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ARCHIV - ZUM GEWINNSPRUNG BEIM TELEKOMKONZERN SUNRISE STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - A customer carries a Sunrise plastic bag at a Sunrise Shop of the telecommunications provider Sunrise Communications AG at the shopping center En Felezin in Romanel-sur-Lausanne, Canton of Vaud, Switzerland, pictured on July 6, 2015. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Sunrise will mit UPC an­ban­deln – doch das letzte Wort hat die Weko

Die Konzerne wollen via Fusion mehr Gewinn herausholen. Drohen höhere Preise?

NIKLAUS VONTOBEL / ch media



Noch letzten Frühling hat Sunrise eisern auf einen Alleingang geschworen. «Wir sind überzeugt von unserer Stand-alone-Strategie», gab sich CEO Olaf Swantee überzeugt. Man brauche keine Fusion, hatte er erklärt, allenfalls in «ferner Zukunft» sei dies nicht ausgeschlossen.

Olaf Swantee, CEO, an der Medienorientierung anlaesslich der neuen G5 Antenne von Sunrise, am Mittwoch, 27. Juni 2018 in Zuerich. (PPR/Melanie Duchene)

Olaf Swantee Bild: PPR

Diese ferne Zukunft ist keine zwölf Monate später offenbar schon angebrochen. Der Telekomkonzern bestätigte gestern, man befinde sich in Gesprächen mit Liberty Global. Der britische Mediengigant könnte interessiert sein, sein Tochterunternehmen UPC Schweiz zu verkaufen.

Der Meinungsumschwung erklärt sich wohl mit einer Einsicht, die sich europaweit durchgesetzt hat: Die Telekomkonzerne glauben, nicht genügend Geld zu verdienen. Ihre Einnahmen sind in den letzten Jahren tatsächlich eingebrochen. Die Folge eines Preiskrieges, der seit zehn Jahren in der Branche tobt. Der Gesamtwert der Unternehmen an der Börse war 2018 nur noch halb so hoch wie 2012.

Der «Kabel-Cowboy»

Auf diesen Trend glaubte John Malone, eine Antwort parat zu haben. Der amerikanische Milliardär kontrolliert Liberty Global und somit indirekt UPC Schweiz. Weltweit wollte Malone Konkurrenten aufkaufen und so mehr Spielraum für Preissteigerungen herausholen. Eine Branche zu «konsolidieren», wird dieses Vorgehen an der Börse genannt. Gar einen Spitznamen erhielt Malone für seine Konsolidierungs-Strategie, so die britische «Financial Times»: «Kabel-Cowboy».

FILE - In this Wednesday, July 11, 2012, file photo, John Malone. chairman of Liberty Media, arrives at the Allen & Company Sun Valley Conference in Sun Valley, Idaho. Motor sport’s governing body has given its official stamp of approval to Formula One being sold to Liberty Media, a U.S. company that invests in entertainment and sports, for $4.4 billion. (AP Photo/Paul Sakuma, File)

John Malone Bild: AP/AP

Kabel-Cowboy unterlag jedoch grauen Bürokraten. Die europäischen Wettbewerbsbehörden fürchteten wohl genau das, was Malone beabsichtigt hatte: dass in den «konsolidierten» nationalen Märkten die Konsumenten mehr würden zahlen müssen als zuvor. Ein frustrierter – und zudem stark verschuldeter – Malone trat daraufhin seinen Rückzug aus Europa an. In Österreich verkaufte Liberty Global sein Tochterunternehmen an die Deutsche Telekom. Und in einem Mega-Deal über 18 Milliarden Euro gingen die Geschäfte in Deutschland und Osteuropa allesamt an Vodafone, ein britisches Telekom-Konglomerat.

In diesem europaweiten Herumgeschiebe könnte die Reihe nun an UPC Schweiz sein. Das ist der Hintergrund für die Gespräche zwischen Sunrise und Liberty Global. Und auch aufseiten von UPC Schweiz ist die ferne Zukunft sehr schnell angebrochen. Noch im Mai 2018 hatte ein Sprecher versichert, der Deal von Liberty Global mit Vodafone habe «keine Auswirkungen auf das Schweizer Geschäft, die Mitarbeiter und die Kunden».

Die Erfahrungen der Konsumenten

Das letzte Wort über eine allfällige Übernahme von UPC Schweiz durch Sunrise hätten die Wettbewerbshüter. Die schweizerische Wettbewerbskommission Weko hat damit viel Einfluss darauf, wie sich eine Fusion auf die Konsumenten auswirkt. An sich wären höhere Preise zu erwarten. «Die Erfahrungen in Europa zeigen, dass mit dem Ausscheiden von Konkurrenten meist die Preise steigen», sagt der Telekom-Experte Ralf Beyeler vom Beratungsdienst Moneyland.

Höhere Preise wären nach Ansicht von Beyeler beim Festnetz-Internet wahrscheinlich, wo UPC auf einen Anteil von rund 20 Prozent kommt. Swisscom hatte Ende 2016 etwa 53 Prozent aller Breitband-Abonnenten. Sunrise hielt rund 10 Prozent. «Nach einer Fusion würden also in diesem Teilmarkt bloss zwei Unternehmen rund 80 Prozent unter sich ausmachen. Das kann der Weko nicht gefallen», sagt Beyeler. Im Mobilfunk spielt UPC hingegen kaum eine Rolle. Das Unternehmen bietet zwar entsprechende Abonnemente, nutzt dafür aber das Netz von Branchenprimus Swisscom.

Die Weko hat indessen mehr Optionen als bloss die Bewilligung zu verweigern. Sie könnte die Fusion gutheissen, aber gleichzeitig Auflagen machen und auf diesem Weg den Wettbewerb fördern. «Vom Prinzip her müsste es darum gehen, den Zugang zu den Netzen für neue Konkurrenten zu erleichtern», so Beyeler. Schon als 2010 die Fusionspläne von Sunrise und Orange (heute Salt) an der Weko scheiterten, habe die Behörde wohl nicht bloss «Njet» gesagt, sagt Beyeler. «In der Branche geht man davon aus, dass die Weko damals Auflagen für den Netzzugang machen wollte.» Den Telekomfirmen seien diese Bedingungen wohl zu weit gegangen, sie gaben den Merger auf.

Peter Kurer, neues Mitglied im Verwaltungsrat, posiert an der Bilanzmedienkonferenz ueber das Geschaeftsjahr 2015 der Schweizer Telekomfirma Sunrise, am Donnerstag, 10. Maerz 2016, in Zuerich. Das Telekomunternehmen Sunrise hat im vergangenen Geschaeftsjahr einen Verlust von 113 Millionen Franken geschrieben nach einem Verlust von 115 Millionen im Vorjahr. Hauptgrund dafuer ist der Boersengang. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Peter Kurer Bild: KEYSTONE

Über mögliche Übernahmen durch Sunrise wird seit Jahren spekuliert. Nicht zuletzt, weil Verwaltungsratspräsident Peter Kurer als Spezialist für Fusionen gilt. Unter anderem hatte der Jurist die Finger im Spiel, als ABB und Novartis aus Fusionen entstanden. Dennoch kann ein Deal von Sunrise mit UPC noch an vielen Hürden scheitern. Nicht zuletzt am Preis. Laut «Financial Times» müsste Sunrise rund 5 Milliarden Franken ausgeben – und allenfalls Schulden von UPC auf die Bücher nehmen. Vorbeugend verkündete Sunrise schon einmal, man werde eine «vorsichtige Kapitalstruktur» behalten. Allzu viel zahlen will man also nicht. Und Sunrise stellte klar: Es gebe «keine Sicherheit», dass es zu einem Merger komme. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Oh Dae-su 07.02.2019 09:01
    Highlight Highlight Was würde Sunrise dann mit seinen FTTH Kunden machen? Lässt man sie auf FTTH, dann hat man quasi zwei Netze am gleichen Ort, was ja irgendwie auch nicht zielführend ist. Wechselt man jedoch mit ihnen auf das Kabelnetz, dann bedeutet das effektiv ein Downgrade...
    • BossAC 07.02.2019 13:09
      Highlight Highlight Auch für das „Kabelnetz“ wird die Zukunft Glasfaser sein. Die Übertragungsrate bei Kupfer ist nunmal physikalisch begrenzt bzw. kann nicht unendlich lang mehr optimiert werden.
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 07.02.2019 08:59
    Highlight Highlight Das witzigste im Zuge dieser möglichen Übernahme ist ja, das man uns das als gut für den Kunden verkaufen will. Weil dann die Preise günstiger werden würden... ha ha selten so gelacht! Seinerzeit hat man uns in den Vorlesungen noch gelernt, dass Konkurrenz für günstigere Preise sorgt. Wüsste nicht, wann das geändert worden ist.
  • ChrisG 07.02.2019 08:05
    Highlight Highlight UPC soll noch teurer werden? Geht das überhaupt? Die sind doch schon mit der teuerste Anbieter.

    Wohl eher wird Sunrise teurer, bzw. die diversen Aktionen werden eingestellt: hätte ich im November komplett zu Sunrise gewechselt, müsste ich neu nur noch 40% meiner aktuellen UPC-Abo-Kosten zahlen. Und dies, obwohl ich ein recht altes UPC-Abo habe. Bei Neuabschluss mit vergleichbaren Leistungen käme das mindestens 20% teurer.

    Leider gibt es hier mangels FTTH keine Alternative zur UPC :(
    • bcZcity 07.02.2019 08:16
      Highlight Highlight Wegen mangelndem Glasfaser Ausbau ist UPC bzw. Kabel die einzige Alternative. Langsames ADSL gehört verbannt und ist viel zu teuer im Verhältnis (Swisscom). Leider will man uns nun das kommende 5G Netz als Alternative verkaufen, was für mich aber kein Grund ist die Glasfaser ausserhalb der Städte fallen zu lassen, zu viele Nachteile bei einem Handy-Netz.

      Wenn UPC den Speed auch endlich auf 1GB/s erhöht, bin ich als Kunde zumindest glücklich.
    • Driver7 07.02.2019 08:56
      Highlight Highlight UPC teuerster Anbieter..? Komisch wieso erhalten ich denn mehr Lesitung und zahle gleichzeitig weniger als bei Swisscom? (für Internet, TV, Tel, Mobile)
    • ChrisG 07.02.2019 08:59
      Highlight Highlight Die aktuellen 600 MBit/s sind schon ganz OK. Mir würde auch die Hälfte reichen. Das Problem ist der Upstream. Wegen dem muss ich das teuerste Paket kaufen, und wegen dem ist ADSL keine Alternative.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Caturix 07.02.2019 07:32
    Highlight Highlight Also es ist immer noch Sunrise UPC wird es nach dem Kauf sicher nicht mehr geben. Also aendert sich an der Sunrise Aussage nichts.
  • NumeIch 07.02.2019 06:26
    Highlight Highlight Also die WEKO kann nur gegen eine allfällige Fusion von Sunrise und UPC sein, wenn sie die Swisscom unter Heimatschutz stellt. Denn der einzige Grund zu dieser Fusion nein zu sagen ist, dass man nicht will dass die Swisscom einen ebenbürtigen Mitbewerber bekommt.
    • Lightning makes you Impotent (LMYI) 07.02.2019 09:00
      Highlight Highlight Ha ha, nein man kann zum Beispiel auch dagegen sein, wenn man günstigere Preise will. Konkurrenz sorgt für günstige Preise. Wüsste nicht, wann das geändert worden ist.
  • wolge 07.02.2019 06:12
    Highlight Highlight In «ferner Zukunft»... Da sieht man mal wie kurzfristig Manager denken... Von Bonus zu Bonus...
    • Donald 07.02.2019 08:58
      Highlight Highlight Und welcher Manager bekommt bei einer so teuren Übernahme kurzfristig einen Bonus?

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