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Berns Goalie Leonardo Genoni, hinten, geschlagen, Biels Anssi Salmela, Marc-Antoine Pouliot, Marco Pedretti, Mathieu Tschantre, von links, jubeln, waehrend dem Eishockey National League Spiel zwischen dem SC Bern und den EHC Biel, am Samstag, 29. September 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Biel bezwingt Bern mit 5:2. Bild: KEYSTONE

Und was wird aus dem SCB, wenn Biel doch eine grosse Mannschaft ist?

Biel gewinnt in Bern 5:2 und übernimmt die Tabellenspitze. Zum ersten Mal seit Menschengedenken ist Biel in jeder Beziehung besser als Bern. Die «goldenen 1970er Jahre» sind zurück.



Es ist schwierig, sich von liebgewordenen Vorstellungen zu trennen. Vor allem dann, wenn sie sich über Jahrzehnte zu Wahrheiten verdichtet haben.

Der SC Bern ist und bleibt im Kanton die Nummer eins. Mit uneinholbarem Vorsprung. So scheint es seit Anbeginn der Zeiten zu sein.

Zum letzten Mal hat Biel vor mehr als 30 Jahren eine Meisterschaft vor dem SC Bern beendet. Im Frühjahr 1988 erreicht Biel in der Qualifikation den fünften Schlussrang. Der SCB nur Platz sieben. Zum letzten Mal spielen 1987/88 nur die vier Ersten die Playoffs.

Seither ist der SCB die Nummer eins im Kanton. Natürlich hat der SCB hin und wieder eine Partie gegen Biel oder die SCL Tigers verloren. Manchmal waren es spektakuläre und verdiente Niederlagen. Oft auch unnötige, überraschende Pleiten. Aber sie änderten nie etwas an der unantastbaren Vormachtstellung des SC Bern. Es waren «Betriebsunfälle».

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Kein Wunder also, hat am Samstagmorgen, vor dem Derby und nach dem freitäglichen 5:1 der Stadtberner in Rapperswil-Jona und dem 2:3 der Bieler auf eigenem Eis gegen Gottéron, ein Chronist notiert:

«Biel wird heute in Bern nicht leichtsinnig sein. Sondern mutig, leidenschaftlich und taktisch schlau. Es wird trotzdem nicht reichen. Weil Biel eben noch keine grosse Mannschaft ist.»

Biel war in Bern tatsächlich nicht leichtsinnig. Sondern mutig, leidenschaftlich und taktisch schlau. Und es reichte. Weil Biel zum ersten Mal seit Menschengedenken in jeder Beziehung besser war als der SCB.

Berns Thomas Ruefenacht, links, im Duell mit Biels Goalie Elien Paupe, rechts, waehrend dem Eishockey National League Spiel zwischen dem SC Bern und den EHC Biel, am Samstag, 29. September 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Berns Thomas Rüfenacht (links) im Duell mit Biels Goalie Elien Paupe. Bild: KEYSTONE

Biel über vier Linien besser. Biel schneller. Biel bissiger. Biel dynamischer. Biel disziplinierter. Biel kaltblütiger. Biel effizienter. Biel besser organisiert. Biel geduldiger. Biel mit dem besseren Torhüter. Elien Paupe wehrte 94,29 Prozent der Schüsse ab. Leonardo Genoni «nur» 87,10 Prozent. Der Einsatz von Elien Paupe (für Jonas Hiller) hatte Trainer Antti Törmänens schon vor diesem Wochenende eingeplant.

Es ist kein Sieg nach einem Drama oder nach einem wilden «Drunter-und-Drüber». Kein Spiel, bei dem auch ein anderes Ende möglich gewesen wäre. Nein, es ist ein Sieg, wahr und klar, eindeutig und unmissverständlich. Von der ersten bis zur letzten Minute hat Biel dominiert und die Gangart bestimmt. Die Bieler sind der sonst so unheimlichen SCB-Hockeymaschine einfach davongelaufen.

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Video: Angelina Graf

Biels Trainer Antti Törmänen (als Meistertrainer von 2013 einst in Bern gefeuert) bleibt bescheiden. Er sagt: «In Bern können wir nur gewinnen, wenn wir unser bestes Hockey spielen.» Und auf die Frage, ob es Biels bestes Saisonspiel gewesen sei, sagt er nach kurzem Nachdenken: «Ja.» Die Mannschaft habe auf die Niederlage gegen Gottéron so reagiert, wie er es erwartet habe. Und Berns Trainer Kari Jalonen zollt den Bielern Respekt und Anerkennung. Keine Ausreden.

Bienne's head coach Antti Toermaenen during the regular season game of the National League Swiss Championship 2018/19 between HC Ambrì Piotta and EHC Biel, at the ice stadium Valascia in Ambrì, Switzerland, Tuesday, September 25, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Biel-Trainer Antti Törmänen. Bild: TI-PRESS

Biel führt die Tabelle vor dem SCB an. Noch kann sich ein Berner nicht vorstellen, dass es sich bei dieser Konstellation um mehr als eine Momentaufnahme, eine Kuriosität, eine Laune der Hockeygötter, einen Irrtum der bernischen Hockeygeschichte handelt.

Wir sollten uns zwar hüten, bereits im September grundsätzlich zu werden. Schon zu oft war die vermeintliche Wahrheit des Herbstes die Torheit des Aprils. Und doch sollten wir uns ganz seriös mit der Frage auseinandersetzen: Ist Biel vielleicht doch eine grosse Mannschaft? Ein verdienter Tabellenführer, der seinen Platz in der Spitzengruppe nicht so bald wieder räumen muss? Zeichnet sich gar das Ende einer mehr als 30-jährigen, scheinbar auf alle Ewigkeiten festgefügten Hockey-Hierarchie im Bernbiet ab?

Um dieser Frage nachzugehen, sollten wir uns von der Geschichte lösen und uns auf die Gegenwart und die Beurteilung der Zukunftsperspektiven konzentrieren.

Biel hat inzwischen neben dem Eis praktisch gleich gute Voraussetzungen. Die Infrastruktur ist erstklassig. Zwar ist es nicht möglich, mit dem Spielbetrieb gleich viel Geld zu erwirtschaften wie der SCB. Aber Biel ist ein starker Wirtschaftsstandort und kann, wenn es sein muss, gleich viel Geld fürs Hockeybusiness aufbringen.

Stades de Bienne:

Die Mannschaft ist im Schnitt jünger. Mindestens sieben Spieler haben ihr Entwicklungspotenzial noch nicht ausgereizt. Biel wird in den nächsten zwei bis drei Jahren besser werden. Morgenröte am Bieler Hockeyhimmel!

Zu den Spielern mit Steigerungspotenzial gehört auch der alternde Schillerfalter Damien Brunner (32). Er hat bereits zwei Treffer erzielt. Aber er sagt, dass er noch nicht der wahre Damien Brunner sei. «Davon bin ich noch ein Stück weit entfernt.» Es gehe für ihn nach wie vor darum, sein Spiel zu finden. «Dafür brauche ich Zeit.» Er sei froh, dass er jetzt beschwerdefrei spielen könne und die Spielweise der Mannschaft behage ihm sehr.

Berns Simon Moser, hinten, im Duell mit Biels Damien Brunner, vorne, waehrend dem Eishockey National League Spiel zwischen dem SC Bern und den EHC Biel, am Samstag, 29. September 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Berns Simon Moser (hinten) im Duell mit Biels Damien Brunner. Bild: KEYSTONE

Weil Biel erfolgreich ist, steht der ehemalige NLA-Topskorer (2011/12 mit Zug) nicht unter Druck und nicht ständig im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Bieler sind so gut, dass sie es sich leisten können, einem so spektakulären Neueinkauf Zeit für den Formaufbau zu gewähren.

Portrait von Andre Heim, Spieler des SC Bern, am Dienstag, 14. August 2018 vor dem Training in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

André Heim vom SC Bern Bild: KEYSTONE

Beim SCB ist André Heim (20) der einzige Spieler, der seinen Leistungszenit noch nicht erreicht oder bereits überschritten hat. Wird Gaëtan Haas (26) noch besser, wechselt er in die NHL. Der SCB wird in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht mehr besser. Götterdämmerung am Stadtberner Hockeyhimmel?

Eishockey mit Glasboden-Effekt:

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Video: watson/nico franzoni

Über die Jahrzehnte hinweg haben wir uns daran gewöhnt, dass die besten Bieler, wenn sie Karriere machen wollen, Biel verlassen und oft nach Bern gehen. Zuletzt ist Gaëtan Haas’ Transfer von Biel zum SCB als logischer Karriereschritt gewertet worden. Im Bernbiet gilt seit 30 Jahren: Willst Du etwas werden, musst Du zum SCB wechseln. Das gilt auch für Langnaus Simon Moser und Beat Gerber.

Was, wenn künftig die Titanen Bern verlassen, um in Biel Karriere zu machen? Noch ist so etwas unvorstellbar, ja ungeheuerlich.

L'attaquant biennois Damien Riat, gauche, frappe pour marquer face au defenseur lausannois Lukas Frick, droite, lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le EHC Biel Bienne ce samedi 22 septembre 2018 a la patinoire provisoire de Malley 2.0 a Lausanne. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Biels Damien Riat. Bild: KEYSTONE

Aber es ist ein Zeichen an der Wand, dass Damien Riat (21), ein NHL-Kandidat, von Genf nach Biel und nicht nach Bern gewechselt hat, um im Hockeyleben vorwärts zu kommen.

Item, Leader Biel tritt am Dienstag in Langnau an. Und wieder ist es ein Spitzenkampf. Es geht darum, wer vorne bleibt bzw. den Anschluss nach vorne halten kann.

Zum ersten Mal seit den 1970er Jahren sind der SCB, Biel und Langnau gemeinsam in den «Top Fünf» klassiert.

Die «goldenen 70er Jahre» sind zurück. Wenigstens für ein paar Tage.

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    Alle Leser-Kommentare
  • dizzy 30.09.2018 12:55
    Highlight Highlight es ist nur ein spiel und die saison lang.biel hatte auch schon solche blitzstarte in die saison und hat dann im november angefangen abzulutschen.wenn sie jetzt denken aufgrund eines solchen sieges steht nächstes jahr der kübel in biel,wünsche ich viel spass beim aufprall in die realität😙
    • Kane88 30.09.2018 14:32
      Highlight Highlight Jeder Bieler weiss das die Realität irgendwo in der Mitte der Tabelle liegt, keine Angst. Trotzdem ist es jedesmal ein Fest, dem grossen aufgeblasenen SCB eine Niederlage zu verpassen. Das müsst ihr Erfolgsverwöhnten Berner verstehen können. 😉
    • MARC AUREL 30.09.2018 15:01
      Highlight Highlight Die Frage ist nur wär hier aufgeblasen ist?😉
    • dizzy 01.10.2018 18:25
      Highlight Highlight Ich rede von der mannschaft,die clownfraktion im hintergrund geht uns allen am allerwertesten vorbei...🙄
  • Cosmopolitikus 30.09.2018 10:38
    Highlight Highlight Mir gefallen diese Gedankenspiele von Zaugg:
    1. freue ich mich ab den bis jetzt gezeigten Leistungen von Biel
    2. bin ich froh, wenn im CH-Icehockey nicht dasselbe passiert, wie im CH-Fussball
    Es schadet jeder Liga, wenn eine Mannschaft zu sehr dominiert. Für eine nachhaltige Entwicklung ist es hilfreicher, wenn mehrere Mannschaften sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen, Konkurrenz belebt nun mal das Geschäft.
    Nun hoffe ich, dass auch beim SCB wieder mehr auf Nachwuchsförderung gesetzt wird und diesen jungen Wilden dann auch wirklich eine Chance in der 1. Mannschaft gewährt wird.
  • manolo 30.09.2018 10:25
    Highlight Highlight @ bkw - wie wäre es wenn sie nun auch eine zugskomposition in den farben des ehc Biels aufs Geleise
    bringen?
    • Ambraham 30.09.2018 11:08
      Highlight Highlight Kann es sein, dass du BLS meinst? Die Züge fahren möglicherweise mit Strom von der BKW, aber wahrscheinlich nicht mal das.
    • c_meier 30.09.2018 11:13
      Highlight Highlight du meinst bls statt bkw?
    • manolo 30.09.2018 11:27
      Highlight Highlight ja natürlich! sorry!
    Weitere Antworten anzeigen
  • JtotheP 30.09.2018 09:11
    Highlight Highlight Ach die Bieler (Fans) sollten mal den Stock aus dem A... nehmen. Screenshots posten und Schadenfreude aus allen Löchern zu pressen, 👌🏼
    Dass sich Chlöusu mit seinen Theorien und Prognosen häufiger in die Nesseln setzt ist ja seit 20 Jahren bekannt - jedoch sind sie immer unterhaltsam 👌🏼
  • Tikkanen 30.09.2018 08:44
    Highlight Highlight ...ja, die Bieler haben den Sieg gestern nicht gestohlen, Bern spielte sehr bescheiden und Genoni hatte einen Laueriabend🤔Aber egal, wie die letzte Saison gezeigt hat sind solche Ausrutscherli wichtig, dienen Käru’s Feinjustierung der Hockeymaschine und verhindern Hochmut bei geneigten Spielern...
    Item, wir haben einen gemütlichen Abend verbracht, reichlich🍺getütscht 😅 und dabei bereits über das Plouschmätschli vs. Nico‘s NJD fabuliert😋Da ist mir das Bieler-Episödli egal, freue mich auf eine geile Partie und dass die verwöhnten Tüfeli👹 demütig aus Europas Hockeyhauptstadt abreisen🐻😎🤗🍻
    • LebeauFortier 30.09.2018 10:18
      Highlight Highlight Du scheinst mir hier einer der wenigen Kenner zu sein.
      Kannst Du mir somit vielleicht erklären, warum der SCB jeweils nur zu Plauschspielen gegen NHL-Teams einlädt? Warum misst man sich nicht mal in einem Ernstkampf, wie z.B. dem Victoria Cup?
    • Tikkanen 30.09.2018 20:52
      Highlight Highlight ...hoppla, gilt der Victoria Cup als Ernstkampf? Hipsterville live😂😂
    • LebeauFortier 01.10.2018 07:12
      Highlight Highlight Hehe, ja genau, mein Fehler. Somit hätte es ja auch gar keinen Sinn gemacht, jemals die Champions League zu gewinnen.
      K-L-U-K!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Leguan 30.09.2018 08:42
    Highlight Highlight Junge Spieler wechseln wegen Jalonen nicht mehr nach Bern, weil sie kaum Einsatzzeit bekommen und sie darum stagnieren würden. Und nicht weil Biel jetzt besser ist, auch wenn sie sich natürlich besser geworden sind.
  • Beat Galli 30.09.2018 08:39
    Highlight Highlight Nach 98% des Artikels, hat Chlöisu doch noch erwähnt, dass Langnau auch vorne ist. Übrigens das dritbeste Torverhältnis der Liga. Habe ich persönlich die letzten 30 Jahre nicht mer erlebt.

  • TEE-Zug 30.09.2018 08:31
    Highlight Highlight Der SCB bringt einfach den Schwefelgeruch des Verlierens gegen einen (zur Zeit) meisterlichen EHCB nicht mehr aus den Kleidern. Es wäre mir und "meinem" EHCB zu gönnen wenn dieser Zustand noch etwas anhalten würde... Und für das CH-Eishockey wäre es wohl auch wünschenswert wenn der Kübel einmal an einem neuen Ort landen würde.
  • Benji Zunder 30.09.2018 07:34
    Highlight Highlight Biel war klar besser, aber ob sie konstant über die Saison solche Leistungen erbringen können, sei dahingestellt. Es bringt nichts, bzw. ist es noch zu früh, den EHC hochzujubeln. Gleiches gilt übrigens für den SCB nur in umgekehrter Weise.
  • Al Paka 30.09.2018 06:31
    Highlight Highlight Welcher Chronist war das schon wieder? 🤔

    😂
    User Image
    • Mia_san_mia 30.09.2018 07:02
      Highlight Highlight Mir ist soeben der Name entfallen 🤔
    • Adrian78 30.09.2018 07:38
      Highlight Highlight Ich bin schon nur froh, schreibt der Chronist wieder über Eishockey.

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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