Nur wenige Tage nach dem Einschreiten der FIFA bei einer Marokko-Pressekonferenz (t-online berichtete) hat der Fussballverband wieder auf sich aufmerksam gemacht – dieses Mal bei einer PK mit dem sambischen Nationaltrainer.
Auf der Pre-Match-Pressekonferenz des sambischen Teams, bei der neben Kapitänin Barbra Banda eben auch Coach Bruce Mwape teilnahm, wurde dieser von einer spanischen Journalistin auf die Vorwürfe der sexuellen Belästigung angesprochen.
Hintergrund: Der britische Guardian hatte bereits im Vorfeld der WM von einer Untersuchung des sambischen Fussballverbands aufgrund sexuellen Fehlverhaltens des Trainers berichtet. Auch der Weltverband Fifa wisse Bescheid. Mwape soll im Umgang mit seinen Athletinnen wiederholt seine Machtposition ausgenutzt haben. Kommentierenwollte er diese bereits nach Ankunft in Neuseeland, wo Sambia seine WM-Gruppenspiele absolviert, nicht.
Und auch der spanischen Journalistin musste er auf der PK in Auckland keine Antwort geben. Aufgrund von Übersetzungsproblemen musste sie ihre Frage an den Trainer zweimal stellen, doch ehe er antworten hätte können, schritt, wie schon bei der Marokko-PK, die FIFA ein.
«Ich bitte Sie, ihre Fragen nur auf den Fussball und das Turnier zu beschränken. Wir machen mit der nächsten Frage weiter», so die FIFA-Sprecherin. Sowohl Mwape als auch Spielerin Banda beobachteten das Prozedere quasi regungslos, ehe es mit einer anderen Frage an den Trainer weiterging. Auch eine weitere Nachfrage zu dem Thema gegen Ende der PK wurde abgeblockt.
Die Vorwürfe gegen den 63-Jährigen sind schwer. Im englischen Guardian wird eine Spielerin, die nicht näher genannt werden will, wie folgt zitiert: «Wenn er mit jemandem schlafen will, muss man ja sagen. Es ist normal, dass der Trainer mit den Spielern unserer Mannschaft schläft.»
Der Generalsekretär des sambischen Verbands FAZ, Adrian Kashala, hatte in einem Statement Anfang Juli angekündigt, Untersuchungen einzuleiten. «Obwohl wir keine offiziellen Beschwerden von irgendjemandem zu den Vorwürfen haben, betrachten wir diese Anschuldigungen als sehr ernst», so Kashala. Man wolle mit dem sambischen Polizeidienst und anderen relevanten Akteuren zusammenarbeiten, um «diese Angelegenheit» zu klären. Eine offizielle Anzeige einer Spielerin liegt bislang nicht vor.
Am Montagabend (19.30 Uhr Ortszeit in Auckland) trifft das sambische Team im zweiten Gruppenspiel auf Spanien. Eine Niederlage gegen die favorisierten Europäer würde das fast schon sichere Aus bedeuten, nachdem man zum Auftakt mit 0:5 gegen Japan untergegangen war. Vor der WM hatte die sambische Mannschaft in Deutschland für Aufsehen gesorgt, als man die DFB-Elf in dessen letzten Vorbereitungsspiel in Fürth mit 3:2 besiegt hatte.
Schade, hat die FIFA so viel Macht über den Fussball, dass es wohl unmöglich sein wird, einen alternativen Verband zu gründen, der stark genug wäre, der FIFA das Wasser abzugraben.