Schweiz
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Eine Gruppe Snowboarderinnen aus dem Jugendskilager (JUSKILA) tobt sich am Mittwoch, 3. Januar 2007, im frischen Pulverschnee in Lenk aus. Bereits zum 66. Mal findet in der ersten Januarwoche das traditionelle Jugendskilager von Swiss Ski statt, an dem 600 Jugendliche aus der ganzen Schweiz gratis Ski- und Snowboardferien machen koennen.  (KEYSTONE/Juerg Mueller)

Eine Gruppe Snowboarderinnen beim Jugendskilager in der Lenk. Bild: KEYSTONE

Bergbahnen freuen sich: Die Jugend strömt wieder ins Skilager

Der Winter kann kommen! Die Gründer einer Schneesport-Initiative glauben, den jahrelangen Abwärtstrend gestoppt zu haben.

Philipp Felber und Niklaus Vontobel / Schweiz am Wochenende



Skilager schienen der Jugend verleidet zu sein. Ihre Zahl schwand jahrelang dahin, wie der Naturschnee neben den Kunstschneepisten für die Talabfahrten. Eine nationale Statistik hat die Schweiz zwar nie geführt. Aber die verfügbaren Indikatoren liessen keinen anderen Schluss zu: sinkende Verkaufszahlen von Bergbahnen und Skiverkäufern; Gruppenunterkünfte, die früher im Winter durchgehend ausgebucht waren, aber heute in der Hochsaison noch leere Betten haben. Skilager steckten in den 1980er-Jahren fest.

Das wollten die Bergbahnen ändern. Sie gründeten die Schneesport-Initiative «Gosnow», zu der heute auch die Skischulen gehören, die Wintersportindustrie, kantonale Behörden und das Bundesamt für Sport. Ihre gemeinsame Analyse: Skilager sind nicht passé. Sie sind bloss vielen Lehrern zu aufwendig geworden und zu riskant. Ein Unfall genügt, und die Eltern laufen schon Sturm. An diesem Punkt setzt «Gosnow» an. Ein Schneesportlager soll sich mit drei Klicks mit der Computermaus organisieren lassen, oder mit einem einzigen Telefonanruf.

«Gosnow» gibt es nun seit vier Jahren. Und bislang scheint sich die Analyse zu bestätigen. «Dieses Jahr werden wir voraussichtlich rund 110 Skilager vermitteln können, für 4000 Kinder. Letztes Jahr waren es 70 Lager und etwa 3000 Kinder», sagt Ole Rauch, Geschäftsführer von «Gosnow». «Wir glauben, dass wir damit den Abwärtstrend gestoppt haben oder zumindest auf gutem Weg dazu sind.»

Durchhaltewille gefragt

Die Bergbahnen freuen sich. «Die Initiative hat ein Ziel bereits erreicht: Sie hat einen Gegentrend ausgelöst. Skilager sind heute kein Auslaufmodell mehr», sagt Ueli Stückelberger, Direktor von Seilbahnen Schweiz. Diese Wende zeige sich deutlich an den Rückmeldungen von Lehrern. «Die Lehrer freuen sich, dass sie Skilager dank ‹Gosnow› mit drei Klicks organisieren können. Verfehlt findet diese Initiative niemand.»

Ski instructor and ski pupils of Swiss Snow Sport School Muerren-Schilthorn AG during a skiing lesson on a slope in the Muerren-Schilthorn ski area in the canton of Berne, Switzerland, pictured on March 1, 2009. (KEYSTONE/Xavier Gehrig)

Skilehrer und Skischueler der Schneesportschule Muerren-Schilthorn AG waehrend des Unterrichts auf einer Piste im Skigebiet Muerren-Schilthorn im Kanton Bern, aufgenommen am 1. Maerz 2009. (KEYSTONE/Xavier Gehrig)

Eine Gruppe Skischüler in Mürren.  Bild: KEYSTONE

Stückelberger ist zuversichtlich, dass «Gosnow» in den nächsten Jahren noch deutlich mehr Skilager organisieren wird. In der föderalistischen Schweiz würden die Dinge immer etwas länger dauern, da brauche es etwas Durchhaltewillen. «Gosnow»-Geschäftsführer Rauch glaubt, die Voraussetzungen dafür seien gut. «Wir haben die Hürden abgebaut. Ein Skilager in den Bergen ist zum Beispiel nicht mehr teurer als eine Herbstwoche im Mittelland.»

SBB werben für saisonale Aktion

Auch dank der Unterstützung der öffentlichen Verkehrsbetriebe. Die SBB machen eifrig Werbung für eine saisonale Aktion, die im Rahmen der Schneesport-Initiative «Gosnow» läuft. Für bloss 10 Franken können Schülerinnen und Schüler ins Skilager reisen und wieder zurück. Dasselbe Angebot gilt auch bei eintägigen Schneesporttagen. Von Schaffhausen nach Zermatt und zurück. Von der Aktion der SBB haben im letzten Jahr, als die Aktion das erste Mal durchgeführt wurde, bereits 11'500 Schülerinnen und Schüler Gebrauch gemacht. «In diesem Jahr rechnen wir damit, dass nochmals 10 Prozent mehr das Angebot nützen», sagt eine Sprecherin.

Ein Rest an Unsicherheit bleibt indessen noch. «Wir wissen schlicht nicht, wie viele Schneesportlager schweizweit organisiert wurden, dieses Jahr oder vor zehn Jahren. Wir haben bloss unsere eigenen Zahlen», sagt Rauch. Andererseits sieht er noch viele Möglichkeiten für «Gosnow». «Wir haben die Infrastruktur beieinander, um ein Mehrfaches der heutigen Lager zu vermitteln. Wir müssen unser Angebot bloss noch bekannter machen.» Noch würden viele Lehrer und Schulen «Gosnow» nicht kennen. 

Der Titel ursprüngliche Titel des Artikels lautete: «Trotz faulen Lehrern und Snapchat – Die Jugend strömt wieder ins Skilager». Er wurde in abgeändert in «Bergbahnen freuen sich: Die Jugend strömt wieder ins Skilager»

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nuka Cola 05.11.2017 11:12
    Highlight Highlight Halt ich nichts von, also von Skilagern, die Schule hat einen Bildungsauftrag, und keinen Bespassungsauftrag für jene, die gerne Skifahren.

    Wer solche Hobbys hat, der soll denen in seiner Freizeit nachgehen. Erst recht wenn es sich um solche Hobbys handelt, welche mit einem hohen Risiko einhergehen.

    Oder gibt es ein Tauchlager, ein Paintballlager, ein Rennradlager, ein Fallschirmspringlager und all die weiteren Hobbys, die man so haben kann, nein gibts nicht, und dieses einseitige Unterstützen einer Branche durch die Schule ist nicht ok.

    • ShadowMoses 05.11.2017 11:37
      Highlight Highlight Da hat sich mal jemand im Skilager was gebrochen.
    • EvilBetty 05.11.2017 12:54
      Highlight Highlight Skilager waren bei uns jeweils während den Ferien... also Freizeit.

      Nuka durfte wohl nie ins Skilager.
    • Nuka Cola 05.11.2017 16:00
      Highlight Highlight @ShadowMoses, nein, ich hab mir bis jetzt noch nie etwas gebrochen, wobei ich manchmal selbst erstaunt darüber bin.

      @EvilBetty,ne ich durfte nicht nicht dürfen, sondern ich musste mutgehen, und nein, die sind während der Schulzeit, und man musste deswegen mitgehen. Wer zuvor noch nie Ski oder Snowboard gefahren ist, konnte sich dann im Laden dem Preisschild nach orientieren, welchen scheiss er jetzt lernen "möchte".

      Ich mein, es war ja nicht so, das es absolut keinen Spaß gemacht hatte, aber unterm Strich wars das doch nicht der Wert.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Loeffel 05.11.2017 09:53
    Highlight Highlight @watson: lieb gemeinte konstruktive Kritik von mir: Wenn ihr einen Artikel extern bezieht (was absolut ok ist) und den Text 1:1 übernimmt, dann würde ich vorsichtig sein beim Titel ändern. Ihr habt den Titel "Watson-ized" - aber den Text nicht. Titel ist frech und provokativ, der Text hingegen rockt etwa so stark wie ein Celine Dijon Song. Der absolut saubere faktenbasierte Text passt einfach nicht zum Titel mit den faulen Lehrern und Snapchatdrama - und hinterlässt beim gemeinen Leser unnötige Fragezeichen am Sonntagmorgen 🤓
    • DaniSchmid 05.11.2017 12:49
      Highlight Highlight ‚Celine Dijon‘ 😂
  • Passierschein A38 05.11.2017 09:27
    Highlight Highlight Ha, geiler Titel...
    Die Lehrer sind nicht fauler als früher, solche Zusatzangebote hat Hansruedi Merz mit der Unternehmenssteuerreform und der SVP- und FDP-Wähler mit dem laufenden Sparkurs „wegoptimiert“ !
  • Turist 05.11.2017 09:20
    Highlight Highlight Die Lehrer sind nicht faul, sie wagen sich aber nicht mehr an sowas heran.
    Wenn was passiert (Unfälle können passieren) gehen Eltern auf die Lehrer los. Zudem wird man auch nicht entlöhnt, obwohl man die Verantwortung für 24 Kids 24 h über 5 Tage trägt. Auch Begleitpersonen werden schlecht bezahlt. Aber ohne gehts nunmal nicht.

    Bei uns haben schon Eltern reklammiert, weil man mit der Klasse Eislaufen geht.
    Es sei unverantwortlich, ihr Kind könne sich ja verletzen usw.

    Einmal mehr sind nicht die Lehrer, sondern die Gesellschaft das Problem.

    Ist bloss Selbstschutz der Lehrer.

    • peterli90 05.11.2017 12:25
      Highlight Highlight So ein Seich!

      1. Ich ging während 7 Jahren mit einer Sekundarschule als freiwilliger Leiter ins Skilager. Es wollten jeweils mehr externe Leiter mitkommen als möglich.

      2. Das mit der Verantwortung ist eine faule Ausrede der Lehrer. Bei uns gab es auch Unfälle (logisch bei über 60 Kindern); das ist nicht zu verhindern. Wichtig ist einfach, die Kinder richtig zu instruieren und adäquat zu überwachen.

      3. Nicht bezahlte Arbeitszeit:LOL, gehen sie mal in die Privatwirtschaft. Und: Sie können ja auch Skifahren, ist ja nicht nur Arbeit. Daneben haben Sie dann noch 13 Wochen bezahlte Ferien.
    • Starney Binson 05.11.2017 12:32
      Highlight Highlight Du sprichst mir aus der Seele👍
    • Gähn on the rocks 05.11.2017 13:21
      Highlight Highlight genau, @peterli, in der privatwirtschaft würde niemand ein lager mit 30, 40 teenagern organisieren, geschweige denn begleiten.
      da hat man nämlich keine festgelegten arbeitsstunden und schon gar kein recht auf pausen.
      da muss der lehrer unglaublich belastbar und 7 x 24h im einsatz sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Skeletor82 05.11.2017 09:20
    Highlight Highlight Was für eine Frechheit! Diese Titelsetzung! Wisst Ihr was Pädagogen für Arbeit leisten in einem Skilager? Organisation der Unterkunft, Budgetplanung bzgl Essen, Ausrüstung, ausgebildete Ski-Snowboardleiter finden, Programmplanung, Einteilung der Gruppen, Reorganisieren, etc.

    Unzählige Überstunden, hohe Verantwortung und vieles mehr.

    Schwach, sackschwach, diesen Titel bar jeder Logik und Statistik so zu setzen.

    Nachsitzen - am Besten als Hauptverantwortlicher eines Skilagers.

    • Gähn on the rocks 05.11.2017 13:13
      Highlight Highlight merci, skeletor82!
  • SaveAs_DELETE 05.11.2017 09:12
    Highlight Highlight Wieder mal eine Sehr sachliche Überschrift: "faule Lehrer"!
    Respekt vor jedem Lehrer, welcher sich das Risiko und die Verantwortung annimmt und mit diesen "von den Eltern verwöhnten" Rotznasen in ein Lager fährt. Nur schon die Planung ist eine Herausforderung: Bsp. das Essen: Vegi und oder kein Schweinefleisch. Dann die Diskussion über Handys. Und nicht zu vergessen, die Finanzierung...
    Jeder Lehrer kennt seine Klasse und sollte entscheiden können, wie hoch das Risiko und der Ertrag ist...
  • dommen 05.11.2017 08:41
    Highlight Highlight Was bitteschön haben Skilager mit Snapchat zu tun?
  • Jein 05.11.2017 08:23
    Highlight Highlight Was für ein Titel... Die Lehrer sind nicht faul, sondern ihnen ist es viel zu riskant, wenn etwas schief geht sind sie ihren Job los oder werden gar juristisch belangt (in den letzten Jahren gab es einige Lehrer die wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurden nach Skiunfällen).

    Der andere Faktor heisst nicht Snapchat sondern $. Es ist schön dass der Preis von Skilagern runter geht, nur bleibt Skifahren gleichwohl ein sehr teurer Sport, so haben sich die Skiticketpreise in den letzten beiden Jahrzehnten vervielfacht (wobei nun u.a. dank Saas Fee ein leichter Abwärtstrend eingesetzt hat).
  • grandvlad 05.11.2017 08:15
    Highlight Highlight Wieso faule Lehrer? Gemeinden sparen Kosten für Lager; Eltern reagieren mit Anklagen bei Unfällen....wieso faule Lehrer???? Verstehe ich nicht
  • DanielaK 05.11.2017 07:47
    Highlight Highlight Das Skilager mag vielleicht nicht mehr so teuer sein, aber das Skifahren an sich eben schon. Wenn man grade so durch kommt kann man es sich nicht leisten, den Kindern das Skifahren ordendlich beizubringen.

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