Schweiz
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ZUR GESETZESWIDRIGEN GEWINN KLEINSCHREIBUNG DER POSTAUTO SCHWEIZ AG UND DEM UMGEHENDEN RUECKTRITT VON DANIEL LANDOLF, LEITER POSTAUTO AG, STELLEN WIR IHNEN HEUTE, 6. FEBRUAR 2018, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Ein Postauto bringt Reisende, die am Bahnhof Airolo nicht weiterkamen, durch den Gotthardtunnel, am Dienstag, 23. Januar 2018, in Airolo. Die Strassen und Eisenbahnen bleiben in Airolo wegen eines Erdrutsches auf der Autobahn A2 geschlossen. Auch der Gotthardtunnel ist damit geschlossen. (KEYSTONE/ TI-PRESS/Pablo Gianinazzi)......

Die Postauto AG hat unrechtmässige Gewinne eingefahren.  Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Für die Post-Chefin kommt Rücktritt nicht infrage – doch ihr droht nun der Rauswurf



In der PostAuto-Affäre hat sich am Sonntag erstmals Post-Chefin Susanne Ruoff ausführlich zu Wort gemeldet. In einem Interview räumte sie zwar Fehler ein, einen Rücktritt lehnte sie aber ab. Rückendeckung erhielt sie vom Aufseher des Bundes.

«Ich habe weder gelogen noch sonst etwas Falsches getan.»

«Ich trete nicht zurück», stellte die Post-Konzernchefin Susanne Ruoff in einem sechsseitigem Interview mit dem «SonntagsBlick» klar. Sie wolle Klarheit schaffen. «Ich habe weder gelogen noch sonst etwas Falsches getan.» Sie sprach sich für eine lückenlose Aufklärung aus. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen bis Mitte Jahr vorliegen.

Ruoff hat laut eigenen Angaben im November von der unrechtmässigen Buchungspraxis bei PostAuto erfahren. Sie sei vom Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV) über fiktive Rechnungen und Verbuchungen informiert worden.

«Ich habe sofort gehandelt, weil ich eine lückenlose Aufklärung wollte», sagte die 60-jährige Managerin. Sie habe eine Taskforce mit externen Experten gebildet, die dann die illegale Buchungspraxis bestätigt habe. Danach sei klar geworden, dass das Geld zurückgezahlt und die Öffentlichkeit informiert werden müsse.

Vorwürfe, sie habe seit mindestens 2013 von Buchhaltungstricks gewusst und mit dem Management eruiert, wie die Post Gewinne verstecken könne, wies die Konzernchefin erneut zurück. «Wir haben getan, was jedes Unternehmen tut: Es überlegt, wie und wo Gewinne anfallen können und wie man diese verwendet. Jedes Management muss dafür Lösungen aufzeigen. Dass man Varianten diskutiert, ist normal.»

Susanne Ruoff, Konzernleiterin der Schweizerischen Post AG, aeussert sich an einer Medienkonferenz zur Pruefung der ordentlichen Revisionstaetigkeit der subventionsrechtlichen Rechnungsbelegung der PostAuto Schweiz AG, am Dienstag, 6. Februar 2018, in Bern. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) geht gegen die Post-Tochter Postauto vor. Es hat die Rechnungslegung der Firma geprüft. Dabei zeigte sich, dass die Post-Tochter zwischen 2007 und 2015 zu hohe Gewinne im abgeltungsberechtigten Busverkehr erzielt und in andere Geschäftsfelder umgebucht hat. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Susanne Ruoff. Bild: KEYSTONE

Ruoff sieht genügend Rückhalt

Ruoff gestand im Interview dennoch Fehler ein. Sie hätte sich damals schneller und tiefer mit den Themen rund um die Gewinne bei PostAuto beschäftigen sollen, sagte sie. Aber weder sie, ihre Vorgänger noch interne und externe Revisoren hätten die illegalen Machenschaften erkannt, ebenso wenig zunächst die Aufsichtsbehörden.

Wer ihrer Meinung nach die Schuld für den Skandal trägt, und welches Motiv hinter den illegalen Machenschaften stecken könnte, dazu äusserte sich Ruoff nicht. «Ich wehre mich gegen Vorverurteilungen.» Welchen Einfluss die Umbuchungen auf das operative Ergebnis hatten, und ob dadurch höhere Boni geflossen seien, würden die Untersuchungen zeigen.

Ruoff erkannte genügend Rückhalt an der Konzernspitze. Sie habe das Vertrauen und den Rückhalt von Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller, sagte sie. Sie habe mit ihm geklärt, dass er die Untersuchung leite, um die Objektivität zu gewährleisten.

Füglistaler warnt vor voreiligen Schlüssen

Rückendeckung erhält Ruoff auch vom obersten Aufseher des Bundes. BAV-Direktor Peter Füglistaler warnte vor voreiligen Schuldzuweisungen. Es sei gefährlich, die Aufklärung so stark zu personifizieren, sagte er in der Sendung «Samstagsrundschau» von Radio SRF.

Ruoff sei erst Ende 2012 zur Post gekommen, die Buchhaltungstricks hätten aber bereits 2007 begonnen, rief er in Erinnerung. In die Pflicht nimmt er vielmehr die Organe der Post. «Verwaltungsrat, Geschäftsleitung und Revision müssen garantieren, dass alles korrekt ist.»

Entsprechend offen soll die Strafanzeige formuliert werden, die das BAV dieser Tage bei der Bundesanwaltschaft einreichen will. Sie werde sich gegen Unbekannt richten, kündigte Füglistaler an.

Der BAV-Direktor weist dabei die Verantwortung von sich, räumt aber ein, dass es möglich gewesen wäre, den Fehler früher zu entdecken. «Dass die Post bescheisst, um in der 'Blick'-Sprache zu sprechen, konnten wir uns nicht vorstellen», sagte Füglistaler.

Gewinnvorgaben überdenken

Trotz dem Skandal hält er nichts davon, den «Kontrollapparat» nun hochzufahren, wie das Politiker fordern. Dies nehme den Unternehmen nur die Verantwortung. Im Kern gebe es eine Selbstverantwortung und eine Ethik.

Handlungsbedarf sieht Post-Chefin Ruoff bei den Gewinnvorgaben. Sie versprach im Interview, die Vorgaben bei PostAuto, die mutmasslich am Ursprung des illegalen Handels stehen, zu überarbeiten. In ihrer Amtszeit hätten die vereinbarten Gewinnvorgaben im Schnitt unter drei Prozent gelegen. «Diese wurden dann immer übertroffen, wir haben also ganz sicher nicht zu viel Druck gemacht.»

Roth: Ruoff nicht mehr tragbar

Hart ins Gericht mit Ruoff geht die Wirtschaftsrechtsexpertin Monika Roth. «Sie ist nicht mehr tragbar, weil sie bis heute nicht wahrhaben will, was ihre Pflichten gewesen wären», sagte die Rechtsanwältin im Interview mit den Zeitungen «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag». Ruoff sei unglaubwürdig, schade der Post und habe das Vertrauen verspielt.

Compliance-Expertin Roth fordert aber nicht nur personelle Konsequenzen. Das interne Kontrollsystem müsse überprüft werden, wie auch die Unternehmenskultur. 

Postauto soll Fernbusse anbieten

Nach dem Skandal um erschlichene Subventionen bei der Post lanciert der Bund einen brisanten Vorschlag: Wenn die Sparte mit den Postautos wirklich einen Gewinn erzielen wolle, solle sie ins Geschäft mit Fernbussen einsteigen. «Postauto wäre dazu prädestiniert, ein optimales, kundenfreundliches und gewinnbringendes Angebot zu erbringen», sagt Peter Füglistaler, Chef des Bundesamtes für Verkehr gegenüber der «NZZ am Sonntag». Politisch ist der Vorstoss allerdings heikel, denn die Zulassung von Fernbussen ist höchst umstritten. (pd)

(oli/sda)

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