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ARCHIVBILD ZUR ANNAHME DES VERHUELLUNGSVERBOTES IM KANTON ST. GALLEN, AM SONNTAG, 23. SEPTEMBER 2018 - Two veiled women walk on the street, in Geneva, Switzerland, Monday, August 3, 2010. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Im Kanton St.Gallen haben die Stimmberechtigten am Sonntag ein Burkaverbot befürwortet. Bild: KEYSTONE

Fünf Schweizer Muslimas erzählen, was sie vom Burkaverbot halten

Beschränkung der Religionsfreiheit, notwendige Sicherheitsmassnahme, unnötige Symbolpolitik – die Meinungen zum Verhüllungsverbot in St.Gallen gehen auseinander. Was sagen eigentlich Schweizer Muslimas dazu?



Nach dem Ja der St.Galler zum Burkaverbot diskutieren Politiker – zumeist Christen und Männer – wieder landauf, landab, ob das nun richtig ist. Der Gesichtsschleier, das Verbot oder dass man damit Wahlkampf macht. Doch was denken die Schweizer Muslimas über die Burka?

Nicht alle, die wir befragten, wollten das mit Namen tun. Eine 23-jährige Mazedonierin sagt: «Wegen der Sicherheit finde ich gut, dass das Gesetz in St.Gallen angenommen wurde. Denn man weiss nie, wer sich unter der Burka verbirgt. Ein Kopftuchverbot wäre etwas anderes, aber die Burka hat nichts mit der Religion zu tun.» Eine junge Ägypterin, die seit mehreren Jahren in der Schweiz lebt, findet hingegen: «Jeder soll sich anziehen können, wie er will. Im Gegenzug darf man ja auch so wenig anziehen, wie man möchte.» Die 21-Jährige trug früher ein Kopftuch und sagt, sie habe es nun unter anderem deshalb abgelegt, weil der gesellschaftliche Druck immer grösser geworden sei.

Belkis Osman-Besler (52)

Belkis Osman-Besler

Vizepräsidentin VIOZ und muslimische Seelsorgerin, Wurzeln in der Türkei, Kopftuchträgerin. Bild: az/nordwestschweiz

«Persönlich schaue ich auch gerne jemandem in die Augen bei einem Gespräch, trotzdem ist es nicht Sache eines Staates, eine Kleidervorschrift zu erlassen. Aber wenn jemand so etwas tragen will, müssen wir es akzeptieren. Nur eine sehr kleine Minderheit verhüllt hier ihr Gesicht, und die meisten sind nicht hier ansässig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Schweiz jemand unfreiwillig eine Burka trägt. So war es nicht bei denjenigen, mit denen ich schon gesprochen habe. Ich glaube auch nicht, dass wir den Burkaträgerinnen mit einem Verbot einen Dienst leisten. Bei derartigen Abstimmungen scheint es mir vielmehr um Wahlkampf zu gehen: Die Befürworter eines Verbots suchen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, sie wollen sich als Beschützer gewisser Rechte darstellen.» (nsn)

S. D. (35)

Bild

Produktmanagerin, Tunesierin. Wohnt in der Umgebung von Zürich. az/nordwestschweiz

«Ich bin gegen die Burka und finde ein Verbot gut. Die Burka hat keinen Mehrwert für die Frauen, und um eine Burkaträgerin herum fühlt man sich unsicher. Man weiss nicht einmal, ob es eine Frau ist. Im Koran steht nichts darüber, dass man eine tragen soll. Ich fände es gut, wenn das gesetzlich verboten wird, damit sich die Burka nicht verbreitet. Der Staat muss eine Meinung dazu haben. Man sieht in der Schweiz schon Schulmädchen mit dem Kopftuch, und die können sich noch nicht dagegen wehren. Gegen das Kopftuch bei erwachsenen Frauen habe ich nichts. Meine Mutter trägt zu Hause in Tunesien auch eines, seit sie auf der Pilgerreise nach Mekka, dem Hadsch, war. Ich bete fünfmal am Tag und befolge die muslimischen Feiertage. Aber wie gläubig ich bin, muss ich nicht allen zeigen.» (kus)

Jasmin El Sonbati (57)

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Mitinitiantin «Offene Moschee Schweiz», Basel. az/nordwestschweiz

«Ich bin gegen jegliche Art der Verhüllung von Frauen. Ich wuchs in den 60ern in Ägypten auf. Das Kopftuch gab es kaum; Gesichtsschleier schon gar nicht. Die Vorschriften etablierten sich erst später. Sie werden als Machtinstrument benutzt. Es ist gut, dass die Schweiz über das Verhältnis von Staat und Religion diskutiert. Kleidervorschriften in der Verfassung festzuhalten, finde ich aber nicht sinnvoll. Ich bin dafür, dass Gesetze das regeln. Zum Beispiel in öffentlichen Ämtern. Eine Lehrerin oder Personal am Gericht sollen ihre Gesichter zeigen. Das ist in arabischen Ländern nicht anders. Eine Abstimmung wie jene in St. Gallen brächte mich in die Bredouille. Ich möchte keine Niqab-Trägerinnen, doch durch ein Verbot würden sie sich zurückziehen und in eine Opferhaltung begeben. Aber ich will, dass sie sich der Diskussion stellen.» (aba)

Alime Köseciogullari (56)

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SP-Mitglied, mit 10 Jahren aus der Türkei immigriert, Seon. az/nordwestschweiz

«Ich möchte keine Burka tragen. Aber für die Handvoll Burkaträgerinnen in der Schweiz ein Gesetz zu machen, ist nicht nötig. Zudem denke ich, die Musliminnen in der Schweiz können sich Hilfe holen, wenn sie zum Tragen der Burka gezwungen werden. Und jene, die es nicht tun, werden nach einem Burkaverbot das Haus nicht mehr verlassen. Ein Verbot ist nicht die Lösung. Mir ist dieses Stück Stoff auch unheimlich, aber es hat noch keinen umgebracht. Ich setze mich für die Freiheit der Frau ein. Was ist mit jenen, die sich ihr ganzes Gesicht tätowieren lassen? Das ist ihr Leben, die müssen damit rumlaufen. Ich finde es viel wichtiger, dass wir Musliminnen in keinem Bereich mehr diskriminiert werden. Wir tun viel für die Integration, aber niemand spricht darüber. Bloss wenn Nora Illi irgendeine Aussage macht, wird es sofort zur Schlagzeile gemacht.» (kus)

Yasmine Hashmi (39) 

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Botschafterin «Women’s March Zürich», aus Kanada, Region Zürich, Kopftuchträgerin. az/nordwestschweiz

«Ich bin erstaunt, dass so viel Energie in eine Diskussion gesteckt wird, obwohl die Burka so selten getragen wird und erst noch meist von Touristinnen. Und nun gibt es in manchen Kantonen sogar ein Gesetz deswegen. Ich finde das nicht gut. Auch deshalb nicht, weil die Religionsfreiheit für diese wenigen beschnitten wird. Klar ist die Burka keine Vorschrift im Islam, aber für diese kleine Gruppe gehört sie dazu. Und es gibt immer Wege, jemanden zu identifizieren für die Behörden, trotz einer Burka.» (kus)

(az/nordwestschweiz)

Auch die Österreicher haben die Burka verboten

Video: srf

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