Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Spieler der Schweizer U17 Nationalmannschaft posiert vor dem Halbfinale des U17 Fussball Europameisterschaftsspiels Schweiz gegen Niederlande am Freitag, 15. Mai 2009, im Stadion der Freundschaft in Grimma, Deutschland. Hintere Reihe von links: Benjamin Siegrist, Haris Seferovic, Nassim Ben Khalifa, Oliver Buff, Kofi Nimeley, Janick Kamber. Vordere Reihe von links: Frederic Veseli, Charyl Chappuis, Roman Buess, Andre Goncalves, Granit Xhaka. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Die U17-Nati mit Nimeley (6) und Xhaka (11). Bild: KEYSTONE

Interview

Die zwei U17-Weltmeister Xhaka und Nimeley über ihren gegensätzlichen Werdegang

Heute vor zehn Jahren wurde die Schweizer U17 Fussballweltmeister in Nigeria. Granit Xhaka und Kofi Nimeley waren mit dabei. Seither hat sich das Leben der beiden Kindheitsfreunde in komplett konträre Richtungen entwickelt. Ein Gespräch über Schicksalsschläge, Schlüsselmomente und eine noch immer währende Freundschaft.

Céline Feller / ch media



Turnschuhe, Trainerhosen, Pullover. Elegante Schuhe, Anzugshose, Hemd. Granit Xhaka und Kofi Nimeley könnten nicht unterschiedlicher gekleidet zum Interview erscheinen. Der eine vom Nati-Training, der andere vom Immobilien-Büro. Der eine noch ungeduscht, der andere perfekt gestylt. Es ist nicht nur in diesem Moment so, dass die Gegensätze im Leben von Granit Xhaka und Kofi Nimeley immens sind. Und das, obwohl die beiden Freunde einst so viel verband. Gemeinsam sind die beiden Basler aufgewachsen, gingen zusammen zur Schule.

Seit sie fünf oder sechs Jahre alt sind, sind sie befreundet. So genau wissen sie es nicht mehr. Aber sie wissen, dass diese Verbundenheit noch heute lebt. Sie hören sich sicher wöchentlich, sprechen von Wärme zwischen ihnen und Glück, sich zu kennen. Granit Xhaka und Kofi Nimeley hatten einst einen gemeinsamen Traum. Sie waren zwei Fussballspieler, die von der ganz grossen Karriere träumten. Entstanden sind daraus drei Karrieren, in deren Zentrum ein historisches Ereignis steht, welches sich heute auf den Tag genau zum zehnten Mal jährt: Der Weltmeistertitel der U17 um Granit Xhaka und Kofi Nimeley.

Granit Xhaka, Kofi Nimeley, Sie verbindet noch heute ein spezielle Freundschaft.
Granit Xhaka:
Ja, und das hat sehr viel mit Respekt zu tun. Nicht nur ihm gegenüber, sondern der ganzen Familie, seinem Vater und seiner Mutter.
Kofi Nimeley: Da kann ich mich ihm nur anschliessen. Der Bezug, den unsere Familien haben, ist schon nochmal ein anderer als bei anderen. Wenn meine Mutter etwas Schlechtes über Granit liest, geht es ihr so schlecht wie seiner Mutter. Und mein Vater – ein Tottenham-Fan – unterstützt Arsenal, wenn die Spurs gegen sie spielen. Weil Granit da ist. Das zeigt, was Granit für ein Mensch ist. Er ist geblieben wie man ihn von früher kennt. Das motiviert mich auch immer, mit so jemandem in Kontakt zu bleiben und mich mit ihm zu umgeben. Ich bin zwar nicht mehr in diesem Sinne im Fussball tätig, aber ich schaue dennoch zu ihm hoch.

Switzerland's midfielder Granit Xhaka, left, gives back the captain armband to Switzerland's defender Stephan Lichtsteiner, right, after the UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer match between Switzerland and Republic of Ireland, at the Stade de Geneve, in Geneva, Switzerland, Tuesday, October 15, 2019. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Granit Xhaka hat sich bis zum Vize-Captain der A-Nati hochgespielt. Bild: KEYSTONE

Kofi Nimeley ist seit knapp dreieinhalb Jahren nicht mehr Fussballer. Im Sommer 2016 entscheidet er sich, seine aktive Karriere zu beenden. Es ist das Ende eines Traumes, den er hegte, und für den er alles getan hat. Beim FC Basel wurde er an der Seite von Granit Xhaka gross. Erst war er in der Innenverteidigung und Xhaka eine Reihe vor ihm, später bildeten sie gemeinsam das Zentrum. Für Nimeley ist Xhaka noch heute der Spieler, dem er blind vertrauen würde. Für Xhaka ist Nimeley ein Leader und ein riesiger Teamplayer.

Bild

Die Karriere von Kofi Nimeley. screenshot: transfermarkt.ch

Dennoch ist es Xhaka, der den Schritt in die erste Mannschaft schafft. Nimeley hingegen kratzt immer nur daran. Als Xhaka 2012 zu Gladbach wechselt, lässt Nimeley sich ausleihen, absolviert eine Odyssee durch die Fussballschweiz. Bis er im Sommer 2016 merkt: Ich kann nicht mehr. Das war’s. Ich will aus diesem dreckigen Business raus. Am Tag, als er sich entscheidet, fährt er auf dem Weg nach Hause in die falsche Richtung. Und er traut sich kaum, es seiner Familie zusagen. Derweil startet Xhaka richtig durch: Er wechselt in die grosse Premier League zu Arsenal. Der eine im absoluten Hoch der Karriere, der andere am endgültigen Ende.

Wie haben Sie beide diesen Sommer erlebt?
Nimeley:
Als ich im Sommer 2016 meinen Entscheid fasste und gleichzeitig Granit zu Arsenal wechselte, da habe ich mich mehr als gefreut für ihn. Seit wir klein sind, reden wir alle von der Premier League und davon, dass wir irgendwann mal im Old Trafford auflaufen wollen (Xhaka lächelt und nickt). Dann hat man plötzlich einen in den eigenen Reihen, der das machen kann! Da kann man kaum eine Sekunde daran verschwenden, um an seine eigenen Probleme zu denken.

Granit, haben Sie mit Kofi mitgelitten, weil sein Traum da platzte?
Xhaka:
Jeder Fussballer will Fussballprofi werden. Ich habe mit Kofi aber sicher eine solche Beziehung, bei der es mir weh getan hat. Ich weiss, was er damals durchgemacht hat. Auch bei seiner Verletzung. Bei ihm war das Talent da, der Wille, die Mentalität. Aber ich sage es immer wieder, auch den jungen Talenten: Man braucht im Fussball auch Glück. Aber es freut mich einfach sehr, dass er seinen eigenen Weg gegangen ist. Es gibt ganz viele andere, ehemalige Spieler, die wissen nicht, wie und oft auch wovon sie leben sollen. Daher kann er sehr stolz auf sich sein, dass er seinen eigenen erfolgreichen Weg eingeschlagen hat.

Kafi Nimeley von Basel, Mitte, spielt den Ball gegen Araujo Atila Prado von St. Gallen waehrend dem Testspiel FC St. Gallen gegen FC Basel auf der Sportanlage Rueti in Henau. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Immerhin in einem Testspiel gegen St. Gallen durfte Nimeley für den FC Basel auflaufen. Bild: KEYSTONE

Granit Xhaka und Kofi Nimeley hatten in einem kurzen Zeitraum eine ähnliche Verletzung. Xhaka riss sich das Kreuzband an, Nimeley riss sich das Kreuzband komplett durch. Während man bei Xhaka sagt, er habe aus dieser Verletzung jene Kraft gezogen, die ihn heute so stark macht, war es bei Nimeley der Rückschlag, den er nie überwinden konnte. Xhaka blühte an der WM in Nigeria auf. Nimeley – im Mai 2009 noch Captain ebendieser U17 an der EM – wurde zum Edelreservisten.

Wieso hatten diese beiden Verletzungen einen solch unterschiedlichen Einfluss auf Sie beide?
Nimeley:
Es hat sicher die Unterschiede in unserem Mindset aufgezeigt. Ich war nie weniger zielstrebig als er. Aber er hat vielleicht noch ein, zwei Prozent mehr an sich geglaubt und das hat es ausgemacht. Er, dieser Hitzkopf, sagte damals bei der Verletzung: Ich hab doch nichts. Ich bin nicht verletzt und spiele nächste Woche wieder. Ich aber war verletzt und habe gewusst: Das Ding ist durch und fertig. Ich muss pausieren. Xhaka: Dieses Verhalten wurde mir ja immer als Arroganz ausgelegt. Aber ich hatte eben diese ein, zwei Prozent mehr, dank denen ich es geschafft habe. Und ihn hat es leider aus der Bahn geworfen …

Den Titel haben Sie dennoch zusammen errungen. Was hat dieser im Rückblick betrachtet gebracht? Granit, Sie sprachen davon, dass es ein Türöffner war.
Nimeley:
Ich denke, es hätte Einiges anders ausgehen können, wenn ich an dieser WM hätte durchspielen können wie an der EM. Denn auch trotz diesen wenigen Minuten, die ich gespielt habe, hat es etwas ausgelöst und Interesse geweckt oder verstärkt. Für Leute wie Granit war es nicht unbedingt ein «stepping stone». Er hätte den Sprung ohnehin geschafft. Die WM hat es vielleicht einfach etwas beschleunigt.

Gibt es einen speziellen, prägenden Moment, an die sie gerne zurückdenken?
(Beide prusten los vor Lachen)
Xhaka: Da muss Kofi antworten!
Nimeley: Granit und ich haben viel Unfug im Kopf gehabt, da muss ich ganz ehrlich sein. Aber immer in einem gesunden Rahmen. Wir haben einfach immer mal wieder gemacht, was verboten war. Nach 19 Uhr durfte man zum Beispiel nicht mehr schwimmen gehen. Meine erste Wette war dann: Wenn wir gegen Brasilien gewinnen, dann springen wir alle in den Pool. Und, ja….
Xhaka: … wir sind rein gesprungen. Und dann kam die Security ...
Nimeley: Aber einen prägenden, speziellen Moment heraus zu nehmen, ist schwierig. Es ist auch nicht das Stemmen des Pokals. Aber vielleicht das Feeling zu haben, dass wir Weltmeister sind.

Portrait von Granit Xhaka, Spieler der Schweizer U17-Fussball-Nationalmannschaft, aufgenommen am 04. Maerz 2009 in Birsfelden. (KEYSTONE/Alessandro Della Valle)

Lausbub Granit Xhaka im Jahr 2009. Bild: KEYSTONE

Begreift man das in dem Moment wirklich?
Nimeley:
Ich nicht, nein. Ich habe einfach begriffen, dass wir gewonnen haben. Ich habe es erst vor zwei Jahren ganz begriffen. Für jemanden wie Granit, der auch danach immer wieder Höhen und Erlebnisse hatte, ist es sicher nochmal etwas anderes. Bei ihm ging es immer weiter. Bei mir war die WM das Maximum, das Highlight meiner Karriere.

Granit, wann haben Sie begriffen, was da in Nigeria erreicht wurde?
Xhaka:
Mir ging es gleich wie Kofi. Ich brauchte auch lange, um es zu begreifen. Es ist etwas, mit dem wir Geschichte geschrieben haben. Das kann uns niemand mehr nehmen. Wir hatten einen unglaublichen Teamgeist in unserer Mannschaft. Das kann man nicht mit Worten beschreiben. Das hat in Magglingen in der Vorbereitung angefangen, ging über ins Brasilien-Spiel, als André Gonçalves zwei Mal auf der Linie klärte bis hin zum Final, als Benni Siegrist mit einer Gehirnerschütterung spielte. Es muss einfach alles passen und das tat es bei uns. Es gab nicht einmal ein Problem in all den Wochen. Auch nicht von Spielern, die gar nie spielten. Die Unterstützung war immer unglaublich. Das sieht man heute in keiner Mannschaft mehr. Das habe ich nie mehr erlebt. Mit einer Ausnahme.

Switzerland's Soccer players react after beating Nigeria, after their U17 World Cup Final soccer match in Abuja, Nigeria Sunday, Nov. 15, 2009. (AP Photo/Sunday Alamba)

Niemeley (2.v.l.) und Xhaka (rechts) jubeln über den U17-WM-Titel. Bild: AP

Welcher?
Xhaka:
Der A-Nati, die wir heute haben. Wir sind generationsmässig extrem nahe zusammen. Mit wenigen Ausnahmen sind wir alle zwischen 18 und 27. Wir 92er haben schon viel Erfahrung, die Jungen spielen oft schon im Ausland. Daher hatte und habe ich seit langem das Gefühl: Mit dieser Mannschaft kann man wirklich etwas erreichen.

Wie merkt man, dass alles stimmt an einem Turnier?
Nimeley:
Gute Frage. Es gibt eine Episode mit den Physios. Gerade Granit und ich haben uns jeweils nicht für die Massagen angemeldet und dann gemerkt, dass wir doch eine brauchen, als die schon Feierabend gehabt hätten. Meinen Sie, da hat je einer der Physios nein gesagt? Die haben bis 12 Uhr abends gearbeitet. Wenn der Physio schon so denkt, dann kannst du als Spieler einfach nur mitziehen. Da merkt man, dass es speziell ist.

Hier spielen die Schweizer U17-Weltmeister von 2009 heute:

Wie präsent ist dieser Titel im Alltag?
Nimeley:
Bei ihm wahrscheinlich weniger.
Xhaka: Nein, ganz ehrlich: Ich denke oft daran. Ich google auch oft zu diesem Thema. Auch gerade jetzt, wo wieder eine U17-WM läuft, kommen Erinnerungen hoch. Oder wenn man zu Hause ist, einen nicht so guten Tag hat oder es gerade schlecht läuft, dann schaut man sich die Medaille oder ein T-Shirt von damals an. Oder natürlich, wenn man Kontakt hat, wie wir zwei. Es ist einfach etwas, das immer viel Positives auslöst.

Die U17 holte an diesem 15. November 2009 als erstes und bislang einziges Fussballteam der Schweiz den Weltmeistertitel. Weil jedes einzelne Puzzleteilchen zusammenpasste. Und weil auch der eine, kritische Moment, überwunden werden konnte. Als die U17 sich damals in Magglingen auf die WM vorbereitet, debattiert die Schweiz gerade über die Minarett-Initiative. Ein Thema, das die 16-jährigen Jungs beschäftigt. Schliesslich vereint die 1992er-Weltmeister-Generation gleich 17 Nationen.

Alard du Bois Reymond, Direktor Bundesamt fuer Migration (BFM), und Kofi Nimeley, Profifussballer und U-17 Weltmeister, von rechts, unterhalten sich ueber eine gemeinsame Kampagne der Schweizerischen Fluechtlingshilfe (SFH) und des BFM zur Verbesserung des Images von Fluechtlingen zum Tag der Fluechtlinge vom kommenden 19. Juni am Donnerstag, 10. Juni 2010, in Bern. Ziel der Kampagne ist es, den Zugang der Fluechtlinge zu Berufsbildung und Arbeitsmarkt zu verbessern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Kofi Nimeley im Juni 2010 mit Alard du Bois Reymond, Direktor Bundesamt für Migration (BFM). Bild: KEYSTONE

Es gab Spieler mit afrikanischem Hintergrund, solche mit türkischen oder albanischen Wurzeln oder wieder andere, die nur Schweizer Vorfahren haben. Eine Konstellation, die Diskussionen auslöste, weil verschiedene religiöse Ansichten aufeinander prallten.

Hätte in diesem Moment, bei dieser Debatte im Team, alles kippen können?
Nimeley:
Hätte es, wenn die Mannschaft nicht so stark gewesen wäre. Wenn wir den Teamspirit nicht gehabt hätten, hätte es die Mannschaft zerstören können. Wir hatten Leute, die als Moslems aufgewachsen sind, solche wie mich, die mit beiden Religionen gross wurden und welche, die das gar nicht kannten. Hätte es nicht an beiden Fronten die richtigen Leute gehabt, hätte es eskalieren können. Wir hatten da einfach zu viel Zeit.
Xhaka: Ja, wirklich.
Nimeley: Wir hatten 10, 14 Tage ohne Ernstkampf und somit eine Menge Zeit, uns Gedanken zu machen über das alles und sich bei solchen Dingen zu fragen: Was soll der Scheiss? Aber wir haben das alle zusammen hin gekriegt. Das Krisenmanagement von Herr Ryser war 1a.
Xhaka: Kofi hat Recht. Uns da alle in einen Topf rein zu kriegen, das war nicht einfach. Herr Ryser ist menschlich einfach hervorragend.
Nimeley: Er hat etwas aus uns herausgeholt, was manch anderer Trainer nicht geschafft hätte. Es war ein Druck, ohne Angst aufzusetzen. Wenn du nicht gespielt hast, hat er dich auch immer auf die Seite genommen, mit dir geredet. Die Eier dazu musst du als Trainer auch erst mal beweisen. Als er mich gegen Japan auswechselte, hat er mir zwei Tage später alles erklärt. Da konnte ich nur sagen: Für den Typen würde ich sterben.
Xhaka: Aber das hat dich auch ausgezeichnet, dass du so reagiert hast.

Switerland's Ricardo Rodriguez, left, and coach Dany Ryser celebrate their 2-1 over Italy at their U17 World Cup quarter-final soccer match in Ijebu Ode, Nigeria Sunday, Nov. 8, 2009. (KEYSTONE/AP Photo/Sunday Alamba)

Trainer Dany Ryser mit Ricardo Rodriguez. Bild: AP

Die beiden Freunde haben sich weiter entwickelt in diesen zehn Jahren. Xhaka ist mittlerweile in seinem vierten Jahr bei Arsenal, er war Captain, Leistungsträger. Nach dem Eklat mit den Fans ist seine Zukunft ungewiss.

Bei Nimeley hingegen läuft es super. Er arbeitet in einem Immobilien-Büro in Zürich, ist Teamleiter von 35 Leuten. So hat er nach seiner Fussball-Karriere eine neue, weitere Karriere begonnen.

Nebenbei baut er sich ein zweites Standbein auf, kommt langsam zurück in den Fussball. Er ist Teil von «Training 4U football is more», wo Fussballspieler die Möglichkeit bekommen, neben ihren Trainings im Verein zusätzliche Trainings zu absolvieren.

Sprechen wir noch über das Hier und Jetzt. Sie leben komplett konträre Leben. Was hätten Sie gerne vom anderen und was vielleicht nicht?
Xhaka:
Da gäbe es schon einiges.

Schiessen Sie los.
Xhaka:
Zum Beispiel, dass ich im Vergleich zu Kofi in der Öffentlichkeit oft nicht so sein kann, wie ich wirklich bin. Das ist das, was mich am meisten stört. Vor allem vom Verhalten her, kann ich meist nur zu Hause der sein, der ich bin. Im Fussball ist da oft schon viel Show dabei.
Nimeley: «Blender» haben wir früher dazu doch immer gesagt.

Und wie geht es Ihnen, Kofi?
Nimeley:
Was ich auf keinen Fall gerne hätte, ist der Druck, den Granit und alle Sportler haben. Ich habe auch Druck, aber anders. Mein Vorgesetzter schaut mir auf die Finger, sagt aber auch: «Entfalte dich, mache Fehler und lerne draus.» Granit erlaubt sich einmal einen Fehler und muss sich dann zwei Monate anhören, wie schlecht über ihn geredet wird. Das kann man nur überwinden, wenn man einen starken Charakter hat. Daher verstehe ich, dass Leute daran zerbrechen.

epa07853910 Arsenal's Joe Willock (R) celebrates with teammates Granit Xhaka (L) after scoring the opening goal during the UEFA Europa League Group F match between Eintracht Frankfurt and Arsenal FC in Frankfurt Main, Germany, 19 September 2019.  EPA/ARMANDO BABANI

Die Zukunft von Granit Xhaka bei Arsenal ist unklar. Bild: EPA

Und was hätten Sie gerne von Granit?
Nimeley:
Ich gönne ihm alles und bin zufrieden mit meinem Leben. Aber ich hätte gerne noch mehr von seiner Mentalität. Meine Mitarbeiter spüren immer gleich, dass ich angepisst bin, weil ich das nicht verbergen kann. Da bin ich nicht so cool wie er. Aber wenn er es dann einmal zeigt, dann wird es ihm als Fehler ausgelegt. Das verstehe ich gar nicht.

Wie erleben Sie es denn, wenn Granit auch mal angepisst reagiert, wie bei der Auswechslung gegen Crystal Palace?
Nimeley:
Da habe ich auf den Boden gespuckt, sorry. Zwei Tage war mir einfach wirklich schlecht. Ich habe den Match geschaut und sorry, ich werde schon wieder emotional und kriege Gänsehaut – gesehen, was er durch macht auf dem Feld. Wenn ich der Trainer gewesen wäre, wäre ich zu ihm hin und hätte ihm auf die Schulter geklopft. Dass aber kein einziger Mitspieler zu ihm hin gegangen ist … Da verstehe ich die Welt nicht. Wirklich nicht. Das zeigt mir aber auch, wie die Welt im Sport heute ist. Ich habe öffentlich ein Statement gemacht, dass ich hinter im stehe. Mir kann es scheissegal sein, ich habe nichts mehr mit dem Fussball zu tun. Aber ich hätte das auch als aktiver Spieler getan. Um ihm den Rücken zu stärken. Er stand mehr oder weniger alleine da. Wenn alles gut läuft, heisst es «Xhakaboom». Wenn es schlecht läuft, dann ist er der Leidtragende. Damit werde ich nie klarkommen.

Es folgen die Momente im Gespräch, in denen sich auch Granit Xhaka nochmals zu seiner Gefühlslage rund um Arsenal äussert. Es wird deutlich, wie tief getroffen der 27-Jährige ist. Wie er sich insbesondere von seinem Trainer alleine gelassen fühlt. Der Schweizer Fussballverband gab Xhakas Zitate zu seinem Klub nicht frei. Um den Spieler zu schützen. Ob Xhaka indes eine Zukunft hat in London? Es ist schwer vorstellbar. Xhaka fürchtet erneute Pfiffe, sollte er irgendwann wieder für Arsenal spielen. Wahrscheinlicher ist darum, dass für Xhaka schon im Winter ein neues Kapitel beginnt. Zunächst aber will er die Zeit beim Nationalteam geniessen. Die Gedanken über die Zukunft kommen früh genug.

In der Nati und mit deren Fans schöpft Xhaka wieder Energie.

Die Rekordspieler der Schweizer Nati

So emotional waren die Fussballspiele der Schweiz

Play Icon

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

5
Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

3
Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

1
Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

7
Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

3
Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

4
Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

6
Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

10
Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

12
Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

1
Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

3
Link zum Artikel

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

5
Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

3
Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

1
Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

7
Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

3
Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

4
Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

6
Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

10
Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

12
Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

1
Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

3
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Korrekt 15.11.2019 16:06
    Highlight Highlight Tolles Interview aber wie wird man innert 3 Jahren Teamchef von 35 Leuten?
  • chandler 15.11.2019 15:47
    Highlight Highlight Danke, eines der spannendsten und besten Interviews. Hat mich gefesselt :)
  • Trafalgar 15.11.2019 15:09
    Highlight Highlight Tolles interview.
    Es sollte mehr solche geben, um auch mal hinter die Fassade blicken zu können.
    So sieht man, dass die grossen Stars auch nur Menschen sind.

    Auch schön, dass es für Kofi nach dem Fussball so gut weitergeht.
  • zellweger_fussballgott 15.11.2019 13:38
    Highlight Highlight "Das zeigt mir aber auch, wie die Welt im Sport heute ist. Ich habe öffentlich ein Statement gemacht, dass ich hinter im stehe."

    *ihm
    • ManInBlack 15.11.2019 14:20
      Highlight Highlight Echt jetzt? Wo sind wir bloss hingekommen, absolut überflüssige tüpflischisserei aber zum Inhalt das grosse Schweigen!!

      Bezeichnend auch, dass zu diesem sehr guten Artikel bisher genau drei Kommentare geschrieben wurden. Aber gibt halt nichts zu haten, daher uninteressant.

      Vielen Dank auf jeden Fall von mir für das Interview, finds super. Und dass Xhaka ein super Mensch ist, welcher es nicht verdient hat dermassen besch... behandelt zu werden hat er schon mehrfach bewiesen mit sehr vielen schönen und sozialen Aktionen. Keep on going Granit, lass dich nicht stoppen!
  • Mia_san_mia 15.11.2019 11:29
    Highlight Highlight Tolles Interview 👍🏻
  • PlayaGua 15.11.2019 10:38
    Highlight Highlight Tolles Interview und spannenden Einblick. Schön, dass Nimeley eine alternative Karriere gelungen ist. Man sieht auch gut, wie wenig darüber entscheidet, ob es ganz nach oben reicht oder nicht.

    Ein kleiner Kritikpunkt: "...absolviert eine Odyssee durch die Fussballschweiz." Laut Grafik spielte er nach Basel nur für Locarno und die Black Stars, das ist doch keine Odyssee.

«Zuerst sind Frauen dran» – Gegen einen Köbi-Kuhn-Platz regt sich Widerstand

Seit ziemlich genau vierzehn Jahren gibt es an der Döltschihalde in Zürich-Wiedikon einen Platz, der nach Köbi Kuhn benannt ist. Fussballfans und Anwohner hatten nach der dramatischen Qualifikation für die WM 2006 ein entsprechendes Schild angebracht.

Offiziell war die Bezeichnung nie – aber sie könnte es werden. Nach Kuhns Tod Ende November wurde bereits ein politischer Vorstoss eingereicht, mit dem sich die Stadt Zürich nun befasst.

«Stadtpräsidentin Corine Mauch hat sich öffentlich bereits …

Artikel lesen
Link zum Artikel