Sport
Fussball

Josef Bieri leistet ganze Arbeit – neun neue Aktionäre beim FC Luzern

Foto Manuel Geisser 06.04.2023 Luzern,Schweiz,Swissporarena Fussball Frauen Saison 2022/2023 Laenderspiel Schweiz - China. Bild : Stefan Wolf Praesident - Josef Bieri FC Luzern vor dem Spiel Aktion Ei ...
Stefan Wolf (links) und Josef Bieri (rechts) arbeiten fleissig an der Zukunft des FC Luzerns.Bild: www.imago-images.de

Sawiris ist zurück beim FC Luzern – nebst ihm gibt es noch weitere neue Aktionäre

Die FCL Holding hat gleich neun neue Aktionäre. Vizepräsident Josef Bieri hat namhafte Persönlichkeiten aus der Region ins Boot geholt. Unter anderem von einem anderen grossen Sportverein in der Zentralschweiz.
24.05.2023, 06:4224.05.2023, 12:09
Jérôme Martinu und Cyril Aregger / ch media
Mehr «Sport»

Lange schien nichts zu laufen, im Aktionärsstreit beim FC Luzern. Zu den rollenden juristischen Klageprozessen um die Rechtmässigkeit der Aktienmehrheit von Swisspor-Patron Bernhard Alpstaeg gabs keine Neuigkeiten. Doch die Ruhe trügt.

Hinter den Kulissen ist in den letzten Wochen und Monaten kräftig an der FCL-Zukunft gebaut worden. Dies primär unter Federführung von Aktionär und VR-Vizepräsident Josef Bieri, mit dem Ziel einer Aktionariatsverbreiterung. Die Bemühungen waren zuletzt kaum mehr zu verheimlichen. Und auf entsprechende Anfrage unserer Zeitung stellt die Vereinsführung jetzt Transparenz her.

Alpstaegs Gegenspieler Josef Bieri hat am Dienstag eine illustre Runde in der Chedi-Lounge der Swisspor-Arena versammelt: Neun neue Aktionäre hat er an Bord geholt und zum Kennenlernen geladen: Thomas Meier, Chef des Lehner Versandes und FDP-Kantonsrat, der Luzerner «Souvenir-König» Robert Casagrande, Architekt Patrick von Deschwanden, Dominik Birrer, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Luzern, Michael Wehrle, Geschäftsleitungsmitglied der Investmentgesellschaft Blue Orchard und Pascal Bieri, Mitbegründer des Startups Planted Foods in Kemptthal und Sohn von Josef Bieri.

Der Vizepraesident des FC Luzern, Josef Bieri anlaesslich einer Medienkonferenz zum Fuehrungsstreit zwischen dem FC Luzern Verwaltungsrat und Investor Bernhard Amstaeg vom Mittwoch, 22. Maerz 2023 in  ...
Josef Bieri konnte neun neue Aktionäre für den FC Luzern gewinnen.Bild: keystone

Dabei sind auch zwei «alte Bekannte» und frühere Aktionäre: der ägyptische Tourismus-Investor Samih Sawiris und der Luzerner Bauunternehmer Hans Schmid. Nicht am Anlass teilnehmen konnte der von seiner Funktion her überraschendste Neu-Aktionär: Hans-Peter Strebel, Präsident des EV Zug.

Langjährige Verbundenheit mit dem Klub

Sie alle sind sich bewusst, dass sich als Anteilseigener im Schweizer Fussball nicht wirklich Geld verdienen lässt. Patrick von Deschwanden: «Der FCL ist lebendiges Kulturgut für eine ganze Region, das ist mir wichtig.» Und Thomas Meier ergänzt: «Mit meinem Engagement will ich den bisherigen Weg der Klubführung bestärken. Als Politiker bin ich wiederholt für den FCL eingestanden, jetzt übernehme ich direkte Verantwortung.»

Alle Neu-Aktionäre betonen ihre grosse und langjährige Verbundenheit mit Blau-Weiss. Und ihre Absicht, den FCL als identitätsstiftenden Verein für die Zentralschweiz, mit seinen erfolgreichen Junioren und den Frauenteams unterstützen zu wollen.

An den Machtverhältnissen beim FC Luzern ändert die Einbindung der neun Zentralschweizer Persönlichkeiten nichts. Selbst wenn Bernhard Alpstaeg dereinst nur noch seine ursprünglichen 27 Prozent besitzen sollte, wäre er weiterhin der grösste Aktionär. Ihm gegenüber stehen aber nicht mehr «nur» Josef Bieri, sondern eben neun weitere Anteilseigner:

  • Meier, Casagrande, von Deschwanden, Birrer, Wehrle, Pascal Bieri und Strebel haben – vorerst – je 1 Prozent der Aktien von Josef Bieri abgekauft. Der Eintrag im Aktienbuch erfolgte am Dienstag. Vorerst darum, weil sich grundsätzlich alle vorstellen können, ihre Anteile allenfalls zu erweitern.
  • Samih Sawiris und Hans Schmid haben ihren alten Aktienanteile von gut 13 respektive 10,5 Prozent zurück. Rechtlich war die Rückkehr, die seit dem 23. April im Aktienbuch festgeschrieben ist, möglich, indem Sawiris und Schmid ihren Aktienverkauf an Bieri von 2021 aufgrund von «Grundlagenirrtum» anfochten und die Verträge in der Folge rückabwickelten. Sie hatten ihre Aktien an Bieri verkauft, um mit ihrem Rückzug die Situation mit Alpstaeg zu deblockieren und damit eine friedliche Lösung zu ermöglichen. Für Bieri ist die Rückkehr eine positive Wende, wollte er die früheren Aktionäre doch als positive Botschafter wieder an Bord haben
  • Bei Josef Bieri selber verbleiben also noch rund 17,3 Prozent der Holding-Aktien.
Der Investor Samih Sawiris anlaesslich einer Bevoelkerungsinformation der Isen AG von Investor Samih Sawiris zum Projekt Marina in Isleten am Urnersee im Kanton Uri, am Mittwoch, 6. April 2022, in See ...
Samih Sawiris kehrt als Aktionär zum FC Luzern zurück.Bild: keystone

Eine besondere Rolle im neuen Aktionariat spielen die Rückkehrer Sawiris und Schmid. Ist das Taktik wegen des Rechtsstreits? Sawiris winkt ab: «Ich sehe es als Fundament für die Zukunft. Mit einem breiteren Aktionariat können solche Streits nicht mehr passieren.»

Für Schmid wiederum ist die Rückkehr einerseits ein Zeichen der «Solidarität und Loyalität gegenüber Sepp Bieri und dem FCL. Wenn ich auch nach so vielen Jahren wieder in irgendeiner Form Hilfe leisten kann, dann tue ich das gerne». Er erinnert auch daran, dass sich Alpstaeg nicht an seine Beteuerungen der Zurückhaltung von 2021 gehalten habe und an den von ihm erst im Januar offengelegten Plan, dass der Erhalt der Mehrheit von Anfang an das Ziel war.

Das Vorbild ist der FC St.Gallen

Josef Bieri ist mit der Aktionariatsverbreiterung dem Ziel eines in der Region breit abgestützten FCL einen Schritt näher gekommen. Ein «wichtiges Zeichen» sei dies, bekräftigt er. «Es zeigt, dass der Klub allen gehört, dass wir nicht abhängig sind von einzelnen Personen oder gar ausländischen Investoren.»

Von Letzteren habe er vier konkrete Kaufangebote auf dem Tisch liegen gehabt. Über 150 Gespräche führte Bieri in drei Jahren mit potenziellen Aktionären, Angesichts des Aktionärsstreits sei viel Überzeugungsarbeit und Vertrauen nötig gewesen. Auch die Ausschreitungen im Umfeld der Fussballspiele wie letzten Samstag nach dem Spiel gegen St. Gallen seien ein Thema. Bieri: «Ich verstehe jeden, der das nicht versteht. Doch als Klub alleine sind wir gegen solche Machenschaften machtlos.»

Den über 170 Angestellten des Klubs gebe das neue Aktionariat «Sicherheit. Und es ist ein Signal: Der Klub entwickelt sich auch in schwierigen Zeiten.» Auch im Aktionariat soll es vorwärts gehen: Weitere 15 Persönlichkeiten könnten «in 12 bis 18 Monaten» folgen, sagt Bieri, der das «St. Galler Modell» anstrebt: Zahlreiche regionale Aktionäre tragen den Klub, es gibt keinen Mehrheitsaktionär und keine Einmischung in die operative Arbeit des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung.

Die neuen Aktionäre bedeuten für Bieri auch eine finanzielle Entlastung: Sie werden allfällige Defizite anteilsmässig decken. Mit Geld von Alpstaeg rechnet Bieri nicht. Aber: «Wir wollen eh weg vom strukturellen Defizit – unser Weg stimmt.» (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball
1 / 51
Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball
Saison 2022/23: Der FC Basel gewinnt das Rückspiel in Nizza 2:1 nach Verlängerung und steht erstmals im Conference-League-Halbfinal. Dort scheitert er gegen die Fiorentina, die kurz vor dem Penaltyschiessen des Rückspiels das entscheidende Tor schiesst.
quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Alain Berset sieht viel besser aus als ich» – FIFA-Boss Infantino erzählt Anekdote
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
10 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Zebraa
24.05.2023 07:05registriert November 2016
Das ist ein grosser, wichtiger Schritt in die richtige Richtung! Ein breit abgestürzter Verein macht definitiv mehr Sinn, verringert Risiken, vermehr Wertschöpfung, Glaubhaftigkeit, Reputation gegen aussen!
Gratulation- good job! 🔵⚪️🤟🏼
283
Melden
Zum Kommentar
10
7 Mal, als ein bisschen Stoff für ganz viele Diskussionen sorgte
Für die neue Olympia-Kleidung der US-Leichtathletinnen muss Hersteller Nike viel Kritik einstecken. Es ist nicht das erste Mal, dass der Bekleidungsstoff von Athleten – oder meistens Athletinnen – für Diskussionsstoff sorgt.

Im Rahmen des Nike Air Innovation Summit stellte der Kleiderhersteller auf einem Pariser Laufsteg die Kollektion für die Olympischen Sommerspiele vor. Für grossen Diskussionsstoff sorgte eine Variante des Sprint-Dresses der US-amerikanischen Frauen. Kritikpunkt: die tief ausgeschnittene Intimzone, die eher an einen Badeanzug à la «Baywatch» erinnert als an Funktionskleidung.

Zur Story