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Vor mehr als 20 Jahren wurde die grösste offene Drogenszene Europas geräumt: Mitten in Zürich konsumierten zahlreiche Süchtige unter anderem Unmengen an Heroin – viele davon haben nicht überlebt. 
Vor mehr als 20 Jahren wurde die grösste offene Drogenszene Europas geräumt: Mitten in Zürich konsumierten zahlreiche Süchtige unter anderem Unmengen an Heroin – viele davon haben nicht überlebt. Bild: KEYSTONE

Der Weg des Heroins – wie es in die Schweiz gelangt, was es kostet und wer es verkauft

28.06.2017, 20:1029.06.2017, 12:46

In der Schweiz werden pro Jahr rund zwei Tonnen Heroin konsumiert. Dies zeigen Hochrechnungen einer aktuellen Studie von Sucht Schweiz, die zusammen mit dem Institut für Kriminologie der Uni Lausanne und dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin des Unispitals Lausanne durchgeführt wurde. 

Doch welchen Weg geht das Heroin, sobald es in der Schweiz ist? Wer verkauft es? In welchen Mengen und für wie viel Wert wird das Rauschmittel verkauft?

Wir haben uns die Ergebnisse der Studie etwas genauer angeschaut. 

«Struktur und Produkte des Betäubungsmittelmarktes im Kanton Waadt» (MARSTUP)
Sucht Schweiz, das Institut für Kriminologie der Universität Lausanne und das Institut für Sozial- und Präventivmedizin des Universitätsspitals Lausanne haben erstmals in der Schweiz eine interdisziplinäre Studie zu einem geografisch umrissenen Drogenmarkt durchgeführt. Die Studie basiert auf Abwasseranalysen, Befragungen von Polizeikräften, Sozialarbeitern und Drogenkonsumenten.

500 Gramm, 40% Reinheit, 10'000 bis 15'000 Franken

Das Heroin wird in gepressten Packungen von 500 Gramm bis ein Kilogramm in die Schweiz importiert.
Das Heroin wird in gepressten Packungen von 500 Gramm bis ein Kilogramm in die Schweiz importiert.Bild: ZUGER POLIZEI

500 Gramm bis zu einem Kilogramm – so viel wiegen die Päckchen Heroin, die in die Schweiz importiert werden. Das Heroin wird in Basenform verkauft und hat eine braune Farbe – laut der Studie weist es direkt nach dem Import einen Reinheitsgrad von 40 is 60 Prozent auf. 

Der geschätzte Preis für ein Kilogramm ungestrecktes Heroin beläuft sich derzeit auf 20'000 bis 30'000 Franken

Aus den Samenkapseln von Schlafmohn wird Rohopium gewonnen.
Aus den Samenkapseln von Schlafmohn wird Rohopium gewonnen.Bild: WATAN YAR/EPA/KEYSTONE
Wie entsteht eigentlich Heroin?
Heroin wird aus Rohopium gewonnen. Opium ist der eingetrocknete Milchsaft des Schlafmohns. Aus dem Rohopium wird das Morphin, die Ausgangssubstanz von Heroin, extrahiert und in einer chemischen Reaktion mit Essigsäure in «Diacetylmorphin» umgewandelt. Dieser Substanz gab man Ende des letzten Jahrhunderts den Namen Heroin – wegen seiner «heroischen» Wirkung. 

5 Gramm, 10% Reinheit

Das gestreckte Heroin wird in Druckverschlussbeutel abgefüllt, diese wiegen nur noch fünf Gramm.
Das gestreckte Heroin wird in Druckverschlussbeutel abgefüllt, diese wiegen nur noch fünf Gramm.Bild: KANTONSPOLIZEI WAADT

Nach dem Import wird das Heroin mit einer vorgefertigten Mischung aus Koffein und Paracetamol gestreckt und in einen Druckverschlussbeutel à fünf Gramm abgepackt. Nach der Streckung weist das Heroin nur noch einen Reinheitsgrad von zehn bis 15 Prozent auf. 

Albanische Gruppen kontrollieren Heroinmarkt

Zwei Polizeibeamte stehen neben 55 Kilogramm beschlagnahmten Heroins. Die Zuger Strafverfolgungsbehörden zerschlagen, nach einem Tip aus Hamburg, einen Drogenring und beschlagnahmen 55 Kilogramm Heroin. Die festgenommenen Personen gehören zu einer Gruppierung, die in den vergangenen zwei Jahren regelmässig grosse Mengen Heroin von der Türkei in die Schweiz transportiert hat. 
Zwei Polizeibeamte stehen neben 55 Kilogramm beschlagnahmten Heroins. Die Zuger Strafverfolgungsbehörden zerschlagen, nach einem Tip aus Hamburg, einen Drogenring und beschlagnahmen 55 Kilogramm Heroin. Die festgenommenen Personen gehören zu einer Gruppierung, die in den vergangenen zwei Jahren regelmässig grosse Mengen Heroin von der Türkei in die Schweiz transportiert hat. Bild: KEYSTONE

In den Druckverschlussbeutel wird das Heroin von den Händlern an die Konsumierenden verkauft. Der Heroinmarkt wird, laut der Studie, hauptsächlich von ethnisch albanischen Gruppen kontrolliert. Sie importieren, strecken und verteilen das Heroin an die Konsumenten.

Seit einem Vierteljahrhundert ist der Heroinmarkt in den Händen albanischer Gruppierungen. Verschiedene Faktoren, darunter die Balkanroute, geschäftliche Verbindungen mit der Türkei und Italien und die Entwicklung der Kriminalität und des Kommunitarismus nach dem Zusammenbruch des Kommunismus haben dazu geführt. 

Anruf aus der Telefonkabine

Abgewickelt durch den Anruf aus einer Telefonkabine.
Abgewickelt durch den Anruf aus einer Telefonkabine.Bild: KEYSTONE

Der Verkauf der Fünf-Gramm-Päckchen wird meistens über einen Anruf von einer Telefonkabine an einen Verkäufer abgewickelt, der sich ausserhalb der Schweiz befindet. 

Der Verkäufer legt dabei den Preis und den Ort der Übergabe fest. Wenn der Termin steht, gibt der Verkäufer seinen Lieferanten (Läufer) Bescheid. Die Läufer sind meist junge albanische Männer, die sich jeweils nur wenige Monate in der Schweiz aufhalten. 

100 Franken in Genf, 200 Franken in Yverdon

100 bis 120 Franken kosten fünf Gramm Heroin in Genf. 
100 bis 120 Franken kosten fünf Gramm Heroin in Genf. Bild: KEYSTONE

Die Übergabe des Heroins findet anschliessend beim Treffen zwischen den Läufern und den Konsumenten statt. Die Preise variieren, je nach Ortschaft. In Genf kostet ein Päckchen à fünf Gramm Heroin zwischen 100 bis 120 Franken. In Yverdon zahlen Konsumenten einiges mehr: 180 bis 200 Franken à fünf Gramm. 

Die Kosten für Heroin sind enorm gesunken. In den 80er Jahren zahlte man für ein Gramm Heroin noch 500 Franken. Heute erhält man laut Schätzungen bereits ein Gramm Heroin für 20 Franken. 

1894 Konsumenten, Ausgaben von 20'000 Franken

Vor 25 Jahren tolerierte die Stadt Zürich vor allem auch Heroinsüchtige und dies mit fatalen Folgen: In Zürich entstand die grösste offene Drogenszene Europas. 
Vor 25 Jahren tolerierte die Stadt Zürich vor allem auch Heroinsüchtige und dies mit fatalen Folgen: In Zürich entstand die grösste offene Drogenszene Europas. Bild: KEYSTONE

Laut der Studie konsumieren im Kanton Waadt rund 1343 bis 1894 Personen Heroin – 763 bis 1076 fast täglich, 580 bis 818 Personen gelegentlich. 

Ein Teil der Konsumierenden verkaufen die erhaltenen Fünf-Gramm-Päckchen aber auch weiter. Abgepackt in kleinen Briefchen à 0,2 Gramm (das entspricht typischerweise einer Dosis) bringen sie das Heroin wieder in den Umlauf. Damit finanzieren sie sich ihren eigenen Konsum. 

Die Studie gibt weiter auch die geschätzten jährlichen Ausgaben von Heroin-Konsumenten an. Hochrechnungen zufolge geben regelmässig Konsumierende jährlich zwischen 5000 und 20'000 Franken für den Stoff aus. Das sind rund 200 Gramm Heroin pro Jahr.  

Der Markt gehört den Süchtigen

Offene Drogenszene am Platzspitz in Zürich.
Offene Drogenszene am Platzspitz in Zürich.Bild: KEYSTONE

Beim untersuchten Heroinmarkt im Kanton Waadt handelte es sich laut der Studie um einen Sekundärmarkt. Sekundärmarkt deshalb, weil ein grosser Teil des Handels ausschliesslich der Verkauf von Konsumierenden an Konsumierende ist. 

Käufer und Kaufende kennen sich folglich gegenseitig und verkaufen untereinander die kleinen Päckchen weiter. Dadurch herrscht auch kaum Gewalt, weil niemand eine Vergrösserung des Marktes anstrebt. 

Chronologie der Schweizer Drogenpolitik

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Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)
quelle: keystone / michele limina
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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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elmono
28.06.2017 23:01registriert April 2014
Repressive Drogenpolitik bringt nur Elend. Gerade heute im TA gelesen, dass Mexiko auf die höchste Mordrate seit 2011 zusteuert. Einziger Weg aus dieser Misere ist die weltweite Totallegalisierung sämtlicher Drogen, auch wenn das für immer eine Utopien bleiben wird.
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N. Y. P. D.
28.06.2017 21:10registriert Oktober 2015
Liam Neeson macht tolle Filme..
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UncleHuwi
28.06.2017 23:29registriert Mai 2015
in Basel bekommt man für 20.- +/- 2gramm Heroin. Fast gleich teuer wie Gras! Verrückt!
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