Schweiz
Unfall

Unterländer füllen Spitäler in Bergkantonen: Diese fürchten Überlastung

Unterländer füllen Spitäler in den Bergkantonen: Diese fürchten Überlastung

Über die Wintermonate füllen sich die Spitalbetten in den Bergkantonen rasch mit Verunfallten. Nun zeigen neue Zahlen: Einheimische machen nur einen kleinen Teil aus.
23.12.2025, 23:0123.12.2025, 23:01
Michael Graber / ch media

Es klingt ein wenig wie zu Beginn der Corona-Pandemie. Die Spitäler fürchten ein «erhöhtes Überlastungsrisiko». Deshalb gebe es in der Notaufnahme eine «Vorsortierung durch Pflegepersonal und Bereitschaftsdienste». So sollen nach Möglichkeit «einfache Fälle an geeignete Einrichtungen wie ärztliche Bereitschaftsdienste oder Telemedizin» verwiesen werden.

Rettung eines verletzten Skifahrers durch REGA-Aerzte, der mit einem Hubschraubertransport ins Krankenhaus gebracht wird, am ersten Tag der Oeffnung der Skilifte in Cari im Valle Leventina, am Samstag ...
Während den Skiferien füllen sich die Spitäler in den Berggebieten rasch.Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Nun ist derzeit aber kein neuartiger Virus bekannt. Die Zitate stammen aus einer Mitteilung der Walliser Spitäler vom Montag. Sie fürchten sich nicht vor einer Pandemie oder anderen Krankheitswellen, sondern vor der Wintersaison. Dabei seien die Notfallaufnahmen der lokalen Spitäler «einem erhöhten Überlastungsrisiko ausgesetzt, was durch den Zustrom von Touristen und Skiunfälle noch verstärkt wird».

Das ist untertrieben. Ebenfalls am Montag veröffentlichte das Bundesamt für Statistik nämlich Zahlen, zu wie vielen Notfallhospitalisierungen es aufgrund von «winterlichen Verletzungen» kommt. Dabei zeigt sich, dass insbesondere die Kantone Graubünden und Wallis mit einer massiven Mehrbelastung zu kämpfen haben.

So werden beispielsweise in Graubünden im Oktober an einem durchschnittlichen Tag rund 10 Personen wegen Verletzungen hospitalisiert – im Februar, wenn die meisten Unterländer Sportferien haben, sind es 35 Menschen, die ins Spital müssen. Im Wallis ist die Kurve des Anstiegs weniger steil, aber auch hier wird eine Verdoppelung der Fälle über die Wintermonate gemessen. In der Waadt und Basel gibt es dagegen über die Wintermonate keine merkliche Veränderung, im Kanton Zürich sind es im Schnitt sogar leicht weniger Verletzungsfälle.

Mehr als die Hälfte aller Patienten stammt aus anderen Kantonen

Die Spitalbetten im Wallis und in Graubünden füllen über die Festtage und die Skiferien hauptsächlich die Unterländer und die Ausländer. Im Spitzenmonat Februar sind über 50 Prozent der Verunfallten (26,8 Notfallhospitalisierungen pro Tag) in anderen Kantonen wohnhaft. Dazu kommen noch 20 Prozent, die ihren Wohnsitz im Ausland haben. Nur gerade einmal knapp 30 Prozent aller Unfälle betreffen Walliserinnen und Bündner.

Etwas weniger überraschend sind die Zahlen betreffend der Arten der Verletzungen. In den Notaufnahmen der Wintersportkantone werden besonders viele Fälle von Kopfverletzungen und Knie- und Beinschäden behandelt. Ebenfalls deutlich zu nehmen die Verletzungen an Armen und Ellbogen. Typische Skiverletzungen.

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Macca_the_Alpacca
23.12.2025 23:45registriert Oktober 2021
Und die schweren Fälle nehmen alle den Helikopter ins Inselspital (im Kanton Bern). Die kommen aber auch aus dem Wallis und dabei hat es auch viele Touristen aus dem Ausland. An manchen Tagen mit schönem Wetter landet der Heli mehr als 10 mal. Hat sich schon irgendwer mal beschwert, das Stadtspital würde sich füllen mit Skitouristen? Nop.
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[CH-Bürger]
23.12.2025 23:33registriert August 2018
das war wohl schon immer so, warum jetzt diese Aufregung?

Es gab in den letzten Jahren vielleicht eine leichte Akzentuierung in der Nähe von Skigebieten in höheren Lagen, weil die tiefer gelegenen Skigebiete wegen Schneemangels eher gemieden werden?

Nebenbei: die Spitalinfrastruktur müsste stärker zentralisiert und Fachkompetenzen sinnvoll gebündelt werden.
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chrimark
24.12.2025 00:19registriert November 2016
Ok, aber das Geld für die durchaus lukrativen Unfälle nehmen die "Bergspitäler" ganz gerne. Ohne das Business mit den Touristen wäre das eine oder andere dieser Provinzspitäler längst geschlossen.
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