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Christian Constantin, president du FC Sion deguise en l'empereur Napoleon se donne en spectacle lors de la soiree du repas de Gala du FC Sion, ce samedi 7 fevrier 2015 au Cerm a Martigny. 7015 personnes ont manges la choucroute lors de ce gala. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Christian Constantin als Napoléon, der auch das eine oder andere Gemetzel erlebt hat.  Bild: KEYSTONE

Christian Constantin – der Gott des Gemetzels

Der Walliser Christian Constantin, Präsident des FC Sion, fordert wieder einmal die Gewaltigen des Fussballs heraus. Nun ist er in erster Instanz für 14 Monate gesperrt worden. Sein Kampf trägt inzwischen biblische Züge. Eine Annäherung an die exzentrischste Persönlichkeit unseres Sportes.



Er duzt jeden auf Anhieb. «Écoute», pflegt er zu sagen. Das gehört zu seinem Charisma. So schafft er Vertrauen. Nähe. Authentizität. So entsteht für den überrumpelten Kritiker selbst ohne Einsicht in geheime Papiere oder wirklich überzeugende Argumente der Eindruck: Entweder hat dieser Mann doch recht oder zumindest nicht ganz unrecht.

Le President du FC Sion, Christian Constantin sort de sa voiture Ferrari en arrivant a une audience suite au litige qui oppose le club de football du FC Sion a l'UEFA, ce mercredi 1er fevrier 2012 au Tribunal Cantonal Vaudois a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Christian Constantin, der Ferrari-Liebhaber. Bild: KEYSTONE

Christian Constantin ist Präsident des FC Sion, Familienvater, Ferrari-Liebhaber, Visionär, Bauzeichner, Immobilienspekulant, international tätiger Architekt und ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekannter Rebell. Dieser epische Kampf gegen die bösen Fussballmächte aus der Deutschschweiz und Europa hat ihn zur bekanntesten Persönlichkeit der Romandie gemacht: In der Westschweiz kommt er in der öffentlichen Wahrnehmung vor allen Bundesräten und Sport-Stars.

Unerbittlicher Kämpfer

Der zornige Alpen-Asterix. Es ist der immerwährende Kampf eines vermeintlich edlen Aussenseiters gegen die Mächtigen, Korrupten und Bösen. Gegen die Feinde des FC Sion. Des Wallis. Was treibt ihn bloss an? Es geht um die Ehre, um das Ego, um Eitelkeiten, um Prinzipien. Wieder einmal zieht ein göttliches Gemetzel heran. Dieses Mal gegen die helvetischen Fussball-Richter.

Wir können bei Professor Dr. Paul de Chastonay die Wesensart der Walliser, also von Männern wie Christian Constantin, nachlesen.

«Lieber Freund», hat er einmal geschrieben, «schau mit den Augen des Geistes und der Seele auf mein Land, auf meine Berge und Täler, auf meine Wälder und Weinreben, und du wirst ihr Spiegelbild in meinem Leben finden. Schau auf meine vieltausendjährige Geschichte. Wie die Fluten der Rhone hat sie der Freiheit eine Bahn durchbrechen müssen, im steten, blutigen Kampf. Das alles spiegelt sich in meiner Seele wieder. Heute noch kämpfe und streite ich, wo immer ich meine, ein Stück Freiheit gehe mir verloren, wo immer feindliche Gewalten sich mir in den Weg stellen.»

So ist Christian Constantin. Wo immer er meint, ein Stück Freiheit gehe verloren, wo immer er feindliche Gewalten erahnt, da kämpft er. Unerbittlich. Und sei es nur gegen das lose Mundwerk eines ehemaligen Fussball-Nationaltrainers, der als TV-Experte gegen den FC Sion redet.

Two Herens breed cows,

Die Kühe im Wallis grasen nicht nur auf grünen Weiden, sie kämpfen auch. Bild: KEYSTONE

Recht hat immer Christian Constantin. Oben ist immer Christian Constantin. Sein Wort ist Gospel. Es ist ja kein Zufall, dass nur die Kühe im Wallis den Instinkt für die hierarchische Ordnung und den Kampfinstinkt ihrer Gattung bewahrt haben, während in der übrigen Schweiz das Rindvieh längst vernünftig geworden ist und friedlich Nase an Nase weidet. Nur im Wallis liefern sich Kühe zum Gaudi der Touristen immer noch heftige Kämpfe.

Christian Constantins Gegner mögen argumentieren, es mache einfach keine Gattung, wie er sich aufführe. Und er solle doch auch mal einlenken. Sich entschuldigen. Demut zeigen.

Der volksnahe Millionär

Doch das geht nicht: Entscheidend ist, was er über eine Angelegenheit denkt und dass er davon überzeugt ist, im Recht zu sein. Die Rhone fragt auf ihrem Weg von den Bergen hinab ins Meer auch nicht, ob ein Hindernis womöglich zu Recht ihren Lauf stört. Sie reisst es fort. Und die kämpferischen Walliser Kühe wählen sich ihre Gegnerinnen spontan aus, ohne Bedenken um deren Stärke. Und hat nicht der Schauspieler Danny Kaye einmal gesagt, ein echter Mann entschuldige sich nur, wenn er beim Streit mit einer schönen Frau Recht behalten hat.

Christian Constantin kann seine Rechtshändel im Namen seiner Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Freiheit locker finanzieren. Ich kämpfe, also bin ich. Seine Bewunderer sagen, mit seinem Architekturbüro setze er jährlich gegen 300 Millionen Franken um.

Ein Bonze ist er deswegen nicht geworden. Er mag mit dem Privatjet (Marke: Piaggio P180, Neuwert: sechs Millionen Franken), den er sich mit Rallye-Kultfigur Sébastien Loeb teilt, durch die Welt jetten. Seine Neider mögen sagen, inzwischen habe er wohl zwanzig Ferraris in seiner Garage stehen und viele Millionen auf dem Bankkonto liegen. Aber Constantin ist volksnah geblieben.

Ohne diese Verwurzelung in heimatlicher Erde könnte er gar nicht existieren. In Bern, Basel oder Zürich wäre eine Figur wie Constantin gar nicht mehr möglich. Weil einer wie Constantin dort durch zahllose Institutionen gezähmt werden würde.

Die Dankbarkeit ist grösser als die Verärgerung

Der Rebell geniesst im Wallis auch deshalb breite Unterstützung, weil er den FC Sion personifiziert. Die einzige Institution, die alle und alles vereinigt: das Ober- und das Unterwallis, die Welschen und die Deutschschweizer, die Berge und die Täler, die Bauern und die Bonzen. Der FC Sion hat sogar mehr politische und kulturelle als sportliche Bedeutung, und wer diese Institution führt und hegt und pflegt und für sie kämpft, ist wichtiger als jeder Bundesrat und ganz sicher wichtiger als jeder Verbands- und Ligafunktionär oder vorwitzige TV-Experte.

Es mag wohl ein Murren geben, wenn Christian Constantin seine Trainer feuert, aber Dankbarkeit, Respekt und Verehrung sind immer grösser als die Verärgerung. Ohne die Investitionen von «CC» gäbe es in Sion keinen Spitzenfussball. Wenn schon die welschen Zentren Genf, Lausanne und Neuenburg nicht oder kaum in der Lage sind, einen Profi-Verein zu finanzieren, wie soll das dann im bäuerlichen Wallis klappen? Der grosse Zampano schürt gezielt Ängste und suggeriert: «Liebt mich, denn ohne mich könnt ihr nicht sein!»

Les supporters sedunois brandissent un typho avec Lucky Luke et les Daton lors de la rencontre de football de Super League entre le FC Sion et le FC Bale ce dimanche 27 aout 2017 au stade de Tourbillon a Sion. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Was würde aus dem FC Sion ohne Constantin? Bild: KEYSTONE

Mehr als 20 Millionen Franken setzt das Fussballunternehmen FC Sion im Jahr um, und dazu steuert Christian Constantin inzwischen aus eigener Tasche bloss einen tiefen siebenstelligen Betrag bei. Er hat es geschickt verstanden, den FC Sion als die Institution zu positionieren, die für den Freiheitskampf des Wallis gegen die Mächtigen und Bösen in der «Üsserschwiiz» steht. Dafür zahlen die Reichen und Mächtigen im Kanton gerne.

In diesen Zeiten, in denen der Fussball mehr und mehr von anonymen, kühl kalkulierenden Finanzmanagern und arroganten Technokraten gemanagt wird, ist Christian Constantin der letzte Vertreter der alten Garde der Patrons, zu denen das Volk vertrauensvoll aufschaut.

Besessen von seiner Mission

So verbissen er auch die Mächtigen der Welt bekämpfen mag – so locker, ja mit Selbstironie reagiert er auf seine Kritiker. Er ist ein vielkritisierter Mann. Aber seine Kritiker überzieht er, anders als viele andere charismatische Persönlichkeiten, nicht mit Klagen. Lieber züchtig er sie gleich selber. Wie jüngst den bedauernswerten Rolf Fringer.

Wie alle grossen, charismatischen Sportführer ist auch Christian Constantin besessen von seiner Mission. Pro Tag arbeitet er zwischen zwölf und vierzehn Stunden. Den Fleiss hat er aus dem Elternhaus mitgenommen. Schon im Alter von vier Jahren musste er im Betrieb seines Vaters mitarbeiten, und er sagt auch, er habe früh lernen müssen, auf eigenen Füssen zu stehen. Mit dreizehn verliert er seine Mutter ausgerechnet am Muttertag durch eine schwere Erkrankung.

Mit 22 Jahren gründet er seine eigene Firma. Sehr zum Stolz seines Vaters. Und wie jeder echte Walliser ist Christian Constantin tief im katholischen Glauben verwurzelt. Er bete häufig, «aber nie für den Fussball». Das muss er auch nicht. Titel gewinnt er ja trotzdem ab und zu. Seit er 2003 seine zweite Amtszeit als Präsident angetreten hat, hat er bereits vier Cupsiege gefeiert (2006, 2009, 2011, 2015).

Was hältst du von Christian Constantin?

Christian Constantin ist auch schon gescheitert. In seinen Anfangsjahren wollte er eines der acht besten Teams Europas werden, verpasste aber jedes Mal den Einzug in die Champions League. Das finanzielle Abenteuer endete nach Triumphen (drei Cupsiege in Serie, Meistertitel 1997) mit einem Knall und 13,4 Millionen Schulden: Er wird 1997 aus dem Amt gejagt, und Sion steigt in die NLB ab.

Der spektakulärste Sieg

Sechs Jahre später kehrt CC zurück und kann sich dieses Mal als Retter feiern lassen, weil der kamerunische Bierbrauer Gilbert Kadji den Verein an den Rand des Ruins getrieben hatte. Bei dieser Rückkehr gelingt ihm 2003 ein Kunststück, mit dem er alle Sünden der Vergangenheit tilgt und alle Kritiker zum Verstummen bringt. 2003 beginnt, was seither die Fussballwelt in Atem hält: Die Liga entzieht Sion die Lizenz, das darauf in die die 1. Liga relegiert. Mit dem Gang bis vors Bundesgericht zwingt Christian Constantin die Liga, seine Mannschaft während der laufenden Saison wieder in die NLB zu integrieren.

Es ist bis heute der spektakulärste Sieg ziviler Richter über die helvetische Sportjustiz. Aus diesen ersten Abenteuern beim FC Sion hat er eines gelernt: Die Sportjustiz ist angreifbar und zahnlos. Es lohnt sich, vor die zivilen Richter zu gehen.

Eigentlich braucht er sich gar nicht um die Urteile der Fussballrichter zu scheren. Für 14 Monate gesperrt? Die Wahrscheinlichkeit, dass ihn die Fussballrichter in einer Sänfte ins Stadion tragen müssen, ist grösser als die Gefahr, dass ihm jemand in Sion den Zutritt zur Arena verwehrt. Eigentlich müssten unsere Fussballrichter wissen: wer mit dem Kaminfeger kämpft, wird unweigerlich schwarz, unabhängig davon, ob man gewinnt oder verliert.

Aber führt Christian Constantins Kampf gegen die ganze Welt auch zu einem guten Ende? «Ich werde gewinnen», pflegt er Zweiflern mit schneidender Stimme zu sagen. Und er hat bis heute immer gewonnen – oder er hat so verloren, dass es für seine Anhänger daheim im Wallis wie ein Sieg aussieht.

Bild

Richard Wagner wäre ein Fan von Constantin – vielleicht.

Es wird wohl einmal enden wie die «Götterdämmerung», dieses grandiose Finale des Opernspektakels «Der Ring des Nibelungen» von Richard Wagner. In einem hellen Feuerschein am Himmel sieht man den brennenden Götterpalast Walhall. Die Welt geht unter. Als die Götter von den Flammen gänzlich verhüllt sind, fällt der Vorhang.

Richard Wagner (1813 – 1883) wäre, hätte er im 21. Jahrhundert gelebt, ein glühender Anhänger von Christian Constantin geworden.

So lebt Barthélémy Constantin, der Filius von CC

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