Schweiz
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ZUR HERBSTSESSION AM DONNERSTAG, 21. SEPTEMBER 2017, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Die Braunvieh Kuh Seraina mit Hoernern des Bio-Bauers Kari Haerri, aufgenommen in Oberwil-Lieli, Kanton Aargau, am Mittwoch, 23. September 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Kühe in Oberwil-Lieli, Aargau. Bild: KEYSTONE

Aargauer Kühen droht frühzeitig die Schlachtbank – wegen der Hitze

Aargauer Viehhalter sind in Bedrängnis: Wegen der anhaltenden Trockenperiode geht ihnen das Tierfutter aus. Entweder sie kaufen Futter zu oder sie müssen ihre Kühe schlachten.

Sandra Meier / AZ



Bis zu zwei Monate Regen fehlt im Aargau. Wegen der anhaltenden Trockenperiode verschärft sich die Situation für Aargauer Viehhalter zunehmend: Das Tierfutter geht aus. «Es sieht nicht gut aus, die Bauern werden immer nervöser», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbands. «Wir schicken die Kühe zwar in der Nacht auf die Weide, sie kommen jedoch mit leeren Mägen wieder nach Hause.» Bucher geht von Ertragsausfällen zwischen 20 bis 30 Prozent aus. Es fehlen zwei von jährlich fünf Schnitten auf den Wiesen.

Auch auf Buchers Hof ist die Situation angespannt. Der CVP-Grossrat betreibt in Mühlau einen Bauernhof mit 27 Kühen. Weil das Futter knapp ist, schickte er gestern Morgen eine Kuh zum Schlachter – fünf Monate früher als geplant. Im Gegensatz zu anderen Betrieben kann er nicht auf Futterreserven aus dem letzten Jahr zurückgreifen. Um weitere Schlachtungen zu verhindern, versucht er nun, weitere Kühe an andere Betriebe zu verkaufen.

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON AARGAU STELLEN WIR IHNEN AM SONNTAG, 28. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Portrait von Ralf Bucher, CVP Kanton Aargau, Kandidat fuer den Nationalrat, Wahlen 2015. (KEYSTONE/Handout/CVP Aargau/LWA SWISS PROFESSIONALS TEAM)

Ralf Bucher, Geschäftsführer Bauernverband Aargau. Bild: CVP KANTON AARGAU

Die aktuelle Situation sei noch prekärer als im Hitzesommer vor 15 Jahren. «2003 hatten wir immerhin ab und zu etwas Gewitterregen. Dieses Jahr fast gar nichts.» Damals sei die Lage zumindest im Freiamt entspannter gewesen. Zudem konnten Aargauer Bauern gutes Futter aus der Innerschweiz beziehen, die dieses zu einem solidarischen Preis an die Bauern verkauften. Doch heuer sind auch deren Felder braun und ausgetrocknet.

Immer mehr Landwirte sehen sich deshalb gezwungen, ihrem Vieh Heu zu verfüttern, das eigentlich für den nächsten Winter vorgesehen ist. Futterengpässe im kommenden Winterhalbjahr und damit auch höhere Futterpreise sind vorprogrammiert. Bucher schätzt die Schäden für die Aargauer Landwirtschaft im mehrstelligen Millionenbereich.

Heupreise werden steigen«Wir appellieren nun an diejenigen Bauern, die noch mehr Futterreserven haben, sich analog zum 2003 solidarisch zu zeigen.» Das heisst: nicht das grosse Geschäft zu suchen und ihre Reserven zu horrenden Preisen an andere Bauern zu verkaufen. Der Heupreis dürfte dennoch in die Höhe schiessen. Die Viehalter müssen nun abwägen, ob sie Futter zukaufen oder ihre Tiere zum Schlachter bringen. Entscheidet sich Ralf Bucher selbst für zusätzliches Tierfutter, kostet ihn das mit 27 Kühen pro Tag 200 Franken. Ein gesundes Tier vorzeitig zu schlachten, sei aber das Letzte, was man eigentlich tun wolle.

Zirka 33 000 Kühe leben im Aargau. In einem normalen Jahr werden etwa 6500 Kühe geschlachtet, das entspricht 125 Tieren pro Woche. «Es wird aller Voraussicht nach aktuell eine Erhöhung der Schlachtzahlen geben.» Wie stark diese ansteigen, kann er noch nicht abschätzen. Bringen immer mehr Bauern ihre Tiere in dieser Notsituation früher zum Schlachthof, fällt der Schlachtpreis zusammen. Wichtig ist laut Bucher, den Markt zu verfolgen und Fleisch einzulagern für Zeiten, in denen es fehlen wird. «Und diese Zeit kommt spätestens nächstes Jahr.» Mit Einlagerung soll ein Preissturz für alle Rindviehhalter verhindert werden, also auch Muni- und Rindermäster. «Gleichzeitig soll auch nichts mehr importiert werden dürfen», betont Bucher.

Schlachter rechnet mit Rekord

Von einem Import-Stopp will Peter Schneider, Geschäftsleitungsmitglied von Proviande, noch nicht sprechen. Die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft überwacht auch die öffentlichen Schlachtviehmärkte. Klar ist: «Das Angebot wird spürbar zunehmen», so Schneider. Bereits für nächste Woche herrsche ein gutes Angebot, was eine Preiskorrektur ausgelöst habe. Angebot und Nachfrage haben Einfluss auf den Preis und somit auch auf den Erlös für den Produzenten. Sinkt der Schlachtpreis, verdienen die Bauern weniger pro Kilo Fleisch. Vorwiegend würden erst Kühe, also ältere Tiere, vorzeitig zum Schlachter gebracht.«Der Verwaltungsrat von Proviande berät sich alle vier Wochen. Er wird die aktuelle Lage laufend beobachten und den nächsten Beschluss am 31. August fällen.» Würde sich die Angebotssituation auf dem Rindviehmarkt weiter verschärfen und damit auch der Preisdruck, seien Importbeschränkungen aber denkbar.

Auf dem Schlachthof in Würenlingen spürt Geschäftsführer Michael Büttner noch nichts von der Nervosität der Viehhalter. Die Schlachtungen hätten bisher nicht zugenommen. «In den nächsten Wochen wird die Zahl der zu schlachtenden Rinder aber sicher in die Höhe schiessen.» Seit elf Jahren betreibt er das Unternehmen. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Schlachtrekord.

Nicht nur die Schweiz, ganz Europa schwitzt

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    Alle Leser-Kommentare
  • mogad 03.08.2018 10:28
    Highlight Highlight Wie stark muss doch die Bauernlobby sein, dass sie mit Allem immer sofort gross in den Medien kommt. Und ausgerechnet die SVP-Hochburg Aargau - noch mehr Autos, noch mehr Strassen und Parkplätze, noch mehr Grünflächen zubetonieren mit schicken Eigentumswohnungen, noch mehr Riesenevents (Heiteren-Openair) mit tausenden von parkplatzsuchenden Autofahrern und hunderten von Tonnen Kunststoffabfall usw..! Mir tun die Tiere leid. Die Landwirtschaft stösst selber viel klimaschädigendes CO2 aus! Erzählt uns doch mal was Ihr konkret macht für die CO2-Reduktion in Euren Betrieben?
    • Skip Bo 03.08.2018 13:34
      Highlight Highlight Es sind meistens die Medien, welche um Statements betreffend speziellen Situationen, wie jetzt die Trockenheit, anfragen. Es sind nicht Bauern, welche bei den Redaktionen betteln ihre Situation darzulegen. Diese Präsenz ist nicht gesucht.
      Auf meinem Betrieb sind die Tiere frei draussen oder im offenen Stall zu sein. Zurzeit sind sie lieber im Stall.
      Ich betreibe Minimalbodenbearbeitung, d.h. eine Dieselersparnis von 50-60% ergo weniger CO2, benötige aber Glyphosat.
      Solaranlage für Strom.
      Wir machen keine Flugreisen. Geheizt wird 100% mit Holz, 2 Häuser.

    • Skip Bo 03.08.2018 13:41
      Highlight Highlight Fortsetzung: Es mag komisch tönen, aber meine 2 Traktoren helfen beim Dieselsparen.
      Es ist z.B. Dieselverschwendung wenn für leichte Arbeiten ein überdimensionierter Chlapf benutzt wird. Aber für Frontladerarbeiten und schwere Zugarbeiten benötigt man auch Sicherheitsaspekten halt einen grösseren Traktor.
    • mogad 03.08.2018 16:06
      Highlight Highlight @Skip Bo. Vielen Dank für die Infos.
  • Schnuderbueb 03.08.2018 08:32
    Highlight Highlight Der Grossteil dieser rechtsnationalen Sozialbezüger sagt doch immer und immer wieder es gibt keine Klimaerwärmung, Klimawandel und wenn vielleicht doch, ist es eine Erfindung (die Erste vermutlich) der Chinesen. Die wollen doch nur die hohe Nachfrage nach tsch-tsch stillen und nicht wahrhaben, dass sie mit zu den grössten CO² Produzenten gehören und somit zum grossen Teil mitverantwortlich sind für das Dilemma in dem sie nun sind. Aber der verpönte Staat wird ihnen immer und immer wieder unter die Arme greifen.
    • MacB 03.08.2018 09:56
      Highlight Highlight Bauern pauschal als rechtsnationale Sozialbezüger zu bezeichnen, spricht auch für sich. So ein Kommentar muss man nicht mal fertiglesen, zum Glück stand der Ausdruck grad am Anfang.
    • mogad 03.08.2018 10:35
      Highlight Highlight Wenn Sie Ihre Argumente sachlich vorgebracht hätten, könnt ich Ihnen zustimmen. Rechtsnationale Sozialbezüger bitte streichen! Es müsst uns ja zu denken geben, dass die Bauern 16 Stdn. am Tag arbeiten und nicht genug verdienen, um anständig leben zu können, sodass der Staat Geld zuschoppen muss.
    • sigma2 03.08.2018 11:10
      Highlight Highlight Ich find's gar nicht so unpassend.
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