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Die Schweizer Fahrenden können es kaum glauben, dass die Gemeinde sie nicht akzeptiert.
Die Schweizer Fahrenden können es kaum glauben, dass die Gemeinde sie nicht akzeptiert.
Michel Canonica/st.Galler tagblatt

St.Galler Gemeinde will einheimische Fahrende mit fadenscheinigen Gründen loswerden

Einheimische Fahrende haben ihre Wohnwagen auf einer Wiese in Waldkirch (SG) abgestellt – mit dem Einverständnis des Landbesitzers. Der Gemeinde passte das nicht und stellte ihnen ein Ultimatum.
28.07.2016, 04:3428.07.2016, 08:57
    St Gallen
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Zwölf fahrende Familien aus mehrheitlich den Kanton Aargau und Bern haben in Waldkirch (SG) bei Landwirt Jakob Eigenmann angeklopft und um Land für ihre Wohnwagen gebeten. Dieser willigte ein und schloss mit ihnen einen Vertrag ab, der ihnen ein Stück Wiese für zwei Wochen zusichert. Im Gegenzug zahlten die Sinti und Jenischen dem Bauern 1100 Franken für die Benützung. 

«Sie stellten uns ein Ultimatum: Bis 17 Uhr müssten wir abreisen»
Fino Winter, Vertreter der Sinti in der Radgenossenschaft, der Dachorganisation der Jenischen

Am Dienstag also fuhren die Familien mit ihren Wohnwagen auf die Wiese und richteten sich ein. Ein böses Erwachen gab's jedoch bereits tags darauf, als am frühen Morgen vier Polizisten und ein Gemeindevertreter aufkreuzten. «Sie sagten, wir würden die Anwohner stören. Sie stellten uns ein Ultimatum: Bis 17 Uhr müssten wir abreisen», sagt Fino Winter gegenüber dem St.Galler Tagblatt. Er ist einer dieser Fahrenden. Winter repräsentiert die Sinti und ist in der Radgenossenschaft, die Dachorganisation der Jenischen, deren Vertreter. 

Angeblich zu dreckig

Das Ultimatum kam aus dem nichts, denn die Fahrenden hatten alle Auflagen erfüllt. Auf ihre Kosten sind mobile Toiletten und ein Abfallcontainer herbeigeschafft worden. Zudem hatten sie ja den Vertrag abgeschlossen und die Miete bereits bezahlt. Warum also der Aufmarsch inklusive Polizei?

Die Antwort ist simpel: Die Anwohner fühlten sich von den Fahrenden gestört. «Deshalb haben wir die Fahrenden aufgefordert, sich eine andere Bleibe zu suchen und den Platz bis am Abend zu verlassen», sagt Michael Frei, Bausekretär der Gemeinde Waldkirch. Er beanstandete gegenüber «TV O» aber auch die Sauberkeit auf dem Platz. Denn das hätte der Gemeinde das Recht gegeben, auf privatem Grund einzuschreiten. Doch auch die Sauberkeit als Kritikpunkt war nicht haltbar. Wie im Vertrag mit dem Bauern vereinbart, wurden auf Kosten der Fahrenden mobile Toiletten und ein Abfallcontainer herbeigeschafft.

«Es war wohl ein Schnellschuss der Gemeinde Waldkirch»
Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft

Fahrende dürfen nun doch bleiben

Die Gemeinde krebste denn auch ziemlich schnell zurück und gab grünes Licht. Für Daniel Huber, Präsident der Radgenossenschaft, steht laut dem «St.Galler Tagblatt» fest: «Die Rechtsgrundlage ist klar, der Druck wahrscheinlich zu gross geworden.» Die Schweizer Fahrenden, sowohl Jenische und Sinti, seien Vertreter einer anerkannten, schweizerischen Minderheit und verhielten sich genau so, wie dies die Bundesbehörden ihnen zugestehen würden. «Es war wohl ein Schnellschuss der Gemeinde Waldkirch», so Huber. (rwy)

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