DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV - Ein Fahrradfahrer fährt am 09.09.2015 in Berlin über den Radweg am Moritzplatz. Der rot-rot-grüne Koalitionsvertrag hat die Berliner Fahrrad-Fans jubeln lassen. (zu dpa

Ohne diese Regel gibt's auch die frühere Busse von 20 Franken nicht mehr. Bild: dpa-Zentralbild

Diese Regel für Velofahrer wurde abgeschafft – und keiner hat’s mitgekriegt

Der Bundesrat hat die Glocken-Pflicht aufgehoben. Nur hat das bislang kaum jemand gemerkt. Velo-Lobbyisten können den Entscheid nicht verstehen.

SVEN ALTERMATT / Aargauer Zeitung



Sie ist laut und kann ziemlich nerven. Doch bei aller Hassliebe, die man der Veloglocke entgegenbringen mag: Einen solchen Niedergang hat sie nicht verdient. Still und leise ist sie faktisch für bedeutungslos erklärt worden. Seit dem 15. Januar dieses Jahres sind Veloglocken in der Schweiz nicht mehr obligatorisch.

Die Velo-Glocke muss nicht mehr sein – was hältst du davon?

Kaum jemand hat bislang davon Notiz genommen, was der Bundesrat in seiner Sitzung vom 16. November 2016 beschlossen hat. Die Landesregierung verabschiedete eine Änderung in der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge.

Selbst Verkäufer haben keine Ahnung

Darin war zuvor in Artikel 218 festgeschrieben: Ein Velo muss eine «gut hörbare Glocke aufweisen». Wer sich nicht daran hielt, hatte eine Busse von 20 Franken zu befürchten. Ausgenommen von der Regelung waren Drahtesel, die leichter als elf Kilogramm sind. Hauptsächlich Rennvelos also.

Nun ist die Glocken-Pflicht passé. Aber selbst bei Velohändlern scheint diese Nachricht noch nicht so richtig angekommen zu sein. Die Migros-Tochter «M-Way» etwa verweist in ihrem Onlineshop noch immer auf das Obligatorium.

Ebenso aufschlussreich ist der Besuch in einem Stadtberner Fachgeschäft. «Das Obligatorium besteht nicht mehr?», fragt der Verkäufer ungläubig. «Dabei ist das ja eine gute Sache.» Schliesslich müsse man sich gerade als Velofahrer im Strassenverkehr oft genug Gehör verschaffen.

Durch den Verkehr kommen

Dieser Ansicht ist auch Christoph Merkli. Der Geschäftsführer von Pro Velo ist einer der wenigen, der das Ende der Glockenpflicht frühzeitig zu Kenntnis genommen hat. Seine Organisation versuchte beim Bundesamt für Strassen (Astra) erfolglos, die Abschaffung zu verhindern.

Eine Veloglocke sei mehr als nützlich, sagt Merkli. «Sie ist schlicht notwendig, um sicher durch den Verkehr zu kommen.» Zum einen, um in brenzligen Situationen überhaupt auf sich aufmerksam zu machen. Gerade gegenüber Fussgängern. Zum anderen als Warnsignal bei Überholmanövern auf Velowegen.

Bund will weniger Vorschriften

Ohne Zweifel, mit den Veloglocken ist das so eine Sache. Manche werden im hektischen Verkehr allzu oft überhört. Andere Glocken sind alles übertönend und scheuchen Fussgänger regelrecht aus dem Weg. Und trotzdem, findet Merkli: «Unter dem Strich überwiegen die Vorteile.»

Warum wurde die Glocken-Pflicht überhaupt aufgehoben? Dem Astra ging es bei diesem Schritt primär darum, einen alten Zopf abzuschaffen. Merkli sagt, er finde den Abbau von Regulierungen eigentlich sympathisch. «Hier geschieht das jedoch auf Kosten der Sicherheit.»

Pro Velo warnt davor, die Anforderungen an die Zweiräder hinunterzuschrauben. Damit verkomme das Velo zum reinen Freizeitgerät. Wie ernst es dem Astra mit dem Abbau von Vorschriften ist, zeigt ein weiteres Beispiel: Velosattel sind neu nicht mehr explizit vorgeschrieben. Immerhin dürfte kaum jemand freiwillig darauf verzichten.

Auch ohne Glocke schön: watson fährt Velo

Für Geniesser: Das sind 11 der schönsten Velo-Ausfahrten der Schweiz

Link zum Artikel

86 Kilometer lang, 3275 Meter hoch: Der brutale Aufstieg mit dem Velo auf den Wuling-Pass in Taiwan

Link zum Artikel

Der Sommer kann kommen: Das sind 9 der schönsten Velo-Ausfahrten der Schweiz

Link zum Artikel

Cabarets, Käse, ein Fuchs und die Frage, ob ich noch ganz normal bin – von der Vorbereitung auf ein Velorennen rund um die Schweiz

Link zum Artikel

Von Don Quijote zu Richard Löwenherz – mein wilder Ritt durch Estavayer-le-Lac 

Link zum Artikel

Entweder du liebst sie, oder du hasst sie: Die Alpenpässe. Aber beeindruckend sind sie allemal, das beweisen diese Bilder

Link zum Artikel

Die Krux mit Pässen und wenn es einfach nur noch «ufe, ufe, ufe» geht 

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Gefährlicher Streit auf den Strassen: Autofahrende ärgern sich über Critical Mass

Die Critical-Mass-Bewegung wächst – und verschärft den Konflikt zwischen Velo- und Autofahrenden auf den Strassen. Gruppen, die sich für Velo-Politik einsetzen, werden beleidigt oder gar mit dem Tod bedroht.

«Parasiten!», «Chetteliwixer», «Di grösste Vollidiote», «Fuck off 🤮», «Dumms grüens Saupack», «Mach dich ned peinlich», «Velofahrer gehören unter den LKW».

Willkommen auf der Facebook-Seite von Umverkehr, einer Umweltorganisation, die den Verkehr vermindern, umweltfreundlicher und platzsparender machen will. So beschreibt sich der Verein auf seiner Webseite. Aktuell plant er mit den Stadtklima-Initiativen in Basel, Bern, Genf, St. Gallen, Winterthur und Zürich, einen Teil des Strassenraums in …

Artikel lesen
Link zum Artikel