Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nordportal des Gotthardtunnels, kolorierte Aufnahme von 1901.

Nordportal des Gotthardtunnels, kolorierte Aufnahme von 1901.  1861.ch

Serie – der Gotthard

Gesprengt, geschröpft, verschüttet – die Tode der Mineure und Ingenieure der Gotthard-Eisenbahn



Erst der Bau des Eisenbahntunnels machte aus dem Gotthard die bedeutende Alpentransversale, die er heute noch ist. Nachdem der Tunnel 1882 eröffnet wurde, gerieten auch die Bündner Pässe, die noch weit ins 19. Jahrhundert hinein mithalten konnten, deutlich ins Hintertreffen. 

Mit 15 Kilometern war der Gotthard-Scheiteltunnel damals der längste Tunnel der Welt und blieb das bis 1905. Er gilt bis heute als Meisterleistung der Ingenieurs- und Vermessungskunst. 

Serie zum Gotthard

Der Gotthard – Sinnbild der Schweiz, Teil des kulturellen Gedächtnis, Festung und Nadelöhr des europäischen Verkehrs. Anfang Juni wird der Gotthard-Basistunnel mit pompösem Staatsakt und Volksfest eingeweiht. In der watson-Serie zum Gotthard liest du alles über den berühmtesten Berg und längsten Tunnel der Schweiz.

Die Gotthardvariante setzt sich durch

Erste Pläne für eine alpenquerende Bahn kamen schon in den 1840er-Jahren auf. Zunächst stand eine Lukmanierbahn im Vordergrund, später rivalisierten die Splügen- und die Gotthardvariante miteinander. 1863 setzten sich die vom mächtigen Zürcher Unternehmer und Politiker Alfred Escher angeführten Gotthard-Befürworter durch. Die Gotthardbahngesellschaft wurde gegründet, den Vorsitz übernahm Escher. 

Alfred Escher

Mächtiger Bankier, Unternehmer und Politiker aus Zürich: Alfred Escher.
Bild: Wikimedia

Louis Favre

Noch nie einen Tunnel über 1000 Meter Länge gebaut: Bauunternehmer Louis Favre aus Genf.  Bild: Wikimedia

Den Ausschlag für die Gotthardroute gab nicht zuletzt der preussische Ministerpräsident Otto von Bismarck – das bedeutendste schweizerische Verkehrsprojekt des 19. Jahrhunderts wurde nämlich von den Nachbarn im Norden und Süden mitfinanziert. 1869 schlossen die Schweiz und Italien einen Staatsvertrag über Finanzierung, Bau und Betrieb des Tunnels ab, 1871 schloss sich das junge Deutsche Reich an. 

Kostenvoranschlag: Zahlmeister Italien

Die Kosten für die Gotthardstrecke wurden mit 187 Millionen Franken veranschlagt, davon rund 60 Millionen für den Tunnel. Italien sollte 45 Millionen, das Deutsche Reich und die Schweiz je 20 Millionen übernehmen. Den Rest wollte man am Kapitalmarkt aufnehmen.

blog.sbb.ch

Handbohrmaschinen und Schwarzpulver

Den Zuschlag für die Bauarbeiten erhielt der Genfer Bauunternehmer Louis Favre mit seiner Firma «Entreprise du Grand Tunnel du Gothard». Favre, der seine Offerte zu spät eingab, aber die Konkurrenten unterbot, hatte zuvor noch nie einen Tunnel gebaut, der länger als 1000 Meter war. Am 12. August 1872 begann der Tunnelbau. 

Maschinenmeister Ferroux mit dem von ihm entwickelten Bohrgestell und Bohrmaschinen

Druckluftbetriebene Schlagbohrer wie dieser von dem Maschinenmeister Ferroux entwickelte erhöhten die Vortriebsleistung.  Bild: Gotthardbahn.ch

Die Bautrupps arbeiteten in drei Schichten rund um die Uhr. Sie rückten dem Berg von Göschenen und Airolo her zunächst mit Handbohrmaschinen und Schwarzpulver zu Leibe. Damit schafften sie nur rund 75 Zentimeter am Tag – so hätten die Arbeiten 28 Jahre lang gedauert. Nachdem druckluftbetriebene Schlagbohrer und Dynamit statt Schwarzpulver zum Einsatz kamen, stieg die Vortriebsleistung auf zunächst vier Meter pro Tag. 

Höllische Arbeitsbedingungen

Instabile Gesteinsschichten und Wassereinbrüche sorgten während der gesamten Bauzeit für Verzögerungen. Für die Arbeiter – die Mehrzahl stammte aus armen ländlichen Gebieten des Piemont und der Lombardei –  waren die Bedingungen höllisch: Im Tunnel herrschten stellenweise Temperaturen zwischen 33 und 40 Grad, die Luftfeuchtigkeit betrug meistens über 99 Prozent. Die Lüftung war unzureichend, was aufgrund der giftigen Dynamitdämpfe zu Atemwegserkrankungen führte. Sie hausten in schmutzigen, überfüllten Baracken und wurden obendrein schlecht bezahlt. 

Ein Bergmann verdiente etwas mehr als 100 Franken im Monat. Davon wurden aber zusätzlich zu den wiederkehrenden Aufwendungen die Mietgebühr für die Öllampe (5 Franken) und die Miete (zwischen 15 bis 20 Franken für ein Doppelzimmer) abgezogen. 

Streik für einen Franken mehr Lohn

1875 kam es deshalb in Göschenen zu einem Streik. Die Arbeiter verlangten einen Franken mehr Lohn pro Tag  – die Antwort waren Schüsse. Vier Arbeiter kamen ums Leben, als eine Milizeinheit in die Menge der Streikenden feuerte. In einer Untersuchung der Lebensbedingungen, die darauf angeordnet wurde, heisst es:

«Das Elend in den für die Arbeiter hergerichteten Quartieren übersteigt in der Tat alle Begriffe. In kleinen dumpfen Zimmern reiht sich Bett an Bett – elende, halb faule Strohsäcke.»

Während der gesamten Bauzeit kamen 199 Arbeiter ums Leben, die Mehrzahl durch Unfälle. Die wahre Anzahl war aber viel höher, da viele sich Krankheiten zuzogen, an denen sie später verstarben. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein, weil erkrankte Arbeiter sehr oft in ihre Heimat zurückgeschickt wurden – wo viele dann starben.  

Eröffnung ohne Escher und Favre

Trotz der widrigen Umstände erfolgte am 29. Februar 1880 der Durchstich. Die Abweichungen waren minim: 33 Zentimeter in der Horizontalen und 5 Zentimeter in der Vertikalen. Nach dem Ausbau der doppelgleisigen Tunnelröhre wurde das Bauwerk am 1. Januar 1882 – 15 Monate nach dem geplanten Termin – provisorisch in Betrieb genommen; die offizielle Eröffnung fand am 1. Juni statt. 

Zwei herausragende Persönlichkeiten fehlten an der Eröffnungsfeier: Louis Favre war bereits am 19. Juli 1879 gestorben. Der gesundheitlich und finanziell ruinierte Ingenieur erlag bei einem Kontrollgang im Tunnel einem Aorta-Riss. Auch Alfred Escher nahm nicht an der Feier teil. Er hatte 1874 auf Druck des Bundesrates als Präsident der Gotthardbahngesellschaft zurücktreten müssen, nachdem die Verzögerungen und Kostenüberschreitungen zu einem finanziellen Debakel geführt hatten. 

abspielen

Doku: «Durch Granit und Gneis - Der Gotthardtunnel (1/3)» (Ausschnitt). YouTube/NZZ Format

Der Tunnel in Zahlen

abspielen

Doku: «Die Eroberung der Alpen – Der Durchbruch». YouTube/HansundFranz

Gotthard

Das Réduit und der Streit, ob die beste Festung der Welt die Nazis abgewehrt hat oder nicht

Link zum Artikel

Das Herz der Schweiz: «Stein mit Löchern und drin sitzen Deutsche im Stau und singen La Paloma»

Link zum Artikel

Die Brücke über den «yberschwänchlich waszerflusz» – abgetrotzt vom Teufel höchstpersönlich

Link zum Artikel

Ab 1. Juni hat die Schweiz den Längsten, Tiefsten und Teuersten

Link zum Artikel

Der Gotthard ist ein Tunnel der Superlative – doch in Kürze überholen uns unsere Nachbarn

Link zum Artikel

Als es am Gotthard noch gemütlich zu und her ging

Link zum Artikel

Sind jetzt alle zufrieden? An der Gotthard-Eröffnung darf auch ein protestantischer Geistlicher mitmachen

Link zum Artikel

Fast drei Stunden Wartezeit vor dem Gotthard-Nordportal

Link zum Artikel

«Schaatz, fahren wir dieses Jahr in den Stau?» – Auffahrts-Ausflügler stranden vor dem Gotthard

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Gotthard

Das Réduit und der Streit, ob die beste Festung der Welt die Nazis abgewehrt hat oder nicht

19
Link zum Artikel

Das Herz der Schweiz: «Stein mit Löchern und drin sitzen Deutsche im Stau und singen La Paloma»

0
Link zum Artikel

Die Brücke über den «yberschwänchlich waszerflusz» – abgetrotzt vom Teufel höchstpersönlich

3
Link zum Artikel

Ab 1. Juni hat die Schweiz den Längsten, Tiefsten und Teuersten

28
Link zum Artikel

Der Gotthard ist ein Tunnel der Superlative – doch in Kürze überholen uns unsere Nachbarn

13
Link zum Artikel

Als es am Gotthard noch gemütlich zu und her ging

5
Link zum Artikel

Sind jetzt alle zufrieden? An der Gotthard-Eröffnung darf auch ein protestantischer Geistlicher mitmachen

8
Link zum Artikel

Fast drei Stunden Wartezeit vor dem Gotthard-Nordportal

7
Link zum Artikel

«Schaatz, fahren wir dieses Jahr in den Stau?» – Auffahrts-Ausflügler stranden vor dem Gotthard

3
Link zum Artikel

Gotthard

Das Réduit und der Streit, ob die beste Festung der Welt die Nazis abgewehrt hat oder nicht

19
Link zum Artikel

Das Herz der Schweiz: «Stein mit Löchern und drin sitzen Deutsche im Stau und singen La Paloma»

0
Link zum Artikel

Die Brücke über den «yberschwänchlich waszerflusz» – abgetrotzt vom Teufel höchstpersönlich

3
Link zum Artikel

Ab 1. Juni hat die Schweiz den Längsten, Tiefsten und Teuersten

28
Link zum Artikel

Der Gotthard ist ein Tunnel der Superlative – doch in Kürze überholen uns unsere Nachbarn

13
Link zum Artikel

Als es am Gotthard noch gemütlich zu und her ging

5
Link zum Artikel

Sind jetzt alle zufrieden? An der Gotthard-Eröffnung darf auch ein protestantischer Geistlicher mitmachen

8
Link zum Artikel

Fast drei Stunden Wartezeit vor dem Gotthard-Nordportal

7
Link zum Artikel

«Schaatz, fahren wir dieses Jahr in den Stau?» – Auffahrts-Ausflügler stranden vor dem Gotthard

3
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

5
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

50
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

32
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

86
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

97
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

113
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

78
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Armuts-Studien: Der Wirtschafts-Nobelpreis geht an ein Trio

5
Link zum Artikel

Poulet sollte man waschen? Kaffee ist ungesund? 11 Food-Mythen im Faktencheck

50
Link zum Artikel

Die 21 Ladys für den Bachelor sind da: Eine von ihnen muss er nehmen ...

32
Link zum Artikel

23 vernichtende Cartoons, die Trumps «Verrat» an den Kurden perfekt auf den Punkt bringen

86
Link zum Artikel

«Dort wo ich wohne, braucht man ein Auto» – so denken Erstwähler über Politik

97
Link zum Artikel

Den Grün-Parteien könnte es ergehen wie der SVP vor vier Jahren

113
Link zum Artikel

Wohin steuert der Kapitalismus?

78
Link zum Artikel

Die neue Bedrohung – wer sind die Incels und woher kommen sie?

376
Link zum Artikel

Elizabeth Warren landet nächsten Treffer gegen Zuckerberg – mit genialem Facebook-Post

61
Link zum Artikel

Die chinesische Hype-Firma Xiaomi kommt in die Schweiz – 7 Dinge, die du wissen musst

144
Link zum Artikel

Jetzt kommt die E-ID – und darum laufen Netz-Aktivisten dagegen Sturm

148
Link zum Artikel

Der Impeachment-Krieg ist da – so stehen Trumps Chancen

67
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Donald 30.05.2016 14:04
    Highlight Highlight Technologischer Fortschritt wo?
    Vor 140 Jahren hat man für 17km 10 Jahre gebraucht. Heute mit all den Bohrmaschinen, Sondierstollen, mehreren Ausbruchsabschnitten etc. braucht man immernoch 20 Jahre für 54km. Man ist also nur knapp 60% schneller geworden.
  • rodolofo 29.05.2016 12:12
    Highlight Highlight Wer hat's erfunden?
    Die Schweizer!
    Wer hat's gebaut?
    Die Italiener!
    Gotthard-Durchstich: Eine gelungene Italienisch-Schweizerische Kooperation!
    Heute kommen Schweizer Menschen und Waren besser nach Italien und Italienische Menschen und Waren besser in die Schweiz.
    Von der besseren Verbindung profitiert auch das Tessin, unser Italienisch-Schweizerischer Kultur-Kompromiss.
  • derBurch 28.05.2016 11:11
    Highlight Highlight Toller Bericht!
  • pamayer 27.05.2016 23:40
    Highlight Highlight Keine hochkultur ohne ausbeutung...
  • Luca Brasi 27.05.2016 21:01
    Highlight Highlight Traurig zu lesen wie Piemontesen und Lombarden während des Baus behandelt wurden. Mögen ihre Seelen in Frieden ruhen und Santa Barbara mit ihnen sein.
  • niklausb 27.05.2016 19:38
    Highlight Highlight Da hätte ich jetzt gerne noch weiter gelesen, toller bericht!

Das? Das ist nur die wohl umfangreichste Schatzkarte aller bisherigen Zeiten

Mit Hilfe dieser Schatzkarte wirst du reich! Eventuell. Sicher ist jedenfalls, dass du den Spuren von 75 Schätzen nachjagen kannst, die noch immer darauf warten, gefunden zu werden.

Seid willkommen, Suchende. Und tretet ein.

Wir haben für euch versunkene Schiffe, Piratenschätze, Mongolen- und Armadaschiffe, einige obligate Nazi-Schätze und natürlich die Legenden um den Nibelungenhort, die Bundeslade und den Schatz der Tempelritter.

Klickt euch wild durch die Schatzkarte oder liest erst in Ruhe unsere Empfehlungen durch, die ihr gleich darunter findet.

Unsere Karte erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sie erzählt die Geschichten von 75 erlesenen Schätzen, die …

Artikel lesen
Link zum Artikel