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«Downburst» – oder was heute Nacht in Zürich los war

Vergangene Nacht sorgten heftige Sturmböen, Blitzentladungen und massive Niederschläge für ein beunruhigendes Spektakel. Noch ist die angespannte Wetterlage nicht ausgestanden, so der Meteo-Experte.
13.07.2021, 10:3813.07.2021, 15:43

Heute Nacht dürften einige von uns unschön aus dem Schlaf gerissen worden sein. Ein heftiges Gewitter zog über die Schweiz und hinterliess eine Spur der Verwüstung. Ursache dafür war unter anderem ein sogenannter «Downburst».

«Solche Downbursts sind an sich nichts Spezielles», sagt Klaus Marquardt von MeteoNews auf Anfrage von watson. Diese gebe es praktisch bei jedem Gewitter. Dabei handelt es sich um plötzlich auftretende Abwinde im Bereich einer Gewitterzelle. Das heisst, dass der Wind von oben nach unten fällt und am Boden auseinanderläuft, wobei sich starke Windböen bilden können.

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In der Nacht auf Dienstag wüteten Gewitter in der Schweiz
quelle: keystone / ennio leanza
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Begonnen hat das Unheil gestern am frühen Abend zwischen dem Wallis und dem Jura, wo sich erste Schauer- und Gewitterzellen bildeten. Danach nahm die Gewittertätigkeit stetig zu. Wie auf einem Förderband zogen von Südwesten her immer neue Zellen über die West- und Nordwestschweiz, so MeteoNews. Und dann ging es erst so richtig los.

Betroffen war dabei aber nicht nur Zürich, betont Marquardt, auch wenn das auf den ersten Blick den Anschein machte. In den sozialen Medien war zuerst vor allem viel Foto- und Videomaterial aus dem Raum Zürich zu finden. Es seien aber grosse Teile der Schweiz vom heftigen Gewitter betroffen gewesen.

Zwischen 22:30 und 23:00 Uhr wurde die Genferseeregion von einem breiten Gewittercluster erreicht, welcher bereits viel Hagel, Regen und Wind mit sich brachte. Um Mitternacht traf das Unwetter dann auf Thun, Bern und Biel, bevor es sich über das Emmental in Richtung Zentralschweiz verlagerte. Währenddessen verstärkte es sich weiter und sorgte neben intensivem Regen auch für Sturmböen.

Spitzenreiter ist dabei die Gemeinde Egolzwil im Kanton Luzern: Dort wurde mit 135 km/h eine Orkanböe registriert.

Kurz vor 02:00 Uhr wurde schliesslich der Grossraum Zürich vom heftigen Gewitter heimgesucht. Hier erreichten die Sturmböen eine Geschwindigkeit von über 100 km/h.

Den kräftigen Böen fielen zahlreiche Bäume und Äste zum Opfer.
Den kräftigen Böen fielen zahlreiche Bäume und Äste zum Opfer.
Bild: keystone

Während zwar weite Teile der Schweiz vom Gewitter betroffen waren, gab es gemäss MeteoNews im Kanton Zürich mit Abstand die meisten Blitzentladungen: Zwischen Mitternacht und 08:20 Uhr wurden 2742 Blitze registriert. Auf dem zweiten Platz liegt der Kanton Thurgau mit 895 Blitzen, gefolgt vom Tessin mit 739.

Nachdem das Unwetter Zürich erreicht hatte, wütete es in der folgenden Stunde auch in Winterthur, Schaffhausen und im Kanton Thurgau, bevor es zwischen 02:30 und 03:00 in Richtung Deutschland abzog.

Entwarnung gibt es vorerst nicht. Zwar sei das Pulver jetzt verschossen, was die Gewitterzellen betrifft, so Marquardt, doch jetzt verlagere sich der Fokus auf den Starkregen. Morgen gebe es zwar eine kleine Verschnaufpause, was den Niederschlag betreffe, doch insgesamt werde es in den kommenden Tagen sehr nass. «Diese Woche ist sicher kritisch in vielerlei Hinsicht», so Marquardt. Vor allem wegen dem Wasser: Viele Seen sind schon voll, der Wasserpegel bereits sehr hoch. Diverse Orte müssen sich für Hochwasser wappnen.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: «Die nächste Woche wird garantiert viel ruhiger als die jetzige», so Marquardt. Wie lange dies hinhalte, könne man allerdings noch nicht sagen. (saw)

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