Sport
Fussball

Kevin Spadanuda über Ajaccio, Messi und den Neustart beim FC Luzern

Lionel Leo Messi 30 - PSG - Kevin Spadanuda 27 - Ajaccio - FOOTBALL : Paris Saint Germain vs Ajaccio - Ligue 1 - 13/05/2023 FedericoPestellini/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL
Kevin Spadanuda: Eben noch Hobbyfussballer, dann von Lionel Messi attackiert.Bild: www.imago-images.de

Messis Trikot, Heimweh und die Rückkehr aus Korsika: Kevin Spadanudas turbulentes Jahr

2023 war ein schwieriges Jahr für Kevin Spadanuda. Sportlich läuft es beim FC Luzern noch nicht rund. Davor ist er in Frankreich mit seinem Klub abgestiegen. Der Stürmer sagt, warum er unbedingt zurück in die Schweiz wollte und er präsentiert ein ganz besonderes Souvenir.
23.01.2024, 15:10
Frederic Härri, Stansstad / ch media
Mehr «Sport»

Die Aussicht hat Kevin Spadanuda eingetauscht. Eine Saison lang blickte er von seinem Balkon aus auf das azurblaue Wasser des Mittelmeers und bräunte die Haut in der Sonne, die die Ferieninsel Korsika erwärmte. Jetzt hat er den schneebehangenen Bürgenstock im Rücken. Der Winter ist eingezogen, nasskalt und grau. Immerhin: Zum Ufer des Vierwaldstättersees ist es nicht weit.

Stansstad im Kanton Nidwalden heisst die neue Heimat, seit er vor einigen Monaten zum FC Luzern gewechselt hat. Spadanuda öffnet die Tür zu einer Wohnung, in der sich nach der Rückkehr aus dem Trainingslager im Eingang noch der gefaltete Karton stapelt. Freundin Cristiana ist zu Hause, wie Naiara, die gemeinsame Tochter, die in dieser Woche drei wird. Auch Spadanuda hat vor wenigen Tagen Geburtstag gefeiert, den 27., es gab ein Stück Erdbeerkuchen. Und irgendwie passt das ja in diesen Januar: ein neues Jahr, ein neuer Versuch. Ein Neubeginn.

«Ich bin froh, ist das alte Jahr vorbei»

Das Jahr 2023 endete nicht, wie es sich Spadanuda ersehnt hätte. Eine Bänderverletzung am Fuss verbannte ihn zwei Monate lang des Spielfelds, bei seinem gegenwärtigen Arbeitgeber wartet der Stürmer noch auf sein erstes Tor, wie auch auf den viel zitierten «Rhythmus», den er für sein Spiel so dringlichst braucht. Er sagt: «Ich bin froh, ist das alte Jahr vorbei. Und hoffe, dass dieses Jahr besser wird.»

Kevin Spadanuda, left, from Luzern and keeper Jacob Widell Zetterstrom, right, from Djurgardens play at the Conference League game between Switzerlands`s FC Luzern against Djurgardens IF from Sweden a ...
Beim FCL agierte Spadanuda bislang glücklos.Bild: keystone

Die märchenhaft verlaufene Karriere Spadanudas ist gerade ein wenig ins Holpern geraten. Dabei ist es nicht allzu lange her, da sorgte er für die Wohlfühlgeschichte des Sommers, als er den Traum eines jeden Amateurkickers wahr machte. Einst als hoffnungsvoller Junior in Aarau ausgebildet, spielte er nach einer Reihe körperlicher Probleme ab 2018 nur noch unterklassig für Schinznach-Bad. Über Schöftland und Baden kletterte er allmählich die Ligen empor, bis er wieder beim FCA landete, seinem Jugendklub.

«Plötzlich» Profi in Frankreich

Im Alter von 22 Jahren unterschrieb er 2019 den ersten Profivertrag seines Lebens, er spielte sich in der Aarauer Offensive fest, bis er spätestens in der Saison 2021/2022 unaufhaltsam wurde. 18 Tore schoss er bis Saisonende in der Challenge League, es folgten Offerten aus allen Himmelsrichtungen und der Wechsel zum AC Ajaccio. Innert vier Jahren von der 4. Schweizer Liga in die französische Ligue 1, eine der Top-Ligen Europas. Ein Wahnsinn.

IMAGO / Geisser

Foto Manuel Geisser 27.08.2021 Aarau : Stadion Brügglifeld Aarau Saison 2021/2022 Herren Fussball Challenge League FC Aarau - FC Vaduz Kevin Spadanuda (FC Aarau) *** Photo Manuel Geis ...
In Aarau wurde Spadanuda zur grossen Nummer.Bild: imago

Entgegen kam ihm die Spielweise seiner neuen Mannschaft allerdings nicht. Aus Aarau war sich Spadanuda offensiven, mutigen Fussball gewohnt. Doch Ajaccio, als Aufsteiger angetreten, besann sich aufs Verteidigen und Kontern. «Wir sahen fast keinen Ball», sagt Spadanuda. Die Saison 2022/2023 beendete er mit null Toren und nur einer Vorlage, am Ende stieg das Team trotz defensiver Ausrichtung als Drittletzter ab. Ein Jammer.

Die wertvolle Trophäe

Bereut er den Wechsel? Spadanuda braucht nicht zu überlegen, um die Frage zu verneinen. Das Positive überwiegt. Auch, weil da Erinnerungen sind, die für immer bleiben. «Dinge, die mir niemand nehmen kann.» Wie die Begegnung mit dem argentinischen Weltstar Lionel Messi – und dessen Trikot.

Kevin Spadanuda Lionel Messi
Stolz präsentiert Spadanuda seine Beute.Bild: Frederic Härri/CH Media

Auf seinem Handy kramt Spadanuda ein Video hervor. Halbzeitpause im Spiel zwischen Paris Saint-Germain und AC Ajaccio Mitte Mai. Beide Mannschaften begeben sich in die Kabine. Auf der Aufnahme schwach erkennbar: Spadanuda, der neben Messi herläuft, ein Wortwechsel, ein Austausch der Leibchen. Jetzt, ein gutes halbes Jahr später, strahlt Spadanuda noch immer darüber, dass er damals seinen Mut zusammengenommen und Messi mit ein paar Wortfetzen Spanisch um die Spielkleidung gebeten hat. Für das (übrigens ungewaschene) Trikot hat er schon finanzielle Angebote erhalten. Doch er sagt: «Für kein Geld der Welt gebe ich es her.»

Gleichwohl stellte jener Abend im Pariser Parc des Princes einen bittersüssen Moment dar. Bittersüss deswegen, weil nach der 0:5-Niederlage gegen PSG der Abstieg Ajaccios endgültig feststand.

Die Tränen vor dem Auswärtsspiel

Immerhin vereinfachte der Gang in die zweitklassige Ligue 2 Spadanuda die Entscheidung, sich trotz laufenden Vertrags für eine Veränderung zu entscheiden. Über allem schwebte der Wunsch, zurück in die Schweiz zu kehren. Denn so traumhaft-malerisch sich das Leben auf der Ferieninsel Korsika auch anhören mag, barg es seine Tücken. Bei Auswärtsspielen war das Team von Ajaccio auf das Reisen im Flugzeug angewiesen.

Amazing morning cityscape of the waterfront and the city of Ajaccio. Popular tourist destination of Mediterranean sea. Location: Ajaccio, Corse-du-Sud, Corsica, France, Europe xkwx ajaccio, corsica, b ...
Ajaccio: Sehr hübsch, aber «abgelegen».Bild: www.imago-images.de

Für Spadanuda bedeute dies alle zwei Wochen Abschiednehmen und die Familie für mehrere Tage alleine zu lassen. Nicht selten kullerten Tränen. «Für Cristiana und Naiara war es nicht leicht, so weit von zu Hause weg zu sein», sagt er. Als das Angebot des FC Luzern kam, nahm Spadanuda dankend an.

Neues Jahr, neues Glück?

Nun also lebt der Bülacher in der Innerschweiz, zu Familie und Freunden ist es nicht mehr weit. Und natürlich ist da auch wieder jene Nähe zum FC Aarau, räumlich und emotional. Zu vielen der alten Bekanntschaften im Klub hält Spadanuda nach wie vor Kontakt. Und noch immer, sagt er, gehe ihm die folgenschwere 1:2-Niederlage gegen Vaduz aus dem Mai 2022 nicht aus dem Kopf, als die Aarauer den Aufstieg um ein einziges Tor verpassten.

«Ich werde für die Zeit in Aarau ewig dankbar sein», sagt er. Sie hat ihn zu dem werden lassen, der er heute ist. Und lässt ihn nun einen neuen Anlauf nehmen, wenn für den FC Luzern heute Abend (19.00 Uhr) mit dem Gastspiel bei Yverdon-Sport die Rückrunde in der Super League beginnt.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Schrille, kuriose und schlicht hässliche Trikots
1 / 80
Schrille, kuriose und schlicht hässliche Trikots
Der italienische Serie-B-Klub Delfino Pescara spielt 2020/21 in den Trikots, die der sechsjährige Luigi entworfen hat. Der Junge gewann einen Wettbewerb.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So hast du Mallorca (vermutlich) noch nie gesehen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
NBA-Star vergibt absichtlich zwei Freiwürfe – und sorgt damit für Begeisterung
In der NBA-Partie zwischen den Los Angeles Clippers und den Houston Rockets vergab Boban Marjanovic absichtlich zwei Freiwürfe – und bescherte den Zuschauenden damit ein gratis Chicken-Sandwich.

Vergibt ein Spieler der gegnerischen Mannschaft im vierten Viertel zwei Freiwürfe nacheinander, gibt es für die Zuschauenden ein gratis Chicken-Sandwich. So will es die Tradition in der Arena d er Los Angeles Clippers. Dieser Brauch war auch dem Rockets-Center Boban Marjanovic bekannt – und so bescherte er den anwesenden Fans im Stadion ein besonderes Geschenk.

Zur Story