Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der neue Fernverkehrszug der SBB „FV Dosto“ verlaesst den Bahnhof und passiert das Bundeshaus, am Donnerstag, 11. Mai 2017 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Eine Expertise prophezeite bereits 2013, dass «mit einem Einsatz einer Teilflotte von mindestens 10 Zügen nicht vor Dezember 2018 zu rechnen» sei. Bild: KEYSTONE

Pannenzug Dosto: SBB konnten schon lange wissen, dass es zum Fiasko kommen könnte



Der Pannenzug Dosto des Herstellers Bombardier ist ein einziges Ärgernis bislang – für Bund, SBB und wohl auch für die Passagiere, die mit den ersten einsatzbereiten Zügen Verspätungen hinnehmen mussten.

Nun macht SRF bekannt, dass die SBB seit Jahren damit rechneten, dass es beim Dosto zu Verzögerungen kommen wird. Die SBB engagierte externe Berater, um Projekt und Risiken zu analysieren. Eine der Expertisen prophezeite bereits 2013, dass «mit einem Einsatz einer Teilflotte von mindestens 10 Zügen nicht vor Dezember 2018 zu rechnen» sei.

Bombardier hat in den letzten neun Jahren keine Frist eingehalten

Was passiert, wenn die neuen Züge nicht rechtzeitig für die SBB-Passagiere bereit stehen? SBB-Chef Andreas Meyer macht klar: «Darüber will ich gar nicht spekulieren und nachdenken. Wir wollen, dass die Züge auf den nächsten Fahrplanwechsel hin einsatzbereit sind.» Das sagt er gegenüber SRF.

Bislang haben aber viele Konstruktionsfehler die Auslieferung und Inbetriebsetzung der ganzen Zug-Flotte verhindert. Laut Meyer haben «die Komponenten nicht zusammengepasst», weil die Fertigung auf verschiedene Werke verteilt war. Bombardier hat in den letzten neun Jahren keine Frist eingehalten.

Teuerste Auftrag der SBB-Geschichte

Bestellt sind ursprünglich 59 Züge in der Ausstattung Eurocity und Interregio. Wegen der Lieferverzögerungen entschädigt Bombardier die SBB mit drei weiteren Zügen mit Namen «FV Dosto». «Dosto» steht übrigens für Doppelstockwagen. Die Bestellung erfolgte im Jahre 2010. Mit 1.9 Milliarden Franken ist der Auftrag der teuerste in der SBB-Geschichte. Die Auslieferung war für 2013 bis 2019 vorgesehen. Doch der erste Zug hatte seine Jungfernfahrt am 26. Februar 2018.

Meyer zeigt sich im Interview auch selbstkritisch. Die SBB habe zur Verzögerung beigetragen, indem sie Kunden eingeladen habe, sich die Modell-Züge anzuschauen und Wünsche anzubringen. Auch das Reinigungspersonal habe sich eingebracht, letztlich die Behindertenverbände.

SBB-Chef: Aussteigen wäre ein «Fiasko»

Einen jahrelangen Aufschub will Meyer nicht mehr hinnehmen: «Wir wollen, dass die Züge auf den nächsten Fahrplanwechsel hin einsatzbereit sind.» Das wäre im kommenden Dezember.

Und auch ein Ausstiegsszenario gibt es laut Meyer nicht: «Die Züge stehen da, es sind bereits 39 Züge, die gefertigt sind. Man sieht sie auf den Abstellgleisen. Wir wollen nicht aussteigen, wir können nicht aussteigen. Das wäre ein Fiasko für Bombardier, aber auch für die SBB.» (jk) (aargauerzeitung.ch) (whr)

Der Dosto in Bildern

Behinderten-Dachverband geht gegen neuen SBB-Zug vor

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

11 Neuinfizierte schweizweit – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Heftige Proteste in Minneapolis

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Markus97 05.03.2019 15:59
    Highlight Highlight So weit ich weiss gibt es monatliche Konventionalstrafen. Ist das nicht eigentlich ein gutes Geschäft für die SBB?
  • Knut Knallmann 05.03.2019 12:35
    Highlight Highlight "Meyer zeigt sich im Interview auch selbstkritisch. Die SBB habe zur Verzögerung beigetragen, indem sie Kunden eingeladen habe, sich die Modell-Züge anzuschauen und Wünsche anzubringen. Auch das Reinigungspersonal habe sich eingebracht, letztlich die Behindertenverbände." Genau - So weit kommt es noch dass man einen Zug in Auftrag gibt welcher Kunden und Mitarbeitern effektiv gefällt...

    Von der Ironie abgesehen - Hat man dieses Zitat aus dem Kontext gerissen? Dieses Vorgehen hat man doch auch bei allen neuen Zügen, beispielsweise auch dem viel jüngerem Giruno, durchgezogen...
  • Patho 05.03.2019 11:55
    Highlight Highlight Das einzig Positive finde ich, dass die Züge echt bequem und angenehm zu fahren sind im Vergleich zu den ICN und den anderen Doppelstockzügen! Wenn sie denn fahren...
  • fidget 05.03.2019 11:12
    Highlight Highlight "Man sieht sie auf den Abstellgleisen." Dieser Satz sagt eigentlich alles zum Thema FV Dosto. Der FV Dosto, der Berliner Flughafen der Schweiz. Ich glaube auch zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember werden die noch nicht regulär unterwegs sein wie geplant.
  • #bringhansiback 05.03.2019 10:36
    Highlight Highlight Ich will die Welt regieren Herr Meyer... Trotzdem wird das nicht passieren. Genauso wie auch der Dosto nicht zum Fahrplanwechsel 2019/2020 bereits sein wird oder Sie endlich abdanken!
  • MacB 05.03.2019 10:33
    Highlight Highlight "Bombardier hat in den letzten neun Jahren keine Frist eingehalten"

    Bei so einem Unternehmen bestellt man schlicht nicht.
    • Amboss 05.03.2019 11:40
      Highlight Highlight Das ist leider nicht so einfach: Man kann so einen Zug nicht einfach bestellen, wo man möchte.
      Man muss Anforderungen definieren und ist verpflichtet, das günstigste Angebot zu nehmen, welches den Anforderungen entspricht. Und das war Bombardier. Da kann man nicht einfach nach Lust und Laune doch bei Stadler bestellen.
      Und "Hat in den letzten neun Jahren keine Frist eingehalten" ist kein Ausschlussgrund.

      Und da die SBB noch Änderungen ziehen halt auch all die Strafen für Verzögerungen, welche in der Ausschreibung sicher definiert waren, nicht mehr.
    • dä dingsbums 05.03.2019 12:41
      Highlight Highlight Das weiss man vor der Bestellung nicht. Ausserdem werden für solche Fälle in den Verträgen Konventionalstrafen festgelegt.
  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 05.03.2019 10:06
    Highlight Highlight Ein Kumpel von mir ist in die nähe des Bhfs gezogen unmittelbar an den Geleisen. Wenn die Fenster zu sind hört man nur einen Zug quitschen rütteln und knacksen. Ein Tipp: es sind nicht die Güterzüge

Heikle Allianz: Cassis will Privatwirtschaft verstärkt für Entwicklungsarbeit einspannen

Bundesrat Ignazio Cassis strebt eine engere Verflechtung von Entwicklungszusammenarbeit und Privatwirtschaft an. Dabei kommen für den Bund auch Unternehmen wie Nestle, Tabakfirmen und Rohstoffkonzerne in Frage.

Nestle steht seit Jahren in der Kritik, Grundwasser auf eine solch vehemente Art und Weise zu fördern, dass den Menschen in den jeweiligen Regionen kein Trinkwasser mehr zur Verfügung steht. Internen Dokumenten zufolge, die dem Tages-Anzeiger vorliegen, ist der Bund eine strategische Partnerschaft mit Nestle eingegangen – ausgerechnet im Bereich Trinkwasser und Entwicklung.

Immer wieder sorgen Berichte über den Nahrungsmittelkonzern Nestle für Schlagzeilen. Besonders scharfer Kritik ausgesetzt …

Artikel lesen
Link zum Artikel