Schweiz
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FILE - In this May 23, 1944 file photo, the organism treponema pallidum, which causes syphilis, is seen through an electron microscope. Las Vegas is experiencing a syphilis outbreak, as health officials warn of a national spike in cases that some are tying to increased testing, as well as the prevalence of anonymous sex through social media and a less consistent use of condoms. (AP Photo, File)

Der Syphilis-Erreger Treponema Pallidum unter dem Mikroskop. Bild: /AP/KEYSTONE

Europaweit auf Platz 5: Syphilis-Fälle in der Schweiz haben zugenommen



Trotz wirksamer Medikamente nimmt die Anzahl Syphilis-Infektionen weltweit wieder zu. Auch in der Schweiz steigt die Zahl Neuerkrankungen: Insgesamt 651 Infizierte wurden im Jahr 2015 erfasst, 7 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr. Im Schnitt sind es zwei bis drei Fälle pro Woche, welche das Team von Mikrobiologe Philipp Bosshard von der Dermatologischen Klinik des Universitätsspital Zürich dem Bundesamt für Gesundheit meldet, berichtet der «Tages Anzeiger».

Mit rund 7,4 Syphilis-Fällen pro 100'000 Einwohner im Jahr 2015 liegt die Schweiz im europäischen Vergleich weit oben in der Statistik. Mehr Fälle werden nur in Malta, Litauen, Island und Spanien verzeichnet. 

Syphilis kehrt zurück

Ein Forscherteam unter Leitung der Uni Zürich hat die Erreger aus 13 Ländern untersucht und festgestellt, dass sie alle auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgehen.

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Forscherin Natascha Arora spricht über Syphilis. Video: YouTube/TEDx Talks

Mehr als 500 Jahre lang war die Syphilis eine der schwersten Seuchen der Menschheit. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts gingen die Infektionszahlen dank dem Einsatz von Penicillin stark zurück. Seit Ende der 1990er Jahre scheint diese sexuell übertragbare Krankheit jedoch wieder zurückzukehren. Die Gründe dafür sind nicht klar.

Um die heutige Verbreitung des Erregers Treponema pallidum subsp. pallidum besser zu verstehen, hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Zürich rund 70 Proben von Infizierten aus 13 Ländern untersucht. Dabei verglichen sie das Erbgut der Syphilis-Bakterien und zweier verwandter Treponema-Arten, wie die Hochschule mitteilte.

Abstammung nachgezeichnet

«Seit Syphilis vor über 500 Jahren aufgetaucht ist, drehen sich viele Fragen um den Ursprung der Krankheit», erklärte Studienleiter Homayoun C. Bagheri, ehemals Professor an der Uni Zürich und heute am Repsol Technology Center in Madrid tätig. Anhand der Erbgutsequenzen konnten die Wissenschaftler die Abstammungslinien der Bakterien nachzeichnen.

So zeigte sich, dass eine Gruppe von eng verwandten Syphilis-Bakterien für die aktuellen weltweiten Infektionen verantwortlich ist. Diese Gruppe namens «SS14-Omega» unterscheidet sich allerdings deutlich von dem am besten erforschten Treponema-Stamm mit der Bezeichnung «Nichols».

«Wichtig ist daher, zukünftig jene Bakterienstämme besser zu erforschen, die hauptverantwortlich für die aktuelle weltweite Epidemie sind», sagte Studienautorin Natasha Arora von der Uni Zürich gemäss der Mitteilung.

Resistente Bakterien

Ein weiterer wichtiger Befund der Forschenden: Die Treponema-Gruppe SS14-Omega ist nach der Entdeckung der Antibiotika entstanden. Sie habe sich Mitte des 20. Jahrhunderts aus einem gemeinsamen Ursprungsstamm entwickelt, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt «Nature Microbiology». Und: Ein grosser Teil dieser Gruppe ist resistent gegen ein wichtiges Antibiotikum.

Dieser Wirkstoff namens Asithromycin wird als sogenannte «Zweitlinientherapie» breit gegen sexuell übertragene Krankheiten eingesetzt, wenn die erste Therapie nicht ausreicht. Zum Glück seien bisher noch keine Syphilis-Bakterien bekannt, die gegen Penicillin resistent seien, also die Erstlinientherapie gegen Syphilis, sagte Arora.

Die Forschenden hoffen, mit Untersuchungen wie dieser die Epidemiologie der Krankheit besser zu verstehen, die trotz wirksamer Therapien noch nicht besiegt ist. Die Erkrankung zeigt sich zunächst durch schmerzlose Schleimhautgeschwüre und Lymphknotenschwellungen, greift später Haut und Organe an und zerstört im Endstadium das zentrale Nervensystem, wenn sie sie unbehandelt bleibt. (gin/sda)

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