Von einem Stellenabbau im hohen dreistelligen Bereich sprach SRG-Generaldirektorin Susanne Wille vergangene Woche, als sie Sparmassnahmen beim öffentlichen Rundfunk verkündete. Das liess Beobachter vermuten: Es wird zu einer grossen Zahl von Entlassungen kommen.
An internen Veranstaltungen wiesen Mitglieder des SRG- Kaders die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber darauf hin: Die Altersstruktur der Belegschaft ermögliche es den Verantwortlichen, die Zahl der Entlassungen eher tief zu halten.
SRG-Sprecher Nik Leuenberger erklärt auf Anfrage: «Von den aktuell rund 7000 Mitarbeitenden werden in den nächsten fünf Jahren mehrere hundert das Pensionsalter erreichen. Selbstverständlich wird in einem solchen Transformationsprozess wo immer möglich die natürliche Fluktuation ausgenutzt.» Leuenberger schränkt ein: Die Pensionierung einer Person bedeute allerdings nicht, dass ihre Tätigkeit nicht weitergeführt werden müsse.
Silvia Dell’Aquila, die Zentralsekretärin der Mediengewerkschaft SSM, ist von der SRG über die Abfederung ins Bild gesetzt worden.
Dell-Aquila sagt: Dass ein grosser Teil des Stellenabbaus durch die sogenannten natürlichen Fluktuationen umgesetzt werden solle und weniger durch Entlassungen oder vorzeitige Pensionierungen, habe die SRG-Leitung den Mitarbeitenden an einer Personalinformation wie auch der Gewerkschaft SSM mitgeteilt.
Die Umsetzung sei aber anspruchsvoll, da sich die Fluktuation wohl nicht immer mit den in den verschiedenen Bereichen geplanten Abbaumassnahmen decke. Zudem sei der Stellenabbau real. Dell’Aquila betont: Für die Angestellten, die blieben, wachse der Arbeitsdruck, wenn nicht auch die Aufgabenbereiche jeweils am Stellenetat angepasst würden.
Ende 2024 beschäftigte die SRG 7130 Personen, die sich 5727 Stellen teilten. Trotz diverser Sparankündigungen ist die Zahl der Beschäftigten beim öffentlichen Radio und Fernsehen in den vergangenen Jahren gewachsen: Im Jahr 2021 lag der Personalbestand bei 6830; die Zahl der Vollzeitstellen betrug damals 5493.
Die SRG hatte bei Radio und Fernsehen wenige Stellen abgebaut und zugleich für Online-Aktivitäten deutlich mehr Personal rekrutiert. Darum lösten sich die angekündigten Einsparungen in Luft auf. Jetzt geht es für den Rundfunk zunächst darum, die Zahl der Angestellten auf einen Bestand zu reduzieren, den das Unternehmen schon vor Jahren aufwies.
Mitarbeiter zu entlassen, ist für die SRG mit erheblichen Kosten verbunden. Der mit der Mediengewerkschaft abgeschlossene Gesamtarbeitsvertrag und mögliche Sozialpläne sehen vor, dass der Rundfunk viel mehr als eine Kündigungsfrist von drei Monaten zu beachten hat.
Eine Bestimmung sieht vor: Wer mindestens 40 Jahre alt ist und zehn ununterbrochene Dienstjahre aufweist, erhält eine Abgangsentschädigung von sechs Monatslöhnen. Für jedes weitere Dienstjahr kommt ein Monatslohn hinzu – maximal werden zwölf Monatslöhne ausbezahlt. Die SRG leistet also auch an gewöhnliche Angestellte Abgangsentschädigungen, die in privatwirtschaftlichen Unternehmen den obersten Kaderstufen vorbehalten sind.
Die SRG hält fest, dass sie «nach aktuellen Annahmen» bis 2029 rund 17 Prozent oder 270 Millionen Franken ihres Budgets im Vergleich zu 2024 einsparen müsse. Interessant ist die Einschränkung «nach aktuellen Annahmen.» Die SRG macht Prognosen bis 2029 und geht jeweils von einer stark negativen Entwicklung aus.
Zum Beispiel trifft der Rundfunk Annahmen zu den kommerziellen Erträgen und zur Teuerung in der Schweiz. Sinken die Werbeeinnahmen weniger stark als vermutet, verkleinert sich das Sparpaket der SRG. Steigt die Teuerung in geringerem Ausmass als von der SRG vermutet, schrumpft das Sparpaket ebenfalls.
Im Monat Juni lag die Teuerung in der Schweiz bei 0,1 Prozent. Die Konsumentenpreise steigen kaum noch. Setzt sich der Trend fort, verbessern sich die finanziellen Aussichten der SRG. Das Sparvolumen von 270 Millionen Franken entspricht einem Worst-Case-Szenario.
Happig wären die negativen finanziellen Auswirkungen für den Rundfunk, wenn die Medienabgabe nicht wie vom Bundesrat beschlossen auf 300, sondern auf 200 Franken pro Jahr sänke. Den tieferen Betrag fordert die Halbierungsinitiative der SVP, über welche die Schweizer Stimmberechtigten im kommenden Jahr befinden werden.
Mit anderen Worten hat die SRG 4.25% mehr Personal eingestellt in nur drei Jahren und das obwohl sie sparen wollten?
Warum das?
Goldene Fallschirme für alle bezahlt mit Zwangsgebühren?