Schweiz
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ARCHIVBILD --- ZUM GEPLANTEN RUECKTRITT VON BUNDESRAT JOHANN SCHNEIDER-AMMANN PER ENDE 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- epa05426198 Swiss President Johann Schneider-Ammann (L) tries archery while Mongolian President Tsakhiagiin Elbegdorj (R) looks on during a traditional nomadic Naadam festival performance as part of the 11th Asia-Europe Meeting (ASEM) Summit of Heads of State and Government (ASEM11) in Ulan Bator, Mongolia, 15 July 2016. Mongolia is hosting the 11th ASEM Summit of Heads of State and Government (ASEM11) in its capital city Ulan Bator from 15 to 16 July 2016.  KEYSTONE/EPA/DAVAANYAM DELGERJARGAL

Handelsreisender in Sachen Wohlstand: Johann Schneider-Ammann am Asien-Europa-Gipfel 2016 in der Mongolei. Bild: EPA

Kommentar

Schneider-Ammann war ein Chrampfer – der fragwürdige Entscheide traf

Bundesrat Johann Schneider-Ammann war ein Getriebener. Dem Wohlstand und den Arbeitsplätzen in der Schweiz ordnete er alles unter. Dabei traf er auch fragwürdige Entscheide.



Man konnte leicht über Johann Schneider-Ammann spotten. Natürlich vor allem über seinen verunglückten Auftritt als Bundespräsident am Tag der Kranken 2016, als er im Westschweizer Fernsehen mit steinerner Miene erklärte: «Rire c'est bon pour la santé.» Das Video ging um die Welt, sogar US-Präsident Barack Obama sprach JSA auf die unfreiwillig komische Einlage an.

Allerdings konnte Schneider-Ammann auch über sich selber lachen. Als er einige Wochen später an der Delegiertenversammlung der FDP Schweiz in Bern eine Laudatio auf den abtretenden Parteipräsidenten Philipp Müller hielt, sagte er launig, er werde nun ins Französische wechseln: «Immer wenn ich ernsthaft bin, rede ich Französisch.» Das Parteivolk klopfte sich auf die Schenkel.

Die lustigsten Auftritte von Bundesrat Schneider-Ammann

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Video: watson/nico franzoni

In dem Bonmot liegt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Denn der Antrieb von Schneider-Ammanns Amtszeit als Wirtschaftsminister lässt sich ebenfalls mit einem französischen Ausdruck auf den Punkt bringen: Petit Paradis. Als solches sah er die Schweiz, weniger landschaftlich als wirtschaftlich. Immer wieder hat er den Ausdruck verwendet, so in seiner Rücktrittserklärung. Oder an die Adresse der Bauern, die sich gegen mehr Freihandel sträuben.

Jobs, Jobs, Jobs

Der Sohn eines Tierarztes aus dem Emmental, der in die Industriellenfamilie Ammann in Langenthal eingeheiratet hatte und zum erfolgreichen (Export-) Unternehmer geworden war, war als Nationalrat und erst recht als Bundesrat getrieben von der Sorge um den Wohlstand und die Arbeitsplätze in der Schweiz. Ihrem Erhalt ordnete er alles unter, auch ethische Bedenken.

Einige Beispiele

Johann Schneider-Ammann

Vorbildlich war Johann Schneider-Ammanns Einsatz für die Berufsbildung. Dafür unterschätzte er den Unmut über die Zuwanderung, der zur Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative führte. Die Aufforderung, das einheimische Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen und ältere Menschen im Arbeitsprozess zu halten, schien er als Strafaufgabe zu empfinden.

Vulgärliberale Reflexe

Staatlicher Interventionismus war ihm ein Gräuel. Für einen Bundesrat, der sich bei seiner Wahl 2010 die Stimmen der Linken mit einem Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft gesichert hatte, konnte Schneider-Ammann bedenklich vulgärliberale Reflexe entwickeln.

Als Gesamtbild betrachtet ist seine Bilanz sicher positiv, der Schweiz geht es wirtschaftlich gut. Aber gerade bei der Sozialpartnerschaft überschattet der Eklat mit den Gewerkschaften im Streit um die flankierenden Massnahmen und das EU-Rahmenabkommen das Ende seiner Amtszeit.

Johann Schneider-Ammann war ein ehrlicher Chrampfer, kein Visionär. Die Frage, ob man das Petit Paradis auch mit mehr Nachhaltigkeit sichern könnte, hat ihn nie interessiert. Wohlstand betrachtete er rein materiell. Als Wirtschaftsminister konnte er wohl nicht anders. Dennoch würde man sich von seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin mehr innovative Impulse wünschen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • schrat 25.09.2018 22:46
    Highlight Highlight Zum letzten abschnitt:
    Wer könnte auch erwarten das auch die Linken gegen die EI sein können😉
  • sowhat 25.09.2018 19:25
    Highlight Highlight Auf den Punkt. Aber so was von. Danke Peter.
  • DerewigeSchweizer 25.09.2018 15:33
    Highlight Highlight Johann Schneider-Ammann ist v.A. ein Multimillionär, der sein Vermögensgeschäfte in Luxemburg vor dem schweizer Fiskus versteckt.
  • Astrogator 25.09.2018 14:49
    Highlight Highlight In seinem Arbeitszeugnis würde wohl die Floskel "er war stets bemüht" stehen.
  • inmi 25.09.2018 13:54
    Highlight Highlight Ja, Jobs, Jobs, Jobs.

    Darüber kann man sich als Journalist gerne lustig machen. Aber all die lustigen Sozialprogramme, die ihr ständig fordert, müssen von irgendwem bezahlt werden. Ohne Leute, die echte Jobs haben gibts all die Kultur- und Sozialprogramme nicht.
    • sowhat 25.09.2018 19:31
      Highlight Highlight Das ist eben genau nicht das Einzige. Ja brauchn diese Jobs eben nicht nur für Leute bis 45 Jahre.. Dafür brauchen wir keine Sozialprogramme, wie du das nennst, sondern die entsprechenden Rahmenbedingungen. Die erwarte ich von einem Wirtschaftsminister eben auch. Nicht nur Handelsabkommen, die die ethischen Grundlagen der Schweiz vernachlässigen.
    • Lew Bronstein 25.09.2018 20:41
      Highlight Highlight Zu den lustigen Sozialprogrammen gehören auch Infrastruktur (Strassen, Schienen, Wasserwerke, Telefon, Internet, Post), Bildung (Schulen für Dich oder Deine Kinder), Altersvorsorge, IV etc.

      Nur weil Du offenbar meinst, alle anderen würden das Geld ausgeben, das Du verdienst. Und BTW: Du bist nicht der einzige, der arbeitet.
    • ingmarbergman 26.09.2018 08:25
      Highlight Highlight Tja, wenn Firmen, die Milliardengewinne machen, trotzdem 2000 Angestellte entlassen, dann sind deine jobs, jobs, jobs weg.
      Wenn du dann mit 45 deinen job, job, job verlierst, wirst du froh sein, dass es Parteien gibt, die dafür kämpfen, dass unser Sozialstaat erhalten bleibt.
      Parteien, die es nicht bräuchte, wenn die Arbeitgeber auch für ihre Mitarbeiter schauen würden und nicht nur auf den Aktienkurs.
  • Pafeld 25.09.2018 13:47
    Highlight Highlight Wenn man Johann Schneider-Ammanns Tätigkeit auf den Punkt bringen will, hat wohl kaum ein Bundesrat je so viel Aufwand betrieben, um gar nichts zu tun.

    Ich für meinen Teil hätte gerne wieder einen Volkswirtschaftsminister, der die Volkswirtschaft als mehr betrachtet als eine Ansammlung von Unternehmen und der dessen Zusammenspiel nicht mit der Ignoranz des vorletzten Jahrhunderts wahrnimmt.
  • dracului 25.09.2018 13:42
    Highlight Highlight Schneider-Ammann war mit dem Thema „Digitalisierung“ unterwegs und überfordert. Hier braucht es weder ehrliche Chrampfer, noch Visionäre. Ich hoffe, das die Nachfolge den Winterschlaf beendet. In den letzten jahren hat die Schweiz auf Bundesebene das Thema nie richtig aufgleisen können.
    • Der Kritiker 25.09.2018 19:10
      Highlight Highlight Dracului, Du bist ja schon mit "das" und "dass" überfordert und möchtest nun JSA betreffend Digitalisierung kritisieren? Digitalisierung ist nicht Aufgabe des Staates, es ist die Aufgabe der Privatwirtschaft!

Aargau ist nicht allein: In diesen Kantonen sind die Einbürgerungshürden besonders hoch

Im Kanton Aargau gelten nach der gestrigen Abstimmung höhere Hürden für die Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern. Wer den roten Pass will, darf während zehn Jahren keine Sozialhilfe bezogen haben. In zwei anderen Kantonen gelten ebenfalls strenge Regeln.

Schweizerin und Schweizer zu werden ist nicht ganz einfach. Um den roten Pass zu kriegen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Im Kanton Aargau wurden die Bedingungen am Sonntag verschärft. Mit 101'716 Ja- zu 55'238 Nein-Stimmen hiess die Aargauer Stimmbevölkerung eine Verschärfung des Einbürgerungsgesetzes gut. Wer Schweizerin oder Schweizer werden will, darf während zehn Jahren keine Sozialhilfe bezogen haben.

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