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bild: imgur

LOL, der Führer: So haben die Deutschen über die Nazis gelacht



«Eine besondere Art von Humor ist der Galgenhumor, der den allerschlimmsten Situationen noch eine spasshafte Seite abgewinnt.» 

Max Haushofer (1840-1907), deutscher Schriftsteller

Humor war in Nazi-Deutschland kein Witz. Während Satire zu Beginn teilweise noch gestattet war, schrumpfte die Toleranz bald drastisch. 1934 wurde das Heimtückegesetz in Kraft gesetzt, dank dem «von niedriger Gesinnung zeugende Äusserungen» mit Gefängnis bestraft werden konnten. Weil Regime-Witze deshalb nur hinter vorgehaltener Hand erzählt werden durften, wurden sie auch «Flüsterwitze» genannt.

Flüsterwitze

Sie offenbaren sich nur, wenn du darauf klickst.

bild: watson

Der Witz bezieht sich auf Paul von Hindenburg. Dieser war von 1925 bis 1934 Reichspräsident der Weimarer Republik. 1933 ernannte er Hitler zum Reichskanzler und unterschrieb eine Reihe von Verordnungen, welche diesem nach und nach praktisch unbegrenzte Handlungsfreiheit verliehen.

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Paul von Hindenburg (rechts) und Adolf Hitler (auch rechts) auf einer Briefmarke 1933. bild: shutterstock

Dieser Witz nimmt Bezug auf die friedliche Annexion Österreichs im Jahr 1938. bild: watson

Das Lieblingsziel der Witze? Natürlich der Führer selbst.

bild: watson

Die Zahl der Witze rührte auch daher, dass die Führungsriege, getreu ihrem Vaterland, viel Angriffsfläche bot.

So zum Beispiel Rudolf Hess. Der Stellvertreter des Führers flog 1941 auf eigene Faust für Verhandlungen nach Schottland. Dort wurde er gefangen genommen, woraufhin ihn die deutsche Regierung als Verräter brandmarkte und für geisteskrank erklärte. Das sorgte beim Volk natürlich für Spott und war Nährboden für einige Flüsterwitze.

bild: watson

bild: watson

Je länger Nazi-Herrschaft und Krieg andauerten, desto mehr verschoben sich die Witze Richtung Galgenhumor.

Das Konzentrationslager Dachau wurde kurz nach der Machtergreifung der NSDAP errichtet und war zwölf Jahre in Betrieb. bild: watson

bild: watson

bild: watson

Werner Finck

Es gab aber nicht nur Flüsterwitze in Nazi-Deutschland, denn die Kabarettisten dieser Zeit mussten ja auch von etwas leben. Einer der scharfzüngigsten Regime-Kritiker war Werner Finck.

Ausschnitt aus einem nachgespielten Programm:

abspielen

Video: YouTube/Happyologist

Nicht zu Ende gesprochene Sätze und Wortspiele, das waren seine Mittel. So sagte er beispielsweise über seine neue Hitler-Eiche (Eichen, die zu jener Zeit zu Ehren Hitlers gepflanzt wurden): 

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bild: watson

1935 wurde Finck verhaftet und verbrachte sechs Wochen im Konzentrationslager, bevor er sich wegen einer kritischen Nummer vor Gericht verantworten musste.

Der betreffende Sketch wird in dieser Doku bei Minute 13:00 nachgespielt.

abspielen

Video: YouTube/Doku ́s aus aller Welt

Im Sketch gibt es eine Szene, in welcher ein Schneider den Kunden fragt, wieso er denn den rechten Arm nicht runternehmen wolle, worauf dieser entgegnet: «Aufgehobene Rechte».

Vor Gericht habe Finck die Stelle durch «erhobene Rechte» ersetzt, worauf der Staatsanwalt fragte, ob es nicht «aufgehobene Rechte» hiesse. Finck konterte: «Das haben jetzt Sie gesagt».

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Werner Finck 1937, als er wieder im Kabarett der Komiker auftreten durfte. bild: wikipedia

Finck wurde wieder freigesprochen, erhielt aber ein Arbeitsverbot für ein Jahr und entging einer weiteren Verhaftung 1939 nur, weil er sich für den Kriegsdienst meldete. Nach dem Krieg leitete er unter anderem das Kabarett «Nebelhorn» in Zürich.

Beldemer Lippert

Josef Lippert war ein bekannter Kleinwarenhändler aus Beltheim. Berühmt wurde er, neben seiner sonderbaren Art, vor allem, weil er in Berlin seine Heringe mit «Hering, so fett wie der Göring!» angepriesen haben soll.

Defendant Hermann Goering in the prisoners' dock at the International Military Tribunal trial of war criminals at Nuremberg. Goering was the former head of the Luftwaffe and was at one time second in command to Hitler. Göring.

Hermann Göring, Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe. Bild: wikipedia

Dafür kam er einige Tage in Haft. Als er wieder frei kam, bewarb er seinen Hering mit den Worten: «Hering, so fett wie die vorig Woch!»

Weiss Ferdl

Nachdem Weiss Ferdl sich vor allem zu Beginn noch klar hinter die NSDAP stellte, wurde auch sein Humor im Verlauf des Krieges zunehmend regime-kritischer. Für einen seiner Witze musste auch er schliesslich eine kurze Zeit ins Gefängnis.

Bildliche Darstellung von Weiss' Witz über Hermann Göring (vor und nach seinem Gefängnisaufenthalt):

bild: watson/shutterstock

Fazit

Egal wie düster die Zeiten waren, Witze waren immer da. Selbst in akuter Lebensgefahr wollten die Leute sich noch gegenseitig zum Lachen bringen. Das schreit nach einem Happy End:

bild: watson

Mit Liebe und Humor gegen Nazi-Schmierereien

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Video: srf

Hitlers Lieblingsfilme – von «Swiss Miss» bis «Schneewittchen»

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Okabe Rintarou 18.12.2017 15:49
    Highlight Highlight Passend zur Jahreszeit:
    " Leise rieselt der Schnee. Auf die Deutsche Armee. Hitler ersticht sie sofort. Was für ein grausamer Tod..."
  • Billy the Kid 18.12.2017 15:19
    Highlight Highlight Ein paar Witze finde ich grenzwertig, da sie genauso gut von irgendwelchen SS-Schergen hätten erzählt werden können.
    Der Dachau-"Witz" scheint mir in diese Kategorie zu gehören, da ich mir kaum vorstellen kann, dass irgendwelche Angehörige der Opfer oder Systemkritiker sich über das absolute Grauen mokieren würden.
    Falls derselbe Witz unter den Lagerinsassen kursierte - wäre es freilich eine andere Geschichte.

    "Hitler, Goebbels und Göring sitzen in einem sinkenden Boot. Wer überlebt? Deutschland." Ja - aber erst nachdem viele andere Menschen auch nicht überlebt haben.


    • Okabe Rintarou 18.12.2017 16:57
      Highlight Highlight mimimimimi
    • Billy the Kid 18.12.2017 23:10
      Highlight Highlight "mimimimimi" - Ihnen ist schon klar was das Thema ist: Millionen Tote, Konzentrationslager, ein Weltkrieg. -
    • Okabe Rintarou 19.12.2017 08:42
      Highlight Highlight klar das ist auch tragisch, aber Galgen Humor bzw. Schwarzer Humor ist trotzdem lustig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Dinolino 18.12.2017 11:13
    Highlight Highlight jemand aktuelle Witze aus Syrien, Jemen oder Myanmar? Weil, so lustig?!
    • Raembe 18.12.2017 12:18
      Highlight Highlight Ist was anderes wenns die betroffenen selbst machen.
  • blaubar 17.12.2017 22:13
    Highlight Highlight „Treffen sich ein Internist und ein Psychiater. Der Psychiater grüßt: „Heil Hitler!“ Darauf der Internist: „Heil Du ihn!“
  • sevenmills 17.12.2017 19:54
    Highlight Highlight Zehn kleine Meckerlein, Flugblatt von 1943 im besetzten Amsterdam
    Benutzer Bild
    • Billy the Kid 18.12.2017 20:34
      Highlight Highlight Ihnen ist schon klar, dass das tatsächlich in der Realität mit millionen von Menschen gemacht wurde. Was zum fuck ist daran lustig? Mir bleibt eher der Hass und nicht das Lachen im Hals stecken. Wir leben in einer so bescheuerten Spassgesellschaft, die noch nicht einmal zwischen den Zeilen lesen kann.
    • sevenmills 18.12.2017 22:12
      Highlight Highlight Wenn Sie schwarzen Humor nicht lustig finden, dann ist das in Ordnung und kann ich durchaus verstehen. Allerdings handelt es sich hier um Satire aus einer Zeit, wo den meisten Leuten wohl nicht zu Lachen zumute war und es Mut erforderte. Ich finde das beeindruckend. Was jetzt Ihr Problem mit meinem Kommentar ist, verstehe ich nicht ganz.
  • Nelson Muntz 17.12.2017 18:45
    Highlight Highlight Nr. 2 mit den Österreichern ist wieder aktuell.
  • Rheinpfeil 17.12.2017 18:06
    Highlight Highlight Kurz vor Kriegsende kn Berlin dann über die strategischen Künste des GröFaZ (grösster Feldherr aller Zeiten): „Warum ist die Kriegsführung des Führers so genial? Weil wir jetzt mit der S-Bahns von der West- an die Ostfront fahren können““
  • DonChaote 17.12.2017 18:02
    Highlight Highlight Geilster.Bildtext.ever. (bei der Briefmarke) 😂😂😂

    "Paul von Hindenburg (rechts) und Adolf Hitler (auch rechts) auf einer Briefmarke 1933."
    • seventhinkingsteps 17.12.2017 20:45
      Highlight Highlight Halt, aber sie hiessen doch NationalSOZIALISTEN!!!!111!!!
    • beaetel 17.12.2017 22:48
      Highlight Highlight Mit Speck fängt man eben Mäuse ... Darum nicht alles glauben - nicht alles für bare Münze nehmen, sondern: hinterfragen, hinterfragen, hinterfragen.
    • pamayer 18.12.2017 09:57
      Highlight Highlight 7thingingsteps
      Habe erst nach Blitz festgestellt, dass du den Kommentar geschrieben hast.
      Meinte, es wäre ein Troll gewesen.
      Sehr spitzer Kommentar. Danke.
  • Alnothur 17.12.2017 17:40
    Highlight Highlight Auch unvergessen: das Heidelberger Spargelessen https://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Spargelessen
  • Tilman Fliegel 17.12.2017 17:26
    Highlight Highlight In dritten Reich treffen sich zwei Psychater. Sagt der eine: "Heil Hitler!". Darauf der andere: "Heil du ihn!".
  • Caturix 17.12.2017 16:21
    Highlight Highlight Ein bekanntes Lied über diesen Verrückten.
    Der Hitler kam geflogen auf einem Fass Benzin da meinten die Franzosen er sei ein Zeppelin. Sie luden die Kanonen und schossen auf ihn los da flogen dem Herr Hitler die Unterhosen los. Sie nahmen ihn gefangen bei Wasser und bei Brot und schon nach 14 Tagen da war der Saucheib tot. Sie wollten ihn begraben in einem Puppenwagen.Sie wollten ihn bekränzen mit tausend Affenschwänzen. Da kam der Friedrich Schiller und schrieb auf einen Stein, hier ruht in Gottes Namen ein abverrecktes Schwein.
    • Charlie7 17.12.2017 18:45
      Highlight Highlight Danke für den Flashback:) Das Lied kenne ich vom Pausenhof in der Primarschule (90er) in ganz leicht abgeänderter Form (paar andere Synonyme).
    • Röschtigraben 17.12.2017 19:39
      Highlight Highlight Danke für den Ohrwurm. Hhh den bring ich nicht mehr los
    • felixJongleur 17.12.2017 22:25
      Highlight Highlight Und die Melodie "L'inverno e passato.. " ;)
  • Radesch 17.12.2017 15:52
    Highlight Highlight Richtig so!

    Schwarzer Humor oder eben Galgenhumor hilft Sachen anzusprechen die sonst vielleicht eher Tabu sind.

    Mein Humor ist nämlich wie Kurdistan, denn er hat keine Grenzen ;)
    • Billy the Kid 18.12.2017 20:49
      Highlight Highlight "Richtig so!"
      Nur schon mit diesem kurzen Statement entlarven Sie sich. Was soll daran "richtig so!" sein?
      Humor darf alles - ausser armselig sein. Wenn ich in dieser Zeit gelebt hätte - wäre mir nicht eine Sekunde in den Sinn gekommen darüber Witze zu machen. Über das absolut Böse macht man keine Witze - man wehrt sich mit potenteren Mitteln (vor allem wen man Deutscher war in in dieser Zeit).
    • Radesch 19.12.2017 10:40
      Highlight Highlight @Billy the Kid

      Genau anders herum ist das. Gerade mit Humor kann man eben solch schreckliche und Menschenunwürdige Erlebnisse verarbeiten.
      Humor kann und darf alles.

      Wenn Sie einen Witz nicht lustig finden, dann ist das Ihr sgutes Recht. Auch ein Komiker der solche Witze macht muss mit Kritik leben und umgehen können, aber deswegen solche Witze für andere zu verbieten oder den Zeigefinger zu heben geht mal gar nicht.
    • Billy the Kid 19.12.2017 13:44
      Highlight Highlight Der Komiker D. Hildebrandt bringts in der Doku punkto "KZ-Witze" auf den Punkt: Die alte Ausrede, dass man "von nichts" wusste, zieht dann eben auch nicht mehr.
      Dass man sich über Görings Leibumfang oder Goebbels Klumpfuss lustig gemacht hat - scheint mir eher harmlos. Den "Führer" als Schwein zu beschimpfen - auch nicht sehr "subtiler Humor".
      Dem Hess-Witz kann ich noch was abgewinnen und dem Witz (in der Doku), dass nun die unruhigen Zeiten vorbei seien, da ja anscheinend das 1000 jährige Reich angebrochen sei.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Shin Kami 17.12.2017 15:31
    Highlight Highlight Den letzten kannte ich schon aber die anderen sind auch gut. Die Bildbeschriftung der Briefmarke ist fast so witzig wie die Witze
  • pamayer 17.12.2017 15:21
    Highlight Highlight Galgenhumor der bittersten Sorte.
    Danke.

Als die US-Serie «Holocaust» Deutschland veränderte 

Vor 40 Jahren ging eine Serie um die Welt – «Holocaust». Nur in Deutschland gab es erbitterten Widerstand gegen die Ausstrahlung. Am Ende lief sie im Dritten Programm. Eine Dokumentation zeigt, was dann geschah.

Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, aber das Wort «Holocaust» war bis vor 40 Jahren in der deutschen Bevölkerung unbekannt. Erst mit der US-Serie dieses Namens, die ab 22. Januar 1979 erstmals ausgestrahlt wurde, etablierte sich der Begriff. Und erst mit «Holocaust» wurde der Völkermord an den Juden für Millionen Deutsche konkret. Viele Ältere, die noch selbst die Nazizeit miterlebt hatten, vergossen damals Tränen - nicht über reale Menschen, sondern über die fiktive Familie Weiss.

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