Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
TorhŸter Tobias Stephan, hinten, von Zug im Spiel gegen Tolan Diem, vorne, von Langnau beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und den SC Langnau Tigers vom Freitag, 15. Januar 2019 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Bild: KEYSTONE

Die Zuger und die Kunst der Provokation

Die Zuger kennen sich auch in der Kunst der Provokation aus. Sie gewinnen auch deshalb gegen Langnau 4:2. Ein gutes Zeichen im Hinblick auf die Playoffs.



Die Playoffs lassen sich auch so definieren: die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln. Wenn wir also beurteilen wollen, ob die Zuger für die Playoffs «zwäg» sind, dann schauen wir, ob sie auch diese Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln beherrschen.

So gesehen stimmt nicht unbedingt der Sieg gegen die SCL Tigers im Hinblick auf die Playoffs zuversichtlich. Aber die Art und Weise wie die Zuger siegten. Die zentralen Faktoren waren nicht eine spielerische oder taktische Überlegenheit.Sondern die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln.

Die Langnauer können gegen einen Titanen wie Zug (aus Sicht der Emmentaler ist Zug nach wie vor ein Titan) nur gewinnen, wenn ihre beiden Leitwölfe Chris DiDomenico (29) und Harri Pesonen (39) ihr bestes Eishockey zelebrieren. Dabei ist die Energie des Kanadiers als «Dynamo» des Langnauer Spiels mindestens so wichtig wie die Dynamik des Finnen.

Chris DiDomenico von Langnau beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und den SC Langnau Tigers vom Freitag, 15. Februar 2019 in Zug. (PPR/Urs Flueeler)

Langnaus Chris DiDomenico Bild: PPR

Zu Beginn des Schlussdrittels führt Zug 3:1 und die Langnauer sind nach wie vor genug für eine Aufholjagd. Aber Chris DiDomenico fehlt. In Zug ein 1:3 aufholen ohne den Kanadier? Fast unmöglich.

Zugs Jungspund Thomas Thiry (21) hatte Langnaus Topskorer verbal so lange provoziert bis beide unmittelbar nach Schluss des zweiten Drittels für je 10 Minuten auf die Strafbank geschickt wurden.

Was war passiert? «Wir waren schon während des Spiels mehrmals aneinander geraten» erzählte Thiry nach dem Match mit einem verschmitzten Lächeln wie ein Lausbub nach einem gelungenen Streich. «Von da an hat ein Wort das andere gegeben. Unmittelbar nach dem zweiten Drittel haben wir noch auf dem Eis die Meinung gesagt. Die Schiedsrichter forderten uns auf, die Unterhaltung sofort zu beenden und in die Kabine zu gehen. Aber wir waren noch nicht fertig und so bekamen wir halt beide je eine zehn Minuten Strafe.»

Er denkt kurz nach, rechnet und sagt: «Er hat ja im Spiel auch noch zwei zwei Minuten Strafen bekommen und fehlte somit seiner Mannschaft während 14 Minuten…»

Die Rechnung ist aufgegangen: die Zuger«opferten» einen Verteidiger, den sie durchaus entbehren konnten (nur 8:08 Minuten Eiszeit) und brachten so Langnaus wichtigsten Spieler (trotz 13 Minuten und 56 Sekunden auf der Strafbank 18.55 Minuten Eiszeit) aus dem Konzept.

Thomas Thiry von Zug vor dem Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und den SC Langnau Tigers vom Freitag, 15. Januar 2019 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Zugs Jungspund Thomas Thiry (21) hatte Langnaus Topskorer verbal so lange provoziert bis beide unmittelbar nach Schluss des zweiten Drittels für je 10 Minuten auf die Strafbank geschickt wurden. Bild: KEYSTONE

Kein Schelm, wer da fragt: War es also eine gezielte Provokation? «Nein, es hat keine Anweisung des Coaches gegeben», sagt der französische Nationalspieler mit Schweizer Lizenz. «Alles hat sich durch die Intensität des Spiels gegeben und es war für mich ja klar, dass ich ein Auge auf den gegnerischen Topskorer haben musste.» Er habe seinen Job halt auf seine Weise erledigt. Mit den Mitteln, die er ins Spiel bringen kann. «Ich werde ja nie Tore schiessen wie Rafael Diaz…»

Im Scheinwerferlicht stehen die Skorer. Die eleganten «Kufentiere» wie Lino Martschini oder eben Rafael Diaz. Aber für die richtige Playoff-Mischung braucht es auch die kräftigen, rauen Kerle wie Thomas Thiry (191 cm, 98 kg).

Nebst dieser guten Mischung benötige Zug allerdings auch ein wenig den Beistand der Hockey-Götter. Der erste Treffer markierte Yannick Lennart Albrecht direkt aus dem Anspiel heraus («Bully-Tor»). So ein Tor gelingt einem Stürmer vielleicht einmal in einer Karriere. «Ich kann mich nicht erinnern, je in einem Spiel oder in einem Training so getroffen zu haben.»

Zweimal trafen die Langnauer bloss die Torumrandung und in der Endphase hatte der teuflisch schnelle Harri Pesonen die ganze Abwehr inklusive Goalie Tobias Stephan in Unterzahl ausgespielt und brachte den Puck dann doch nicht mehr über die Linie (58. Minute).

Es wäre der Anschlusstreffer zum 4:3 gewesen und hätte den Zuger wahrscheinlich noch ein paar heisse Szenen beschert. Aber in Gefahr wären sie wohl doch nicht mehr geraten. Denn für die letzten zwei Minuten musste Chris DiDomenico noch einmal für seine Strafminuten 13 und 14 auf dem «Sündenbänklein» Platz nehmen. Sichtlich gereizt und emotional erhitzt durch seine Fehde gegen Thomas Thiry.

Es hat den Zugern also bis ganz am Schluss geholfen, dass sie dazu in der Lage waren, Eishockey mit anderen Mitteln fortzusetzen. Gegen Langnaus Chris DiDomenico hat es funktioniert. Aber nicht alle Leitwölfe werden in den Playoffs eine so kurze Zündschnur.

Hier kannst du auf einem gefrorenen See toben

abspielen

Video: srf

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

31.03.2009: Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweizer Nati gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

24
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
24Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • LordVenedig 16.02.2019 10:36
    Highlight Highlight ich habe wieder einmal gesehen das es im schweizer hockey des schiedsrichters lieblingsspieler gibt... provokationen sind ja okay aber hallo? man konnte im ganzen spiel die liebe nummer 16 beobachten wie er gezielt unfaire aktionen vollbracht hat.
    1. Szene den gegnerischen spieler in den EIGENEN goalie schubsen und dann so tun als wäre der gegner selber in ihn gefahren(schlägerei anzetteln).
    2. Szene abseits vom spiel, kein scheibenbesitz und in bandennähe einen crosscheck auszuführen ist für mich nicht sportliche fairness.
    sorry nummer 16 geht gar nicht.
    • marchinon 16.02.2019 10:55
      Highlight Highlight Ach es gab hüben wie drüben einige Aktionen, die bereits Play-off-Charakter hatten. So musste Martschini das gesamte Spiel über ziemlich viel einstecken und kaum einmal wurde abgepfiffen. Ab März gehört dies dann in jedem Spiel dazu. So konnten beide Mannschaften bereits etwas Play-off-Luft schnuppern, was die Härte betrifft.
    • LordVenedig 16.02.2019 12:07
      Highlight Highlight hatte die langnauer brille an sorry für das... stimmt natürlich das es auf beiden seite so ist. aber wenn die playoffs mit solchen aktionen stattfinden kann ich darauf verzichten. solche sachen sind und bleiben unfair wie auf meiner oder deiner seite.
    • Mia_san_mia 16.02.2019 13:32
      Highlight Highlight @LordVenedig: Wie kannst Du Langnau-Fan sein, wenn Du solche Sachen nicht gut findest? 🤔
    Weitere Antworten anzeigen
  • MyPersonalSenf 16.02.2019 08:07
    Highlight Highlight Es stieg gerade eines der besten und wichtigsten regular season spiele der letzten 15 Jahre in der Valascia... an drammatik, spielwitz, aggresivität, Andrang kaum zu überbieten... und wir kriegen diesen Artikel.... Klaus?!!!
    • welefant 16.02.2019 10:53
      Highlight Highlight es gibt 50 spiele.... da sind viele wichtig
  • Freilos 16.02.2019 07:55
    Highlight Highlight Ein Langnau Matchbrichtli, wie herrlich! Das habe ich während Zauggs USA Ferien schon fast vermisst.
    • Baumi72 16.02.2019 08:26
      Highlight Highlight Langnau bewegt eben
    • Baumi72 16.02.2019 09:55
      Highlight Highlight Neid? Langnau bewegt eben!
    • LebeauFortier 16.02.2019 11:23
      Highlight Highlight Je mehr Du das behauptest, desto eher stimmt‘s wahrscheinlich, Baumi. 😘
  • Lümmel 16.02.2019 07:35
    Highlight Highlight Zug hatte gestern das Glück auf seiner Seite. Die Partie hätte auch gut in die Verlängerung gehen können.
    Was DiDomenico betrifft, braucht man eigentlich nicht mehr zu betonen. Er ist und bleibt einer , wenn nicht DER, unfairste Spieler der Liga. Hinterhältige Checks und Stockschläge gegen Spieler die schon so gut wie auf der Spielerbank sind und Schwalben en masse! Schade.... er hätte das definitiv nicht nötig.
    • MARC AUREL 16.02.2019 09:00
      Highlight Highlight Kein Spieler ist unfairer als Dido! Besonders seine Schwalben, die er noch öffentlich als gut taxiert!
    • LordVenedig 16.02.2019 10:27
      Highlight Highlight @marc aurel
      hat er sie als gut taxiert oder hat er lediglich gesagt das er sich nicht dafür schämt? sind für mich sehr unterschiedliche aussagen.
      aber ist ja eigentlich egal schwalben bleiben schwalben. ich mag seine art(ausser schwalben und provokation) aber mankann nicht leugnen das er langnaus bester spieler ist.
    • Danyboy 16.02.2019 10:29
      Highlight Highlight Wirklich unglaublich, was dieser Typ an Verhalten auf dem Eis an den Tag legt. Und dann sieht er sich auch noch ständig als Opfer. Eine richtige Jammerliesl... Sehr gut gemacht gestern, Thomas Thiry. So geht man mit solchen Täubelis um.
    Weitere Antworten anzeigen

ZSC Lions – Fluch und Segen eines antiautoritären Hockey-Experiments

Immer mehr zeigt sich: Der Trainerwechsel hat bei den ZSC Lions nur eine politische Wirkung. Die Zürcher sind von den SCL Tigers vorgeführt worden und haben im Ringen um die letzten Playoffplätze einen wichtigen Punkt verloren.

Vorgeführt worden? Immerhin haben die ZSC Lions nach Penaltys noch 2:1 gewonnen. Aber der Punktverlust könnte fatale Folgen haben und den Meister die Playoffs kosten. Ja, die Zürcher sind vorgeführt worden. Die teuerste Mannschaft der Liga, veredelt mit meisterlichen Stars, WM-Silberhelden und Nationalspielern, gecoacht vom charismatischsten Schweizer Klubtrainer seit Bibi Torriani ist auf eigenem Eis mit 43:18 Torschüssen dominiert und im Schlussdrittel tatsächlich vorgeführt worden …

Artikel lesen
Link zum Artikel