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Eismeister Zaugg

Biel verlangt Verfahren gegen Langnaus Chris DiDomenico

Ihn mögen sie in Biel überhaupt nicht: Langnau-Topskorer DiDomenico, bei einem Penalty gegen Rytz.
Ihn mögen sie in Biel überhaupt nicht: Langnau-Topskorer DiDomenico, bei einem Penalty gegen Rytz.
Bild: KEYSTONE
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Die Saison ist vorbei – aber Biel verlangt jetzt noch ein Verfahren gegen Langnaus DiDomenico

Die Hockeygötter haben den EHC Biel vor dem Existenzkampf einer Liga-Qualifikation bewahrt. Nun hat der Klub Zeit für juristische Kindergartenspielchen.
07.04.2016, 16:5008.04.2016, 10:51

Was ist passiert? Der harte, unanständige Kern der Biel-Fans hat während der Playouts im eigenen Stadion unanständige Spruchbänder gegen Langnaus Leitwolf Chris DiDomenico präsentiert. Dafür sind die Bieler gebüsst worden. Eigentlich nur eine Lappalie. Die Playouts boten dramatischen Sport, beste Unterhaltung und alles ging letztlich friedlich über die Bühne.

Aber Biels Manager Daniel Villard kontert die Busse mit dem Antrag auf Eröffnung eines Verfahrens gegen Chris DiDomenico. Hier der exakte Wortlauf seines Begehrens an Einzelrichter Reto Steinmann:

Signiert ist das Schreiben von Biels CEO Daniel Villard.
Signiert ist das Schreiben von Biels CEO Daniel Villard.
Bild: KEYSTONE

Sehr geehrte Herren

Bezugnehmend auf das von Ihnen eröffnete Verfahren bezüglich ehrverletzender Transparente gegen Spieler DiDomenico von den SCL Tigers nehmen wir hiermit wie folgt Stellung: Der Umstand, dass verbotene Transparente in die Tissot Arena hineingeschmuggelt und im Stehplatz-Bereich gezeigt wurden, verurteilen wir aufs Schärfste. Mittlerweile konnten wir den Hergang weitgehend abklären und wissen, auf welchem Weg und durch welche Personen dies geschehen ist. Dies wird uns ermöglichen, die finanzielle Sanktion weiterzugeben und die Personen gegebenenfalls zusätzlich zu bestrafen.

Gleichzeitig verlangen wir aber ein ordentliches Verfahren gegen den Spieler DiDomenico. Sein Verhalten anlässlich sämtlicher 6 Play-Out Finalspiele war bezüglich unnötiger Provokation eines Profis unwürdig und hat die Stimmung in ungebührendem Masse zusätzlich angeheizt (und schlussendlich die Transparente gegen ihn ausgelöst).

Als negativer Höhepunkt und in keiner Art und Weise von uns zu akzeptieren waren die Gesten (supponierter Pfeilbogen gegen unsere Fans) sowie weitere Provokationen vom Spieler DiDomenico nach dem letzten Spiel in Langnau. Damit riskiert er massive Ausschreitungen, unter welchen nicht nur der Sicherheitsdienst, sondern unsere ganze Sportart am Schluss zu leiden hat. Es kann nicht sein, dass sich ein siegreicher Spieler am Ende einer Serie in dieser Art und Weise aufführt, ohne dass dies empfindlich sanktioniert wird.

Besten Dank für die Einleitung der entsprechenden Schritte.
Daniel Villard

Wie Du mir, so ich Dir. Dieses alttestamentliche Prinzip gehört zur Unterhaltungskultur unseres Hockeys. Die unanständigen Transparente der Bieler Fans könnten ja eigentlich auch unter dieser Unterhaltungskultur abgebucht werden. Aber die sind nun mal bestraft worden.

DiDomenico polarisiert

Nun ist es für jeden Spieler tabu, die gegnerischen Fans zu provozieren. Tun sie das, greifen die Schiedsrichter ein. Im «Fall DiDomenico» haben die Schiedsrichter keine entsprechenden Verfehlungen festgestellt und keine Rapporte eingereicht. Auch die Chronisten haben nicht polemisiert, die sich doch gerade rund um den EHC Biel kaum je eine Gelegenheit zur feurigen Polemik entgehen lassen.

Und so kommt es, dass sich Einzelrichter Reto Steinmann zum Abschluss seiner 13-jährigen Laufbahn noch einmal mit einem für die Kultur der Liga nicht ganz untypischen Fall beschäftigen muss.

DiDomenico lässt sich von Tiger-Fans feiern.
DiDomenico lässt sich von Tiger-Fans feiern.
Bild: KEYSTONE

Langnaus Leitwolf Chris DiDomenico ist eine charismatische Spielerpersönlichkeit, er polarisiert. Die eigenen Fans verehren ihn. Die gegnerischen Fans eher weniger. Aber am Ende des Tages fällt es schwer, in die Bieler Empörung einzustimmen. Ein bisschen mehr Gelassenheit wäre sicherlich nicht schlecht – zumal es die Hockeygötter mit den Bielern ja wirklich gut meinen und ihnen den Existenzkampf Liga-Qualifikation ersparen.

Kommt jetzt wirklich der werte Herr Anstands-Inspektor?

In Langnau mag sich zum Thema niemand äussern – mit dem Hinweis, es handle sich um ein laufendes Verfahren. Und so viel bekannt ist, hat sich Ligadirektor Ueli Schwarz auch nicht unbotmässig in die Angelegenheit eingemischt.

Der Chronist empfiehlt die Ausarbeitung eines Anstandsreglements durch die Liga. Und die Ausbildung von Anstands-Inspektoren, die künftig bei jedem Spiel wie die Schiesshunde aufpassen, dass ja kein Spieler eine Geste oder Bewegung macht, die als Provokation der gegnerischen Fans interpretiert werden könnte. Ja, eigentlich ist schon der Torjubel alleine eine Provokation. Oder?

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quelle: keystone / manuel geisser
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