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ARCHIVE --- DAS AREAL DES EHEMALIGEN BAHNHOF LETTEN, MITTEN IN DER STADT ZUERICH, AUF DEM SICH DIE GROESSTE OFFENE DROGENSZENE EUROPAS EINGERICHTET HATTE, WURDE VOR 20 JAHREN, AM 14. FEBRUAR 1995, VON DER POLIZEI GERAEUMT UND GESCHLOSSEN. DAZU STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFÜGUNG --- The drug scene at the the old train station Letten in Zurich, Switzerland, pictured in August 1994. At peak times over a thousand drug abusers frequented the Letten, the successor of the open drug scene at the Platzspitz park. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) 

Die Drogenszene am ehemaligen Bahnhof Letten in Zuerich, aufgenommen im August 1994. Der Letten, Nachfolger der offenen Szene auf dem Platzspitzareal, wurde in Spitzenzeiten von ueber tausend Drogenkonsumenten frequentiert. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Vor mehr als 20 Jahren wurde die grösste offene Drogenszene Europas geräumt: Mitten in Zürich konsumierten zahlreiche Süchtige unter anderem Unmengen an Heroin – viele davon haben nicht überlebt.  Bild: KEYSTONE

Der Weg des Heroins – wie es in die Schweiz gelangt, was es kostet und wer es verkauft



In der Schweiz werden pro Jahr rund zwei Tonnen Heroin konsumiert. Dies zeigen Hochrechnungen einer aktuellen Studie von Sucht Schweiz, die zusammen mit dem Institut für Kriminologie der Uni Lausanne und dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin des Unispitals Lausanne durchgeführt wurde. 

Doch welchen Weg geht das Heroin, sobald es in der Schweiz ist? Wer verkauft es? In welchen Mengen und für wie viel Wert wird das Rauschmittel verkauft?

Wir haben uns die Ergebnisse der Studie etwas genauer angeschaut. 

«Struktur und Produkte des Betäubungsmittelmarktes im Kanton Waadt» (MARSTUP)

Sucht Schweiz, das Institut für Kriminologie der Universität Lausanne und das Institut für Sozial- und Präventivmedizin des Universitätsspitals Lausanne haben erstmals in der Schweiz eine interdisziplinäre Studie zu einem geografisch umrissenen Drogenmarkt durchgeführt. Die Studie basiert auf Abwasseranalysen, Befragungen von Polizeikräften, Sozialarbeitern und Drogenkonsumenten.

500 Gramm, 40% Reinheit, 10'000 bis 15'000 Franken

HANDOUT - Koffer mit Heroin im Kofferraum eines Personenwagens, undatiertes Handoug. Die Zuger Strafverfolgungsbehoerden informieren am Dienstag, 25. November 2014, in Zug ueber einen grossen Heroinfund. Die Zuger Strafverfolgungsbehoerden zerschlagen, nach einem Tip aus Hamburg, DE, einen Drogenring und beschlagnahmen 55 Kilogramm Heroin. Die Festgenommenen Personen gehoeren zu einer Gruppierung, die in den vergangenen zwei Jahren regelmaessig grosse Mengen Heroin von der Tuerkei in die Schweiz transportiert hat. (ZUGER POLIZEI) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Das Heroin wird in gepressten Packungen von 500 Gramm bis ein Kilogramm in die Schweiz importiert. Bild: ZUGER POLIZEI

500 Gramm bis zu einem Kilogramm – so viel wiegen die Päckchen Heroin, die in die Schweiz importiert werden. Das Heroin wird in Basenform verkauft und hat eine braune Farbe – laut der Studie weist es direkt nach dem Import einen Reinheitsgrad von 40 is 60 Prozent auf. 

Der geschätzte Preis für ein Kilogramm ungestrecktes Heroin beläuft sich derzeit auf 20'000 bis 30'000 Franken

epa05902965 An Afghan farmer extracts raw opium at a poppy field in caparhr distract of Helmand, Afghanistan, 11 April 2017. Raw opium can be processed into heroin. Afghanistan is listed as the world's largest opium producer.  EPA/WATAN YAR

Aus den Samenkapseln von Schlafmohn wird Rohopium gewonnen. Bild: WATAN YAR/EPA/KEYSTONE

Wie entsteht eigentlich Heroin?

Heroin wird aus Rohopium gewonnen. Opium ist der eingetrocknete Milchsaft des Schlafmohns. Aus dem Rohopium wird das Morphin, die Ausgangssubstanz von Heroin, extrahiert und in einer chemischen Reaktion mit Essigsäure in «Diacetylmorphin» umgewandelt. Dieser Substanz gab man Ende des letzten Jahrhunderts den Namen Heroin – wegen seiner «heroischen» Wirkung. 

5 Gramm, 10% Reinheit

HANDOUT - Beschlagnahmtes Bargeld, Rauchmittel und Mobiltelefone, aufgenommen am 23. Februar 2015, die anlaesslich der   Verhaftung eines Drogendealers im Oktober 2014 sicher gestellt werden konnten. Ingesamt konnte die Polizei 480 Gramm Heroin beschlagnahmen. *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Das gestreckte Heroin wird in Druckverschlussbeutel abgefüllt, diese wiegen nur noch fünf Gramm. Bild: KANTONSPOLIZEI WAADT

Nach dem Import wird das Heroin mit einer vorgefertigten Mischung aus Koffein und Paracetamol gestreckt und in einen Druckverschlussbeutel à fünf Gramm abgepackt. Nach der Streckung weist das Heroin nur noch einen Reinheitsgrad von zehn bis 15 Prozent auf. 

Albanische Gruppen kontrollieren Heroinmarkt

Zwei Polizeibeamte stehen neben den beschlagnamten 55 Kilogramm Heroin, am Dienstag, 25. November 2014, in Zug. Die Zuger Strafverfolgungsbehoerden zerschlagen, nach einem Tip aus Hamburg, DE, einen Drogenring und beschlagnahmen 55 Kilogramm Heroin. Die Festgenommenen Personen gehoeren zu einer Gruppierung, die in den vergangenen zwei Jahren regelmaessig grosse Mengen Heroin von der Tuerkei in die Schweiz transportiert hat. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Zwei Polizeibeamte stehen neben 55 Kilogramm beschlagnahmten Heroins. Die Zuger Strafverfolgungsbehörden zerschlagen, nach einem Tip aus Hamburg, einen Drogenring und beschlagnahmen 55 Kilogramm Heroin. Die festgenommenen Personen gehören zu einer Gruppierung, die in den vergangenen zwei Jahren regelmässig grosse Mengen Heroin von der Türkei in die Schweiz transportiert hat.  Bild: KEYSTONE

In den Druckverschlussbeutel wird das Heroin von den Händlern an die Konsumierenden verkauft. Der Heroinmarkt wird, laut der Studie, hauptsächlich von ethnisch albanischen Gruppen kontrolliert. Sie importieren, strecken und verteilen das Heroin an die Konsumenten.

Seit einem Vierteljahrhundert ist der Heroinmarkt in den Händen albanischer Gruppierungen. Verschiedene Faktoren, darunter die Balkanroute, geschäftliche Verbindungen mit der Türkei und Italien und die Entwicklung der Kriminalität und des Kommunitarismus nach dem Zusammenbruch des Kommunismus haben dazu geführt. 

Anruf aus der Telefonkabine

ARCHIV - Eine Swisscom Telefonkabine ist in der Nacht am 16. April 2014 in der Effingerstrasse in Bern, Schweiz, erleuchtet. - Die Swisscom hat 2014 deutlich zulegen koennen. Dank starkem Wachstum bei den Buendelangeboten stieg der Umsatz um 2,4 Prozent auf rund 11,7 Mrd. Franken. Der Gewinn fiel mit 1,7 Mrd. Fr. um 0,6 Prozent hoeher aus als im Vorjahr. Damit hat die Swisscom die eigene Prognose und die Erwartungen der Finanzgemeinde erfuellt oder sogar uebertroffen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Abgewickelt durch den Anruf aus einer Telefonkabine. Bild: KEYSTONE

Der Verkauf der Fünf-Gramm-Päckchen wird meistens über einen Anruf von einer Telefonkabine an einen Verkäufer abgewickelt, der sich ausserhalb der Schweiz befindet. 

Der Verkäufer legt dabei den Preis und den Ort der Übergabe fest. Wenn der Termin steht, gibt der Verkäufer seinen Lieferanten (Läufer) Bescheid. Die Läufer sind meist junge albanische Männer, die sich jeweils nur wenige Monate in der Schweiz aufhalten. 

100 Franken in Genf, 200 Franken in Yverdon

ZUM 50. TODESTAG DES SCHWEIZER BILDHAUERS, MALERS UND GRAFIKERS ALBERTO GIACOMETTI AM MONTAG, 11. JANUAR 2016, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Schweizer Banknote, Einhundert Franken, 100 Franken, Hundertfrankenschein, Notenschein, Geldschein, Januar 2003, zeigt den Schweizer Bildhauer Alberto Giacometti. (KEYSTONE/Gaetan Bally)  : DIA, Mittelformat]   ACHTUNG: DIESE NOTENSCHEINE DUERFEN NUR ALS TEIL, VERFREMDET ALS HINTERGRUND ODER ALS GRAPHISCHES GESTALTUNGSELEMENT ABGEBILDET WERDEN

100 bis 120 Franken kosten fünf Gramm Heroin in Genf.  Bild: KEYSTONE

Die Übergabe des Heroins findet anschliessend beim Treffen zwischen den Läufern und den Konsumenten statt. Die Preise variieren, je nach Ortschaft. In Genf kostet ein Päckchen à fünf Gramm Heroin zwischen 100 bis 120 Franken. In Yverdon zahlen Konsumenten einiges mehr: 180 bis 200 Franken à fünf Gramm. 

Die Kosten für Heroin sind enorm gesunken. In den 80er Jahren zahlte man für ein Gramm Heroin noch 500 Franken. Heute erhält man laut Schätzungen bereits ein Gramm Heroin für 20 Franken. 

1894 Konsumenten, Ausgaben von 20'000 Franken

The drug scene at the the old train station Letten in Zurich, Switzerland, pictured in August 1994. At peak times over a thousand drug abusers frequented the Letten, the successor of the open drug scene at the Platzspitz park. (KEYSTONE/Martin Ruetschi) 

Die Drogenszene am ehemaligen Bahnhof Letten in Zuerich, aufgenommen im August 1994. Der Letten, Nachfolger der offenen Szene auf dem Platzspitzareal, wurde in Spitzenzeiten von ueber tausend Drogenkonsumenten frequentiert. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Vor 25 Jahren tolerierte die Stadt Zürich vor allem auch Heroinsüchtige und dies mit fatalen Folgen: In Zürich entstand die grösste offene Drogenszene Europas.  Bild: KEYSTONE

Laut der Studie konsumieren im Kanton Waadt rund 1343 bis 1894 Personen Heroin – 763 bis 1076 fast täglich, 580 bis 818 Personen gelegentlich. 

Ein Teil der Konsumierenden verkaufen die erhaltenen Fünf-Gramm-Päckchen aber auch weiter. Abgepackt in kleinen Briefchen à 0,2 Gramm (das entspricht typischerweise einer Dosis) bringen sie das Heroin wieder in den Umlauf. Damit finanzieren sie sich ihren eigenen Konsum. 

Die Studie gibt weiter auch die geschätzten jährlichen Ausgaben von Heroin-Konsumenten an. Hochrechnungen zufolge geben regelmässig Konsumierende jährlich zwischen 5000 und 20'000 Franken für den Stoff aus. Das sind rund 200 Gramm Heroin pro Jahr.  

Der Markt gehört den Süchtigen

ARCHIVE --- DER BUNDESRAT BESCHLOSS VOR 25 JAHREN AM 13. MAI 1992, HEROIN IN DEN VERSUCHSPLAN DER AERZTLICHEN VERSCHREIBUNG VON BETAEUBUNGSMITTELN EINZUBEZIEHEN. EINE ENTSPRECHENDE VERORDNUNG TRAT AM 15. NOVEMBER 1992 IN KRAFT. DIE ERSTEN PROJEKTE MIT KONTROLLIERTER HEROINABGABE STARTETEN DANN IM JANUAR 1994 IN ZUERICH. ZU DIESEM ANLASS STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Drogenszene auf dem Platzspitzareal in Zuerich, aufgenommen im Juni 1990. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Offene Drogenszene am Platzspitz in Zürich. Bild: KEYSTONE

Beim untersuchten Heroinmarkt im Kanton Waadt handelte es sich laut der Studie um einen Sekundärmarkt. Sekundärmarkt deshalb, weil ein grosser Teil des Handels ausschliesslich der Verkauf von Konsumierenden an Konsumierende ist. 

Käufer und Kaufende kennen sich folglich gegenseitig und verkaufen untereinander die kleinen Päckchen weiter. Dadurch herrscht auch kaum Gewalt, weil niemand eine Vergrösserung des Marktes anstrebt. 

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