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Ein Plakat mit der Aufschrift

Wenn das Aus droht: Die ewige Fan-Forderung in den Playoffs.
Bild: KEYSTONE

«Chered die Serie!» Erst dreimal gelang die Wende – drei Beteiligte erzählen, wie es damals war

Vom 0:3 zum 4:3 – seit es im Schweizer Eishockey die Playoffs gibt, schafften das nur drei Teams: Davos 2008 gegen den EV Zug, der EVZ 2007 gegen die Rapperswil-Jona Lakers und der HC Lugano im Meisterjahr 2006 gegen Erzrivale Ambri.



Die Lage ist prekär, das Aus steht kurz bevor: Die ZSC Lions, der EV Zug, Fribourg-Gottéron und die Kloten Flyers liegen in ihrem Playoff-Viertelfinal nach drei Spielen mit 0:3 im Hintertreffen. Eine weitere Niederlage und die Saison ist zu Ende.

Um die allzu frühen Ferien zu verhindern, müssen Siege her, und zwar deren vier in Serie. Vom 0:3 zum 4:3 – seit der Einführung des Best-of-Seven-Modus haben das aber erst drei Teams geschafft. Drei Spieler von damals schauen zurück und erklären, wie sie und ihre Kollegen das geschafft haben:

2006: Lugano – Ambri

Noël Guyaz: «Die Lage war ungemütlich»

Ambris Alain Demuth, links, steht vor dem Lugano Tor von Ronald Rueeger, zusammen mit Noel Guyaz, am Freitag 6. Januar 2006, beim NLA Eishockey Meisterschaftsspiel zwischen dem HC Lugano und dem HC Ambri-Piotta, in der Resega Halle von Lugano. (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Karl Mathis)

Lugano-Verteidiger Noël Guyaz hält Ambris Alain Demuth vom Tor von Ronnie Rüeger fern.
Bild: KEYSTONE/PHOTOPRESS

«Auch wenn es wie ein Klischee tönt: Wichtig ist in so einer Situation, dass man sich ganz einfach auf das nächste Spiel konzentriert. Entscheidend für unsere Rückkehr in die Serie war damals, dass die Chemie innerhalb der Mannschaft gestimmt hat.

Wir haben einander vertraut und wussten, dass sich das Glück auch zu unseren Gunsten wenden könnte. Das hatten wir im vierten Spiel, welches wir in extremis gewinnen konnten. Der Druck in der Öffentlichkeit war riesig. Das grosse Lugano gegen das kleine Ambri kurz vor dem Ausscheiden – das war sehr ungemütlich. Die Fans belagerten uns und drohten uns mit Prügel. Solche Erinnerungen bleiben.

Der Trainerwechsel von Larry Huras zu Harry Kreis nach der zweiten Niederlage hat uns sicher einen Impuls verliehen, uns aber nicht entscheidend beeinflusst. Wir wollten den Titel letztlich auch für Huras holen, mit dem wir vorher eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit hatten. Am Ende hat es geklappt.»

Wem traust du in den Playoff-Viertelfinals 2016 am ehesten die Wende zu?

2007: Zug – Rapperswil

Patrick Sutter: «4. Sieg ist der schwierigste»

Der Rapperswiler Samuel Friedli, unten, und die Zuger Krys Kolanos, rechts, sowie Patrick Sutter kaempfen um den Puck, beim Playoff Viertelfinalspiel der Eishockey Nationalliga A zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EV Zug, am Donnerstag, 8. Maerz 2007, in Rapperswil.  (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Patrick Sutter (l.) und Krys Kolanos befördern den Rapperswiler Samuel Friedli aufs Eis.
Bild: KEYSTONE

«Ich weiss noch, dass wir am Abend vor dem vierten Spiel alle zusammen ins Kino gegangen sind und den Film ‹Everest› geschaut haben. Dieser Streifen, in dem es vor allem um Extremsituationen ging, sollte uns inspirieren, unseren eigenen Berg zu erklimmen.

Ich denke nicht, dass wir am Ende wegen dieses Kinobesuchs die Wende geschafft haben. Aber es war vielleicht gut, in dieser schwierigen Lage mal auf andere Gedanken zu kommen. Für mich als damals routinierter Spieler war es wichtig, auf meine Teamkollegen eine positive Ausstrahlung zu haben und mit gutem Beispiel voranzugehen.

Dass wir im vierten Spiel dann im Penaltyschiessen im allerletzten Moment gewannen, hat uns extremen Auftrieb gegeben – und Rappi fing auf der anderen Seite an, zu zweifeln. Ich sage immer und glaube auch, dass es so ist: Der vierte und letzte Sieg ist der schwierigste. Deshalb glaube ich, dass der EV Zug auch in diesem Jahr noch nicht geschlagen ist.»

2008: Davos – Zug

Sandro Rizzi: «Es muss Spass machen»

Der Davoser Sandro Rizzi, rechts, im Laufduell mit dem Zuger Dominic Meier, rechts, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem HC Davos und dem EV Zug, am Dienstag, 12. Februar 2008, in Davos.   (KEYSTONE/Photopress/Arno Balzarini)

Sandro Rizzi im Laufduell mit Zugs Dominic Meier.
Bild: KEYSTONE

«Für mich ist dieses Comeback gegen den EV Zug nicht einmal meine denkwürdigste Playoff-Serie. Da gab es noch wesentlich dramatischere. Wir wussten damals aber, dass sich das Blatt noch zu unseren Gunsten wenden könnte, weil wirklich jedes Spiel auf des Messers Schneide stand und wir dreimal mit einem Tor Unterschied verloren hatten.

Arno Del Curto vertraute uns und schaffte es, dass wir schliesslich sogar in jedem Spiel mit der Einstellung aufs Eis gingen, dass es Spass macht, sich gegen das vorzeitige Saisonende zu wehren. Motiviert hat uns damals zusätzlich die Tatsache, dass einer der Zuger im «Sportpanorama» zu Gast war und bereits von möglichen Halbfinalgegnern sprach.

Wichtig ist – und das ist wirklich keine Phrase: Man darf sich nur auf das nächste Spiel konzentrieren und muss versuchen, seinen Job auf dem Eis perfekt zu erledigen. Wenn das jeder Spieler schafft, dann ist die Grundlage für eine Wende gelegt.» 

(pre/az)

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86

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