Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Und rein ins Rampenlicht: Wer ist eigentlich Viola Amherd?

Die neu gewählte Bundesrätin Viola Amherd sieht sich als Brückenbauerin und Mittepolitikerin. Die aktuelle Zuwanderung hält sie für verkraftbar. Nicht zuletzt ihr kürzlicher Spitalaufenthalt hat sie darin bestärkt.



Viola Amherd erklaert Annahme der Wahl zum 118. Mitglied des Bundesrates waehred der Ersatzwahl in den Bundesrat durch die Vereinigte Bundesversammlung, am Mittwoch, 5. Dezember 2018 im Nationalratssaal in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Sieht sich als Brückenbauerin zu Minderheiten und zu anderen Positionen: die frisch gewählte CVP-Bundesrätin Viola Amherd. Bild: KEYSTONE

Als Amherd ihre politische Karriere bei der Oberwalliser CVP im Jahr 1992 begann, hätte sie nie gedacht, dass sie eines Tages Bundesrätin werden würde. Am Anfang ihrer Laufbahn musste sie laut eigenen Aussagen eher dazu überredet werden, für ein Amt zu kandidieren. Auch in die nationale Politik stieg sie 2005 durch die Hintertüre ein. Als erster Ersatz auf der Liste der CVP konnte sie Jean-Michel Cina im Nationalrat beerben, als dieser in den Walliser Staatsrat gewählt wurde.

Als diskrete Politikerin bevorzugt Amherd - eigentlich - die Arbeit hinter den Kulissen. Damit dürfte mit der Wahl in die Landesregierung allerdings Schluss sein.

Fristenlösung und Homo-Ehe

Im Nationalrat galt Viola Amherd als stille Schafferin, die ihre Dossiers im Griff hat. Ein Blick auf Abstimmungsverhalten und politische Vorstösse im Parlament zeigt, dass sich Amherd für die Berggebiete und einen starken Service publique in den Randregionen engagierte. Ausserdem war sie stets eine vehemente Befürworterin des Ausbaus des Lötschbergtunnels, und sie überzeugte das Parlament davon, ein Verbot von Gefahrenguttransporten über den Simplon umzusetzen.

ARCHIVBILD - ZUR CVP-BUNDESRATSKANDIDATIN VIOLA  AMHERD STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Viola Amherd (CVP-VS) telefoniert waehrend einer Debatte im Nationalrat waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 17. Dezember 2015 in Bern.  (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: KEYSTONE

Am Herzen liegen der CVP-Frau auch Kinderrechte und Anliegen der Jugendlichen. So forderte sie kürzlich mit einer parlamentarischen Initiative, dass Cybergrooming mit Minderjährigen unter Strafe zu stellen sei. Amherd ist ledig und hat keine Kinder.

Der CVP-Politikerin wurde von konservativen Kreisen oft das Etikett «zu links und zu feministisch» angeheftet. Sie kämpfte in den 1990er-Jahren für die Fristenlösung und spricht sich heute für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub und die Homo-Ehe aus.

Im Bundeshaus am Tag der Bundesratswahlen

Trotzdem beansprucht sie für sich einen Platz in der Mitte des politischen Spektrums. Sie spricht, liest und schreibt fliessend Französisch und sieht sich als Brückenbauerin zur Westschweiz, aber auch zu anderen Minderheiten und Positionen. Als Oberwalliserin vertritt sie eine deutschsprachige Minderheit in einem frankophonen Kanton.

«Nicht zu viele Ausländer»Als grösste Herausforderungen der näheren Zukunft nennt die 56-Jährige die Digitalisierung, die Beziehungen zwischen der Schweiz und Europa, die Sicherung der Altersvorsorge, die Mobilität und die Kostenexplosion im Gesundheitswesen.

Die Zuwanderung hingegen hält sie nicht für ein zentrales Problem. So antwortetet sie etwa auf die Frage der Zeitungen von CH Media «Hat die Schweiz zu viele Ausländer?» mit «Nein». Es brauche die ausländischen Fachkräfte.

Die Negativschlagzeilen um eine Mietzinsaffäre und Notariatsgebühren, die Amherd in den letzten Tagen und Wochen vor ihrer Wahl begleitet haben, hat sie gekontert und offenbar weggesteckt. Zwischenzeitlich musste sie allerdings pausieren: Nierensteine zwangen sie zu einem Spitalaufenthalt. Im Spital habe sie gesehen, sagte sie zu den Tamedia-Medien, dass die Gesundheitsversorgung ohne ausländische Fachkräfte zusammenbrechen würde. Dasselbe gelte für den Tourismus.

Freundschaft mit Hauser-Süess

Ein Blick zurück: Die heute 56-jährige Viola Amherd wurde 1962 in eine katholische Familie hineingeboren. Bereits ihr Vater war CVP-Mitglied. Nach dem Besuch des Lateingymnasiums am Kollegium Spiritus Sanctus in Brig studierte sie an der Universität Freiburg Rechtswissenschaften und schloss mit dem Lizentiat als Anwältin und Notarin ab.

Seit 1991 ist die künftige Bundesrätin freiberuflich als Anwältin und Notarin mit eigenem Büro in Brig-Glis tätig. Die Oberwalliserin verbindet eine enge Freundschaft mit Brigitte Hauser-Süess, der früheren Präsidentin der CVP-Frauen. Die 64-jährige Hauser-Süess war Förderin von alt CVP-Bundesrätin Ruth Metzler und unter anderem Kommunikationschefin von alt BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

Die ebenfalls aus dem Oberwallis stammende Hauser-Süess soll ihre Freundin zum Einstieg in die Politik ermuntert haben. So wurde Amherd 1992 mit erst 30 Jahren in die Exekutive der Stadtgemeinde Brig-Glis gewählt, von 1996 bis 2000 war sie deren Vizepräsidentin und von 2000 bis 2012 Stadtpräsidentin. Kritiker warfen Amherd vor, sie habe sich eine Legislatur zu lange an dieses Amt geklammert und damit den Verlust dieser CVP-Bastion an die SVP provoziert.

1999 kandidierte Amherd für die Nachfolge von Peter Bodenmann (SP) in der Walliser Kantonsregierung. Sie landete hinter dem Sozialdemokraten Thomas Burgener auf dem zweiten Platz und verpasste es somit knapp, als erste Frau in die Walliser Kantonsregierung einzuziehen. (aeg/sda)

Nico Franzoni an der Nacht der langen Messer

abspielen

Video: watson/Angelina Graf, Nico Franzoni

Bundesratswahlen 2018

Morgen gibt es 2 neue Bundesrätinnen – mit dieser Grafik kannst du mitdiskutieren

Link zum Artikel

Nur ein grober Fehltritt kann Amherd und Keller-Sutter noch stoppen

Link zum Artikel

Kriegstreiber, Komplotte, Kopp: Diese 11 Bundesratswahlen seit 1848 ragen heraus

Link zum Artikel

Das Machtnetz von Bundesrats-Kandidatin Viola Amherd

Link zum Artikel

Bloss lauwarmer Support von der SVP – Heidi Z’graggen packt ihre Chance nicht

Link zum Artikel

So denkt Heidi Z’graggen über den Migrationspakt, die EU und die «Ehe für alle»

Link zum Artikel

Frauen sind die besseren Männer – auch für den Bundesrat

Link zum Artikel

«Wir staunen nur noch»: CVP landet mit Frauenticket einen Überraschungscoup

Link zum Artikel

CVP und FDP präsentieren Zweierticket – das musst du über die Bundesratskandidaten wissen

Link zum Artikel

Nur ein Mann nominiert – die Chancen für drei Frauen im Bundesrat stehen gut

Link zum Artikel

«Dä isch en Depp»: Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen tappt in die Mikrofon-Falle

Link zum Artikel

Der CVP-Bundesrats-Talk war beste Werbung für ein Frauenticket

Link zum Artikel

Nur Machtspielchen können Keller-Sutter noch stoppen

Link zum Artikel

Bundesratswahl: Klare Sache bei der FDP – Konfusion bei der CVP

Link zum Artikel

Keller-Sutters Rivalen geben reihenweise auf – woran sie trotzdem noch scheitern könnte

Link zum Artikel

Er ging mit einem Lächeln: 4 Pointen, die JSA bei seiner Abschieds-PK gekonnt setzte

Link zum Artikel

Eine populäre Strahlefrau mit kleinen Fehlern

Link zum Artikel

Schneider-Ammann war ein Chrampfer – der fragwürdige Entscheide traf

Link zum Artikel

Braucht es 3 Frauen im Bundesrat? 5 Dinge, die du nach dem Doppelrücktritt wissen musst

Link zum Artikel

Reines Frauenticket? Das sagt FDP-Chefin Gössi über die Nachfolge von Schneider-Ammann

Link zum Artikel

CVP will mindestens eine Frau ins Bundesrats-Rennen schicken

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Die Influencer der Zukunft sind nicht menschlich – und sind jetzt schon Millionen wert

Link zum Artikel

Roger Federer ein Spielball der Strömung – das könnte zum Problem werden

Link zum Artikel

Kassieren SVP und SP eine Schlappe? 7 wichtige Punkte zu den Zürcher Wahlen

Link zum Artikel

Im 30'000-Franken-Outfit – so rückt Leroy Sané in die DFB-Elf ein

Link zum Artikel

Bye-bye Beno: Wie der ehemalige Gassen-Mönch in die völkische Szene abrutschte

Link zum Artikel

Das sind die 3 typischen Phasen eines Pyro-Vorfalls

Link zum Artikel

Wie Trump im Fall Manafort schachmatt gesetzt wurde

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

7 Wahlen hat er analysiert – jetzt meint er: «Das System könnte aus den Fugen geraten»

Die Konkordanz in der Krise, Blocher am Ende, die Operation Libero im Aufwind: watson hat mit Claude Longchamp, dem bekanntesten Politologen der Schweiz, auf das Politjahr 2018 zurückgeschaut – und ihn gefragt, wer die Wahlen 2019 gewinnt.

Herr Longchamp, wäre die Schweizer Politik ein Wein: Wie würden Sie den Jahrgang 2018 bewerten?Claude Longchamp: Es ist ein abwechslungsreicher Jahrgang, teilweise fruchtig, manchmal sogar gehaltvoll. Doch wie der 2018er im Abgang wirkt, muss sich erst noch zeigen. Es besteht die Gefahr, dass dieser Nachgeschmack säuerlich wird.

Woher kommt diese Gefahr?Es ist noch nicht klar, was mit den drei grossen Dossiers der aktuellen Legislatur geschieht: der Reform der Unternehmenssteuern, der …

Artikel lesen
Link zum Artikel