DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler und weitere No-Billag-Befürworter gaben am Dienstag eine Pressekonferenz zum «Plan B» für die SRG.
Der FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler und weitere No-Billag-Befürworter gaben am Dienstag eine Pressekonferenz zum «Plan B» für die SRG.
Bild: KEYSTONE

Hat sich die No-Billag verrechnet? Biglers «Plan B» im Faktencheck

Der Schweizerische Gewerbeverband hat gestern seinen «Plan B» für eine SRG ohne Gebühreneinnahmen vorgestellt. Wir haben die Rechnung genauer unter die Lupe genommen.
10.01.2018, 11:1711.01.2018, 16:41

«Ja zur SRG, Ja zu No-Billag», so lautet der Werbeslogan des Schweizerischen Gewerbeverbandes (sgv) im Abstimmungskampf um die No-Billag-Initiative. Der Slogan ist umstritten. Denn die Initiativgegner beharren darauf, dass ein Ja zu No-Billag das Ende der SRG bedeuten würde. 

Geht es nach Hans-Ulrich Bigler, FDP-Nationalrat und sgv-Direktor, sind die Untergangsszenarien hingegen «Schwarzmalerei». An einer Pressekonferenz am Dienstag hat er skizziert, wie er sich eine SRG ohne Gebühreneinnahmen vorstellt. 

«Bei einem Ja zu No-Billag kann die SRG als gut positioniertes Unternehmen im Werbemarkt und im Publikumsmarkt neue Chancen nutzen», so seine Annahme. Auch Steuergelder von Bund und Kantonen schliesst er nicht aus.

Biglers «Plan B» hat also drei Standbeine: Pay-TV-Angebote, Werbeeinnahmen und Fördergelder. Wir haben uns die Rechnung genauer angeschaut:

1. Pay-TV-Angebote und Abonnement-Einnahmen:

200 bis 600 Millionen Franken soll die SRG künftig jährlich über freiwillig gelöste Abonnemente reinholen. Das Maximum kommt dabei aus folgender Rechnung zustande:

  • Wenn 50 Prozent aller Radio-SRF-1-Hörer ein Abonnement von 365 Franken im Jahr lösen, ergibt das 288 Millionen Franken.
  • Wenn nun auch alle SRF1-TV-Zuschauer ein Abonnement von 365 Franken lösen, kommen noch 310 Millionen dazu.
  • Macht also total 598 Millionen Franken.

Das Problem: Zwischen der Radiohörerschaft und den Fernsehzuschauern gibt es eine Schnittmenge. Nach dieser Rechnung würde also ein Radio-Hörer, der auch Fernseh-Angebote der SRG nutzt, nicht 365, sondern 730 Franken pro Jahr bezahlen.

Personen, die SRF1-Radio hören und SRF1-TV schauen, müssten nach Biglers Rechnung doppelt bezahlen.
Personen, die SRF1-Radio hören und SRF1-TV schauen, müssten nach Biglers Rechnung doppelt bezahlen.

Das sagt der sgv: «Selbstverständlich gibt es eine Schnittmenge zwischen Radio- und TV-Zuschauern. Allerdings wird die Mediensteuer auch nicht pro Person, sondern pro Haushalt erhoben. Unsere Rechnung zeigt mit Grössenordnungen: Die SRG hat ein treues Stammpublikum, das zu zahlen bereit wäre», so Biglers Sprecher Bernhard Salzmann.

Die Sache mit dem Finanzausgleich

Weiter rechnet Bigler, dass mit diesen – ausschliesslich aus der Deutschschweiz stammenden – Abonnements-Einnahmen auch die Sendungen in den anderen Sprachregionen subventioniert werden können. Die Höhe der Gebührengelder, die heute von der Deutschschweiz in die anderen Landesteile fliessen, beträgt 360 Millionen Franken.

Auch 60 Millionen Franken für Privatsender sollen laut Bigler drinliegen. Dann blieben gemäss seiner Rechnung immer noch 178 Millionen von den 598 Millionen übrig.

Das Problem hier: Die Deutschschweizer Sender gehen vergessen. Diese kosten heute nach SRG-Angaben 525 Millionen Franken. Die Deutschschweizer würden nach dieser Rechnung also die anderen Landesteile finanzieren, hätten selber aber fast 350 Millionen weniger als heute, um eine eigene Sendestation zu betreiben. Wer soll unter diesen Bedingungen ein Pay-TV-Abo lösen?

Das sagt der sgv: «Die SRG hat in der Deutschschweiz Flaggschiffe wie die ‹Tagesschau›, ‹10vor10›, die ‹Rundschau› oder das ‹Echo der Zeit›, die sich grosser Beliebtheit erfreuen. Ein solches Sockelangebot könnte auch mit tieferen Einnahmen finanziert werden. Das ist echter Service public! Wer darüber hinaus noch Sport- oder Kulturangebote konsumieren möchte, kann sich frei für solche kostenpflichtigen Zusatzangebote entscheiden. So kann jeder auslesen, was er sehen will – ganz ohne Zwang.»

Würden die Deutschschweizer nach einem No-Billag-Ja weiterhin gleich viele Gebühren wie bisher abgeben, bliebe für sie selbst viel weniger übrig.
Würden die Deutschschweizer nach einem No-Billag-Ja weiterhin gleich viele Gebühren wie bisher abgeben, bliebe für sie selbst viel weniger übrig.

2. Werbeeinnahmen:

Weiter geht es mit den Werbegeldern. Das Faktenblatt des sgv rechnet hier mit Einnahmen von 410 bis 420 Millionen Franken. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 hat die SRG 280 Millionen Franken an Werbeeinnahmen (inklusive Sponsoring) verbucht. 

Nach Biglers «Plan B» würde die SRG also trotz der Annahme, dass die Zuschauer- und Zuhörer-Reichweite um 50 Prozent zurückgeht, 50 Prozent mehr Werbeeinnahmen erwirtschaften. Diese Mehreinnahmen sollen sich alleine aus dem Wegfall der heutigen Werbeeinschränkungen im Online-, Radio-, aber auch im TV-Bereich generieren.

Das Problem: Die Werbeeinnahmen von Presse, TV und Radio stagnieren in der Schweiz. Selbst die SRG, die sich laut der No-Billag-Befürworter in den letzten Jahren zu einem regelrechten Mediengiganten gemausert habe, konnte die Werbeeinnahmen in den letzten 20 Jahren nicht steigern. Wie die SRG ihre Werbeeinnahmen in die Höhe treiben soll, wenn sie für ihr Programm in der finanzkräftigen Deutschschweiz nur noch einen Bruchteil der Finanzen zur Verfügung hat, ist zudem fraglich.

Das sagt der sgv: «Die heutige Mediensteuer legt der SRG enge Fesseln an, sie darf auf verschiedenen Kanälen keine oder nur beschränkt Werbung schalten. Fallen diese Restriktionen weg, kann sich die SRG im Markt behaupten. Alle haben gleich lange Spiesse – aber ohne Verzerrungen durch die SRG-Steuermilliarden wie heute.»

Die Werbeeinnahmen der SRG in den letzten 20 Jahren, teuerungsbereinigt.
Die Werbeeinnahmen der SRG in den letzten 20 Jahren, teuerungsbereinigt.
Bild: watson / daten: SRG-geschäftsberichte

3. Fördergelder:

Weitere Unterstützung soll die SRG laut Biglers «Plan B» von Bund, Kantonen und Privaten in Form von Fördergeldern erhalten. Das jährliche Einnahme-Potential bewege sich dabei zwischen 230 bis 410 Millionen Franken.

Der Bund solle dabei 250, die Kantone 50 und Private 30 Millionen Franken beisteuern. Ausserdem könne der Bund der SRG mit 80 Millionen Franken unter die Arme greifen, ähnlich wie der Schweizer Presse bei der Distribution. Heute erhält die SRG keine solchen Fördergelder von den Kantonen und nur vereinzelt vom Bund für spezifische Sendungen.

* Der Bund förderte 2016 einzelne TV-Sendungen im Rahmen von nicht mehr als 24 Millionen Franken.
* Der Bund förderte 2016 einzelne TV-Sendungen im Rahmen von nicht mehr als 24 Millionen Franken.

Das Problem: Wenn die SRG direkt Geld von Bund und Kantonen erhält, rückt der von den Gegnern oft bemühte Begriff des «Staatsfernsehens» damit nicht in die Ferne, sondern eher näher. Zudem heisst es im Initiativtext klipp und klar: «Der Bund subventioniert keine Radio- und Fernsehstationen.»

Das sagt der sgv: «Fördergelder für einzelne Sendungen und Produktionen wären – klar beschränkt auf Bereiche, wo es keinen Markt gibt – weiterhin möglich. Dies nicht zuletzt dank der Artikel 70 und 71 in der Bundesverfassung, die festhalten, dass der Bund die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften sowie die Schweizer Filmproduktion und -kultur fördern kann. Von einem Staatsfernsehen kann deshalb keine Rede sein. Werden heute Künstler finanziell unterstützt, sind sie ja deshalb auch keine Staatskünstler. Heute ist die SRG ein Staatssender und zu über drei Vierteln von Zwangssteuern abhängig. Der Anteil – und damit die Abhängigkeit vom Staat – wäre künftig viel kleiner.»

Doris Leuthard über die neue Billag-Gebühr:

Video: undefined/SDA

Die meistgezeigten Spielfilme im Schweizer Fernsehen:

1 / 45
Die meistgezeigten Spielfilme im Schweizer Fernsehen
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Schlechtes Blut – oder der grösste Betrug im Silicon Valley

Mit ihrem angeblichen Blutanalysegadget hat Elizabeth Holmes alle getäuscht: Rupert Murdoch, Henry Kissinger und auch Jim Mattis. Jetzt hat der Prozess gegen die mutmasslich grösste Betrügerin des Silicon Valleys begonnen.

«Fake it until you make it» (Täusch etwas vor, bis es funktioniert) ist ein beliebtes Motto in der Start-up-Szene des Silicon Valley. Viele technische Sensationen werden mit üblen Kinderkrankheiten und grossspurigen Versprechen auf den Markt geworfen. Meist verschwinden diese Heilsbringer jedoch genau so schnell, wie sie aufgetaucht sind.

Nicht so bei Elizabeth Holmes. Sie beherrschte das Täuschungsspiel perfekt. Die Gründerin eines Unternehmens namens Theranos steht im Mittelpunkt der …

Artikel lesen
Link zum Artikel