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WM 2022: Die Schweiz unterliegt im letzten Test gegen Ghana

Ghana's defender Mohammed Salisu, left, celebrates after scoring the first goal during a friendly soccer match between Switzerland and Ghana in preparation for the FIFA World Cup Qatar 2022, at t ...
Eine Woche vor der WM hat noch nicht alles gepasst: Granit Xhaka (m.) ärgert sich, während die Ghanaer über ihr Tor jubeln.Bild: keystone

«Müssen uns bis zur WM alle verbessern» – die Schweiz unterliegt Ghana im letzten Test

Die Schweizer Nationalmannschaft bezieht im einzigen Testspiel vor der WM in Katar eine Niederlage. Beim 0:2 gegen Ghana experimentiert Murat Yakin viel. Yann Sommer gibt sein Comeback und wirft sich bei den Gegentoren nicht mit letzter Entschlossenheit ins Zeug.
17.11.2022, 13:3817.11.2022, 13:46
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Vor ein paar hundert frenetischen Ghana- und rund 30 stillen Schweizer Fans sowie einer Linienrichterin als Teil des Schiedsrichtergespanns aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erzielte Mohammed Salisu nach 70 Minuten den ersten und Antoine Semenyo vier Minuten danach den zweiten Treffer. Beim 0:1 prallte der Ball nach einem Corner von Eray Cömert vor die Füsse des Torschützen, beim 0:2 unterlief Cömert einen Ball und unterliess es Sommer, resolut einzugreifen. Die Gegentore fielen, nachdem Denis Zakaria vom Mittelfeld in die Innenverteidigung gerückt war.

Die Hauptprobe für den WM-Auftakt gegen Kamerun vom 24. November ist den Schweizern damit missglückt. Doch ein Schiffbruch ist es angesichts der vielen Experimente und Rochaden nicht. Nationalcoach Murat Yakin testete in der Abwehr einer Dreierkette und schonte Abwehrchef Manuel Akanji, als die Gegentore fielen. So sagte Yakin nach dem Spiel bei SRF: «Das Resultat wirft uns nicht aus der Bahn. Dieses stand nicht im Vordergrund.» Man dürfe nicht vergessen, dass der letzte Zusammenzug des Nationalteams einige Wochen her ist und man diese Woche jetzt auch zum Testen nutzen wollte. Dennoch sagte beispielsweise Xherdan Shaqiri, dass alle «bis zum Spiel gegen Kamerun noch eine Schippe drauflegen müssen».

Zu den positiven Erkenntnissen gehörte, dass die Dreier-Abwehr in der ersten Halbzeit dichthielt und die Kaltstarter Shaqiri und Denis Zakaria wertvolle Spielminuten sammelten – und dass im arabischen Glutofen bei rund 33 Grad und relativ hoher Luftfeuchtigkeit keiner umkippte. Yakin freute sich darüber, dass Shaqiri «jetzt einmal wieder 90 Minuten in den Beinen hat». Und auch der Offensivspieler, der seit dem Saisonende in den USA Anfang Oktober keinen Ernstkampf mehr bestritten hat und in den letzten Wochen beim FC Lugano mittrainierte, freute sich über das Spiel: «Es war schön, wieder mal auf dem Platz zu sein und 90 Minuten zu spielen.»

epa10309999 Ghana's forward Andre Ayew (L) in action against Switzerland's midfielder Xherdan Shaqiri during a friendly soccer match between Ghana and Switzerland ahead of the upcoming FIFA  ...
Für ihn war der Test besonders wichtig: Xherdan Shaqiri.Bild: keystone

Wichtig war auch, dass Yann Sommer nach seiner Verletzungspause erstmals wieder auf dem Feld stand. Um seinen Fuss mache er sich keine Sorgen, wie er nach dem Spiel sagte: «Es geht ihm gut und ich bin glücklich damit.» Es sei wichtig gewesen, im Spiel zu sehen, dass der Fuss halte. «Heute hat mir ein gutes Gefühl gegeben.»

Kein Risiko und einige Experimente

Naturgemäss minimierten die Nationalspieler im WM-Probelauf im 43'000 Zuschauer fassenden Zayed Sports City Stadium jegliches Verletzungsrisiko. Dennoch machte der kurze Abstecher nach Abu Dhabi für Yakin und die Mannschaft durchaus Sinn. Die Spieler erfuhren etwa, wie es an der WM im subtropischen Katar-Klima im Wettkampf mit der Hitze sein könnte – wobei sie noch gar nicht wissen, ob in den Partien gegen Brasilien und Serbien das im dortigen Stadion 974 vorhandene Kühlsystem aktiviert sein wird. Mit diesem würde die Temperatur laut FIFA auf gleich 20 Grad heruntergedrosselt.

Yakin hielt sich bei der Gelegenheit für verschiedene Experimente nicht zurück. Obwohl er einiges bereits angedeutet hatte – etwa dass der bei Eintracht Frankfurt und im Nationalteam in den letzten Wochen und Monaten stark beanspruchte Djibril Sow eine Pause bekommen und Aussenverteidiger Ricardo Rodriguez aufgrund einer Prellung eher kürzer als länger zum Einsatz gelangen dürfte – beinhaltete seine Startelf einige Überraschungen.

Vargas als linker Verteidiger?

Insbesondere probte Yakin ein 3-5-2 mit Ruben Vargas auf der dünn besetzten linken Aussenbahn. Ein durchaus nachvollziehbarer Zug, weil er für Rodriguez keinen etatmässigen linken Verteidiger als Ersatz in sein 26-köpfiges WM-Aufgebot berufen hatte. Es ist ein Gamble, der auf den ersten Blick ein grösseres Risiko birgt. Die Trainer haben im Fall von Verletzungen die Möglichkeit, Spieler bis 24 Stunden vor dem ersten WM-Spiel nachzunominieren.

epa10310181 Ghana's Daniel Barnier (C) in action against Switzerland's Ruben Vargas (R) during the International Friendly soccer match between Ghana and Switzerland in Abu Dhabi, United Arab ...
Ruben Vargas war bis zu seiner Auswechslung einer der Aktivposten im Team.Bild: keystone

In der zweiten Halbzeit, in der Nico Elvedi Akanji und Noah Okafor Breel Embolo ersetzten, tauschte überdies zuerst Zakaria die Position mit Granit Xhaka, ehe Zakaria in die Verteidigung zurückrückte. Xhaka spielte dann ein Stück offensiver, ähnlich wie in dieser Saison bei Arsenal. Shaqiri, der seinen ersten Match seit Anfang Oktober bestritt und als Stürmer neben Breel Embolo agierte, hätte zu Beginn der zweiten Halbzeit das 1:0 aufgelegt, hätte Okafor nach seinem guten Steilpass nicht über das Tor gezogen.

Die ausführlichen Stimmen:

«Wir mussten vieles berücksichtigen, vom Ablauf, von der Hitze und der Belastungssteuerung. Wir haben ein gewisses Risiko in Kauf genommen, dass das Resultat nicht so befriedigend wird.
Es war sehr warm, fast heiss. Die ersten 60 Minuten waren gut, dann ist aber auch verständlich, dass die Müdigkeit kommt.
Shaqiri hat zwei, drei Situationen gehabt, in denen er gezeigt hat, was er drauf hat. Es war gut, dass er jetzt einmal 90 Minuten in den Beinen hat.»
Nati-Trainer Murat Yakin
Switzerland's head coach Murat Yakin, right, and and members of his staff react during a friendly soccer match between Switzerland and Ghana in preparation for the FIFA World Cup Qatar 2022, at t ...
Murat Yakin (r.) zeigte sich nach der Niederlage nicht besorgt.Bild: keystone
«Die Bedingungen waren nicht einfach und es ist nicht das Resultat herausgekommen, dass wir wollten. Aber die WM fängt erst nächste Woche an und ich hoffe, dass wir dann bereit sind.
Wir hatten gestern eine lange Reise, es war nicht so einfach mit der Uhrzeit und der Hitze, aber trotzdem müssen wir besser auftreten. Man sieht, dass wir noch nicht ganz dort sind, wo wir wollen. Wir können es uns jetzt in Ruhe anschauen und ich bin zuversichtlich, dass wir bereit sind.
Man hat sicher in der einen oder anderen Situation gesehen, dass ich gut drauf bin und ich freue mich darauf, zu spielen.»
Xherdan Shaqiri
«Wir haben gemerkt, dass es ein klassischer Test ist. Aber es war wichtig, um sich an Temperatur und Zeit zu gewöhnen.
Es war eine Challenge und es hat noch nicht alles funktioniert, aber wir haben noch ein paar Tage. Wir müssen dieses Spiel jetzt gut analysieren und daran arbeiten, um nächste Woche bereit zu sein.»
Goalie Yann Sommer
Switzerland's goalkeeper Yann Sommer reacts during a friendly soccer match between Switzerland and Ghana in preparation for the FIFA World Cup Qatar 2022, at the Sheikh Zayed Sports City Stadium, ...
Ein wichtiger Rückkehrer: Yann Sommer.Bild: keystone
Es fällt mir schwer, zu sagen, was wir aus dem Spiel mitnehmen können. Es war ein ausgeglichenes Spiel zwischen zwei Teams, die beide nicht den allerhöchsten Rhythmus gehen konnten wegen der Hitze.
Wir brauchen noch einige Tage, um uns an die Bedingungen zu gewöhnen. Doch wir müssen uns auch noch verbessern. In gewisser Hinsicht ist es ein verlorenes Spiel.
Der Trainer wollte die Dreierkette mal ausprobieren. Es ist wichtig, dass wir flexibel sind und auch verschiedene Lösungen für verschiedene Gegner parat haben.»
Silvan Widmer

Ghana - Schweiz 2:0 (0:0)
Zayed Sports City Stadium, Abu Dhabi. 400 Zuschauer. SR Eisa (UAE).
Tore: 70. Salisu 1:0. 74. Semenyo 2:0.
Ghana: Ati Zigi; Lamptey (79. Seidu), Amartey, Salisu (77. Aidoo), Baba; Abdul Samed, Owusu (62. Kyereh); Afriyie (62. Sowah), André Ayew (62. Semenyo), Jordan Ayew; Williams (62. Sulemana).
Schweiz: Sommer; Akanji (46. Elvedi), Schär (65. Seferovic), Cömert; Widmer (62. Fassnacht), Freuler (46. Aebischer), Xhaka, Zakaria, Vargas (62. Steffen); Embolo (46. Okafor), Shaqiri.
Bemerkungen: Schweiz komplett.
Verwarnungen: 60. Widmer. 67. Sulemana. (nih/sda)

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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BigMic
17.11.2022 12:46registriert Januar 2014
Cömert hat sich soeben sein Platz auf der Ersatzbank gesichert! Wie der den Ball unterlaufen hat ist schon ziemlich amateurhaft. Resultat: janu, lieber heute als in einer Woche...
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Tsherish De Love aka Flachzange
17.11.2022 09:56registriert September 2020
Hopp Schwiiz 🇨🇭


PS: tragen unsere Fake-Fans auch Kuhkostüme und Käsehüte?
316
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bokl
17.11.2022 13:27registriert Februar 2014
Wenn sie die nächsten sieben Spiele gewinnen, interessiert das heutige Resultat niemanden mehr 😎
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