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Doris Leuthards Rücktritt aus dem Bundesrat wird von grossen Problemen in ihrem Departement begleitet.
Doris Leuthards Rücktritt aus dem Bundesrat wird von grossen Problemen in ihrem Departement begleitet.
Bild: KEYSTONE

Wird Doris Leuthard neue Präsidentin der Raiffeisen-Banken?

Wie Recherchen ergeben haben, ist Doris Leuthard im Gespräch für das Verwaltungsratspräsidium bei den Raiffeisen-Banken. Doch noch sitzt sie nicht im Zentralsitz der Genossenschafsbankenin St. Gallen, sondern in Bern – und dort türmen sich die Probleme.
19.02.2018, 05:0809.03.2018, 09:48
Beat Schmid / Nordwestschweiz

Doris Leuthard will nicht mehr lange Bundesrätin bleiben. Mitte 2017 gab sie überraschend in einem Interview bekannt, dass sie sich «am Ende ihrer letzten Legislatur» befinde. Der «Blick» spekulierte vor kurzem, dass Leuthard schon im April zurücktreten könnte. Sie sei müde geworden, schrieb das Blatt. Sie wolle mit der «No Billag»-Abstimmung noch ihren letzten politischen Grosskampf gewinnen und danach abtreten, nach zwölf Jahren im Bundesrat.

Mit ihrer unüblich frühen Rücktrittsankündigung kommunizierte sie indirekt, dass sie bereit für eine neue Aufgabe ist. Alle habe ihre Botschaft gehört, insbesondere die Gilde der Headhunter. Der 54-jährigen Magistratin wurden etliche lukrative Mandate in der Wirtschaft nachgesagt, für die sie befähigt sein könnte. So soll sie Nachfolgerin von Klaus Schwab beim WEF werden, hiess es etwa. Es ist allerdings fraglich, ob sie dieser Herausforderung gewachsen wäre. Realistischer scheint ein anderes Mandat: Wie Recherchen ergeben haben, ist Doris Leuthard im Gespräch für das Verwaltungsratspräsidium bei den Raiffeisen-Banken. Das hat die «Nordwestschweiz» aus Verwaltungsrats-Kreisen erfahren.

Coup für Raiffeisen? 

Für die Genossenschaftsbanken mit ihrem Zentralsitz in St. Gallen wäre die Verpflichtung von Leuthard ein Coup. Mit der charismatischen Strahlefrau an der Spitze könnte die Bank die wilden Jahre mit Skandalbanker Pierin Vincenz schnell vergessen machen. Zwar verfügt die ausgebildete Juristin über kein bankfachliches Know-how, aber das hat bei Raiffeisen kaum je eine Rolle gespielt. Der aktuelle Präsident, Johannes Rüegg-Stürm, ist Professor für Organisationslehre an der Universität St. Gallen. Sein Vorgänger war der Schwyzer Finanzpolitiker und frühere SNB-Bankrat Franz Marty.

Würde Leuthard nach ihrem Rücktritt zu Raiffeisen wechseln, wäre die Spitze der Bank wieder mit einer CVP-Vertreterin besetzt. Marty war ebenso ein Christdemokrat wie auch der Bündner Gion Clau Vincenz, der Raiffeisen in den 1980er-Jahren präsidierte. Er war der Vater von Pierin Vincenz, der wegen eines Enforcement-Verfahrens der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) inzwischen von fast allen Ämtern zurücktreten musste.

Tage von Rüegg-Stürm sind gezählt

Das Verfahren gegen Vincenz wurde mit seinem Rücktritt aus der Helvetia-Versicherung eingestellt. Bedingung war allerdings, dass er das Versprechen abgab, nie mehr für ein Finma-reguliertes Finanzunternehmen zu arbeiten. Das parallel geführte Verfahren gegen Raiffeisen hingegen ist nach wie vor am Laufen. Und dieses ist ein Problem für den aktuellen VR-Präsidenten Rüegg-Stürm. Manch heikle Transaktion von Vincenz dürfte in seinem Wissen abgewickelt worden sein. Rüegg-Stürm musste in den Ausstand treten. Schon länger ist deshalb für die Bankbranche klar, dass die Tage des Professors an der Spitze der Gruppe gezählt sind.

Als Raiffeisen-Präsidentin wäre Leuthard auf einen Schlag eine der wichtigen Persönlichkeiten in der Schweizer Wirtschaft. Die Bank ist nach einer starken Wachstumsphase zur Nummer drei im Schweizer Banking aufgestiegen. Der Verbund aus 255 unabhängigen Genossenschaften zählt insgesamt 1.9 Millionen Mitglieder, 3.7 Millionen Kunden und beschäftigt knapp 11 000 Mitarbeitende. Raiffeisen ist ein Riese im Hypothekargeschäft mit einem Volumen von 169 Milliarden Franken. Bis anhin repräsentierte vor allem der CEO die Bank gegen aussen, doch mit Leuthard könnte sich das ändern. Patrick Gisel, der aktuelle CEO der Bank, der während Jahren als Nummer zwei im Schatten von Vincenz stand, würde erneut überstrahlt.

Es brennt in Bern

Doch noch sitzt Doris Leuthard nicht in St. Gallen, sondern in Bern. Und dort hat sie mit handfesten Skandalen in ihrem Departement, dem Uvek, zu kämpfen. Der Steuerbetrugsskandal bei der Post von über 100 Millionen Franken zieht immer weitere Kreise und wird auch für Leuthard immer ungemütlicher. Dazu kommt die Angola-Affäre um SBB-Präsidentin Monika Ribar sowie die irritierenden Qualitätsprobleme, inklusive Datenklau bei der Swisscom. Für Leuthard und ihre Ambitionen in der Privatwirtschaft sind diese Probleme reines Gift. Kurz vor ihrem Rücktritt sei Leuthard geschwächt wie noch nie in ihrer Karriere, schrieb die Sonntagspresse gestern.

Diese Fragen interessieren: Wie gut ist Leuthard wirklich als Managerin ihres Departements? Warum hat sie Monika Ribar nicht längst entlassen? Warum hält sie an Post-Chefin Susanne Ruoff fest? An sich wäre der Fall glasklar: Ruoff ist als VR-Präsidentin der Postauto AG für alle Belange innerhalb der Konzerntochter verantwortlich. Ergo müsste sie nach Auffliegen des Betrugsskandals sofort abtreten. Warum greift Leuthard nicht resolut durch? Die Entlassung von Ruoff käme dem Eingeständnis gleich, die falsche Person an die Spitze der Post gesetzt zu haben. Diese Blösse will sich Leuthard nicht geben. Als künftige Wirtschaftsführerin wird sie daran gemessen, ob sie ein gutes Händchen für die Wahl der richtigen Führungskräfte hat. 

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