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Fussball: Juventus Turin im Visier der Ermittler – das steckt dahinter

Juventus players react after Chelsea's Callum Hudson-Odoi scores his side's third goal during the Champions League group H soccer match between Chelsea and Juventus at Stamford Bridge stadiu ...
Bei Juve läuft derzeit sowohl auf als auch neben dem Platz nicht viel rund.Bild: keystone

«Würden einen Zwangsabstieg fordern» – das steckt hinter den Ermittlungen um Juventus

30.11.2021, 14:4330.11.2021, 16:28
Dario Bulleri
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Seit Tagen sorgt Juventus Turin in Italien für negative Schlagzeilen. Einerseits läuft es dem einstigen Serienmeister sportlich alles andere als rund, andererseits gibt's auch neben dem Platz derzeit Probleme.

So laufen gegen Juve derzeit Untersuchungen, die Vereinsbosse mussten zu einer Befragung antraben. Doch um was geht es hierbei genau? Und was riskiert Juve wegen dieser Ermittlungen? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was genau wird ermittelt?

Juve wird vorgeworfen, in den letzten Jahren immer wieder falsche Zahlen bei Transfers angegeben zu haben, um die Bilanz aufzupolieren. Vor allem Tauschgeschäfte werden nun genauer untersucht.

Juventus' president Andrea Agnelli, right, and his Vice President Pavel Nedved attend a Serie A soccer match between Juventus and Roma, at the Allianz stadium in Turin, Italy, Saturday, Aug.1, 20 ...
Vizepräsident Pavel Nedved (links) und Präsident Andrea Agnelli (rechts) wurden beide schon befragt.Bild: keystone

Prominentestes Beispiel ist ein Tausch-Deal mit dem FC Barcelona, als man den Brasilianer Arthur im Tausch für Miralem Pjanic verpflichtete und Barça zusätzlich 20 Millionen Euro überwies. Dabei wurde bei Pjanic ein Wert von 60 Millionen zugeschrieben, was bedeutete, dass Juve vier Jahre nach der Verpflichtung des Bosniers einen Gewinn von fast 30 Millionen machen konnte.

Solche Gewinne haben einen grossen Einfluss auf den Wert des Vereins und somit auch auf das Financial Fairplay. Wie die Nachrichtenagentur «ANSA» schreibt, soll Juve dadurch 282 Millionen mehr Gewinn in die Bilanz genommen haben, als man tatsächlich erwirtschaftet hat.

Welche Transfers sind betroffen?

Insgesamt werden 42 Spielertransfers von Juventus genauer unter die Lupe genommen. Grosse Namen sind nur wenige darunter – neben dem Arthur-Deal wird von den heutigen Spielern der ersten Mannschaft nur noch der Tausch mit Manchester City zwischen Danilo und Joao Cancelo untersucht.

epa09608961 Joao Cancelo of Manchester City in action during the English Premier League soccer match between Manchester City and West Ham United in Manchester, Britain, 28 November 2021. EPA/TIM KEETO ...
Juve gab an, Joao Cancelo für einen Gesamtwert von 65 Millionen verkauft zu haben. Bild: keystone

Vielmehr geht es um weitgehend unbekannte Spieler, welchen bei Tauschgeschäften ein überraschend hoher Wert zugeschrieben wurde. So tauschten etwa Juve und ManCity im Sommer 2020 die beiden Talente Pablo Moreno und Felix Correia und gaben beiden einen Wert von zehn Millionen, obwohl die beiden damals 18- und 19-jährigen Spieler davor nur für die Reservemannschaften gespielt hatten.

Die zehn teuersten Verkäufe, die untersucht werden
1. Joao Cancelo für 65 Millionen für Danilo plus 28 Millionen zu Manchester City
2. Miralem Pjanic für 60 Millionen plus 20 Millionen für Arthur zum FC Barcelona
3. Emil Audero für 20 Millionen zu Sampdoria
4. Manolo Portanova für 10 Millionen und Elia Petrelli für 6 Millionen für Nicolo Rovella zu Genua
5. Pablo Moreno für 10 Millionen für Felix Correia zu Manchester City
6. Franco Tongya für 8 Millionen für Marley Aké zu Marseille
7. Matheus Pereira für 7,9 Millionen plus 300'000 Euro für Alejandro Marques zum FC Barcelona
8. Leonardo Mancuso für 4,5 Millionen zu Empoli
9. Kaly Sène für 4 Millionen für Albian Hajdari plus 380'000 Euro zum FC Basel
10. Erasmo Mulé für 3,5 Millionen zu Sampdoria

Zu den untersuchten Tauschgeschäften gehören zudem zwei mit Schweizer Teams. Einerseits der Deal mit dem FC Basel, als man Kaly Sène (heute bei GC) und Albian Hajdari einen Wert von etwa vier Millionen Euro zuschrieb, andererseits der Deal mit Lugano, bei welchem Kévin Monzialo und Christopher Lungoyi je zweieinhalb Millionen gekostet haben sollen.

Zuerich's Fidan Aliti and Lugano's player Kevin Monzialo, right, during the Super League soccer match FC Lugano against FC Zuerich, at the Cornaredo stadium in Lugano, Sunday, December 13, 2 ...
Mit einem offiziellen Wert von 2,5 Millionen ist Kévin Monzialo auf dem Papier der momentan teuerste Lugano-Neuzugang aller Zeiten.Bild: keystone

Was hat Ronaldo damit zu tun?

In Italien taucht derzeit rund um die Ermittlungen auch immer wieder der Name Cristiano Ronaldo auf. So soll die Finanzpolizei den Auftrag gegeben haben, die Verträge des ehemaligen Juventus-Spielers ebenfalls genauer unter die Lupe zu nehmen. Warum genau, ist derzeit unklar – gegen Ronaldo selbst wird allerdings nicht ermittelt.

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Auch der Vertrag von Cristiano Ronaldo wird untersucht – dem Superstar drohen aber wohl keine Konsequenzen.Bild: keystone

Welche Strafen drohen?

In Italien macht derzeit eine Aussage von Marco Donzelli die Runde. Donzelli ist Präsident des CODACONS, also der italienischen Verbraucherschutzorganisation. Dieser drohte Juventus in einem offiziellen Statement mit heftigen Konsequenzen.

Sollte sich Juventus auf unrechte Art einen Vorteil verschafft haben, müsse der Verband eingreifen und die Verantwortlichen bestrafen, so Donzelli, «deshalb würden wir beim Kartellamt und bei der Bundesanwaltschaft eine Beschwerde einreichen und fordern, dass Juve in die Serie B absteigen muss und die letzten Titel aberkannt werden.»

Ob der CODACONS damit durchkommen würde, darf allerdings angezweifelt werden. «Sky Sport» sieht vielmehr einen Verstoss gegen Artikel 31 des Reglements beim italienischen Verbandes, der sich auf irreführende und verheimlichte Informationen, auch im wirtschaftlichen Bereich, bezieht. Sollte sich ein solcher Verdacht bestätigen, würde Juve wohl mit einer saftigen Busse davonkommen. Ein Ausschluss ist laut Artikel 31 nur dann möglich, wenn die verheimlichten Informationen nötig gewesen wären, damit Juve in der Serie A teilnehmen durfte. Da dies nicht der Fall ist, wird es kaum so weit kommen.

Juventus team poses prior to the Serie A soccer match between Juventus and Atalanta, at the Allianz stadium in Turin, Italy, Saturday, Nov. 27, 2021. (Fabio Ferrari/LaPresse via AP)
Juve droht wohl kaum ein erneuter Zwangsabstieg in die Serie B.Bild: keystone

Wie realistisch ist eine Strafe?

Anwalt Cesare Di Cintio sagte gegenüber «tuttosport», er halte es für unrealistisch, dass Juventus tatsächlich bestraft wird. «Es ist extrem kompliziert, festzustellen, ob ein solcher Gewinn real ist oder nicht», so Di Cintio. «Il Post» erklärte die Schwierigkeit darin, dass es kompliziert sei, einem Fussballprofi einen Preis zuzuordnen, da die Spieler keinen logisch ableitbaren Wert haben. Folglich kann man nicht pauschal sagen, ein Spieler sei zu hoch gewertet worden.

Was sagt Juventus dazu?

Mittlerweile haben sich die «Bianconeri» in einem Statement zu den Untersuchungen geäussert. Dabei weist Juve jegliche Anschuldigungen, man habe betrogen, von sich.

«Juventus arbeitet derzeit pflichtgemäss mit den Ermittlern zusammen und will jegliche wichtigen Aspekte klären. Gleichzeitig betont Juventus, im Rahmen der Vorschriften und Normen gehandelt zu haben.»

Am Montag äusserte sich zudem auch Juve-Trainer Massimiliano Allegri zum Thema. Auf die Frage, wie man in der Mannschaft damit umgehe, antwortete er:

«Wir isolieren uns nicht, wir gehören natürlich zum Verein. Am Samstag hat der Präsident mit der Mannschaft gesprochen und heute Morgen mit allen Angestellten, auch mit mir. Er hat uns beruhigt und aufgeheitert.»
Juventus' coach Massimiliano Allegri during the Serie A soccer match between Juventus Fc vs ACF Fiorentina at Allianz Stadium in Torino, Italy, Saturday Nov. 6, 2021. (Fabio Ferrari/LaPresse via  ...
Auch an Juve-Trainer Massimiliano Allegri gehen die Vorfälle nicht vorbei.Bild: keystone

Gibt es vergleichbare Fälle?

Vor einigen Jahren kam es in Italien tatsächlich schon zu einem ähnlichen Fall, wenn auch bei weitem nicht in dem Ausmass wie nun bei Juventus. So sollen zwischen 2015 und 2017 Chievo Verona und Cesena bei einigen Transfers untereinander falsche Gewinne angegeben haben.

Diese Transaktionen flogen auf, die Bundesanwaltschaft forderte 15 Punkte Abzug für Chievo. Am Ende entschied das Bundesberufungsgericht auf einen Abzug von drei Punkten. Bei Cesena erübrigte sich eine Strafe, da der Verein 2018 Konkurs ging.

Chievo Verona wurden während der Saison 2018/19 drei Punkte abgezogen.
Chievo Verona wurden während der Saison 2018/19 drei Punkte abgezogen.Bild: IMAGO / AFLOSPORT

2008 gab es zudem Ermittlungen gegen Inter und Milan, in deren Bilanzen es 2004 ebenfalls verdächtige Zahlen gegeben hatte. Die beiden Mailänder Grossklubs blieben allerdings unbestraft, da nicht bewiesen werden konnte, dass die Verantwortlichen die Zahlen absichtlich manipuliert hatten.

Welche Teams sind sonst noch betroffen?

Juventus Turin ist derweil nicht das einzige Team, gegen welches derzeit ermittelt wird. So sind momentan auch weitere fünf Teams aus der Serie A betroffen: Genua, Sampdoria, Atalanta, Rom und Neapel.

Dabei schlägt vor allem auch der Fall Napoli relativ hohe Wellen: Wie die «Repubblica» schreibt, sollen die Süditaliener bei ihrem Rekordtransfer von Victor Osimhen ebenfalls auffällige Zahlen angegeben haben.

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Auch beim Transfer von Napoli-Rekordmann Victor Osimhen ist womöglich nicht alles mit rechten Dingen zu und her gegangen.Bild: keystone

So sollen 20 der 71 Millionen Ablösesumme durch vier Spieler bezahlt worden sein, welche diesen Preis eigentlich nicht rechtfertigen: den dritten Goalie Orestis Karnezis sowie die drei Jungen Claudio Manzi, Ciro Palmieri und Luigi Liguori, welche heute mittlerweile alle wieder in der Serie C und Serie D spielen.

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quelle: ap/ansa / alessandro di marco
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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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En Espresso bitte
30.11.2021 14:49registriert Januar 2019
Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass Agnelli je irgendwie bescheissen würde 🙃
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Boston5
30.11.2021 15:28registriert Juli 2015
Ja und PSG Ihre Scheiche können bezahlen was sie wollen, obwohl diese Summen diese Spieler auch nicht rechtfertigen...
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Connor McJesus
30.11.2021 16:22registriert November 2015
Lustig, ich hatte im letzten Jahr eine Accounting Vorlesung an der UZH, wo genau dieses Transfergeschäft (Melo & Pjanic) als Beispiel verwendet wurde, um zu zeigen, wie Fussballvereine gewisse Kennzahlen durch Accounting Finessen aufpolieren. Verkauf bringt sofort hohe Einnahmen (Transfer geschah übrigens am letzten Tag des Geschäftsjahres für Fussballvereine), Neuverpflichteter Spieler wird über mehrere Jahre "abgeschrieben" und die Summe somit pro Jahr verkleinert.
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