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Hoeness verteidigt im «Doppelpass» Katar – und muss Kritik einstecken

Uli Hoeness schaltet sich telefonisch in die TV-Diskussion ein.
Uli Hoeness schaltet sich telefonisch in die TV-Diskussion ein.bild: screenshot sport 1

Hoeness ruft im «Doppelpass» an, um Katar zu verteidigen – und muss Kritik einstecken

26.09.2022, 06:4926.09.2022, 17:06
Carla Hermel / watson.de
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Schon seit Monaten wird von etlichen Fussballfans der Boykott der WM in Katar gefordert, da Menschenrechtsorganisationen zufolge tausende Arbeiter allein beim Bau der Stadien zu Tode kamen. Auch der FC Bayern München, der Qatar Airways als Sponsor auf dem Trikot trägt, ist daher grösserer Kritik ausgesetzt.

Uli Hoeness war nun wieder einmal per Telefon im Sport1 Stahlwerk Doppelpass zugeschaltet. Dort tätigte der einstige Manager und Präsident, heute Mitglied im Aufsichtsrat, Aussagen zur WM 2022 in Katar und der Menschenrechtslage vor Ort, die einen riesigen Shitstorm auslösten.

Uli Hoeness sieht Verbesserung durch WM und Bayern

Als Ex-DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig über die Lage in Katar sprach, rief plötzlich Uli Hoeness im Studio an. Aufgebracht nahm er das Land dabei in Schutz und versuchte, jegliche Kritik zu beseitigen – überwiegend ohne Erfolg.

So bezeichnete er Rettig als «König der Scheinheiligen», da dieser Katar kritisiere und dennoch höchstwahrscheinlich mit katarischem Öl im Winter heizen müsse. Ausserdem verwies er darauf, wie kooperativ Katar dabei gewesen sei, Menschen aus Afghanistan nach der Übernahme der Taliban auszufliegen.

Hoeness war in Katar und hat nichts gesehen

Darüber hinaus würden sich die Arbeitsbedingungen durch die WM und auch das Engagement des FC Bayern nur noch weiter verbessern, behauptete der Ehrenpräsident: «Die WM, und auch das Engagement des FC Bayern, werden dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter dort besser werden und nicht schlechter.»

Eine Aussage, die so manche fassungslos zurückliess. Rettig bezeichnete Hoeness daraufhin als «Botschafter von Katar», der deren Propaganda der Besserung weitergebe. Tausende Arbeiter seien gestorben, weshalb Hoeness eventuell seine Quellen breiter aufstellen sollte. Der Ex-Bayern-Boss entgegnete anschliessend, er sei schon vor Ort gewesen, wodurch er es besser wissen müsse. Stefan Effenberg stimmte dem zu.

Shitstorm nach Verteidigen der WM 2022

Auf Twitter brachen währenddessen alle Dämme und «Dopa» und «Hoeness» trendeten. Unter anderem wurde Hoeness dabei «Schwurbler-Argumentation» vorgeworfen, da er als ehemaliger Fussballer und Millionär nur geschützte Räume in Katar zu sehen bekommen habe. Ausserdem brauche man nicht selbst vor Ort gewesen zu sein, um Menschenrechtsverletzungen verurteilen zu können, hiess es etliche Male.

Förmlich geächtet wurde Hoeness allerdings auch aufgrund seines Whataboutisms, einer Argumentationsstrategie durch Gegenfragen und Ablenkung durch das Ansprechen anderer Problematiken. Der ehemalige Bayern-Boss hatte zuvor versucht, von der Problematik in Katar abzulenken, indem er beispielsweise auf Saudi-Arabien zu sprechen kam.

Manche wiesen auch noch einmal daraufhin, wie menschenverachtend der Münchner Ehrenpräsident den verstorbenen Arbeitern und deren Familien ihr Leid abspreche.

Dafür, dass er den FC Bayern als seinen Geldgeber immer verteidige, steckte Hoeness dabei kaum noch an Kritik ein – anders als Stefan Effenberg. Der Sport1-Experte wurde aufgrund seines Zustimmens bei Hoeness' Aussagen scharf kritisiert und mehrfach als «Bayern-Botschafter» bezeichnet.

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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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demian
26.09.2022 07:19registriert November 2016
Natürlich muss der Uli seine Geldgeber aus Katar in Schutz nehmen. Schliesslich steht bald die Vertragsverlängerung mit Qatar Airways an. Kahn umd Hainer erzählen ja ähnlichen Mist über Katar.
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Fuchs76
26.09.2022 07:10registriert September 2021
Das wussten schon die Toten Hosen.... warum sollte es heute anders sein?
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Tarnflocke
26.09.2022 08:33registriert September 2022
Die Aussage das die WM und Bayern Katar Helfen... Das ist Der Beste Witz des Jahres. Es sterben ja keine Menschen aus dem Umfeld von Bayern,und das Herr Hoeness nichts gehesen hat bei seinem Besuch ist ja klar. Gehe nicht davon aus das sie Herr Hoeness gezeigt haben wie Menschen schlecht behandelt werden.
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