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«Ich kontaktierte meine Freunde im Trump Tower», sagt Faith Whittlesey.  bild: shutterstock

Wie Schneider-Ammann zu zehn Minuten mit Trump kam

Johann Schneider-Ammann am Telefon mit Donald Trump: Möglich wurde der Anruf dank einer minuziös geplanten Aktion von Ex-US-Botschafterin Faith Whittlesey.

othmar von matt / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Es war die Sekretärin von Johann Schneider-Ammann, welche die Linie in die USA zu Donald Trump aufbaute. Als Erstes beglückwünschte der Bundespräsident seinen Gesprächspartner an jenem 21. Dezember zur Wahl. Dann suchte er den Einstieg ins Gespräch von Unternehmer zu Unternehmer: Er sprach Caterpillar an, den weltgrössten Hersteller von Baumaschinen mit Hauptsitz in Illinois. Die Ammann Group, die er von 1990 bis 2010 leitete, habe mit Caterpillar schon 1931 einen Vertretungsvertrag für die Schweiz unterzeichnet, erzählte er.

Damit war das Eis gebrochen zwischen Schneider-Ammann und Trump. Es entwickelte sich ein respektvolles Gespräch über Handel, Bildung und Migration. Es stellte sich heraus, dass Trump bestens über die Schweiz informiert war. Trump hörte zu und fragte interessiert nach, etwa zur Migrationssituation in Europa. Zur Sprache kam auch die Idee von Alt-Bundesrat Adolf Ogi, in Genf ein Gipfeltreffen zwischen dem US-Präsidenten und Russlands Präsident Wladimir Putin durchzuführen, analog zum Gipfeltreffen von 1985 zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow. Nach zehn Minuten war das Gespräch beendet.

Bundespraesident Johann Schneider-Ammann aeussert sich an einem Point de Presse zum ablaufenden Praesidialjahr, am Montag, 19. Januar 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Johann Schneider-Ammann: Sein Telefonat mit Donald Trump dauerte etwa zehn Minuten. Bild: KEYSTONE

Treffen in Berner Nobelhotel

Nur: Wie war das Gespräch zustande gekommen? Das dafür entscheidende Treffen hatte über einen Monat zuvor stattgefunden – am Mittwoch, 16. November, eine Woche nach der Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten. Faith Whittlesey (77), zweimal US-Botschafterin in der Schweiz unter Ronald Reagan (1981–83 und 1985–88) und 2016 freiwillige Supporterin für Trump, wartete am Ausgang des Berner Nobelhotels Bellevue. Sie kam vom Dinner für die Young Leaders Conference der American Swiss Foundation, deren Vorsitz sie bis 2008 hatte.

Mit ihr wartete auch ein prominenter Schweizer: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. Es war der Zürcher Wirtschaftsanwalt Thierry Cagianut, der sie Schneider-Ammann vorstellte. «Er war sehr freundlich», sagt sie. Es entwickelte sich ein Gespräch. Eines mit Folgen.

Am selben Mittwoch ging es auf Twitter hoch zu und her. Trump persönlich echauffierte sich über einen Artikel in der «New York Times». Die Zeitung schrieb über Entlassungen und Streit in Trumps Übergangsteam. Und sie kritisierte, Trump habe die Gespräche mit ausländischen Präsidenten nicht im Griff. Die ersten Anrufe seien planlos gewesen. Zudem wüssten wichtige Alliierte der USA nicht, wie sie Trump erreichen könnten. «Die Story der ‹New York Times› zum Regierungs-Übergang fällt durch», konterte Trump auf Twitter. «Sie ist total falsch. Es läuft reibungslos.» Er habe Anrufe vieler ausländischer Präsidenten erhalten und entgegengenommen: «Russland, UK, China, Saudi-Arabien, Japan, Australien, Neuseeland und andere. Ich bin stets erreichbar für sie.»

FILE - In this Dec. 28, 2016 file photo, President-elect Donald Trump speaks to reporters at Mar-a-Lago in Palm Beach, Fla. Trump challenges U.S. intelligence agencies to provide decisive evidence of Russian involvement in election-season hacking. Ahead of a highly anticipated congressional hearing, Trump is exploiting some Americans’ skepticism and undercutting officials he will soon rely on. (AP Photo/Evan Vucci, File)

Donald Trump: War bei seinem Telefonat mit Schneider-Ammann offenbar bestens über die Schweiz informiert. Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

Die Tweets und das Gespräch mit Schneider-Ammann brachten Whittlesey und Cagianut auf die Idee, ein Telefongespräch zwischen Trump und Schneider-Ammann in die Wege zu leiten. Die Tweets zeigten, dass ein solcher Versuch Chancen haben musste.

Whittlesey, die als Freundin der Schweiz gilt, kontaktierte danach «meine Freunde im Trump Tower», wie sie sagt. Sie erzählte ihnen von den ausgezeichneten Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA. Die Schweiz ist sechstgrösster Investor in den USA und Schweizer Unternehmen bieten in den USA 450'000 Menschen einen Job. Whittlesey: «Alle reagierten positiv.» Sie kennt Trump und dessen Familie seit sechs Jahren, war immer wieder Gast bei Trumps, fährt fast täglich an deren Anwesen in Palm Beach vorbei. Im Wahlkampf machte Whittlesey Kampagne für ihn und seit seinem Wahlsieg berät sie zeitweise sein Team im Trump Tower im Hinblick auf den Aufbau der Regierung.

Zu Gast an Trumps Weihnachtsfeier

«Da ich auch im Weissen Haus gearbeitet habe, weiss ich, was es braucht, um ein solches Gespräch erfolgreich zustande zu bringen», sagt sie. Sie hatte auch Trumps Briefingpapier vorbereitet für das Gespräch mit Bern. Inzwischen vermittelt sie die Kontakte in die Trump-Administration professionell. Sie hat dafür eine Beratungsfirma gegründet, die Whittlesey Associates International. Und sie unterstützt Trumps Kurs via Meinungsartikel.

Drei Tage später war Faith Whittlesey zu Trumps Weihnachtsfeier geladen, in dessen Luxusresort Mar-a-Lago. «Hello, Madame Ambassador», begrüsste er sie lächelnd. Und begann vom Gespräch mit Schneider-Ammann zu erzählen. Es sei gut und in sympathischer Atmosphäre über die Bühne gegangen. Er freue sich auf gute Beziehungen mit der Schweiz.

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