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Der Buendner Armon Orlik , Mitte, unterlegener Schlussgangteilnehmer, posiert mit ebenfalls bekraenzten Schwingkollegen zum Selfie am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) Estavayer2016 in Payerne, am Sonntag, 28. August 2016. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Der eidgenössische Kranz ist auch für Armon Orlik ein Erinnerungsfoto wert. Bild: KEYSTONE

Unvollendetes Schwing-Märchen – Shootingstar Armon Orlik ist der tragische Held von Estavayer

Er war in Topform, doch am Ende bleibt eine grosse Niederlage. Der 21-jährige Armon Orlik setzt in Estavayer ein grosses Ausrufezeichen hinter das Eidgenössische – ein Happy-End bleibt ihm nur knapp verwehrt.



Am frühen Samstagmorgen ist in Estavayer alles bereit für ein grandioses Volksfest, für die Kämpfe um den Königstitel, für neue Helden und tragische Figuren.

Morgenstimmung am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) Estavayer 2016 in Payerne, am Samstag, 26. August 2016. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Das Eidgenössische erwacht. Bild: KEYSTONE

Wie gewohnt pilgert die halbe Schweiz ans eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) 2016. Bereits um 8 Uhr sind die Tribünen voll, alle blicken gespannt in Richtung Sägemehl und sie werden nicht enttäuscht. Im ersten Gang fällt bereits ein König – und ein vermeintlich neuer wird geboren.

Orlik, Orlik und nochmal Orlik

Die Rede ist vom Duell zwischen dem Berner König Kilian (26) Wenger und dem Bündner Armon Orlik (21), der im Jahr 2016 bis zum Eidgenössischen bereits sechs Kranzfeste gewann. Wenger, der vor sechs Jahren mit 21 zum König wurde, landet auf dem Rücken.

Die erste Überraschung ist perfekt und der Name Orlik ab dann auch dem letzten nur Semi-Schwing-Interessierten ein Begriff. Mit dem Sieg über Wenger untermauert der Jungspund seine Ambitionen gleich zu Beginn eindrücklich. Davon lässt sich auch das SRF anstecken und startet die Orlik-Mania.

Armon Orlik freut sich ueber seinen Sieg im 5. Gang beim Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) Estavayer 2016 in Payerne, am Sonntag, 28. August 2016. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Siegerpose in der Sonne von Estavayer: Armon Orlik war der Shootingstar am ESAF 2016. Bild: KEYSTONE

Die Orlik-Festspiele gehen auch im Sägemehl unentwegt weiter. Der Reihe nach bodigt der stämmige Bündner Bernhard Kämpf und Pirmin Reichmuth. Für beide Siege braucht der Bündner nur wenige Sekunden und führt so die wilden Jungen am Eidgenössischen an.

Niederlage verdaut wie ein Grosser

Sein fulminanter Samstag wird erst im vierten und letzten Gang des Tages gestoppt. Er bekommt es mit Matthias Sempach, dem König von 2013, zu tun. Der Sieg von Sempach bringt den Zusammenschluss an der Spitze, in aller Munde bleibt aber ein frecher und zielorientierter Armon Orlik. 

Der zweite Tag bricht an in Estavayer. Die Zuschauer fragen sich: Stoppte Sempach den Orlik-Express total, oder war das nur ein Zwischenhalt mit der Endstation Königstitel? Zum «Zmorge» wartet am Sonntag der Berner Matthias Siegenthaler. 

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Auch Siegenthaler wird aufs Kreuz gelegt. streamable

In einem wilden Kampf siegt am Ende der Bündner. Bis zur Mittagspause gibt es dann für hochkarätige Königsanwärter wie Matthias Sempach oder Christian Stucki je einen gestellten Gang. Die beiden verabschieden sich damit aus dem Rennen um den Siegermuni – Orlik hingegen nähert sich dank seiner unbekümmerten und aggressiven Schwingweise in grossen Schritten dem Titel. 

Impressionen vom ESAF 2016 in Estavayer

Da ist plötzlich dieser Glarner

Nach dem fünften Gang teilt Orlik seine Führung noch mit vier weiteren Schwingern, einer von ihnen ist Matthias Glarner. Der Berner hat noch keinen Gang verloren, sondern nur einmal gegen Mitfavoriten Samuel Giger gestellt. 

Matthias Glarner, links, kaempft gegen Mario Thuerig, rechts, am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) Estavayer2016 in Payerne, am Sonntag, 28. August 2016. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Hier gelingt Glarner der sechste Sieg im siebten Kampf und somit die Qualifikation für den Schlussgang. Bild: KEYSTONE

Nach dem sechsten Gang ist Glarner plötzlich alleiniger Führender. Er distanziert jedoch Orlik aber nur um 0.25 Punkte und irgendwie haben einfach alle das Gefühl, es wird die Sternstunde von Armon Orlik schlagen. Der Jubel im Stadion ist nach seinen Siegen jeweils gross und mit seinen Fans setzt der Bündner jeweils zur Welle an.

Im 7. Gang lassen die beiden dann nichts mehr anbrennen und so ist der Schlussgang am frühen Nachmittag bekannt: Der 30-jährige Matthias Glarner kämpft gegen den 21-jährigen Armon Orlik um den Titel. 

Eine grosse Niederlage

In diesem letzten Kampf des ESAF 2016 schwingen die beiden Kontrahenten offensiv. Beide können zwei gute Angriffe starten, der Gegner kann sich aber immer rechtzeitig wegdrehen. Ein wortwörtlich heisser Abnützungskampf geht nach über 10 Minuten langsam dem Ende entgegen. Da versucht es Orlik wieder, rupft und zerrt, doch wenige Sekunden später liegt er auf dem Rücken.

Ausgekontert!

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Das letzte Kapitel wird für Orlik zum Horrorszenario. streamable

Der Berner Glarner wird König, der Bündner Orlik stapft enttäuscht davon. Die Geschichte des jungen Wilden der im Jahr 2016 ein Kranzfest nach dem anderen für sich entschieden hat und sich dann sensationell auch den Königstitel holt – die gibt es nicht. 

«Ich bin noch jung und muss nun einfach meine Lehren daraus ziehen.»

Armon Orlik südostschweiz.ch

Es bleiben für Orlik die schönen Erinnerungen an starke Kämpfe, eine grosse Niederlage und der Trost, dass er mit seinen 21 Jahren noch einige Eidgenössische vor sich hat. Hinzu kommt grosses Lob – von Schwingerkönig Glarner, von den Experten und seinen neu gewonnen, unzähligen Fans. Für sie ist Armon Orlik ganz klar der «Schwingerkönig der Herzen». 

Dieser hat jetzt drei Jahre Zeit, um noch besser und vor allem reifer zu werden. Im Jahr 2019 wird dann in Zug wieder um den Königstitel gekämpft und vielleicht fährt der Orlik-Express dann bis zur Endstation. Er selber sagt: «Ich bin noch jung und muss nun einfach meine Lehren daraus ziehen.» Fakt ist: Orlik bleibt nur die Rolle der tragischen Figur von Estavayer – der Held heisst Matthias Glarner.

Das OK von Zug 2019 beim Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) Estavayer 2016 in Payerne, am Sonntag, 28. August 2016. Das naechste Eidgenoessische findet in Zug 2019 statt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Wird Orlik in Zug doch noch zum König? Bild: KEYSTONE

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