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epa05303428 (FILE) A file picture dated 07 February 2014 of Team Russia with flag bearer Alexander Zubkov (R) during the Opening Ceremony of the Sochi 2014 Olympic Games at the Fisht Olympic Stadium in Sochi, Russia. The International Olympic Committee (IOC) on 13 May 2016 called for immediate investigations on allegations of Russian state-sponsored doping at the Sochi 2014 Olympic Games. Grigory Rodchenkov, former head of Russia's anti-doping laboratory, admitted that banned performance-enhancing substances have been supplied and urine samples have been exchanged before and during the Sochi 2014 Olympics, the New York Times reported on 12 May 2016.  EPA/BARBARA WALTON *** Local Caption *** 51215598

Da war den Russen noch zum Feiern zu Mute: Bei der Eröffnungsfeier im Februar 2014 in Sotschi.
Bild: BARBARA WALTON/EPA/KEYSTONE

Letzte Glaubwürdigkeit zerstört: Russen tauschten in Sotschi heimlich Dopingproben aus

Das Image russischer Leistungssportler ist auf einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt. Immer neue Dopingvorwürfe zerstören auch letzte Reste von Glaubwürdigkeit. Der Platz in der olympischen Familie ist höchst gefährdet.



Zwölf Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro verliert die Sportnation Russland angesichts der neuesten Enthüllungen über systematisches Doping vollends an Glaubwürdigkeit. Grigori Rodschenkow, der frühere Chef des russischen Doping-Kontrolllabors, spricht öffentlich über ein ausgeklügeltes, staatliches Dopingsystem, das bei den Winterspielen in Sotschi 2014 massgeblich zum Erfolg beigetragen haben soll.

epa05303378 (FILE) A file picture dated 11 November 2015 of a general view of a building of the Russian Federal State budgetary institution 'Federal scientific center of physical culture and sport' which houses the Moscow Antidoping Centre in Moscow, Russia. The International Olympic Committee (IOC) on 13 May 2016 called for immediate investigations on allegations of Russian state-sponsored doping at the Sochi 2014 Olympic Games. Grigory Rodchenkov, former head of Russia's anti-doping laboratory, admitted that banned performance-enhancing substances have been supplied and urine samples have been exchanged before and during the Sochi 2014 Olympics, the New York Times reported on 12 May 2016.  EPA/YURI KOCHETKOV *** Local Caption *** 52376075

Blick auf das russische Doping-Kontrolllabor.
Bild: YURI KOCHETKOV/EPA/KEYSTONE

Die Welt-Anti-Doping-Behörde WADA ist erneut alarmiert und will den jüngsten Enthüllungen umgehend nachgehen. Aus Frankreich kommt die Forderung, Russland von den Sommerspielen auszuschliessen.

«Sehr hart zuschlagen»

«Die internationalen Sportbehörden, ich denke insbesondere an das IOC, müssen sehr, sehr hart zuschlagen. Das kann so nicht weitergehen», sagte der Chef des französischen Leichtathletik-Verbandes FFA, Bernard Amsalem, am Freitag dem Radiosender France Info. «Ich empfehle, dass man die Russen daran hindern muss, an den Olympischen Spielen von Rio teilzunehmen – egal, welcher Sport

Russlands Leichtathleten stehen derzeit unter verschärfter Beobachtung. Im November hatte die IAAF Russlands Leichtathletikverband suspendiert und auf einen WADA-Bericht über systematisches Doping reagiert. Die Rusada, Russlands Anti-Doping-Behörde, steht im Verdacht, bei der Vertuschung von Manipulationen beteiligt gewesen zu sein. Am 17. Juni will die IAAF darüber entscheiden, ob der Olympia-Bann gegen Russland aufgehoben wird.

epa05303340 (FILE) A file picture dated 23 February 2014 of the Olympic flag (R) and the Russian flag (L) during the Closing Ceremony of the Sochi 2014 Olympic Games in the Fisht Olympic Stadium in Sochi, Russia. The International Olympic Committee (IOC) on 13 May 2016 called for immediate investigations on allegations of Russian state-sponsored doping at the Sochi 2014 Olympic Games. Grigory Rodchenkov, former head of Russia's anti-doping laboratory, admitted that banned performance-enhancing substances have been supplied and urine samples have been exchanged before and during the Sochi 2014 Olympics, the New York Times reported on 12 May 2016.  EPA/KAY NIETFELD *** Local Caption *** 52379137

Ein grosser Schatten hängt jetzt über den Winterspielen von Sotschi.  Bild: EPA/DPA FILE

Der Kronzeuge Rodschenkow bot dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in einem dem IOC-Präsidenten Thomas Bach und der WADA zugestellten Brief Hilfe bei der Aufklärung an. Rodschenkow bezeichnet sich selber als Vater des staatlichen Dopingprogramms. Bei den Winterspielen 2014 in Sotschi seien 15 russische Medaillen-Gewinner gedopt gewesen. Mit Hilfe gefälschter Urinproben sei das Doping verschleiert worden, sagte Rodschenkow in der Donnerstag-Ausgabe der «New York Times».

Nur er selber könne die gefälschten Urinproben identifizieren. Rodschenkow schlug vor, diese Überprüfung filmen zu lassen. Er arbeitet derzeit an einem Dokumentarfilm über Doping in Russland. «Russische Athleten, die mit grosser Wahrscheinlichkeit gedopt waren, kamen unentdeckt im zweifellos grössten Betrug im Sport aller Zeiten davon», hiess es in dem Brief. Keiner der russischen Athleten war in Sotschi des Dopings überführt worden. Das Team gewann bei den Winterspielen 33 Medaillen.

Ausgetauschte Urinproben

In dem Bericht der «New York Times» schilderte Rodschenkow, wie Monate vor den Spielen Athleten saubere Urinproben abgegeben und dann begonnen hätten zu dopen. Während der Spiele seien dann die Urinproben von Dopingsündern gegen saubere ausgetauscht worden. Rodschenkows Aussagen können bislang nicht unabhängig bestätigt werden.

epa04088252 Pilot Alexander Subkov of Russia and his push athletes in action during the Men's Bobsleigh four-man training session at the Sanki Sliding Center at the Sochi 2014 Olympic Games, Krasnaya Polyana, Russia, 19 February 2014.  EPA/TOBIAS HASE

Bob-Olympiasieger Subkow dementierte die Vorwürfe umgehend.
Bild: TOBIAS HASE/EPA/KEYSTONE

Den Vorwürfen folgten prompt Dementis aus Russland. Die Olympiasieger Alexander Subkow und Alexander Legkow wiesen die Einnahme verbotener Substanzen zurück. «Das ist eine absolute Verleumdung der Sportler der russischen Nationalmannschaft und auch von mir», sagte Subkow, der 2014 in Sotschi im Vierer- und Zweierbob Gold gewonnen hatte, der russischen Zeitung «Sport Express». Langlauf-Olympiasieger Legkow nimmt die Vorwürfe gelassen. «Rufen Sie meine Trainer an und fragen Sie, wie wir in jenem Jahr trainiert haben», sagte der Langläufer, dessen Trainer zu jener Zeit der Schwyzer Reto Burgermeister gewesen war.

Die neuen Enthüllungen alarmieren selbstredend die WADA. In einer Erklärung nach einer Sitzung des Stiftungsrates in Montreal vom Donnerstag (Ortszeit) hiess es: «Seien Sie versichert, dass sich die WADA umgehend mit diesen zusätzlichen Anschuldigungen beschäftigen wird.» Der Stiftungsrat ist höchstes Entscheidungsgremium der Agentur.

«Doping-Cocktail»

Rodschenkow sagte, er habe viele Jahre mit Dopingmitteln experimentiert. Schon vor den Olympischen Spielen in London 2012 habe er einen Cocktail aus drei verbotenen, leistungssteigernden Substanzen entwickelt. Seither sei dieser an russische Sportler gegeben worden. Zwei Jahre später, in Sotschi, lag die Überwachung der Dopingproben dann beim russischen Kontrolllabor. Das Sportministerium habe die Chance gesehen, einen systematischen Dopingplan zu erstellen.

Im Herbst 2013 habe der russische Geheimdienst FSB begonnen, Rodschenkows Labor Besuche abzustatten, schreibt die «New York Times». Das sei offensichtlich geschehen, um sich genau über die Behälter von Dopingproben und deren Verschlusssysteme zu informieren.

Nach den Doping-Enthüllungen durch die ARD im vergangenen Jahr sei Rodschenkow unter Druck geraten. Er sei gezwungen worden, seinen Job aufzugeben. Er bekam Angst um seine Sicherheit und zog nach Los Angeles um. In den USA schilderte er nun die Ereignisse dem Filmemacher Bryan Fogel in einem Interview. (pre/sda/dpa)

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