Und dann ist er da: Edeljoker Wout Weghorst. Einmal mehr zeigt der 31-jährige Stürmer, dass er sich diesen Beinamen mehr als verdient. Viermal wurde er in den vier Testspielen der Niederlande vor der EM eingewechselt, dreimal traf er. Und jetzt stach der Joker auch im ersten Spiel der Europameisterschaft in Deutschland gegen Polen.
Gerade einmal zwei Minuten stand der Hoffenheim-Profi auf dem Platz, als ein Pass in den Strafraum von Nathan Aké mit etwas Glück vor seinen Füssen landete und er eiskalt abschloss. Aus der kurzen Distanz war für den bis dahin starken polnischen Goalie Wojciech Szczesny kaum etwas zu machen. Es war Weghorsts zwölftes Tor im Nationaltrikot, das siebte als Einwechselspieler.
Und der Treffer zum 2:1 war auch gleichbedeutend mit dem Siegtor für die Niederlande. Auch, weil der erst 21-jährige Bart Verbruggen im Tor der Oranje wenige Minuten später noch einmal einen starken Reflex zeigte und den Schuss von Karol Swiderski so parierte.
Der knappe Sieg für die Niederländer geht aufgrund der Spielanteile insgesamt in Ordnung, jedoch wäre ein Punkt für die tapfer kämpfenden Polen, die immer wieder Nadelstiche setzten, ebenfalls nicht unverdient gewesen. Auf diesem Auftritt lässt sich für das Team von Trainer Michal Probierz mit Sicherheit aufbauen.
Zumal die Polen auf ihren verletzten Superstar Robert Lewandowski verzichten mussten. Dennoch ging der Aussenseiter in der 16. Minute mit dem ersten Torschuss in Führung. Lewandowski-Ersatz Adam Buksa stieg nach einer Ecke am höchsten und köpfte den von Piotr Zielinski zum 1:0 ins lange Eck. Bis dahin waren die Niederländer eigentlich klar tonangebend – und das änderte sich danach auch nicht.
Nach mehreren vergebenen Chancen, unter anderem durch Memphis Depay, der aus aussichtsreicher Position übers Tor schoss, war es dann Liverpool-Profi Cody Gakpo, der für den Ausgleich sorgte. Der Flügelspieler konnte sich auch bei Verteidiger Bartosz Salomon bedanken, da dieser Gakpos Schuss mit dem Knie unhaltbar für seinen Goalie ablenkte.
Wer nun gehofft hat, dass sich der Knoten bei den Niederländern mit dem ersten Treffer gelöst hat, wurde bitter enttäuscht. Die Elftal ging weiterhin fahrlässig mit Chancen um, die grösste vergab wohl der in dieser Partie glücklos agierende Xavi Simons, als er einen Bilderbuchkonter in der 2. Halbzeit mit einem Schuss neben das Tor beendete.
So sah es lange nach einer Überraschung aus, bis eben der Edeljoker kam. Weghorst traf auch beim WM-Viertelfinal gegen die Argentinier in der Schlussphase – damals gar doppelt zum 2:2 – nun hat er auch seinen grossen EM-Moment. Wobei er auf ein besseres Ende des Turniers hoffen dürfte als vor knapp zwei Jahren. In Katar schied die Niederlande nämlich keine Stunde nach Weghorsts Doppelpack gegen den späteren Weltmeister im Penaltyschiessen aus.
Nun wartet auf Oranje Topfavorit Frankreich, während die Polen ebenfalls am Freitag auf Österreich trifft. Einfacher wird es also für keines der beiden Teams so richtig.
Polen – Niederlande 1:2 (1:1)
Hamburg. 48'117 Zuschauer. SR Dias (POR).
Tore: 16. Buksa 1:0. 29. Gakpo 1:1. 83. Weghorst 1:2.
Polen: Szczesny; Bednarek, Salamon (86. Bereszynski), Kiwior; Zielinski (78. Piotrowski), Romanczuk (55. Slisz); Frankowski, Urbanski (55. Swiderski), Sebastian Szymanski (46. Moder), Zalewski; Buksa.
Niederlande: Verbruggen; Dumfries, De Vrij, Van Dijk, Aké (87. Van de Ven); Schouten, Reijnders, Veerman (62. Wijnaldum); Simons (62. Malen), Depay (81. Weghorst), Gakpo (81. Frimpong).
Bemerkungen: Polen ohne Lewandowski (verletzt). Niederlande ohne Brobbey (verletzt). Verwarnung: 15. Veerman. (sda)