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Israel-Ausschluss, Frauen-WM und VAR light – das lief am FIFA-Kongress

Israel-Ausschluss, Frauen-WM und VAR light – das lief am FIFA-Kongress

Am 74. FIFA-Kongress in Bangkok wurde nicht nur der Wegzug des Fussball-Weltverbands aus Zürich ermöglicht, sondern auch die nächste Frauen-WM vergeben und über Israel diskutiert.
17.05.2024, 10:5817.05.2024, 12:24
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Keine Abstimmung über Ausschluss Israels

Der FIFA-Kongress hat am Freitag nicht über einen Ausschluss des israelischen Verbandes abgestimmt. Der Weltverband liess einen entsprechenden Antrag des palästinensischen Verbandes auf eine Abstimmung durch die Versammlung der 211 Mitgliedsverbände nicht zu.

Vorausgegangen waren im Konferenz-Center in Bangkok emotionale Wortbeiträge beider Seiten zum Gaza-Krieg. FIFA-Präsident Gianni Infantino kündigte die Beauftragung eines Gutachtens von unabhängigen Rechtsberatern sowie eine ausserordentliche Sitzung des FIFA-Councils vor dem 20. Juli an.

«Das Council hat wiederholt, dass der Fussball niemals die Geisel der Politik werden darf», sagte Infantino. «Eine Kraft, die die Menschen vereint.» Der Walliser betonte, dass der Antrag des palästinensischen Verbandes in die Kompetenz des Councils falle. «Während der Council-Sitzung am Mittwoch haben alle Ratsmitglieder beschlossen, die Gewalttaten zu verurteilen», erklärte Infantino.

Frauen-WM 2027 findet in Brasilien statt

Die nächste Frauen-WM findet 2027 in Brasilien statt. Die brasilianische Bewerbung setzte sich gegen die gemeinsame Kandidatur von Deutschland, Belgien und den Niederlanden durch.

Der Entscheid über die Vergabe fiel am FIFA-Kongress in Bangkok mit 119:78 Stimmen zugunsten von Brasilien und gegen das Dreiländer-Bündnis aus. Die USA und Mexiko hatten ihre Bewerbung im Vorfeld zurückgezogen und einen neuen Anlauf für 2031 angekündigt.

Damit findet die 8. Frauen-WM erstmals in Südamerika statt.

VAR light

Während die englische Premier League Anfang Juni über eine mögliche Abschaffung des Video-Schiedsrichters (Video Assistant Referee – VAR) abstimmt, arbeitet die FIFA daran, das System weiterzuverbreiten. Schiedsrichterchef Pierluigi Collina stellte in Bangkok den VAR light – die FIFA nennt es «Football Video Support» – vor, der auch in tieferen Ligen und Stufen zum Einsatz kommen könnte.

Es geht dabei darum, eine Video-Überprüfung auch zu ermöglichen, wenn nur wenige Kameras und kein VAR-Raum zur Verfügung stehen. Das funktioniert folgendermassen: Beim Verdacht auf einen klaren Fehlentscheid können die Trainer der jeweiligen Mannschaft eine Überprüfung verlangen. Der Unparteiische kann sich dann die Szene auf einem Monitor am Spielfeldrand, der von einem entsprechenden Techniker bedient wird, noch einmal anschauen. Pro Spiel haben die Trainer zwei solcher Challenges zur Verfügung.

Anfang Mai kam das System am Blue Stars / FIFA Youth Cup in Zürich zu einem ersten Testeinsatz, mit Erfolg, wie der Weltverband mitteilt. Weitere Tests sollen in naher Zukunft folgen.

Gigantische Junioren-WM

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat an der Jahresversammlung in Bangkok zudem seinen nächsten grossen Wurf angetönt: Der Walliser träumt von einer U15-WM, an der jeder einzelne der 211 nationalen Verbände teilnehmen kann. «Ist es schwierig, ist es kompliziert, ist es teuer?», fragte Infantino. «Ja, aber es lohnt sich, darüber zu diskutieren. Lasst uns darüber nachdenken.»

Gleichzeitig bestätigte der FIFA-Präsident, dass das Feld der U17- und U20-WM auf 24 Teilnehmer vergrössert wird und die U17-WM künftig jährlich stattfindet. Auch eine mögliche Legenden-Weltmeisterschaft mit zurückgetretenen Starspielern schloss Infantino nicht aus.

Kampf gegen Rassismus

Die FIFA hat in Bangkok zudem einen neuen Aktionsplan im Kampf gegen Rassismus im Fussball vorgestellt. Der Weltverband will, nach Diskussionen und Umfragen mit den Spielern, in fünf Schritten gegen Diskriminierung und Rassismus vorgehen:

  • Im FIFA-Disziplinen-Kodex wird Rassismus neu als spezifisches Vergehen deklariert, das sich von anderen Vergehen unterscheidet. Das ermöglicht es, für Rassismus-Vorfälle schwere Sanktionen wie Forfait-Niederlagen auszusprechen.
  • Auf dem Platz soll eine spezifische Geste den Spielern helfen, den Schiedsrichtern zu kommunizieren, wenn rassistische Beleidigungen vorfallen. Die Schiedsrichter können das Spiel dann in einem 3-Schritte-Programm pausieren, unterbrechen oder abbrechen.
  • Die FIFA will sich dafür einsetzen, dass Rassismus in jedem Land als Straftat gilt und bei Verstössen entsprechende Strafen ausgesprochen werden.
  • Die FIFA setzt weiterhin auf Ausbildung und Dialog, und klärt mit Initiativen an Schulen und in Regierungen über Rassismus auf.
  • Der Weltverband bildet ein neues Anti-Rassismus-Panel, dem frühere Spieler angehören. Dieses agiert beratend und begleitet die Umsetzung der vorherigen vier Schritte auf der ganzen Welt.

Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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der/die Waldpropaganda
17.05.2024 11:37registriert September 2018
Diese Giga-WM der Junioren wird doch nur ein Probleauf, um die normale WM auch auf alle Länder auzustocken 🤑🤑
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Lessnair
17.05.2024 12:25registriert Juli 2019
Yesss, Gianni quetscht die Zitrone samt Kernen und Schale bis zum Maximum aus.
Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Und dann? Tjaaaaaa...
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