Unter Fussballfans ist es verpönt, Spiele von nationalen Wettbewerben im Ausland durchzuführen. Dass die italienischen und spanischen Supercup-Finals seit einigen Jahren in Saudi-Arabien durchgeführt werden, sorgt so immer wieder für Kritik. Ligaspiele dürfen aufgrund einer FIFA-Regel bisher hingegen noch nicht ausserhalb des eigenen Landes durchgeführt werden.
Das soll sich jedoch ändern, wie der Fussball-Weltverband bestätigte. So könnten in Zukunft nicht mehr nur Spiele des relativ unbedeutenden Supercups ausserhalb der Landesgrenzen stattfinden. Unter anderem die Premier League scheint sich damit zu beschäftigen – oder zumindest einige der Klubs im englischen Oberhaus.
In einem Interview mit der «Financial Times» sagte Tom Werner, Vorsitzender des FC Liverpool, dass er entschlossen sei, «eines Tages Spiele der Premier League in New York auszutragen». Doch nicht nur das: «Ich habe diese verrückte Idee, dass irgendwann Spiele in Tokio, Los Angeles, Rio de Janeiro und Riad stattfinden. Und das alles an einem Tag.» Die Partien würden dann zeitversetzt angepfiffen, wodurch Fans des englischen Fussballs den ganzen Tag unterhalten würden.
Dass die Idee von einem US-Amerikaner stammt, scheint kein Zufall zu sein. Ist es in der NFL doch schon längst Realität, dass Spiele rund um die Welt stattfinden. So kommen Fans in London und in Deutschland jährlich in den Genuss von Partien der American-Football-Liga, in der nächsten Saison wird erstmals ein Spiel in Brasilien ausgetragen. An den Sonntagen mit internationalen Spielen können die US-Amerikaner ebenfalls von morgens bis abends pausenlos ihrem liebsten Sport frönen.
In Europa dürfte das jedoch weniger gut ankommen. Hier ist die Verbundenheit der Klubs zu ihren Städten und Regionen deutlich grösser als in den USA, wo Umzüge von Teams keine Seltenheit sind. Um den Aufschrei etwas zu reduzieren, wolle Werner die Fans deshalb mit günstigen Reisemöglichkeiten und Unterkünften an den Spielorten besänftigen.
Im Ausland dürfte das Interesse an solchen Spielen hingegen riesig sein. So werden die Testspiele während der Saisonvorbereitung in Nordamerika regelmässig sehr gut besucht. Im letzten Jahr duellierten sich Manchester United und Arsenal beispielsweise vor über 82'000 Zuschauerinnen und Zuschauern im MetLife Stadium in New Jersey.
Solche Pläne sind in der Premier League nichts Neues. So schlug die Liga gemäss «Guardian» bereits vor 16 Jahren einen 39. Spieltag ausserhalb Englands vor, doch lehnte die FIFA den Vorschlag aufgrund der Regularien damals noch ab. Nun könnte es einen erneuten Anlauf geben. Auch die spanische La Liga plant angeblich, gewisse Spiele ab 2025 in anderen Ländern auszutragen.
Es gibt jedoch selbst auf der Ebene der Verantwortlichen Gegenstimmen. So sagte beispielsweise John W. Henry, Haupteigentümer des FC Liverpool, über die Idee seines Kollegen im gleichen Interview mit der «Financial Times»: «Ich befürworte Spiele im Ausland nicht und habe auch kein sonderliches Interesse daran.»
Aufgrund der Entwicklung des Fussballs in den letzten Jahren scheint es aber fast unvermeidlich zu sein, sollte die FIFA das Verbot von Ligaspielen ausserhalb der Landesgrenzen tatsächlich aufheben. Zumal auch Klubs wie Chelsea oder Arsenal in US-amerikanischer Hand sind und sich wohl auch die saudischen Investoren von Newcastle oder die Besitzer von Manchester City aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht gegen Partien in ihrer Heimat wehren würden.
Item, ich bin dagegen. Die Nordamerikanischen Ligen sollen ihre Spiele in Nordamerika abhalten, die Bundesliga spielt in Deutschland und die PL in England (und teilweise Wales). Und wer einen Wanderzirkus sehen will, soll zu den Harlem Globetrotters.