Schweiz
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ARCHIVBILD ZUM EINSATZ DER NEUEN DOPPELSTOCKZUEGE DER SBB AUF DER OST-WEST-ACHSE AB DEM FAHRPLANWECHSEL VOM 9. DEZEMBER, AM MONTAG, 19. NOVEMBER 2018 - Der neue Fernverkehr-Doppelstockzug der SBB

Die Mängel, die es beim FV-Dosto von Bombardier gibt, sorgen für rote Köpfe.  Bild: KEYSTONE

Pannenzug: Jetzt kommt es zum Showdown im Bundeshaus

SBB und Bombardier müssen Politikern Red und Antwort stehen. 

othmar von matt / Schweiz am Wochenende



Die hochkarätige Runde trifft sich am Montag, 11. Februar, ab 10.15 Uhr in Zimmer 287 des Bundeshauses. Die Verkehrskommission (KVF) des Nationalrats thematisiert dann die Probleme um den neuen Doppelstockzug FV-Dosto von Bombardier. Geladen sind Andreas Meyer, CEO der SBB, Stéphane Wettstein, Schweiz-Chef von Bombardier, Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV), und Matthias Ramsauer, Generalsekretär des Verkehrsdepartements (Uvek). 

Nur die Chefin selbst fehlt. Simonetta Sommaruga, neue Vorsteherin des Uvek, tritt nicht auf an der Sitzung, in der vor allem die SBB, aber auch Bombardier, das BAV und das Uvek mit über 50 Fragen konfrontiert werden. Ein Auftritt wäre nicht stufengerecht, denn Sommaruga will nicht Schiedsrichterin spielen.

Eine Hauptrolle kommt SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner zu. Er ist ausgesprochen gut informiert über die Situation um den FV-Dosto. Dem «SonntagsBlick» sagte er, Bombardier müsse pro Zug und Woche Verspätung 500000 Franken zahlen. Die totale Schadenersatzsumme schätzte er auf rund 600 Millionen Franken.

ZUM KADERLOHNBERICHT DES BUNDESRATS UND DEN BESTVERDIENER ANDREAS MEYER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Andreas Meyer, CEO SBB, spricht anlaesslich der Bilanzmedienkonferenz der SBB AG am Dienstag, 25. Maerz 2014 im Bahnhof in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Andreas Meyer, CEO der SBB. Er hat die Züge bei Bombardier bestellt. Bild: KEYSTONE

Giezendanner stellt zwölf der Fragen. Er will von den SBB wissen, weshalb sie auf Züge mit Wank-Kompensation pochten, obwohl man mit dem Pendolino «sehr schlechte Erfahrungen» gemacht habe. Und wie hoch die Kosten für die Infrastrukturanpassungen für diese Züge mit Wank-Kompensation seien. Er will aber auch wissen, welche Rolle der SBB-Verwaltungsrat bei der Beschaffung gespielt habe. Und was mit Bombardier in der Schweiz passiere, «wenn tatsächlich Schadenforderungen von 600 bis 900 Millionen fällig würden».

Ein Dienst unter SVP-Kollegen?

Im Umfeld von Bombardier kursiert die Vermutung, der Schweizer Bahnbauer Peter Spuhler habe beim Fragenkatalog Giezendanners indirekt mitgewirkt. Spuhler liebäugelt mit einem Börsengang seiner Stadler Rail, um Finanzmittel für weitere Expansionen zu generieren. Giezendanner könnte deshalb versucht sein, seinem SVP-Kollegen einen Dienst zu erweisen.

Stephane Wettstein, CEO Bombardier Schweiz, waehrend einer Typentestfahrt im neuen Doppelstockzug der SBB

Stéphane Wettstein, Chef Schweiz von Bombardier, dem Lieferanten. Bild: KEYSTONE

Giezendanner dementiert dies entschieden. «Ich bin frei und muss keine Rücksicht nehmen auf Peter Spuhler», sagt der Unternehmer. «Er haut mir kein Brot ab.» Er habe in den letzten zwölf Monaten «nie mit Peter Spuhler über Bombardier» gesprochen. «Das kann ich eidesstattlich versichern.» Giezendanner betont, es gebe «noch andere Eisenbahnbauer», die «nicht glücklich sind mit Bombardier». Dass er und Spuhler ein langjähriges freundschaftliches Verhältnis haben, bestreitet er nicht. «Wir sassen im Parlament 13 Jahre nebeneinander. Da die Computer meist aufgestartet waren, gibt das ein Vertrauensverhältnis.»

Auch andere Politiker stellen Fragen. Michael Töngi (Grüne) will wissen, ob die SBB «Schlussfolgerungen für zukünftige Ausschreibungen gezogen» haben. SP-Nationalrat Philipp Hadorn scheint es «zwingend, die Rolle von SBB, aber auch von BAV und Uvek bei solchen ‹Mammutbestellvorgängen› zu prüfen, damit die Service-public-Leistungen für Bevölkerung und Wirtschaft gesichert bleiben». 

«Kein Gericht»

SBB und Bombardier hätten in der Kommission «die Chance aufzuzeigen, wie sie die Probleme so schnell wie möglich beheben wollen», sagt Edith Graf-Litscher, KVF-Präsidentin. «Wer wem was zahlen soll, müssen die Vertragsparteien rechtlich untereinander klären. Das ist nicht Aufgabe der Kommission.»

Peter Fueglistaler, Direktor vom Bundesamt fuer Verkehr, BAV, spricht an einer Medienkonferenz zur Weiterentwicklung des Bus- und des internationalen Bahnverkehrs, am Donnerstag, 19. Oktober 2017, in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr (BAV). Es ist die Aufsichtsbehörde. Bild: KEYSTONE

Die SP-Nationalrätin spielt auf die Schuldzuweisungen an, welche vor allem die SBB Bombardier gegenüber gemacht hatten. «Die SBB ist unzufrieden mit der Zuverlässigkeit der FV-Dosto von Bombardier», hatten die SBB in einer Medienmitteilung vom 10. Januar geschrieben. Die 12 von 62 Kompositionen, die bereits auf dem Schienennetz sind, seien aber noch Eigentum von Bombardier, sagen gut informierte Kreise. Die SBB hätten die Züge noch nicht abgenommen, sondern erst vorabgenommen und könnten damit die Abschreibungen herausschieben. Bei den SBB selbst heisst es: «Die SBB ist im Besitz von 12 Fahrzeugen und diese werden durch uns eingesetzt.» Weitere Vertragsdetails gäben die SBB nicht bekannt.

Die KVF sei «weder Aufsichtskommission noch Gericht», sagt Graf-Litscher. Das werde sie an der Sitzung betonen. «Ich will eine lösungsorientierte Diskussion. Es geht nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen», sagt sie, «sondern darum, wie wir in dieser verfahrenen Situation möglichst schnell zu einer Lösung kommen. Alle Beteiligten müssen alles daransetzen, dass die Züge zum Fahren kommen.»

Am 11. Februar will sie über die Anhörung informieren. Denkbar ist, dass auch SBB und Bombardier eine Medienkonferenz durchführen. Sie arbeiten hart an Lösungen bei Betriebsstabilität und Fahrkomfort. «Es steht im Moment nicht fest», heisst es bei den SBB, «ob und in welcher Form öffentlich informiert wird.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chrigi-B 02.02.2019 15:07
    Highlight Highlight Wiso kauft die SBB nicht Stadler Züge? Würde neben anständiger Qualität auch CH Arbeitsplätze sichern....
    • zettie94 03.02.2019 01:03
      Highlight Highlight Informier dich mal über:
      - öffentliches Beschaffungswesen (Spoiler: die SBB kann nicht einfach kaufen, was sie gerade Lust dazu hat)
      - Endmontage der Twindexx (Spoiler: in der Schweiz)
      - Offerte von Stadler in diesem bestimmten Fall (Spoiler: den verfügbaren Infos nach alles andere als überzeugend)
      Zudem ist anzunehmen, dass bei diesem Auftrag jeder Hersteller grössere oder kleinere Probleme gehabt hätte - die Anforderungen der SBB waren einfach zu komplex.
    • kellersamuel182@gmail.com 03.02.2019 01:49
      Highlight Highlight @zettie94

      Gemäss SBB hat die Offerte von Bombardier in allen Hauptkriterien am besten abgeschnitten, Zitat:

      "Erfüllung des Anforderungskatalog, Gesamtwirtschaftlichkeit/Termineinhaltung, Vertragserfüllung und Bewährung".

      Bis jetzt nichts als heisse Luft!

      Im weiteren hat Bombardier 2010 nicht nur grossmundig verkündet das in der Schweiz die Stellen bei der Zugssparte erhalten bleiben, es werden sogar welche geschaffen.

      Im Jahr 2017 Ankündigung durch Bomabardier, dass in der CH 650 Arbeitsplätze gestrichen werden!

      Wieder einmal nichts als heisse Luft!
    • zettie94 03.02.2019 11:38
      Highlight Highlight @kellersamuel: Solche Kriterien im Voraus zu bewerten ist immer schwierig. Scheinbar konnte Bombardier aber am besten darlegen, wie die Erfüllung sichergestellt werden kann. Bleibt die Frage, wie das Debakel ausgesehen hätte, wenn die SBB bei einem schlechter bewerteten Hersteller bestellt hätte...
      Von 2010-2017 ist bei Bombardier viel passiert. Neben dem Twindexx-Debakel (Bombardier wird damit ziemlich sicher einen massiven Verlust einfahren), ist auch die Flugzeugsparte ziemlich in Schieflage geraten. Dass unter den Voraussetzungen eher ein Abbau als ein Ausbau stattfindet, sollte klar sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Posersalami 02.02.2019 14:17
    Highlight Highlight "Giezendanner" stellt zwölf der Fragen. Er will von den SBB wissen, weshalb sie auf Wankkompositionen pochten,""

    Offensichtlich ist Giezendanner doch nicht so gut informiert. Eine einfache Suche auf sbb.ch ergibt:

    "Dank der Technologie «Wankkompensation» sind schnellere Kurvenfahrten bei gleichem Fahrkomfort möglich. So kann die Fahrzeit zwischen Bern und Lausanne von heute 66 Minuten auf 61 Minuten reduziert werden."
    https://tinyurl.com/ybjhfo92

    So gut es ist, dass sich die Politik da einschaltet, aber man sollte sich schon auf das Wesentliche fokussieren und weniger provozieren..
    • kellersamuel182@gmail.com 03.02.2019 01:30
      Highlight Highlight Nur wird die Wankkomposition bis jetzt nicht eongesetzt bzw. ist nicht klar ob sie auch funktioniert.
    • DerRaucher 03.02.2019 07:33
      Highlight Highlight 5 Minuten Ersparnis und dafür muss man sich mit diesem Wank Müll rumschlagen. Super.
    • zettie94 03.02.2019 11:42
      Highlight Highlight @DerRaucher: Es geht nicht um 5 Minuten Zeitersparnis. Es geht um den Taktfahrplan. Da werden aus den 5 Minuten schnell mal 30 Minuten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Maschinist460 02.02.2019 13:34
    Highlight Highlight 😂😂
    Benutzer Bild
  • c_meier 02.02.2019 13:30
    Highlight Highlight Die SBB hat effektiv die Pendolino-Technik bestellt bei Bombardier? meine Güte...
    • meliert 02.02.2019 13:43
      Highlight Highlight wenn das stimmt mit der Pendelino Technik, dann waren wirklich Diletanten am Werk bei der SBB!
    • goschi 02.02.2019 13:43
      Highlight Highlight Das Problem beim pendolino war nur zu einem Teil die Technik
      Viel mehr die mangelnde Wartung und vor allem Wartungskompetenz.
    • Hierundjetzt 02.02.2019 13:44
      Highlight Highlight Das dachte ich mir beim lesen jetzt auch gleich.

      Und was zum Teufel hat es mit dieser „Infrastrukturanpassung“ aufsich? Müssen jetzt alle Bahnhöfe und Tunnels geändert werden?😡

      Langsam kommts mir vor wie mit der VBS Duro Bestellung wo man danach theoretisch jedes EFH Garage in der Schweiz umbauen müsste weil man diese Transporter nicht mehr „verstecken“ kann. Die Steigerung ist ja nur noch, das die Revision eines Duro teurer ist als der Kaufpreis eines neuen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Lacaduc 02.02.2019 13:30
    Highlight Highlight Es is bekannt , dass Bombardier den Auftrag nur bekommen haben, weil sie beim Energieverbrauch besser waren. Dieser Energieverbrauch wird jetzt bei weitem zu hoch. Dementsprechend muss Bombardier zahlen. Alles andere wäre inakzeptabel.

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