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Schiedsrichter Felix Zwayer hatte es gestern in einem Spiel mit vielen Unterbrechungen nicht leicht.
Schiedsrichter Felix Zwayer hatte es gestern in einem Spiel mit vielen Unterbrechungen nicht leicht.Bild: AP
Analyse

Was VAR denn da los? In 1½ von 6 Fällen lag der Videobeweis gestern daneben

21.02.2019, 11:2221.02.2019, 12:52

Der Fussball soll mit der Einführung des Video Assistant Referees (VAR) die Emotionen verlieren? Der gestrige Abend beweist das Gegenteil. Der auf die K.-o.-Runde auch in der Champions League neu eingeführte Videobeweis sorgte in den letzten beiden Achtelfinal-Hinspielen gleich mehrfach für hitzige Diskussionen. Wir haben die sechs kniffligen Fälle nochmals genau unter die Lupe genommen.

Atlético vs. Juventus

Dreimal stand der VAR beim 2:0-Sieg Atléticos im Zentrum des Geschehens.

Kein Penalty für Atlético

  • 27. Minute: Schiedsrichter Felix Zwayer zeigt nach einem Foul von Mattia De Sciglio an Diego Costa auf den Penaltypunkt. Doch das Foul hat knapp ausserhalb des Sechzehners stattgefunden. Der VAR greift ein und es gibt Freistoss statt Elfmeter.
Das Foul von De Sciglio an Costa.Video: streamja

Mein Fazit: Korrekte Entscheidung! Hier gibt's wirklich nichts zu diskutieren.

Kein Tor von Morata

  • 70. Minute: Der eingewechselte Álvaro Morata trifft nach einer Flanke von Filipe Luis per Kopf zum vermeintlichen 1:0 für Atlético, doch wieder schreitet der VAR ein. Weil Morata vor seinem Treffer Juve-Verteidiger Giorgio Chiellini in den Rücken gestossen hat.
Die ersten Wiederholungen.Video: streamja
Hier ist zu sehen, wie Morata Chiellini in den Rücken stösst.Video: streamja

Mein Fazit: Korrekte Entscheidung! Zwar ist auf den ersten Bildern nicht zu sehen, wie Morata Chiellini stösst. Die 100 Meter entfernte Kamera hinter dem Atlético-Tor liefert dann aber den Beweis, dass sich Morata mit einem Schubser den nötigen Platz verschafft. Kein hartes Foul, aber ein Foul.

Kein Foul vor dem 1:0

  • 78. Minute: Nach einem Atlético-Eckball kommt es im Juve-Strafraum zum grossen Durcheinander. José Giménez trifft Juve-Verteidiger Leonardo Bonucci im Zweikampf mit der Hand im Gesicht. Dieser geht zu Boden und Giménez kann nach Moratas Kopfball völlig frei zum 1:0 einschieben. Diesmal zählt der Treffer.
Der Treffer von Giménez zählt. Video: streamja

Mein Fazit: Heikle Entscheidung! Wie üblich wird im Strafraum auf beiden Seiten gehalten und gestossen. Giménez trifft Bonucci leicht im Gesicht und auch Alex Sandro wird von Morata an der Grenze des Erlaubten bearbeitet. Ich hätte den Treffer nicht gegeben, aber natürlich kann man hier auch anders entscheiden. Hinter dem VAR stehen Menschen und Menschen haben unterschiedliche Ansichten und machen manchmal auch Fehler.

Schalke vs. ManCity

Ebenfalls dreimal stand der VAR beim 3:2-Sieg von ManCity im Zentrum des Geschehens.

Agüeros 1:0 zählt

  • 18. Minute: Bei einem Zweikampf in der Platzhälfte von Manchester City wird Mark Uth von Aymeric Laporte in den Rücken gestossen, doch Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande lässt weiterlaufen. Schalke kommt danach in Ballbesitz, doch Goalie Ralf Fährmann spielt einen riskanten Pass, den David Silva abfängt und Agüero kann zum 1:0 einschieben. Der VAR überprüft die Szene und schreitet nicht ein.
Agüeros Treffer zählt.Video: streamja

Mein Fazit: Korrekte Entscheidung! Klar war das ein Foul an Uth, aber der Treffer erfolgt erst in einer neuen Spielszene. Deshalb darf der VAR das Foul auch nicht ahnden.

Handspiel von Otamendi

  • 38. Minute: Schalkes Daniel Caligiuri zieht von der Strafraumgrenze ab und trifft Nicolas Otamendi am Arm. Der Argentinier weicht zwar noch zurück, der Ball trifft ihn trotzdem am Oberarm. Der VAR schreitet ein, doch weil es technische Probleme mit dem Bildschirm am Spielfeldrand gibt, dauert es fast fünf Minuten, bis eine Entscheidung gefallen ist. Nach hitzigen Diskussionen auf dem Platz gibt es schliesslich Penalty. Nabil Bentaleb verwandelt sicher zum 1:1.
Das Handspiel und der Penalty von Bentaleb.Video: streamja

Mein Fazit: Ein Fehlentscheid! Der Ball ist zwar erwartbar, doch die Bewegung des Arms geht nicht zum Ball. Im Gegenteil: Otamendi versucht sogar noch, den Arm wegzuziehen. Absicht kann dem Argentinier sicher nicht unterstellt werden. Der VAR hat offenbar die unnatürliche Armstellung von Otamendi als penaltywürdig taxiert. Zum Glück will die FIFA die viel zu unklare Handspiel-Regel bald anpassen …

Fast am ärgerlichsten war, dass es so lange dauerte, bis endlich die Entscheidung stand. ManCity-Trainer Pep Guardiola outete sich nach dem Schlusspfiff dennoch als grosser Fan des Videobeweises. «Die Aktion von Otamendi war ein klares Handspiel», erklärte er beispielsweise. Ob er das auch gesagt hätte, wenn seine «Citizens» nicht 3:2 gewonnen hätten?

Foul von Fernandinho

  • 44. Minute: Freistoss für Schalke an der Strafraumgrenze. Caligiuri bringt den Ball zur Mitte, wo Salif Sané von Fernandinho zurückgehalten wird. Schiedsrichter del Cerro Grande pfeift und zeigt auf den Punkt. Aber stand Sané nicht im Abseits beim Freistoss? Der VAR schreitet ein und nach Überprüfung der Szene gibt es Elfmeter für Schalke. Wieder verwandelt Bentaleb – dieses Mal mit etwas Glück – zum 2:1 für Schalke.
Das Foul und der Penalty von Bentaleb.Video: streamja

Mein Fazit: Korrekte Entscheidung! Auch wenn der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Urs Meier bei Teleclub das Gegenteil behauptet … Der gefoulte Sané steht zwar im Abseits, aber gemäss den FIFA-Regeln greift er damit nicht aktiv ins Spielgeschehen ein, weshalb nur das Foul taxiert werden kann.

Der Beweis:

bild: ifab
«Ein Spieler in einer Abseitsposition bewegt sich zum Ball, mit der Absicht ihn zu spielen, wird aber im Strafraum gefoult, bevor er den Ball spielt oder einen Gegner daran hindert. Wie lautet die Entscheidung?»

«Es ist Penalty. Das Foul wird geahndet, weil es vor dem Abseits passiert ist.»

Disclaimer:

Zum Schluss noch einmal der Hinweis: Der VAR ist kein Roboter, auch vor den Bildschirmen im Video-Keller sitzen Menschen und die treffen subjektive Entscheidungen. Trotz aller Diskussionen ist der Videobeweis eine gute Sache – wenn das Prozedere schnell genug vonstatten geht – und er macht die Spiele fairer.

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