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Schweiz
SVP

Die SVP verliert seit 2015 regelmässig an Wahlen und Abstimmungen.

Die Parteipraesidenten Albert Roesti, SVP, links, und Petra Goessi, FDP, werden auf die Sendung vorbereitet vor der Elefantenrunde zum Abstimmungsergebnis zur "No Billag Initiative", am Sonn ...
Die SVP hat bei den Wahlen im Kanton Zürich eins auf die Nase gekriegt.Bild: KEYSTONE

«Faul und selbstgefällig» – die kritischen Stimmen innerhalb der SVP werden lauter

Die SVP verliert seit ihrem Erfolg bei den eidgenössischen Wahlen 2015 regelmässig Wahlen und Abstimmungen – zuletzt am Sonntag in Genf und Zürich. Intern wird Kritik laut.
17.04.2018, 06:1417.04.2018, 06:44
Doris Kleck / Nordwestschweiz

Der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti gerät ins Schwärmen. Seine Parteikollegin Anita Borer sei jung, kompetent und fleissig. «Eine hervorragende Politikerin», sagt Zanetti. Dass die Kantonsrätin und Nachwuchshoffnung der Partei die Wahl in die Ustermer Stadtregierung verpasst hat, macht ihn sprachlos: «Es muss ein Megatrend sein: Die Wähler sind mit der Schweizer SVP nicht zufrieden und nun werden die Leute weiter unten abgestraft.»

Drastische Worte nach einem schwarzen Wahlsonntag für die SVP. Die Partei hat bei den kantonalen Wahlen in Genf drei Sitze eingebüsst. Vor allem aber verlor sie auch bei den Wahlen in den Zürcher Agglomerationsgemeinden. Illnau-Effrektikon, Opfikon, Kloten oder eben Uster. Das Bild der Wahlen in den Städten Zürich und Winterthur von Anfang März hat sich verfestigt: Die Linke siegt, die SVP verliert.

Dass es für die SVP in den Agglomerationen besser aussehe als in den Städten, wie Parteipräsident Albert Rösti nach den Niederlagen in Zürich und Winterthur in die Mikrofone sagte, erwies sich als falsche Hoffnung. Ausgerechnet im Kanton Zürich verliert die SVP also. Dort wo der Siegeszug der SVP begann. Die Zürcher Lokalwahlen werden bereits als Fanal für die Eidgenössischen Wahlen 2019 gedeutet.

Claudio Zanetti, Nationalrat SVP, und Roger Bartholdi, Stadtrats-Kandidat SVP, an der Podiumsdisskusion zur " No Billag " zwischen den Gruenen und der SVP, fotografiert am Donnerstag, 18. Ja ...
SVP-Nationalrat Claudio ZanettiBild: KEYSTONE

Die falschen Themen

Konrad Langhart, Präsident der Zürcher Kantonalpartei, spricht ebenfalls von einem Schweizer Trend: «Die SVP steht im Gegenwind, das sah man auch in Genf oder in Bern.» Weshalb?

Langhart hat eine Vermutung: «Unsere Themen sind nicht im Fokus. Die Einwanderung geht zurück, die Flüchtlingswelle ist abgeflaut, die Wirtschaft läuft gut. Sparpakete sind nicht nötig», resümiert Langhart.

«Die Linken haben in diesem Bereich ein gutes Angebot.»
Lukas Golder, Co-Leiter GFS-Bern

Dass die Themenkonjunktur nicht für die SVP spricht, sagt auch Lukas Golder, Co-Leiter des Forschungsinstitutes GFS Bern. Sozialpolitische Themen wie die AHV oder die Krankenkassenprämien seien für die Bevölkerung wichtiger: «Die Linken haben in diesem Bereich ein gutes Angebot.»

Die Themen sind das eine. Die Mobilisierung das andere. Parteipräsident Rösti übte gegenüber Radio SRF Selbstkritik. Es sei der SVP nicht in genügendem Mass gelungen, ihre Wähler und Sympathisanten zu mobilisieren. Der Berner Oberländer will wieder stärker den Kontakt zur Bevölkerung suchen. Im direkten Gespräch herausfinden, was ihre Sorgen sind. Klinkenputzen, Telefon- oder Standaktionen durchführen. Rösti erinnerte seine Parteikollegen daran, dass Politik «knallharte Knochenarbeit ist».

Lukas Golder
Politologe Lukas GolderBild: gfs.bern

Faule und selbstgefällige Sektionen

Trägheit und Selbstzufriedenheit: Die Leviten aus der Parteizentrale haben in der SVP Tradition. Nationalrat Zanetti widerspricht der Diagnose Röstis zwar nicht, ortet die Gründe aber in der Zentrale selbst. «Wenn alles aus Bern kommt, werden die Sektionen faul und selbstgefällig. Sie warten auf den Befehl aus der Zentrale, sammeln die verlangten Unterschriften für eine Initiative und vergessen, dass sie auch selber denken müssen», kritisiert Zanetti. Die Wahlniederlagen sieht er als Bumerang für die Zentralisierungstendenz in der Partei.

«Sie warten auf den Befehl aus der Zentrale und vergessen, dass sie auch selber denken müssen»
Claudio Zanetti, SVP-Nationalrat

An der Themenwahl seiner Partei – Migration und Europa – sieht Zanetti hingegen nichts Falsches. Allerdings hadert er zuweilen mit dem Stil. «Gerade bei den Ausländern könnte man auch mal sagen, dass es tolle, fleissige Migranten gibt, welche die Schweiz weiterbringen. Manchmal wird es mir ganz kalt, wenn ich Texte meiner Partei lese.»

Linke profitiert von Trump

Die SVP hat seit den letzten eidgenössischen Wahlen in den Kantonen zehn Sitze verloren, die SP hat zwölf, die Grünen 17 Sitze zugelegt. Golder stellt fest, dass die Linke stark mobilisiert. Das hat zum einen handwerkliche Gründe: Die SP hat die Telefonaktionen systematisiert und ist damit erfolgreich. So erfolgreich, dass die SVP vor den Berner Wahlen die SP kopierte. Zudem andern schafft es das linke Lager, die internationale Stimmung mit Brexit und Trump in nationale Erfolge umzumünzen: «Als aufgeklärter Bürger kann man nicht mehr schweigen, man muss wählen gehen», sagt Golder.

Abschreiben für die Wahlen 2019 sollte man die SVP aber nicht: «Wenn eine Partei fähig ist, sich zu erneuern und eine Strategie strikt auf den Wahlerfolg auszurichten und durchzuziehen, dann ist es die SVP», sagt Golder. Zudem erinnert er daran, dass die Partei 2015 fast einen Wähleranteil von 30 Prozent erreicht hat. Eine Rekordmarke. Zanetti hat deshalb noch eine andere Erklärung für die Niederlagen. «Vielleicht sehen wir eine gewisse Korrektur, weil die SVP als zu dominant wahrgenommen wird.» 

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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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N. Y. P. D.
17.04.2018 07:53registriert Oktober 2015
«Unsere Themen sind nicht im Fokus. Die Einwanderung geht zurück, die Flüchtlingswelle ist abgeflaut, die Wirtschaft läuft gut. Sparpakete sind nicht nötig».

Aber, dann war doch die SVP in ihren Kernthemen erfolgreich ! Und sollte zufrieden sein.

Wäre es der SVP lieber, die Einwanderung erreicht wieder Höchsstände, nur damit man die Wählerstärke in den Parlamenten halten kann ?

Oder will zieht man den politischen Erfolg der Wählerstärke vor ?

Mich als Linken würde die Meinung der Gegenseite interessieren.

Danke.
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Mandelmus
17.04.2018 08:22registriert März 2014
Telefonaktionen als Grund für Sitzgewinne? Wir haben 2018!
Uns gehts aktuell ganz einfach gut, weshalb es keine Gründe gibt, auf irgendwelche Panikmache reinzufallen. Ausserdem macht Sommaruga ihre Arbeit ordentlich, was der SVP auch nicht hilft.
Zusätzlich hilft es den gemässigten Parteien sicher, im Ausland zuzusehen, was (rechts-)Populisten für Schäden anrichten, wenn sie dann tatsächlich irgendwo in die Regierung kommen und statt Phrasen zu schwingen Verantwortung übernehmen müssen (sollten).
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rocky53
17.04.2018 07:01registriert Januar 2018
lärmen und poltern bringt eben nichts,scheinbar merkts nun auch der letzte bürger. das chronische altersheim ,gize reimann ,stamm und co ist höchste zeit zu entlassen. ihr müsst euch verändern sonst geht ihr unter,der name blocher zeigt immer wieder ist nicht für büezer,man kanns nicht mehr verheimlichen.
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