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Der neue Besitzer des EHC Kloten Hans-Ulrich Lehmann spricht an der Medienkonferenz, aufgenommen am Montag, 2. Mai 2016, in Glattfelden. Der Zuercher Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann hat sich mit den bisherigen Eigentuemern des Traditionsklubs, der nordamerikanischen Gruppe

Kloten-Präsident Hans-Ulrich Lehmann würde den EHC noch einmal retten. Bild: KEYSTONE

Interview

Kloten-Retter Lehmann: «Wir investieren den Santala-Erlös, aber keinen Franken mehr»

Im weniger relevanten Cup spielt der Finalist EHC Kloten um die Trophäe, im Liga-Kerngeschäft hingegen akzentuieren sich die Probleme. Patron Hans-Ulrich Lehmann äussert sich über Risiken und Nebenwirkungen.



Seit dem letzten Frühling ist Hans-Ulrich Lehmann Klubchef und Hauptaktionär beim EHC Kloten. Vor dem Derby-Heimspiel am Samstag gegen die ZSC Lions spricht der Unternehmer im Interview mit der Nachrichtenagentur sda über seinen rigiden Sparkurs und steckt den begrenzten Spielraum der Zürcher klar ab. Die sportlichen Risiken sind dem Unternehmer bewusst, seinen kompromisslosen Weg hält der Präsident gleichwohl für alternativlos.

Herr Lehmann, Sie sagten unlängst in der NZZ, Siege würden dem Team gehören, für (Meisterschafts-)Niederlagen müssten die Entscheidungsträger ihren Kopf hinhalten.
Hans-Ulrich Lehmann: So ist es! Wenn die Ergebnisse in der Meisterschaft nicht so ausfallen, wie man sich das wünscht, muss man als Chef Stellung beziehen. Das ist bekannter Part of the Game.

Der neue Besitzer des EHC Kloten Hans-Ulrich Lehmann an der Medienkonferenz, aufgenommen am Montag, 2. Mai 2016, in Glattfelden. Der Zuercher Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann hat sich mit den bisherigen Eigentuemern des Traditionsklubs, der nordamerikanischen Gruppe

Lehmann und sein EHC Kloten befinden sich noch längst nicht im grünen Bereich. Bild: KEYSTONE

Halten Sie es denn inzwischen für angebracht, etwas zu unternehmen? In der Liga hat die Mannschaft achtmal in Folge verloren und ist auf einen Playout-Platz abgesackt.
Es gibt keinen Grund für überstürzte Handlungen. Das Team ist intakt, das Engagement stimmte. Der Alltag wird von einem unglaublichen Verletzungspech beeinträchtigt. Aber so funktioniert nun mal der Sport – steuerbar ist in diesem Bereich nichts. Zurzeit machen wir eine Baisse durch. Es gehört dazu, solche Probleme gemeinsam auszuhalten.

Aber Sie schauen kaum tatenlos zu?
Natürlich sind wir permanent daran, dem Team auf irgendeine Weise zu helfen. Selbstverständlich nur im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Die Kostenkontrolle steht bei Ihrer Strategie über allem.
Ich habe immer wieder betont, dass die wirtschaftliche Zukunft des Vereins Priorität hat. Die sportliche Entwicklung haben wir so zu akzeptieren, wie sie ist. Von diesem Prinzip rücken wir in Kloten unter meiner Führung nicht mehr ab.

Sie sind nicht angetreten, um am Ende des Geschäftsjahres weitere finanzielle Unebenheiten zu begleichen?
Als Hauptaktionär bin ich ja gezwungen, die Rechnung zu übernehmen. Eine Punktlandung ist schwierig. Aber klar ist, dass ich nicht Millionen einschiessen werde.

Goutieren die Anhänger Ihre strikte Haltung?
Fans wollen Sieger sehen, keine Frage. Und Kloten hat jahrelang um Titel gespielt. Dem ist nicht mehr so. Erreichen wir die Playoffs, haben wir die Zielvorgaben erfüllt, weil unser Budget schlicht und einfach begrenzt ist. Es braucht womöglich eine gewisse Zeit, bis die Leute realisieren, dass der Klub seine Linie kompromisslos durchzieht. Ob die Zuschauer diese Haltung goutieren? Wir haben gar keine andere Möglichkeit. Würden wir wieder die alten Schuldenlöcher aufreissen, gäbe es hier bald kein NLA-Hockey mehr zu sehen.

ARCHIV - ZUR MELDUNG DASS TOMMI SANTALA DEN EHC KLOTEN PER SOFORT VERLAESST, STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Kloten's Tommi Santala, of Finland, waits on the bench, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EHC Kloten Flyers, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, January 26, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Der Abgang von Tommi Santala hat Präsident Lehmann enttäuscht. Bild: KEYSTONE

Ihre Meinung ist nicht vom Tabellenstand abhängig?
Es gibt gar keinen Spielraum. Klar investieren wir das Geld, das durch den Transfer von Santala (der Finne wechselte vor der Weihnachtspause zu Magnitogorsk) frei geworden ist – aber keinen Franken mehr, Punkt. Jeder in Kloten kennt meinen Ansatz.

Welche Bilanz ziehen Sie acht Monate nach Ihrem Einstieg in finanzieller Hinsicht? Wie stabil ist der EHC?
Wir haben die Kosten im Griff. Das Budget von 20 Millionen innerhalb einer Saison um 30 Prozent zu kürzen, ohne dabei die ganze Mannschaft zu verlieren, war eine Herkules-Leistung. Bei den Zuschauerzahlen stehen wir besser da als im Vorjahr, aber noch immer weniger gut als budgetiert.

Mit einem Kollateralschaden wie im Vorjahr ist also so oder so nicht mehr zu rechnen?
Vielleicht machen wir mal eine Million Verlust oder eine halbe Gewinn, rote Zahlen in Millionenhöhe wird und darf es nie mehr geben.

Nochmals zurück zum Fall Tommi Santala – befürchten Sie angesichts der im Sommer beschlossenen Lohnsenkungen, dass im Frühling weitere Spieler aus ökonomischen Gründen auf einen Klubwechsel pochen werden?
Bei Santala wäre die Zusammenarbeit ausgelaufen, andere Spieler haben einen rechtsgültigen Vertrag. Ich war bei ihm enttäuscht, weil wir kurz vorher noch verhandelt hatten. Aber wenn ein Spieler einer Verlockung nicht widerstehen kann, ist das bis zu einem gewissen Grad sogar nachvollziehbar. Wir bieten nicht mit und legen einem Spieler keine Steine in den Weg, wenn er in Russland drei- bis viermal mehr verdienen kann. In Kloten wird niemand vergoldet.

A TV man films during the ice hockey Champions League match 1/8 Final between HC Fribourg-Gotteron and KalPa Kuopio of Finland, in Fribourg, Switzerland, Tuesday, November 8, 2016. (KEYSTONE/Thomas Hodel)

Kloten kann trotz des neuen TV-Deals nicht plötzlich viel mehr investieren. Bild: KEYSTONE

Sie befürchten also keine Transferwelle in den nächsten Monaten?
Nein, die Mannschaft für die nächste Saison steht bis auf die Ausländerpositionen. Dass wir einen Shore und wohl auch Sanguinetti verlieren, zeichnet sich ab. Die beiden haben voll eingeschlagen. Bei uns werden sie zwar fair entschädigt, wenn sie künftig an einem Ort mehr verdienen können, mag ich ihnen die Lohnerhöhung gönnen und werde sie sicher nicht aufhalten.

Die Geldmenge im Schweizer Eishockey ist ab nächster Saison dank einem neuen lukrativen TV-Deal markant höher. Die einen Klubs senken dank der Finanzspritze ihre Defizite, andere legen den Spielern höher dotierte Lohnofferten vor. Erwarten Sie einen sehr volatilen Markt?
Es wird mehr TV-Geld im Umlauf sein. Aber die Hälfte der Klubs darbt ohnehin. Nicht nur für Kloten gilt die Devise ‹Rückkehr zur Vernunft›, auch andere Führungscrews denken ähnlich. Ich glaube nicht, dass plötzlich viel mehr investiert wird.

Sie versuchen, neue Quellen anzuzapfen. Das Catering ist in Kloten neu eine Inhouse-Angelegenheit. Was versprechen Sie sich davon?
Eine hohe sechs-, im besten Fall sogar siebenstellige Summe. Für uns ist das Catering ein ganz wichtiges Puzzle-Teil im wirtschaftlichen Gesamtkontext. Es geht auch um die Identifikation. Der Ertrag für Wurst, Brot und Bier soll in die Klubkasse fliessen – wir bringen den Kunden ja schliesslich ins Stadion. Neben dem Sponsoring und den TV-Einnahmen ist der Gastro-Bereich eine wesentliche Säule der Ertragsseite.

Inzwischen verfügen Sie über ausreichende Detailkenntnisse und Erfahrungswerte und können die Substanz Klotens einschätzen – ist Spitzenhockey unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch langfristig möglich?
Es ist möglich, ja, allerdings ohne die Ambition, um den Titel mitspielen zu wollen. Wir gehen mit einem relativ schmalen Kader Risiken ein, bieten indes den Junioren eine relativ gute Möglichkeit, auf höchster Ebene einsteigen zu können. Ein solcher Plan braucht Mut, ich hoffe er geht auf.

Die Eishockeyspieler Felix Hollenstein, rechts, und Roman Waeger des EHC Kloten feiern am 1. April 1995 im Stadion Schluefweg in Kloten, Schweiz, den Sieg der Eishockey Meisterschaft. (KEYSTONE/Str)

So bald wird in Kloten wohl keine Meistertrophäe mehr in die Höhe gestemmt. Bild: KEYSTONE

Würden Sie sich mit Ihrem heutigen Wissensstand noch einmal auf ein vergleichbares Projekt einlassen? Oder anders gefragt: War es richtig, den maroden Verein zu übernehmen?
Ich würde es wieder machen, ich erlebe sehr viel positive Emotionen. Und mich hat angenehm überrascht, wie viel menschliche Substanz in diesem Klub steckt. Intern haben alle sehr schnell begriffen, was auf dem Spiel steht, die Solidarität innerhalb des Teams hat mich tief beeindruckt.

Welche Vision verbinden Sie mit dem redimensionierten Kloten-Modell?
Eine Vision wäre, in zwei, drei Jahren den Klub für weitere Aktionäre zu öffnen und nachhaltig zu funktionieren. Eine Basis zu schaffen, die es ermöglicht, den Leuten in der Region Top-Hockey anzubieten, muss das pragmatische Ziel sein. (pre/sda)

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