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Block I des AKW Beznau geht wieder ans Netz.

© KEYSTONE/GAETAN BALLY

Block I des AKW Beznau geht wieder ans Netz. Bild: Keystone

Die 4 wichtigsten Fragen und Antworten im Streit um das AKW Beznau



Drei Jahre war es wegen Sicherheitsbedenken ausser Betrieb, jetzt darf das AKW Beznau 1 wieder hochgefahren werden. Doch der Streit um den 49 Jahre alten Reaktor geht weiter.

Es ist ein Entscheid, der wahlweise als «skandalös», «unverständlich» oder «nur folgerichtig» bezeichnet wird. Vor allem aber ist es ein Entscheid, der niemanden kalt lässt – schon gar nicht im Wortsinn: Beznau 1, eines der ältesten kommerziellen Atomkraftwerke der Welt, darf wieder ans Netz.

Die Kernkraftwerke der Schweiz

© az

Die Kernkraftwerke der Schweiz. Grafik: AZ

Nach über 1100 Tagen kann es wieder Strom liefern. Dies hat die Nuklearaufsichtsbehörde Ensi entschieden. Zum selben Schluss kommt eine von ihr eingesetzte, internationale Arbeitsgruppe. Man habe einen Nachweis zur Sicherheit von der Betreiberin Axpo «geprüft und akzeptiert», sagte Ensi-Direktor Hans Wanner gestern in Brugg.

Die Verantwortlichen achteten tunlichst darauf, ihre Erklärungen wissenschaftlich herzuleiten. Ökonomische oder gar politische Bewertungen waren aus dem Ensi naturgemäss keine zu hören. Dabei hat sein Entscheid zweifellos Signalwirkung. Steht doch das AKW Beznau nach der für Ende 2019 angekündigten Abschaltung des AKW Mühleberg im Zentrum politischer und rechtlicher Auseinandersetzungen.

Die Kernkraftwerke der Schweiz 1

© az

Die Kernkraftwerke der Schweiz. grafik: az

Zudem befindet es sich keine zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Wenig verwunderlich also, reisten gestern auch ausländische Journalisten ins Ensi-Hauptquartier im Aargau. Der Streit tobt schier endlos. Vor diesem Hintergrund ist es nicht leicht, den Durchblick zu behalten. Die vier wichtigsten Fragen und Antworten.

Die vier wichtigsten Fragen und Antworten

1. Wieso musste das AKW so lange vom Netz genommen werden?

Seit 1969 tat Beznau 1 seinen Dienst, bis es am 15. März 2015 vom Netz genommen wurde. In seinem Herzstück gab es ein Problem: Im Reaktordruckbehälter wurden bei Ultraschallprüfungen über 900 Materialfehler in der Stahlwand entdeckt. Der Druckbehälter ist jener Teil, in dem die eigentliche Kernspaltung abläuft, der sensibelste Bereich also.

Bei den Fehlern handelt es sich um Aluminiumoxid-Einschlüsse; sie haben eine Grösse von wenigen Millimetern. Ähnliche Fehler waren zuvor schon bei belgischen Reaktoren aufgetaucht. Sie entstanden offenbar bereits beim Schmieden des Druckbehälters in den 1960er-Jahren. Das Aluminium war bei der Produktion beigefügt worden, um homogenes Material herzustellen.

«Man lässt sich auf ein absolutes Risikospiel ein.»

Geri Müller, Ex-Präsident der Schweizerischen Energiestiftung (SES)

2. Nun kann der Reaktor wieder hochgefahren werden. Warum?

Das Verdikt ist klar: Die Axpo habe nachgewiesen, dass die gefundenen Aluminiumoxid-Einschlüsse «keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit haben», so der zuständige Ensi-Vizedirektor Georg Schwarz. Soll heissen, dass die Fehler den Alterungsprozess des Stahls nicht beschleunigen.

Für die Abklärungen konnten dem Reaktordruckbehälter keine grösseren Proben entnommen werden. Deshalb liess die Axpo eine Kopie nach Original-Plänen nachbauen. Untersuchungen daran zeigten ein ähnliches Bild wie beim Original, es entstanden die gleichen Einschlüsse.

Überdies musste die Axpo den Stahl mikroskopisch prüfen lassen. Damit sollte die Anreicherung bestimmter Elemente ausgeschlossen werden. Sowohl in der Nähe der Aluminiumoxid-Einschlüsse als auch im Material dazwischen, so das Ensi, seien «keine solchen Anreicherungen gefunden worden». Die Axpo will Beznau 1 nun wieder voll in Betrieb nehmen.

«Die sehr umfangreichen Untersuchungen des Ensi zeigen schlicht und einfach, dass die Sicherheit gewährleistet ist.»

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen

3. Wie fallen die Reaktionen auf den Entscheid des Ensi aus?

Der gestrige Tag war ein Stelldichein der AKW-Gegner. Am Vormittag protestierte die Aktion «Ensi-Mahnwache» in Brugg gegen den Wiederbetrieb. Am Abend dann gab es eine Spontankundgebung am Axpo-Hauptsitz in Baden. In links-grünen Kreisen waren bisher viele davon ausgegangen, dass das AKW nie wieder hochgefahren wird.

«Man lässt sich auf ein absolutes Risikospiel ein», sagte Geri Müller im Gespräch. Der frühere Grünen-Nationalrat und Ex-Präsident der Schweizerischen Energiestiftung (SES) nahm schon als Schüler an Anti-AKW-Protesten teil. Wenn die ganze Schweiz frieren würde, könnte man seinetwegen das Risiko eingehen, Beznau 1 wieder hochzufahren.

«Aber niemand hat diesen Winter gefroren, obwohl die AKW-Lobby das schon prophezeit hatte», so Müller. «So ist das Ganze einfach nur skandalös.» Als «höchst unverantwortlich» bezeichneten die Grünen den Ensi-Entscheid in einer Stellungnahme. Greenpeace sprach von einer «Bankrotterklärung von Aufsicht und Politik». Und die SES forderte die Axpo auf, Beznau 1 «im Interesse der Schweiz endlich stillzulegen».

Zurückhaltend fielen die Reaktionen auf bürgerlicher Seite aus. Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sagte, es handle sich ja nicht um einen politischen Entscheid. «Die sehr umfangreichen Untersuchungen des Ensi zeigen schlicht und einfach, dass die Sicherheit gewährleistet ist.»

«Anstatt den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts abzuwarten, prescht das Ensi vor und lässt das marode AKW wieder ans Netz.»

SP Schweiz

4. Welche Rolle spielt jetzt das Bundesverwaltungsgericht?

Trotz Persilschein des Ensi für Beznau 1: Ein Ende im Machtpoker ist nicht absehbar. Der Entscheid platzte mitten in den Rechtsstreit um den Weiterbetrieb der beiden Beznau-Reaktoren. Das Bundesverwaltungsgericht muss sich mit der Frage befassen, wie viel Radioaktivität bei einem schweren Erdbeben aus den AKW austreten darf.

Anwohner und Umweltschützer kritisieren, das Ensi wende einen zu hohen Grenzwert an, die AKW dürften nur deshalb am Netz bleiben. Der Bundesrat räumte ein, dass die geltenden Vorschriften unklar seien. Abhilfe schaffen soll eine Revision der entsprechenden Verordnung. Dass der Bundesrat diese bereits in die Vernehmlassung schickte, sorgt nun erst recht für Empörung.

Die SP schrieb: «Anstatt den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts abzuwarten, prescht das Ensi vor und lässt das marode AKW wieder ans Netz.» Für den Basler SP-Nationalrat Beat Jans stellt der Entscheid «die Unabhängigkeit der Behörde infrage». Die GLP kündigte gestern an, noch in der laufenden Session eine neue Interpellation zu Beznau einzureichen.

Auch für die Partei stellt sich laut dem Zürcher Nationalrat Martin Bäumle die Frage, ob die Wiederaufnahme des Betriebs überhaupt rechtens sei. «Bei einer konsequenten Auslegung der gesetzlichen Regelung zu Erdbeben ist dies höchst zweifelhaft.»

Die Axpo freilich hält an ihren Plänen fest, das AKW Beznau nach Möglichkeit bis im Jahr 2030 weiterzubetreiben. Die Anlage stünde dann in ihrem 61. Betriebsjahr. (Nordwestschweiz)

AKW Beznau darf nach drei Jahren Pause wieder ans Netz

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Video: srf

Backofenuhr aus dem Takt

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    Alle Leser-Kommentare
  • Leee 08.03.2018 23:33
    Highlight Highlight Warum lassen die das Volk nicht abstimmen? Das ist unser Land,welches verstrahlt werden würde!
  • Paternoster 07.03.2018 17:18
    Highlight Highlight Aber alles auf Karte E-Mobilität, 5G Standarts, alles möglichst ruhig, sauber und schneller. Und nur über Windrädchen und Wasser generierter Strom bei steigendem Verbrauch. Wenn Beznau weg, dann bitte auch
    X andere Schritte zum Lokalen, weg von diesem Mobilitätswahn als Grundrecht.
  • Kaffo 07.03.2018 10:15
    Highlight Highlight Wir in der Schweiz können noch lange die Sicherheit von ausländischen Reaktoren ( Fessenheim ) anzweifeln. Wir betreiben ja selber solche Schrottreaktoren noch näher an der Grenze.
  • Döst 07.03.2018 09:57
    Highlight Highlight Die Linksgrünen AKW Gegner sind schlechte Demokraten. Das Schweizer Volk und Stände hat Ende 2016 die Atomausstiegsinitiative verworfen.
    PS: dieselben Linksgrünen werden sich gegen künftige Gaskraftwerke (Teilersatz für abfestellte AKW) stellen, die sie durch ihre Anti AKW Politik verursacht haben.
    • plaga versus 07.03.2018 11:15
      Highlight Highlight Es geht hier nicht um Demokratie und Gaslraftwerke, sondern darum, dass der Reaktor möglicherweise eine tödliche Gefahr für Mensch und Umwelt darstellt.

      Immer dieses Geheu mit den Faktenverdreher...
    • Fabio74 07.03.2018 21:54
      Highlight Highlight hauptsache Fakten verdrehen und anderen irgendwelches Zeug unterstellen.
      Solange das Entsorgunsproblem nicht gelöst ist, gehört der Schrottmeiler vom Netz
  • TheDan 07.03.2018 09:22
    Highlight Highlight "Ähnliche Fehler waren zuvor schon bei belgischen Reaktoren aufgetaucht."

    Diese Behauptung ist falsch. In Doel 3 wurden Risse (Wasserstoffflocken) gefunden und keine nichtmetallischen Einschlüsse, welche man sich wie harte Sandkörner in einem zähen Teig vorstellen kann.

    Wenn "Atomexperten" von Greenpeace und linksgrüne Politiker 3 Jahre Arbeit von Fachexperten und einem internationalen Expertengremium als unakzeptabel bezeichnen ohne sich 5min mit der Materie beschäftigt zu haben und alle Medien diese Meinung kritiklos publizieren läuft doch etwas gewaltig schief in unserem System.
    • dorfne 07.03.2018 14:01
      Highlight Highlight Bei allem Respekt vor Ihrem Expertenwissen - Wenn's dann zum GAU kommt im ältesten AKW der Welt, werden Sie uns bestimmt genau erklären "was im System gewaltig schief gelaufen" ist. Wenn der GAU passiert, wird nämlich niemand die Verantwortung übernehmen müssen, drum kann man sich jetzt auch verantwortungsloses Handeln erlauben.
    • TheDan 07.03.2018 15:24
      Highlight Highlight @Abbaio

      Können Sie mir bitte Erklären was genau an dieser ENSI Entscheidung verantwortungslos ist? Der Auftrag des ENSI war doch die sachlich objektive und kritische Bewertung der Materialprüfungen und Sicherheitsnachweise.
      Was Sie meinen ist eine politische Entscheidung für oder gegen Kernkraftwerke im Allgemeinen und darüber wurde doch abgestimmt mit bekanntem Ergebnis.
  • Touch 07.03.2018 09:15
    Highlight Highlight Zum Glück kommt ja der Strom für die Smartphones, Tablets, PCs und die dämlichen Elektroautos aus der Steckdose und nicht aus dem AKW....

    Würde der Strompreis durch den Bau eines neuen AKWs steigen, hat doch jeder was zu motzen...

    Spart doch einfach Strom, dann sind solche AKWs auch nicht nötig..... Heuchlerisch das Ganze...
  • Picdump 07.03.2018 09:14
    Highlight Highlight Wir sind drei Jahre ohne Probleme ausgekommen. Wieso benötigen wir es jetzt plötzlich? Man merkt, der AKW-Lobby geht es nur ums Geld.
    • dorfne 07.03.2018 14:07
      Highlight Highlight Ich weiss nicht, ob es ums Geld geht. Ich glaube eher, die haben Angst. Angst vor einem Riesenskandal und mögl. Verantwortlichkeiten. Warum? man lässt die kaputten AKW's weiterlaufen, weil das Geld und die Experten für den Rückbau fehlen. Das würde auffliegen bei einer definitiven Abschalte. Also sitzt man das Problem aus und lässt es dann die nächste Führungsgeneration ausbaden.
  • Firefly 07.03.2018 09:09
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