Langzeitgymnasium Aufnahmepruefung am Montag, 6. Maerz 2017, aufgenommen am Mittwoch, 1. Maerz 2017 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Gymiprüfung soll durch einen Intelligenztest ergänzt werden, findet Forscherin Stern. Bild: KEYSTONE

«Ein beachtlicher Teil der Gymnasiasten verfügt nicht über die nötige Intelligenz»

ETH-Forscherin Elsbeth Stern fordert Intelligenztests für Gymi-Schüler. So könne verhindert werden, dass Kinder aus privilegierten Familien das Gymnasium besuchen, obwohl sie die Voraussetzungen dafür nicht erfüllen.



Rund jeder fünfte Jugendliche in der Schweiz besucht ein Gymnasium. Diese Quote sei vernünftig, findet Elsbeth Stern, Lehr- und Lernforschung an der ETH Zürich. Nur drückten oft die falschen Kinder dort die Schulbank. Ihre Forschung zeige, «dass ein beachtlicher Teil der Schweizer Gymnasiasten – ich gehe von mindestens 40 Prozent aus – nicht die Intelligenz hat, über welche die oberen 20 Prozent eigentlich verfügen sollten.»

Der Zugang zum Gymnasium hänge zu stark von der sozialen Schicht ab, kritisiert die Wissenschaftlerin in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Die Kinder aus privilegierten Familien würden oft intensiv auf die Gymi-Prüfung trainiert, so dass sie die Tests trotz zu tiefer Intelligenz bestünden. Die Folge: In jeder Klasse sässen zwei oder drei Schüler, deren Intelligenz «deutlich unter dem zu erwartenden Mindestwert liegt». Sie würden dank Nachhilfe «mitgezogen», die Lehrer passten das Niveau für sie nach unten an.

Stern schlägt vor, zusätzlich zu den Aufnahmeprüfungen auch Intelligenztests durchzuführen. So könnten in der Primarschule Kinder identifiziert werden, die «aufgrund irgendwelcher Umstände» nicht zeigen können, welches Potenzial in ihnen steckt. Gleichzeitig könnte verhindert werden, dass ungeeignete Kinder ins Gymnasium kommen, nur weil die Eltern dies unbedingt wollen.

Auch andernorts sieht die Forscherin Verbesserungspotenzial im Bildungssystem: Für Kleinkinder bis vier Jahre bräuchte es laut Stern ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem, das von den Eltern einkommensabhängig bezahlt wird. Der Schuleintritt sollte ihrer Meinung nach flexibler gestaltet werden, damit die Schwachen gefördert und die Starken schon dann zu Höchstleistungen auflaufen können.

Grundsätzlich sei die Intelligenz in hohem Masse durch die Gene bestimmt, sagt Stern. «Dem ist so, ob es uns passt oder nicht.» Damit sich diese Intelligenz auch entfalten könne, brauche es aber die richtige Umgebung. «Wollen Eltern im ersten Lebensjahr das Beste aus den Genen der Sprösslinge herausholen, dann müssen sie viel mit ihnen sprechen.» Es sei ein Fehler, Kleinkinder als Wesen zu sehen, die nur essen, verdauen und herumkriechen – und darum nicht richtig mit ihnen zu sprechen. «Die Kinder müssen eine gute, grammatikalisch korrekte Sprache hören.»

Stern kam vor elf Jahren von Deutschland in die Schweiz, um an der ETH zu arbeiten. Für ihre neue Wahlheimat ist sie voll des Lobes: «Die Schweiz ist ein Ort der Seligen», lässt sie sich im Interview zitieren. Die Lebensqualität sei hoch und die Menschen schenkten sich gegenseitig mehr Vertrauen als in Deutschland. Auch von den Manieren des anderen Geschlechts zeigt sie sich begeistert: «In der Schweiz gibt es kaum Macho-Männer. Das geniesse ich.»

World of Watson: Lehrer-Typen

Video: watson

So geht die Welt zur Schule: 47 Klassenzimmer

Das könnte dich auch interessieren:

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

NASA findet neue Hinweise für Wasser auf dem Mond

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

128 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Ökonometriker
30.07.2017 00:38registriert January 2017
Eine der härtesten Lektionen meines Lebens: Intelligenz bedeutet nicht Erfolg. Um Grossartiges zu schaffen braucht es mehr als die Fähigkeit zum abstrakten Denken.
Wenn ein mässig intelligenter Schüler mit viel Fleiss und Biss das Gymi schafft wird ihm wohl auch im Arbeitsleben mehr Erfolg beschert sein als einem hochintelligenten Faulenzer. Im echten Leben zählen dann Resultate, nicht Potential.
1507
Melden
Zum Kommentar
dommen
29.07.2017 21:59registriert January 2016
Das heisst eigentlich nur, dass man das Gymi in der regel schafft, wenn man sich ein bisschen anstrengt. Das Problem ist halt, dass das an Unis/FH's oft nicht reicht. Warum nicht? Weil dort in den Prüfungen vernetztes Denken und Methodenkompeten gefordert wird, und nicht einfach "Fakten" abgefragt werden. Ich komme auch vom Gymi und muss ehrlich sagen, dass ich im Studium auch ins kalte Wasser fiel. Meiner Meinung nach sollte der Lehrplan der Gymnasien vermehrt auf diese Art der (wissenschaftlichen) Denkweise schulen, und nucht einfach "nutzloses" Faktenwissen ohne Zusammenhang abfragen...
1239
Melden
Zum Kommentar
Makatitom
30.07.2017 02:16registriert February 2017
Macht nix, ein noch beachtlicherer teil der HSG-Abgönger ja auch nicht. Weder über kognitive noch emotionale
12111
Melden
Zum Kommentar
128

Virologin zum Schulstart: «Es ist das Allerwichtigste, die Schulen offen zu halten»

In neun Kantonen drücken viele Kinder seit Montag wieder die Schulbank. Die Genfer Virologin Isabella Eckerle schaut dem Schulbeginn besorgt entgegen und warnt vor einem Blindflug der Schweiz. Und sie rät dazu, Schüler- und Lehrerschaft grosszügig zu testen.

Frau Eckerle, am Montag hat in vielen Kantonen der Unterricht wieder begonnen. Haben die Schulen in Ihren Augen die Ferienzeit gut genutzt und sich genügend auf die weitere Entwicklung der Pandemie vorbereitet?Ich glaube, die Ferienzeit wurde leider nicht gut genutzt. Allerdings würde ich dies auch nicht primär in der Verantwortung der Schulen sehen, denn die Entwicklung von Präventionskonzepten kann nicht primär durch die Schulen erfolgen.

Wessen Verantwortung wäre es stattdessen gewesen?Es …

Artikel lesen
Link zum Artikel