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Ist die mRNA-Impfung gefährlicher als gedacht? Das behauptet ein amerikanischer Wissenschaftler.
Ist die mRNA-Impfung gefährlicher als gedacht? Das behauptet ein amerikanischer Wissenschaftler.Bild: keystone

Das steckt hinter dem NZZ-Artikel über hohe Nebenwirkungen der mRNA-Impfung

Die NZZ berichtete über eine Studie, die besagt, schwere Nebenwirkungen der mRNA-Impfung gegen das Coronavirus seien viel höher als angenommen. Das sei «gequirlte Kacke», sagt ein deutscher Wissenschaftler.
19.09.2022, 19:1321.09.2022, 03:58

«Die Komplikationsrate bei den mRNA-Impfstoffen gegen das neue Coronavirus scheint höher gewesen zu sein, als von den Herstellern angegeben worden ist.» Mit dieser brisanten Aussage beginnt ein Artikel der «Neuen Zürcher Zeitung» von vergangener Woche. Die Autorin, eine freie Wissenschaftsjournalistin, nimmt darin Bezug auf eine aktuelle Untersuchung amerikanischer Wissenschaftler.

Sie schreibt, Peter Doshi von der University of Maryland und seine Kollegen hätten die Zulassungsstudien der Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna nochmals begutachtet. Anders als die Impfstoffhersteller seien die Wissenschaftler bei der Auswertung der Daten auf ein ganz anderes Ergebnis gekommen. Sie hätten berechnetet, dass die Zahl der schweren Impfnebenwirkungen um ein Vielfaches höher sei.

Ihre Analysen hätten ergeben, dass bei geimpften Testpersonen rund 16 Prozent mehr schwere Gesundheitsschäden auftreten würden als bei ungeimpften Probanden aus der Placebogruppe. Am häufigsten komme es zu Herzmuskelentzündungen, Thrombosen und anderen Störungen der Blutgerinnung.

Ziemlich dicke Post, die auf der Panorama-Seite der «NZZ» auf über einer halben Seite viel Platz erhält. Doch am Wochenende sorgte die Berichterstattung für Kritik und die zitierte Studie wurde verschiedentlich angeprangert.

Der Sozialwissenschaftler Marko Ković schreibt auf Twitter, die Autoren hätten in ihrer Studie das relative Risiko für beide Impfstoffe kombiniert berechnet. Das mache keinen Sinn. «Es handelt sich um unterschiedliche Impfstoffe, die in separaten Studien getestet wurden. Warum diese Berechnungsart?», fragt er. Die Antwort auf diese Frage gibt er gleich selbst: «Weil die Story, die die Autoren erzählen wollen – die Impfstoffe seien gefährlicher als gedacht – nur funktioniert, wenn man alles in einen Korb schmeisst.»

Doshi und sein Team haben die Originaldaten der klinischen Experimente zu den Impfstoffen von Moderna und Pfizer-Biontech gemäss einer Liste von «Adverse events of special interest» untersucht. Dabei hätten sie allerdings Diagnosen miteinbezogen, die explizit nicht auf dieser Liste sind. Hätte man die tatsächliche Liste berücksichtigt, so wäre selbst die kombinierte Berechnung für Moderna und Pfizer statistisch nicht mehr relevant. Für Ković ein «kolossaler Witz».

Ković ist nicht der Einzige, der die Studie und die Berichterstattung der «NZZ» darüber infrage stellt. Ein prominenter Tadel kommt von Leif Erik Sander. Er ist Chef der Infektiologie an der Berliner Charité und Mitglied des Corona-Expertenrates, der die Bundesregierung Deutschland im Umgang mit der Pandemie berät.

Auf Twitter schreibt Sander, die Studie von Peter Doshi und seinen Kollegen basiere auf krass manipulativer Statistik. Sie sei minderwertig und die Schlussfolgerungen unzulässig. «Hot flaming garbage» sei das. Frei übersetzt also «gequirlte Kacke».

Inzwischen macht Peter Doshis Studie bei Impfgegnern und selbst ernannten Querdenkerinnen die Runde. Endlich komme die Wahrheit ans Licht. Es sei Zeit, aufzuwachen, so einige Kommentare. Gleichzeitig zeigt sich, dass Doshi offenbar kein unbeschriebenes Blatt ist. In der Vergangenheit rückte er mehrmals in die Nähe impfkritischer Kreise.

Im Frühling 2021, als Biontech/Pfizer und Moderna die ersten Zulassungen für ihre Impfstoffe erhielten, unterstützte Doshi eine Petition, um diese zu verhindern. Er kritisierte die Notzulassung und forderte, die Hersteller müssten zuerst weitere Daten zur Wirksamkeit und zur Sicherheit der Impfstoffe liefern. Die Vakzine bezeichnete er als «experimentell».

US-Pharmazieprofessor Peter Doshi.
US-Pharmazieprofessor Peter Doshi. screenshot: srf

Schon 2014 löste er eine Kontroverse um den Impfstoff gegen das saisonale Grippevirus aus. Sein zentrales Argument lautete, der Impfstoff sei möglicherweise weniger nützlich und weniger sicher als behauptet. Ausserdem sei die Bedrohung durch die Grippe übertrieben. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» griff daraufhin Doshi scharf an und schrieb, dessen «schockierender» Bericht über die Grippeimpfung sei weder schockierend noch korrekt. Schon damals liess sich Doshi laut Forbes von der Anti-Impf-Bewegung für seine Forschungsergebnisse feiern und nahm auch an ihren Events teil.

Warum die NZZ unkritisch über eine Studie eines Forschers mit unklaren Absichten schreiben lässt, bleibt offen. Auf Anfrage von watson heisst es, man wolle den Artikel und die Kritik an der Studie nicht weiter kommentieren.

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264 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Obernef
19.09.2022 19:34registriert Januar 2021
Gemessen daran, dass ich und x millionen andere seit über einem Jahr tot sein müssten, kann es eigentlich nicht ganz so dramatisch sein. 😎
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MartinZH
19.09.2022 19:41registriert Mai 2019
Die NZZ befindet sich – mit dem aktuellen Chef-Redaktor und seinem Vorgänger – nur noch im Niedergang.

Klar, auch früher konnte man sich immer 'mal wieder über gewisse Artikel aufregen oder sich über gewisse Positionen wundern.

Aber die Zeitung vertrat immerhin eine klare Linie, blieb sich stets treu und zeichnete sich in den Bereichen Wirtschaft, Aussen- und Innenpolitik aus, indem sie viele ausserordentlich kompetente und intelligente Journalisten und Korrespondenten beschäftigte.

Aber solche Sachen – wie jetzt dies – gab es NIE, da sich die NZZ stets der Wissenschaft verpflichtet fühlte.
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Hans Jürg
19.09.2022 19:43registriert Januar 2015
Die NZZ war früher, obwohl stramm auf FDP-Kurs und felsenfest bürgerlich, doch eine weitgehend seriöse Zeitung. Zumindest der Auslandteil war es.

Aber nachdem der SVP eine stille Übernahme gelungen ist, ist die NZZ nicht mehr bürgerlich. Sie ist in der Tagespresse, was die Weltwoche in der Wochenpresse ist, geworden.
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