Schweiz
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Lohnungleichheit zwischen Geschlechtern nimmt ab – aber nur minimal



ZUR MITTEILUNG, DASS DER BUNDESRAT EINEN NEUEN GESETZESENTWURF ZUR FOERDERUNG DER LOHNGLEICHHEIT LANCIEREN WILL, STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 26. OKTOBER 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - A learning commercial clerk works in an office of the Swiss Commercial Employees Association, in Zurich, Switzerland, on June 10, 2015. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Eine Lernende kaufmaennische Angestellte arbeitet in einem Buero des Kaufmaennischen Verbandes Schweiz, am 10. Juni 2015, in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

In der Schweiz tut sich nicht viel bei den Löhnen. 2018 betrug der Medianlohn 6538 Franken, das heisst, die eine Hälfte der Arbeitnehmenden verdiente mehr, die andere weniger. Das ist nominal ein halbes Prozent mehr als im Vorjahr, aber real 0.4 Prozent weniger.

Der Unterschied zwischen Frauen- und Männerlöhnen hat wie schon in den Jahren davor um etwa ein Viertel Prozent abgenommen. In der Gesamtwirtschaft belief sich das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern im Jahr 2018 auf 11.5 Prozent. 2016 lag es noch bei 12 und 2014 bei 12.5 Prozent. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dauert es noch 46 Jahre bis Männer und Frauen gleiche Löhne erhalten.

Im privaten Sektor verdienten Frauen 2018 sogar 14.4 Prozent weniger als Männer, wie die erste Auswertung der Lohnstrukturerhebung durch das Bundesamt für Statistik (BFS) zeigt. «Diese geschlechterspezifischen Lohnunterschiede lassen sich teilweise durch strukturelle Merkmale und unterschiedliche Tätigkeiten erklären, insbesondere Verantwortungsniveau am Arbeitsplatz oder Wirtschaftszweig», schreibt das BFS in seiner Mitteilung vom Dienstag.

Mehr Verantwortung, weniger Frauenlohn

Dem widerspricht allerdings, dass die Lohnschere zwischen Mann und Frau in aufsteigender Hierarchie immer weiter auseinanderklafft. So verdienten Frauen 2018 in Stellen mit hohem Verantwortungsniveau 8872 Franken brutto pro Monat, während Männer auf derselben Stufe 10'893 Franken erhielten. Das entspricht einer Differenz von 18.6 Prozent.

Bei Arbeitsstellen mit niedrigerem Verantwortungsniveau war der Lohnunterschied zu Ungunsten der Frauen weniger ausgeprägt (9.4 Prozent), bei Frauen ohne Kaderfunktion belief es sich auf 7.6 Prozent.

Nicht nur bei den Geschlechterunterschieden hat sich lohnmässig wenig getan. Die allgemeine Lohnschere, das heisst der Gesamtabstand zwischen den höchsten und den niedrigsten Einkommen, hat sich zwischen 2008 und 2018 gemäss BFS kaum verändert. In diesem Zeitraum stiegen die Löhne der am besten bezahlten 10 Prozent der Arbeitnehmenden um 9.1 Prozent. In der Mittelschicht waren es 7.3 Prozent, während sich die Löhne bei den am schlechtesten bezahlten 10 Prozent der Arbeitnehmenden um 9.6 Prozent erhöhten.

10 Prozent höhere Boni

Signifikant verändert haben sich die Boni: Sie stiegen von durchschnittlich 9033 im Jahr 2016 auf 9913 im 2018, also um knapp zehn Prozent. Zwischen 2008 und 2014 waren die Boni im Schnitt von 11'698 auf 7939 Franken gesunken, seither steigen sie wieder.

2018 erhielt fast jeder dritte Arbeitnehmende einen Bonus, das heisst zusätzlich zum Grundlohn ausbezahlte jährliche Sonderzahlungen. Die Höhe variiert stark nach Wirtschaftszweig.

Im Finanzdienstleistungsbereich durfte das obere Kader im Schnitt mit knapp 90'000 Franken rechnen, in der Pharmaindustrie mit annähernd 80'000, im Bauwesen mit 21'432 und im Detailhandel mit etwas mehr als 16'000 Franken. In Jobs ohne Führungsverantwortung verlief die Abstufung analog mit einem Durchschnittswert von 4137 Franken.

Unser Lohnpolizist Michi (13) fragt nach

Video: watson/Roberto Krone

Je lukrativer der Wirtschaftszweig, desto höher sind auch allgemein die Löhne: Informationstechnologie und -dienstleistungen brachten 2018 im Schnitt 9000 Franken ein, Jobs in der Pharmaindustrie 9747 Franken und im Bereich der Finanzdienstleistungen 9921 Franken. Am unteren Ende der Lohnskala fanden sich die Herstellung von Textilien und Kleidung (5095 Franken), Detailhandel (4875 Franken), Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie (4412 Franken) sowie Persönliche Dienstleistungen (4144 Franken).

Jeder Achte hat einen Tieflohnjob

Die Zahl der Tieflohnstellen – Vollzeitstellen mit einem monatlichen Bruttolohn von weniger als 4359 Franken – ist 2018 um 7.3 Prozent auf insgesamt 353'000 angestiegen (2016: 329'00). 12.1 Prozent aller Arbeitnehmenden, also fast jeder Achte, muss mit so einem Mini-Lohn Vorlieb nehmen. In der Textilindustrie gehören 56 Prozent der Jobs zu dieser Kategorie, in der Gastronomie knapp 45 Prozent und im Detailhandel fast ein Viertel der Stellen. Mit 66.4 Prozent sind die Frauen im Tieflohnbereich übervertreten.

In der Gesamtwirtschaft werden Einheimische besser bezahlt als Ausländer, Schweizer verdienen im Schnitt 6873 Franken, Ausländer 5886 Franken. Umgekehrt ist es bei den Jobs mit hoher Verantwortung: Im oberen Kader erhielten Personen mit Aufenthaltserlaubnis 12'510 Franken, Grenzgänger 10'750 und Schweizer Staatsangehörige 10'138 Franken – immer im Durchschnitt im Jahr 2018. (aeg/sda)

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 22.04.2020 06:04
    Highlight Highlight Und wenn die Lohndiskriminierung weg wäre, was dann? Dann haben die Frauen doch einfach schlechtere Chancen bei einer Neueinstellung, weil die Risiken, dass Frauen schnell wieder kündigen oder Kinder kriegen hoch sind. Mögliche Schwangerschaft oder Kündigung aus Rücksicht auf den Arbeitsplatz und/oder Wohnort des männlichen Partners sind die Hauptgründe für die Lohndiskriminierung der Frauen. Dazu kommen die Kosten der Stellvertretung oder der Einarbeitung einer Neuen. Die Frauen zahlen mit ihren tieferen Löhnen eine Risikoprämie, unschön, aber nachvollziehbar aus Sicht des Arbeitgebers.

    • Things will be different when I take over the worl 22.04.2020 15:56
      Highlight Highlight Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann kriminell wird und der Firma Schaden zuführt oder ins Gefängnis kommt, in der Freizeit schwer verunfallt oder einfach zu früh stirbt (z.B. völlig unvorhergesehen an einer Herzinfarkt oder einem Aortariss), ist höher als bei einer Frau. Müssen jetzt alle Männer eine Risikoprämie bezahlen? Glauben Sie den Mist eigentlich selber oder provozieren Sie einfach gerne? Ich lese solchen Schrott ja immer nur im Internet, ich würde es mal spannend finden, wenn ein solcher Mann sich auch trauen würde einem das ins Gesicht zu sagen.
    • Schneider Alex 23.04.2020 06:21
      Highlight Highlight @Things
      Es sind schlicht meine 40 Jahre Erfahrung mit Frauen am Arbeitsplatz.
  • Ökonometriker 21.04.2020 18:08
    Highlight Highlight Wie wär's, wenn man mal aussagekräftige Statistiken erheben würde?
    Mich würde beispielsweise interessieren, wie gross der unerklärbare Lohnunterschied ist, wenn man das Ausbildungshauptfach berücksichtigt. Dass die Krankenschwester weniger als der Arzt und die HR-Managerin weniger als ein Investment Banker verdient ist ja eigentlich keine Überraschung.

    Die nächste Frage wäre dann unweigerlich: wie kann man Frauen motivieren, Berufe mit einer höheren Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und entsprechend besserer Kompensation zu erlernen?
    Damit hätten wir dann Wohlstandswachstum.
  • Toni.Stark 21.04.2020 17:30
    Highlight Highlight Wie schön die Zeiten als wir noch so Phantom-Probleme hatten.
  • weissaunöd 21.04.2020 13:11
    Highlight Highlight Guter Input zum Thema, statistische Abhängigkeiten sind immer wichtig bei solchen Themen.
    Play Icon
  • Kronrod 21.04.2020 12:39
    Highlight Highlight Immer wieder die gleiche Leier. Dabei sagt diese Zahl sagt nicht viel darüber aus, wie fair der Arbeitsmarkt wirklich ist. Ein grosser Teil des Lohnunterschieds zwischen den Geschlechtern lässt sich statistisch über Anzahl Dienstjahre, Ausbildung, Pensum, Arbeitsweg, etc. erklären. Der "statistisch unerklärbare" Rest kann von beliebigen unberücksichtigen Faktoren herrühren, einer davon ist natürlich Sexismus. Aber ein Beweis ist es nicht. Das Ziel sollte nicht absolute Lohngleichheit sein, sondern gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
    • Lotta_80 21.04.2020 13:45
      Highlight Highlight Stimmt genau!👍 und genau darum ist das thema langsam nervig. Würde die männergarde mal alle ungleichheiten aus ihrer sicht schildern und ständig anprangern (wehrpflichteresatzabgabe, scheidungsrecht, alter 65 etc etc), dann wäre das hick hack endlos. Dann würden aber folgerichtig wieder die frauen kommen, dass der coiffeur 5xteurer ist etc etc...
      Aber man kann ja auch ewig immer motzen und stänkern auf allen ebenen. Gleicher lohn für gleiche arbeit, punkt. Und das wird auch vielerorts sicher sehr gut eingehalten.
    • 7immi 21.04.2020 14:00
      Highlight Highlight @kronrod
      Das sehe ich auch so. Hätten Frauen wirklich weniger Lohn bei gleicher Arbeit, wäre ja jede Firma dumm, die Männer anstellt...
    • Gubbe 21.04.2020 14:46
      Highlight Highlight Kronrod
      Genau, bei gleicher Arbeit und annähernd gleichem Ertrag.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Basti Spiesser 21.04.2020 12:37
    Highlight Highlight Naja, es macht nicht viel Sinn wenn ihr unbereinigte Zahlen miteinander vergleicht. Oder mir erschliesst sich die Logik nicht.

    Der bereinigte Gender Pay Gap in der Schweiz ist unter 5%.
  • bonpris 21.04.2020 11:16
    Highlight Highlight Es gibt keine Lohnungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit war schon immer gegeben.

    Wenn der Lohn nicht gleich ist, dann ist die Arbeit nicht gleich.
    • Firefly 21.04.2020 16:24
      Highlight Highlight Das würde eventuell in einer perfekt messbaren und transparenten Welt vielleicht gelten... aber nein, dann würde wohl auch immer noch Verhandlungsgeschick und Sympatie im Spiel sein. Wir sind ja keine Roboter. Noch nicht.
    • bonpris 21.04.2020 21:40
      Highlight Highlight @Firefly

      Sympathie spielt vielleicht eine Rolle, ob man den Job kriegt. Der Verhandlungsspielraum für den Lohn wird jedoch vorher festgelegt. Das wird i. A. von der GL, bzw. der Personalabteilung diktiert. Bei der Lohnverhandlung wird der Lohn soweit nach unten gedrückt, wie es nur geht. Es ist wie Poker.

      Abjer ja, Verhandlungsgeschick ist mit dabei. Das ist im Grunde genommenTeil des Jobs. Wer diesen Teil besser macht, bekommt mehr Lohn und weniger unwürdige Aufgaben.

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